Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Bodo Zehm im („Un-“) Ruhestand

Der Leiter der Osnabrücker Stadt- und Kreisarchäologie Bodo Zehm ist am 31. Mai 2017 mit Erreichen der Altersgrenze aus dem regulären Dienst ausgeschieden. Seit dem 1. Januar 2003 führte er die gemeinsam von Stadt und Landkreis Osnabrück betriebene archäologische Denkmalfachbehörde für das Osnabrücker Land.

Bodo Zehm wurde 1951 in Engter – heute ein Ortsteil von Bramsche – im Landkreis Osnabrück geboren und verbrachte die letzten Jahre seiner Schulzeit bis zum Abitur in Wolfenbüttel. Schon für das Studium in seine Heimatregion nach Osnabrück zurückgekehrt, war er hier von 1978 bis 1981 als Museumspädagoge am Kulturgeschichtlichen Museum beschäftigt. Im Anschluss begann er seine Tätigkeit in der Stadt- und Kreisarchäologie zunächst als Grabungsfotograf bei der Ausgrabung eines mehrperiodigen Fundplatzes in Achmer, um dann während zahlreicher weiterer Grabungsmaßnahmen, z. B. vor der Osnabrücker Marienkirche und dem Rathaus anlässlich der Neugestaltung des Marktplatzes und auf der eisenzeitlichen Schnippenburg bei Ostercappeln, seine Praxiserfahrung weiter zu vertiefen. Seit 1986 leitete er unterschiedliche Grabungen und Projekte in Stadt und Landkreis Osnabrück. Zu nennen sind dabei das von der Volkswagenstiftung geförderte Forschungsprojekt „Eschprospektion“ im Osnabrücker Land mit Untersuchungen vor allem in Altenhagen, Engter und Oldendorf oder Ausgrabungen vor dem Osnabrücker Dominikanerkloster und auf dem jungbronze- bis früheisenzeitlichen Brandgräberfeld auf dem Bornhügel in Gretesch. Ab 1992 war er als stellvertretender Fachdienstleiter in verantwortlicher Position wesentlich an der Entwicklung der Dienststelle hin zu einer leistungsfähigen Archäologischen Denkmalpflege, die den sich kontinuierlich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen vermag, beteiligt. In diese Zeit fallen Ausgrabungen im Umfeld des Osnabrücker Doms, an der verschütteten Bogenbrücke der ehemaligen Stadtbefestigung Osnabrücks vor dem Heger Tor oder im Bereich der früh- bis hochmittelalterlichen Siedlung in Glane-Visbeck und nicht zuletzt Ausstellungsvorhaben wie „Burgen und Befestigungen – 25 Jahre Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück“, die er als Kurator betreute. Nach seiner Berufung zum Leiter des Fachdienstes Archäologische Denkmalpflege als Nachfolger Wolfgang Schlüters zu Beginn des Jahres 2003 hat Bodo Zehm es mit seiner engagierten Arbeit und großem Ideenreichtum immer wieder verstanden, die Kommunalarchäologie voranzubringen. Unter seiner Ägide fand z. B. das groß angelegte Forschungsvorhaben zur Schnippenburg bei Ostercappeln den geeigneten Nährboden, um sich erfolgreich entfalten zu können. Jüngst konnte er noch in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege die Auswertungsarbeiten zum viel beachteten jungsteinzeitlichen „Kupferschatz von Osnabrück-Lüstringen“ anschieben. Dass er bereits sehr frühzeitig darauf bedacht war, Metallsondengänger auf der Basis gegenseitigen Vertrauens als unverzichtbare Kooperationspartner in die Denkmalpflege mit einzubinden, sei gerade in diesem Zusammenhang erwähnt.

Stetes Anliegen war ihm immer die verständliche Vermittlung fachlicher Inhalte gegenüber der Öffentlichkeit, was zuletzt in den Jahren 2014 und 2015 mit der virtuellen Erschließung von Landschaft als Ausstellungsraum im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und den regionalen Sparkassen geförderten Kooperationsvorhabens „Magische Orte entdecken“ eindrucksvoll gelungen ist. Etliche Publikationen legen überdies weiteres Zeugnis dieser Einstellung ab. Seine intensive Netzwerk- und Projektarbeit hat darüber hinaus dazu beigetragen, Osnabrück und das Osnabrücker Land nach außen zu profilieren und wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung einer regionalen Identität zu geben.

Auch im Ruhestand will Bodo Zehm unserem Fachgebiet weiter aktiv verbunden bleiben. Mit seiner Bestellung als Geschäftsführer des europäischen Kulturroutenprojektes „Megalithic Routes“, das seit 2012 auf der von ihm 2005 initiierten westniedersächsischen touristischen „Straße der Megalithkultur“ fußt, sind dafür bereits die Weichen gestellt.