Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

Mittelalterliches Glas in Braunschweig

Martina Bruckschen, Glasfunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus Braunschweig. Bedeutung, Verwendung und Technologie von Hohlglas in Norddeutschland. MAN ‑ Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Bd. 33. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004. ISBN: 3-89646-966-5. 420 Seiten mit 56 Abb., 27 Tabellen u. Diagramme, 3 Karten, 135 Tafeln; 6 Farbtafeln als Beilage. Hartkarton mit farbigem Titelbild 71,50 €.

Ca. 22.000 von 1976-1992 ausgegrabene Glasobjekte wurden bearbeitet, um Einblick in Bedeutung und Verfügbarkeit von Glas in einer norddeutschen Hansestadt (12.-17. Jh.) zu erhalten. Das reiche Tischgeschirr erlaubte eine Gliederung in 81 Untergruppen, ihre Datierung und Herkunftsbestimmung. Hinzu kommen 11 Gruppen von medizinisch-alchimistischen und technischen Geräten sowie Schmuck. Besondere Bedeutung besitzen Glasgefäßfunde des 13./14. Jhs. aus Kloaken. Parallelen stammen aus ganz Mitteleuropa, bes. aus unpublizierten norddeutschen Magazinbeständen. Viele Typen des 13./14. Jhs. waren viel nördlicher verbreitet und konzentriert als angenommen. Besonderheiten sind islamische Goldemailbecher, farbloses mediterranes Glas und blaue Gläser des 12./13. Jhs.. Die Auswertung von Archivalien diente der sozialhistorischen Einordnung und ergab einen frühneuzeitlichen Anstieg im Glasgebrauch. Sodann wurden Größenverhältnisse und Fassungsvermögen von Gefäßen untersucht und verfügbare Getränkesorten in Braunschweig nach Zeiten zusammengestellt. Den Abschluss bilden chemische Analysen von 58 hochmittelalterlichen und spätmittelalterlichen Glasformen.