Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Stück für Stück ins Grab – Abschied vor 4000 Jahren

10. März 2017 bis 15. Oktober 2017, Freitag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr. Auf Anfrage öffnet das Museum für Gruppen auch außerhalb dieser Öffnungszeiten: Tel. (0531) 1225 2424, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Braunschweigisches Landesmuseum, Archäologisches Museum, Kanzleistraße 3, 38300 Wolfenbüttel, Tel. (05331) 85 86 99 0, Eintritt: Erwachsene 4 €, ermäßigt 3 €, Kinder (6-17 Jahre) 2 €, Kinder bis 5 Jahre: freier Eintritt

Der Tagebau Schöningen ist immer für eine archäologische Sensation gut, wie die international für Aufsehen sorgenden „Schöninger Speere“. Doch sie sind keineswegs die einzigen herausragenden Funde von dort: Im Dezember 2000 wurde dort das einzige bisher bekannte Gräberfeld der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur in Niedersachsen entdeckt. In fünf Gräbern fanden sich zwei Frauen und drei Männer, die teilweise durch einen robusten, athletischen Körperbau auffielen.

Die Glockenbecherkultur, benannt nach der Form der typischen Beigabengefäße, ist ein gesamteuropäisches Phänomen aber ihr Vorkommen beschränkt sich auf kleine, inselartig voneinander getrennte Siedlungsgebiete, darunter auch das Braunschweiger Land.

Nach dem Tod folgt die Beerdigung und dann die ewige Ruhe… lange hat die archäologische Forschung auch für die Epoche der Jungsteinzeit daran nicht gezweifelt. Ausnahmen von dieser Regel wurden stets als Sonderfälle betrachtet. Erst jüngst ist vermehrt zu sogenannten mehrphasigen Bestattungen geforscht worden – also solchen, bei denen die Körper der Verstorbenen zahlreiche andere Praktiken erfuhren, bevor sie schlussendlich in die Erde gelangten. Dabei zeigt sich, dass es meist kleinste Spuren und Befunde sind, die zeigen, dass das archäologisch dokumentierte Grab nur die Endstation eines längeren Totenrituals war. Die Grabfunde aus Schöningen haben nun erstmals auch für die jungsteinzeitliche Glockenbecherkultur entsprechende Beobachtungen ermöglicht: Während die Knochen eines Toten Spuren massiver Gewalteinwirkung auf den Körper schon zu Lebzeiten aufweisen, trägt ein anderes Skelett eindeutige Spuren von Manipulationen am Leichnam lange nach dem Tod des Individuums (S. Grefen-Peters AiN17, 2014, 35-39; I. Heske/ S. Grefen-Peters AiN 15, 2012, 104-107).

Studierende des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen haben im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Braunschweigischen Landesmuseum eine Studioausstellung erarbeitet, die diese spannenden Befunde vorstellt. Neben originalen Funden aus Schöningen und Objekten aus Einzelgräbern dieser Epoche aus dem Braunschweiger Land bilden zwei rekonstruierte Bestattungen das Highlight der Ausstellung. Anhand dieser beiden Protagonisten können Besucher in die religiöse Welt vor 4000 Jahren eintauchen.