Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Veränderungen am NIhK Wilhelmshaven - Ein Abschied und neue Gesichter für neue Aufgaben

Dr. Erwin Strahl verabschiedet sich in den Ruhestand

Am 1.8.2015 ist der langjährige Leiter des Referats Marschenarchäologie des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (NIhK), Dr. Erwin Strahl (Jahrgang 1950), in den Ruhestand versetzt worden.

Schon als Jugendlicher nahm er an verschiedenen archäologischen Grabungen teil, studierte aber zunächst an der Universität Hannover Germanistik, Geschichte und Politologie für das höhere Lehramt. Bald nach der Zwischenprüfung entschied er sich jedoch für die Archäologie und nahm eine Tätigkeit als Ausgrabungstechniker am Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin auf. 1975 entschied er sich endgültig zum Archäologiestudium an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, wo er die Fächer Vor- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie und Kunstgeschichte belegte. Nach seinem Abschluss 1980 begann er direkt im Anschluss seine umfangreiche Dissertation zum Thema „Endneolithikum und Frühe Bronzezeit im Gebiet zwischen Weser und Elbe“, die er 1987 erfolgreich abschließen konnte. Danach war er im „Europäischen Kulturpark Bliesbrücken – Reinheim“ tätig,bis er schließlich 1993 an das NIhK nach Wilhelmshaven wechselte. Während seiner Tätigkeit am NIhK war er an zahlreichen Forschungen des Instituts beteiligt; insbesondere die archäologischen Untersuchungen der Fundstelle Bentumersiel, Ldkr. Leer, dem bronzezeitlichen Siedlungsplatz Rodenkirchen, Ldkr. Wesermarsch, und der Wurten des Wangerlandes, Ldkr. Friesland, bildeten viele Jahre Schwerpunkte seiner Arbeit als wissenschaftlicher Oberrat und bezeugen seine breitgefächerten Interessen. Mit besonderer Freude, Engagement und großer Sorgfalt hat Dr. Strahl zudem die wissenschaftliche Redaktion des NIhK geleitet und war auf diese Weise maßgeblich am Erscheinen der Bände 19 bis 32 der traditionsreichen Schriftenreihe Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (PdK) und den Bänden 33 bis 37 der nachfolgenden Zeitschrift Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (SKN) sowie an den Bänden 1-6 der Monographienreihe Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet (SLSN) beteiligt. Auch in der Archäologischen Kommission für Niedersachsen war er ein gern gesehenes und engagiertes Mitglied, in dessen Hauptausschuss er von 2000 bis 2016 als zugewähltes Mitglied tätig war.

Dr. Annette Siegmüller übernimmt das Referat Marschen und Landschaftsarchäologie und die wissenschaftliche Redaktion

Seit dem 01.08.2015 hat Dr. Annette Siegmüller M.A., die Nachfolge von Dr. Erwin Strahl als Leiterin der wissenschaftlichen Redaktion des NIhK übernommen. Seither trägt sie auch die Verantwortung für die traditionsreiche Marschenarchäologie, die nun gemeinsam mit dem Bereich Landschaftsarchäologie im neu zugeschnittenen Referat Marschen- und Landschaftsarchäologie untergebracht ist. Dr. Annette Siegmüller hat bis 2003 Vor- und Frühgeschichte, Bodenkunde und Klassische Archäologie an der Universität Hamburg studiert und nach ihrem Magisterabschluss zahlreiche Grabungsleitungen in Bayern, Bremen und Sachsen innegehabt. Darüber hinaus hat sie bodenkundliche Untersuchungen in Niedersachsen und Bayern an Fundplätzen unterschiedlicher Zeitstellung durchgeführt, bevor sie 2004 an das NIhK Wilhelmshaven gekommen ist. Hier war sie seither in unterschiedlichen Projekten und Funktionen tätig. Besondere Erwähnung verdient ihre eingehende Analyse der Altgrabung an der mittelalterlichen Wurt Hessens (Wilhelmshaven), durch die es ihr gelang, zahlreiche neue Erkenntnisse zum Siedlungsgefüge auf Wurten und zum Hausbau sowie zur Schafhaltung und Textilproduktion im frühmittelalterlichen Küstenraum zu gewinnen. Die vielfältigen Ergebnisse dieser durch das MWK geförderten Forschungen hat Frau Dr. Siegmüller 2008 an der Universität Hamburg als Dissertation vorgelegt und 2010 in der SLSN-Reihe des NIhK veröffentlicht. In den Folgejahren hat sich Dr. Siegmüller vor allem mit landschaftsgenetischen Fragestellungen und den Kommunikations-, Austausch- und Transportsystemen sowie den Siedlungsstrukturen des 1. Jahrtausends n.Chr. im nordwestdeutschen Küstenraum beschäftigt. Insbesondere ihre Arbeiten in den von der DFG geförderten Projekten „Landeplätze und Ufermärkte an Weser und Ems“ und die „Siedlungskammer Dunum, Ldkr. Wittmund“ haben auch überregional viel Beachtung gefunden. Jenseits ihrer Projektarbeit konnte Dr. Siegmüller seit 2012 als Leiterin des damals am NIhK neu eingerichteten Referats Landschaftsarchäologie neue methodische Ansätze erarbeiten und in der Praxis umsetzen. Mit der Übernahme des Referats Marschen- und Landschaftsarchäologie hat Dr. Siegmüller somit im August 2015 kein Neuland betreten; vielmehr kann sie ihre Forschungen nun fortsetzen und intensivieren. Zu ihren weiteren Aufgaben gehört die Organisation der wissenschaftliche Redaktion und die Etablierung des für die Qualitätssicherung der Zeitschrift SKN und der Schriftenreihe SLSN neu eingeführten peer-review-Verfahrens.

