Foto: Andreas Hüser / Ostfriesische Landschaft

MAN 32: Silber und Blei aus dem Harz

Götz Alper, „Johanneser Kurhaus“. Ein mittelalterlicher Blei-/Silbergewinnungsplatz bei Clausthal-Zellerfeld im Oberharz. Mit Beiträgen von Christiane Römer-Strehl, Harald Witthöft, Gabriele Heimbruch, Stefanie Koerfer, Wolfgang Brockner, Christine Andrae und Wolfgang Lampe. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 32. Verlag Marie Leidorf Rhaden/Westf. 2004. 574 Seiten mit 193 Abbildungen; 15 Beilagen. ISBN 3-89646-965-7 / ISSN 0465-2770. Hartkarton 66,50 €.

Von 1987 bis 1991 führte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege eine interdisziplinäre Ausgrabung in der mittelalterlichen Bergbausiedlung durch. Sie stellt das erste größere montanarchäologische Projekt im Oberharz dar. Im 8. Jh. begann im Umfeld der Fundstelle mit der Waldnutzung zur Holzkohlegewinnung. Seit dem 10. Jh. gelangte Keramik in den Boden. Im 10./11. Jh. wurde Bleiglanz in rundlichen Herdöfen aus Lehm, Stein und Holzstaken zu Werkblei verhüttet, das dann in flüssigem Zustand in runden, wohl überwölbten Kupellationsöfen durch Einsickern in Aschetiegel vom Silber getrennt wurde. Aus dem 12. Jh. stammen mächtige Abraumhalden und ein Pochplatz zur Erzaufbereitung. Zwischen 1200 und 1250/1300 bestand eine Siedlung mit Gebäuden in Flechtwandbauweise, Schwellbalken- und Stampflehmbauweise sowie Resten gewerblicher Tätigkeit, darunter Öfen, Essen und zahllose Grubenlämpchen. Spinnwirtel, Spielzeug und Trachtbestandteile bezeugen die Anwesenheit von Frauen und Kindern sowie einen stadtähnlichen Wohlstand. Das Ende des Bergbaus ist mit Wasserproblemen in den immer tieferen Schächten und Stollen in Zusammenhang zu bringen.