Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

MAN 40: Stadtwüstung Nienover ‑ Von der Grabung zur Auswertung 

Thomas Küntzel, Die Stadtwüstung Nienover im Solling. Auswertung der Befunde zur Stadttopographie, Hausbau und Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert. Materialhefte zur Ur-und Frühgeschichte Niedersachsens 40. Herausgegeben von Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden 2010. 824 Seiten mit 2 Abbildungen, 37 Tabellen, 11 Diagrammen und 122 Tafeln. ISBN-13: 978-3-89646-973-1. ISSN: 0465-2770. Hardcover. 69,80 €.

Im Jahre 2009 erschien die erste große Monographie zur mittelalterlichen Stadtwüstung Nienover im Solling (Ldkr. Northeim) aus der Feder von Sonja König mit dem Titel „Studien zur Sachkultur einer hochmittelalterlichen Gründungsstadt im südlichen Niedersachen“ (MAN 39). Dieser Arbeit folgt nun ein zweiter Band zu Nienover von Thomas Küntzel mit der „Auswertung der Befunde zur Stadttopographie, Hausbau und Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert“. Nienover ist einer der größten unüberbauten Stadtwüstungen Mitteleuropas, von der 1993 bis 2007 große Bereiche ausgegraben und in den Kontext der mittelalterlichen Kulturlandschaft gestellt wurden. Der Band gliedert sich in Kapitel zu Stadtwüstung, Burg und Vorwerk Nienovers nach den Geländeforschungen sowie zu Formen, Vorgängen und Ursachen von Stadtwüstungen. Die Verödung Nienovers war demnach kein isoliertes oder krisenhaftes Ereignis, sondern ist als Begleiteffekt eines Optimierungsprozesses und Folge territorialer Auseinandersetzungen mit ungeklärten Machtverhältnissen zu sehen. Die Beschreibung und Erfassung von Wüstungsvorgängen erweist sich als äußerst komplex. Es finden sich totale, partielle, funktionale und statusmäßige Wüstungen, solche von Altstädten, Neustädten, Vorstädten oder Vorgängerstädten, wobei Verlegung und Konkurrenzstädte die häufigste Ursache darstellen und Kleinstädte besonders wüstungsanfällig waren. Vor dem 15. Jh. mit seiner waffentechnisch bedingten Abschottung der Städte vom Umland bildeten viele Städte mit ihren Vorstädten weite Stadtlandschaften. Der Wert des Buches liegt darin, dass der Autor weit über das Weserbergland hinaus die Befundsituation und Strukturen vergleicht in einen größeren Zusammenhang stellt, womit der Band zu einem Handbuch über die Stadtwüstungsforschung geworden ist.