Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Herrschaftssitz Hünenburg – Die Außensiedlung

Immo Heske, Die Hünenburg-Außensiedlung bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt. Funde und Befunde der Ausgrabungen 2005 bis 2010. Mit Beiträgen von Silke Grefen-Peters zur osteologischen Auswertung des Fundmaterials. Hünenburg-Forschungen 2. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 34. Wachholtz Verlag, Neumünster/ Hamburg 2016. 398 Seiten mit teilweise farbigen Abbildungen sowie 72 Tafeln und 6 Beilagen, Leinen. ISBN: 978-3-529-01534-2, 50,- €

Nachdem im Jahr 2006 die Sammlungsfunde und die archäologischen Ausgrabungen auf der Befestigung der Hünenburg mit Band 29 der Göttinger Schriften vorgelegt worden sind, hat sich das Bild dieses Fundplatzes deutlich gewandelt. Damals war nur in Ansätzen zu erahnen, welches Potential in diesem Fundplatz steckt. Mit den Forschungsprojekten ab dem Jahr 2005 konnte für Mitteleuropa die erste bronzezeitliche Befestigung mit Außensiedlung an eben diesem Fundplatz nachgewiesen werden. Das Fundgut auf jungbronze- und früheisenzeitlichen Siedlungen ist besonders umfangreich und lässt sich allein was die Keramikfunde umfasst nach Tonnen beziffern. Mit dem nun vorliegenden Band wird das Fundmaterial aus zwei ausgewählten, sehr materialreichen Grabungsflächen vollständig vorgelegt. Die Bronzen, Knochen- und Steingeräte, Gießformen und die Keramik verdeutlichen alltägliche Tätigkeiten aber auch die Kontakte in die weitere bronzezeitliche Welt. Die beigelegten Grafiken geben darüber hinaus einen Einblick in das Befundspektrum und deren Erhaltung. Einführende Kapitel zur Zielsetzung und Methodik der Grabungen führen in den Fundplatz ein, an die sich eine Bewertung des Fundplatzes auf dem erreichten Forschungsstand anschließt.    

Mit den anthropologischen Untersuchung der in den Siedlungsgruben gefundenen menschlichen Skelett-reste sowie der archäozoologischen Untersuchung der Tierbestattungen und -deponierungen sind für eine jungbronzezeitliche Siedlung gleichzeitig erstmals detaillierte Aussagen zum Bestattungsverhalten und zu den Tieropfern innerhalb eines ausgedehnten Siedlungsareals möglich. Die farbigen Abbildungen in diesen Befundkatalogen lassen die perimortalen Frakturierungen, intravitalen Verletzungen und postmortalen Verlagerungsprozesse nachvollziehbar werden.

Für den Herrschaftssitz der jungbronzezeitlichen Hünenburg bei Watenstedt wird nur kurze Zeit nach den großflächigen Ausgrabungen damit ein erheblicher Anteil des Fundmaterials aus der Außensiedlung vorgelegt. Für die Bewertung des Fundplatzes im europäischen Kontext ist damit eine erste tragfähige Basis erreicht.