Dipl.-Prähist. Moritz Mennenga leitet das Referat Grabungstechnik und Geoinformatik

Die gestiegenen EDV-Anforderungen im Bereich Grabungsdokumentation, -verwaltung und –auswertung wurden infolge des verstärkten Einsatzes digitaler Medien und der wachsenden Zahl von Prospektions- und Ausgrabungsprojekten zum Anlass genommen, zum 01.01.2015 am NIhK ein neues Referat einzurichten, dessen Aufgabe es ist, in Kooperation mit den jeweiligen in den Projekten beschäftigten Mitarbeitern die für die Ausgrabungen optimale wissenschaftliche und grabungstechnische Methodik und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Für die Leitung des Referats Grabungstechnik und Geoinformatik wurde eine Persönlichkeit gesucht, die nicht nur über umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich moderner Grabungstechnik verfügt, sondern zugleich auch in der Lage ist, IT-basierte Konzepte für das Datenmanagement und die statistische Auswertung dieser Informationen zu entwickeln. Für die Leitung dieses Referats konnte Dipl.-Prähist. Moritz Mennenga (Jahrgang 1985) gewonnen werden, der bereits seit 2011 am NIhK als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-geförderten Projekt „Trichterbecherkultur-Nordwestdeutschland“ beschäftigt ist. Moritz Mennenga hat von 2006 bis 2011 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie und Informatik studiert und verfügt über ausgezeichnete Kenntnisse der Bereiche GIS, Geostatistik und Datenbanken. Als Verfechter des open-source Gedankens ist er an der Entwicklung von in der Archäologie einsetzbarer, frei zugänglicher Software und standardisierter Aufnahmesysteme und Datenbanken beteiligt, die zukünftig die vergleichende Auswertung großer Datenmengen ermöglichen sollen.

Dr. Martin Segschneider übernimmt das Referat Küsten- und Meeresarchäologie

In den vergangenen Jahren hat sich das NIhK verstärkt in der nationalen und europäischen maritimen Forschung engagiert. Die Beteiligung des NIhK an SINCOS,SPLASHCOS, Fehmarnbelt- und Wattenmeerprojekt haben das große Erkenntnispotenzial dieser Forschungen aufzeigen können und zu der Überzeugung geführt, dass sich das Institut mit seiner interdisziplinären Ausrichtung zukünftig verstärkt in diesem Bereich engagieren sollte. Besondere Bedeutung wird dabei dem zum 01.09.2015 neu eingerichteten Referat Küsten- und Meeresarchäologie zukommen, dessen Leitung Dr. Martin Segschneider als wissenschaftlicher Rat übernommen hat. Die Beantwortung maritimarchäologischer Fragestellungen beschäftigt den 1966 geborenen und auf der Insel Amrum aufgewachsen Dr.

Segschneider bereits seit vielen Jahren. Er hat von 1989 bis 1994 Ur- und Frühgeschichte, Botanik und Zoologie studiert und kann somit als Grenzgänger zwischen Natur- und Kulturwissenschaften bezeichnet werden. Nachdem er von 1995 bis 2002 zahlreiche Ausgrabungen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Dänemark geleitet und von 2002 bis 2004 in Mecklenburg-Vorpommern die Ausgrabungen entlang der Ostseeautobahn A20 koordiniert hatte, legte er 2004 seine Dissertation über die Besiedlungsgeschichte der Marschen der Insel Föhr und der Wiedingharde, Kreis Nordfriesland, an der Universität Kiel vor und wurde damit promoviert. Im Anschluss übernahm er die Leitung des Dezernats frühgeschichtliche Siedlungen am Landesamt für Bodendenkmalpflege in Schwerin. 2006 wechselte an das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein nach Schleswig, wo er bis zu seinem Wechsel an das NIhK als Dezernent u.a. für die archäologische Denkmalpflege auf den nordfriesischen Inseln, auf der Insel Helgoland, aber auch in der Nord- und Ostsee zuständig war. Neben seinen Arbeiten in der Bodendenkmalpflege hat Dr. Segschneider gemeinsam mit Partnern drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte wie das von der Ferring-Stiftung unterstützte Projekt „Burgenforschung auf den Nordfriesischen Inseln“ oder das DFG geförderte Projekt „Nordseehäfen“ initiiert und durchgeführt.