Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 2010

Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme), Band 16, 2010. Isensee-Verlag, Oldenburg 2010. 342 Seiten, 71 farbige und 72 s/w Abb., 9 Tabellen. Gebunden. 21,00 €.ISSN 0946-8471 / ISBN 978-3-89995-761-7.

Der Band 16 der Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) veranschaulicht eindrücklich das reiche Forschungspotential des zentralen Elbe-Weser-Dreiecks: Ein Projekt im Umfeld der archäologisch untersuchten Station von Oldendorf 52 und 69 (7550–6095 calBC) mit jeweils über 100 Feuerstellen zeigt neue Analysemöglichkeiten zum Nachweis menschlich verursachter Brände auf (H. Niemann, K. Gerken, E. Namysol). Hierfür werden pollenanalytische Untersuchungen und Holzkohlenanalysen eines verlandeten Sees bei Oldendorf und des Bullensees bei Hemel herangezogen. Neuere Grabungen im Rahmen eines länder-und fächerübergreifenden Forschungsprojektes am Höhbeck, Ldkr. Lüchow-Dannenberg, können die Diskussion um die Lokalisierung des 805 im Diedenhofener Kapitular genannten Ortes „Schezla“ wesentlich bereichern (J. Schneeweiß). Mit älteren Funden bzw. Grabungen befassen sich drei Aufsätze: Ein Projektteam (S. Hesse, S. Grefen-Peters, C. Peek, J. Rech, U. Schliemann) nahm sich der Moorleichen im Landkreis an. Neben einer quellenkritischen Wertung der bisher bekannt gewordenen Moorleichenmeldungen konnten ebenso umfangreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden. Unter anderem gelang es, bereits vor mehr als 250 Jahren geborgene Textilreste aus dem Rieper Moor zu datieren und eine Moorleiche aus der Nähe von Bremervörde anthropologisch zu untersuchen. Ein weiterer Aufsatz betrachtet eine bereits 1966 beim Bau des Bremervörder Kreishauses entdeckte eiserne Ofenplatte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Darstellung der „klugen und törichten Jungfrauen“ sowie einer Auswahl der „Neun guten Helden“ und „Neun guten Heldinnen“ unter restauratorischen und ikonografischen Gesichtspunkten (S. Hesse, C. Tegge). Einer Grabung aus dem Jahr 1938 in Visselhövede, die ein frühmittelalterliches Grubenhaus erfasste, nimmt sich ein weiterer Beitrag an (J. Bock). Auch hier gelang es die damals gewonnenen Ergebnisse in Teilen zu revidieren bzw. zu konkretisieren. Eher perspektivisch ist die Auslotung archäologischer Fragestellungen und Möglichkeiten in kleineren Städten im Landkreis (S. Hesse). Hierbei wird der jeweilige Forschungsstand vorgestellt und u.a. ein Kriterienkatalog zur regionalen Definition von Städten aufgestellt. Den Schluss des Bandes bilden Tätigkeitsberichte (Kreisarchäologie, Bachmann-Museum, Archäologische Gesellschaft), die Fundchronik 2008–2009 und Buchbesprechungen. Alle Beiträge besitzen eine Zusammenfassung in deutscher und englischer Sprache.