Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Doppelter Luxus in Wolfenbüttel und Braunschweig

„Luxus in Scherben“ - Von der Teetasse zur Toilettenschüssel

5. April bis zum 3. Juli 2011

Braunschweigisches Landesmuseum (Vieweghaus) Burgplatz 1, 38100 Braunschweig Tel.: 0531/1215-0 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Homepage: www.landesmuseum-braunschweig.de Di.–So. 10:00–17:00; Do. 10:00–20:00; Mo. geschl.

„Luxus in Scherben. Fürstenberger und Meißener Porzellan aus Grabungen“ lautet das Thema einer ungewöhnlichen Ausstellung. Der Schwerpunkt der Schau mit rund 600 Objekten, die zum Teil erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt werden, liegt auf der Präsentation bürgerlichen Alltagsporzellans des 17./18. Jhs. Die Ausstellung basiert auf dem Projekt „Fragmente einer Legende – Weißes Gold aus Grabungen“ des Sächsischen Landesamtes für Archäologie, das 2010 im Japanischen Palais in Dresden gezeigt wurde. In Kooperation mit dem Museum im Schloss – Porzellanmanufaktur Fürstenberg GmbH wurde die Schau für Braunschweig um die Geschichte der Porzellanmanufaktur Fürstenberg erweitert (siehe unten Ausstellungsort Wolfenbüttel). Porzellan fasziniert die Menschen seit seiner Erfindung in China im 7. bis 9. Jh. . Chr. In Europa gelang die Entschlüsselung des Herstellungsgeheimnisses erst mehr als 1000 Jahre später, durch Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden und Meißen. Im Jahre 1710 mündete die Entdeckung der Rezeptur in der Gründung der ersten Porzellanmanufaktur Europas in Meißen durch August den Starken. Seitdem wird das kostbare repräsentative Porzellan aus Herrscherhäusern gepflegt und gesammelt. In Nachahmung der höfischen Gepflogenheiten schmückte auch das Bürgertum seinen Tisch mit Porzellan – dieses Porzellan jedoch wurde nie systematisch gesammelt. Gefunden wird es heute bei archäologischen Ausgrabungen, also buchstäblich „in Scherben“. Rund 400 aus solchen Scherben rekonstruierte Objekte geben in der Ausstellung zum Teil ungewöhnliche Einblicke in den bürgerlichen Alltag des 17. bis 19. Jhs., von der Teetasse bis zur Toilettenschüssel.

„Luxus in Scherben“ Residenzarchäologie in Braunschweig und Wolfenbüttel

ab 21. April 2011

Braunschweigisches Landesmuseum Archäologisches Museum Wolfenbüttel Kanzleistr. 3, 38300 Wolfenbüttel Tel.: 05331/8 58 6990 E-Mail: morawietz@ blm.niedersachsen.de Homepage: www.landesmuseum-braunschweig.de Mi.–Do. u. So. 10:00–17:00; Di. u. Fr. 10:00–13:00; Sa u. Mo. geschlossen.

Durch zahlreiche archäologische Ausgrabungen in den herzoglich-braunschweigischen Residenzstädten Braunschweig und Wolfenbüttel konnten viele Einblicke in die Bautätigkeit, das geistige Leben und die Tischkultur der höfischen Oberschicht gewonnen werden. Porzellan, Fayencen, importiertes hochwertiges Steinzeug, aber auch qualitätvollstes Glas und aufwendig gestaltete Ofenkacheln, ja selbst Speiseabfälle vermitteln einen Eindruck vom prunkvollen Leben am herzoglichen Hof und dem Versuch der gehobenen Bürgerschaft, dieses zu imitieren.

Nebenbei geben die archäologischen Funde Einblicke in Fern- und Regionalhandel, in Handwerk, Produktion und Manufakturwesen in den herzoglichen Residenzstädten. Die reich mit biblischen Motiven verzierten Ofenkacheln vermitteln Details aus den turbulenten Jahrhunderten der Religionsgeschichte im Zeitalter von Reformation und Gegenreformation. So kann das durch die historische Überlieferung in den Schriftquellen gewonnene Bild um wesentliche Elemente bereichert werden.

Herausragende Objekte sind Bauteile aus dem Grauen Hof, der ersten Residenz der Herzöge nach ihrer Rückkehr nach Braunschweig, sowie bemalte Glasscheiben aus dem ersten Bibliotheksgebäude von Herzog August, aus dem die heute berühmte Bibliothek hervorging. Die Ausstellung wird gezeigt im „Schubladenkabinett“, dem Archiv der herzoglichen Kanzlei, welche sich diese Ende des 16. Jhs. in italienischem Spätrenaissancestil in Wolfenbüttel in der neuen Planstadt errichten ließen, einem somit sehr passenden Ambiente für das Ausstellungsthema.