Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 74, 2005. Hrsg. v.  d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch Henning Hassmann. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag: Stuttgart 2005. 310 Seiten mit 190 Abbildungen, farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-2009-3 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Im neuen Band 74, 2005 finden sich aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen zahlreiche aktuelle Aufsätze und Fundberichte. Einen großen Raum nehmen diesmal Beiträge zur Geschichte, zu den wichtigsten Ergebnissen und zur täglichen Arbeit aller Kommunalarchäologien in Niedersachsen ein, wie sie in dieser Form noch nicht zusammengestellt worden sind. Zeitgeschichtliche Bezüge trägt ein Aufsatz zur Geschichte der Urgeschichtsabteilung im Landesmuseum Hannover während der NS-Zeit. Ein weiterer Beitrag diskutiert den zur Mode gewordenen Begriff der „Kulturlandschaft“ als Erscheinung des Zeitgeistes mit ganz realem Hintergrund. In einer größeren Abhandlung werden die Flintdolche Nordwestdeutschland zusammenfassend chronologisch und in ihrer Verbreitung untersucht. Einblicke in eine frühmittelalterliche Gehöftsiedlung in der Marsch eröffneten Grabungen auf der in der Krummhörn gelegenen Wurt Upleward, wo hölzerne Überreste zweier Gehöfte der 2. Hälfte des 7. Jhs. freigelegt wurden. Der hervorragende Erhaltungszustand der Bausubstanz erlaubte einen seltenen Einblick in die Konstruktionsweise frühgeschichtlicher Häuser und umfangreiche dendrochronologische Untersuchungen. Ausgehend von Befunden aus Hannover werden einige Aspekte der mittelalterlichen Bauopfersitte diskutiert. Unter Berücksichtigung zeitgenössischer Schriftquellen lässt sich ein Teil der im Haus deponierten Gefäße mit dem Hausgeisterglauben in Verbindung bringen, wobei die genaue Intention der Niederlegungen (Opfergabe oder Abwehrzauber) häufig unbestimmt bleiben muss. Eine kleine Tonfigur („Beterlein“) aus Altencelle bei Celle gehört zur Gruppe der handgeformten Miniaturfiguren mit sakraler Motivik des Mittelalters. Ein Besprechungs- und Nachrichtenteil schließen den Band ab.