Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Untersuchungen zur Entwicklung und Struktur der frühgeschichtlichen Siedlung Flögeln im Elbe-Weser-Dreieck

Daniel Dübner, Untersuchungen zur Entwicklung und Struktur der frühgeschichtlichen Siedlung Flögeln im Elbe-Weser-Dreieck. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet (SLSN) 6. Rahden/Westf. 2015. ISBN 978-3-86757-336-8, 49,80 €.

Die kaiser- und völkerwanderungszeitliche Siedlung von Flögeln-Eekhöltjen auf der niedersächsischen Geest im Landkreis Cuxhaven wurde in den Jahren 1971–1985 durch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung auf einer Fläche von 11,5 ha nahezu vollständig ausgegraben. Sie ist bis heute eine der am umfassendsten untersuchten frühgeschichtlichen Siedlungen in Deutschland. Nach der Vorlage der Baubefunde durch den Ausgräber W. H. Zimmermann 1992 folgt nun die Rekonstruktion der Bebauungsabfolge und die Auswertung der Siedlungsstrukturen. Dafür wurden die zahlreichen stratigraphischen Überschneidungen und sonstigen relativchronologisch verwertbaren Befundbeobachtungen analysiert, zum Teil mit Hilfe des speziell für solche Zwecke entwickelten Programms Tempo. Unter Einbeziehung der von D. Nösler erarbeiteten Keramikdatierungen konnten auf diese Weise 17 Bebauungsphasen ermittelt werden, die einen Zeitraum vom 1. bis zum 6. Jh. n.  Chr. umfassen. Darauf aufbauend wurden Entwicklung und Struktur der Siedlung und ihrer Gehöfte im Kontext überregionaler Entwicklungstendenzen untersucht. Aus einer vorangehenden Streubesiedlung entwickelte sich in Flögeln im späten 1. Jh. n. Chr. ein vergleichsweise großes, kompaktes Dorf mit umzäunten, über mehrere Generationen standortfesten Gehöften. In der Völkerwanderungszeit wurde die Siedlungsstruktur wieder offener und unsteter. Während für die kaiserzeitliche Siedlung egalitär organisierte Mehrbetriebsgehöfte charakteristisch sind, lassen sich im 5. Jh. n. Chr. Anzeichen sozialer Differenzierung innerhalb einiger Gehöfte ausmachen. Ob aber die Gehöftumzäunungen als Grundstücksgrenzen im eigentumsrechtlichen Sinne betrachtet werden können, muss bezweifelt werden. Hinsichtlich der Siedlungsstruktur ist Flögeln in einem nordwestdeutsch-niederländischen Kreis zu verorten, dem ein dänischer und ein nordostdeutscher Kreis gegenübergestellt werden können.