Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Ostfriesland. Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedlung

Karl-Ernst Behre, Ostfriesland. Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedlung. Wilhelmshaven 2014, 332 Seiten mit 320 farbigen Abb. sowie drei Faltkarten, Druckgesellschaft Brune-Mettcker, ISBN 978-3-941929-09-8, 27,80 €.

Die Gletscher aus dem Norden brachten das Material, aus dem die Geest Ostfrieslands geschaffen wurde. Über sehr lange Zeit wurden diese Böden ausgelaugt und verarmten. Die spätere Übernutzung dieser Gebiete führte seit dem Mittelalter zu einer gewaltigen Umweltzerstörung: Die Wälder verschwanden und Heiden breiteten sich aus, die in den letzten 200 Jahren wiederum kultiviert und z.T. wieder bewaldet wurden. Ihnen gegenüber stehen die fruchtbaren Marschen, die von der Nordsee abgelagert worden sind. Ihre Besiedlung war von den Schwankungen des Meeresspiegels abhängig; es gab ein mehrfaches Hin und Zurück, bis der Deichbau einsetzte. Doch die Deiche konnten das Wasser nur zeitweise aufhalten und im Mittelalter brachen große Buchten ein. Über Jahrhunderte dauerte der Kampf mit der Nordsee, bis die Deiche endgültig sicher waren. Erst spät in der Nacheiszeit entstanden die riesigen Hochmoore, die die dort stockenden Wälder erstickten. Lange blieben sie siedlungsfeindlich, sie stellten Verkehrshindernisse dar. Erst im 17. Jahrhundert setzte die Erschließung der Moore ein, wobei die dabei entstandenen langen Fehnsiedlungen in Deutschland einzigartig sind. Nachdem inzwischen auch die letzten Hochmoorflächen der Weißtorfgewinnung zum Opfer gefallen sind, gibt es von diesen Moorlandschaften nur noch kümmerliche Reste. Besondere Siedlungsräume sind die ostfriesischen Inseln, die als reine Schwemmsandkörper keine festen Umrisse hatten. Sie wanderten, teilten und veränderten sich vielfach, bis sie schließlich unter großen Kosten durch massive Buhnenbauten festgelegt wurden.

Die Geschichte der Besiedlung Ostfrieslands ist vielfältig: anfangs waren es nur wenige Jäger, Sammler, Fischer bis in der Jungsteinzeit die ersten Bauernkulturen kamen. Jetzt wurden die Menschen sesshaft: Sie betrieben Ackerbau und Viehhaltung. Damit griffen sie aktiv in die Landschaft ein, die sich von jetzt an zur Kulturlandschaft entwickelte. Nach der Völkerwanderungszeit setzte eine neue Besiedlungswelle ein. Jetzt wurden viele der heutigen Geestdörfer gegründet und in der Marsch wurden verlassene Wurten wieder besetzt und zahlreiche neue gebaut. Starke Veränderungen der Landschaft bewirkte das Urbarmachungsedikt, das Friedrich der Große erließ, nachdem Ostfriesland 1744 an Preußen gekommen war. Jetzt wurden die Ödlandgebiete im Moor und auf der Geest systematisch besiedelt, doch die dortigen Lebensbedingungen blieben sehr schwierig. Ein besonderes Kapitel ist den früheren Verkehrsverhältnissen gewidmet. Viel stärker als in anderen deutschen Landschaften erfolgte der Verkehr auf den Wasserwegen. Dabei spielten besonders die Sielhäfen eine Rolle, denn hier lief der Binnenverkehr auf den Tiefs zusammen und hatte mit den seewärtigen Prielen Anschluss an den Seehandel.

Der Autor war langjähriger Leiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven. Als Vegetationsgeschichtler und Archäobotaniker hatte er während seiner Erforschung des niedersächsischen Küstenraumes stets auch besonders die Archäologie der Küsten und die historischen Disziplinen im Blick gehabt.