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2017

     

 

Archäologische Fundstellen im ostfriesischen Wattenmeer

Kai Niederhöfer, Archäologische Fundstellen im ostfriesischen Wattenmeer. Siedlungsgeschichte einer untergegangenen Landschaft bis 1570. Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen 18. Herausgegeben von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. durch Betty Arndt, Jana Esther Fries und Michael Geschwinde in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Rhaden/Westfalen 2016. ISSN 1439-7552. 59,80 €. Der Band ist leider bereits vergriffen.

 Der frühere Lebensraum vor der heutigen Küstenlinie stellt die archäologische Forschung vor besondere Herausforderungen. Die Siedlungsplätze, die es hier einst gab, liegen heute, von Sedimenten überdeckt, im Bereich der Gezeiten. Gleiches gilt für die Ostfriesischen Inseln, die sich im Lauf der Jahrhunderte verlagert haben und an deren Stränden sich Spuren ihrer früheren Besiedlung erhalten haben. Die Funde aus dem Wattenmeer und den Ostfriesischen Inseln illustrieren den Willen der Menschen am Meer, sich dort einen Lebensraum zu schaffen vom Mittelpaläolithikum bis zur Vierten Allerheiligenflut am 01.11.1570 mit ihren letzten großen Landverlusten. Die Arbeit umfasst eine Auswertung der Daten zu Meeresspiegel- und Küstenentwicklung sowie historischer Überlieferung. Der Fokus lag neben der Katalogisierung der Funde in einem auf der CD-ROM enthaltenen Katalog von über 150 Bestandsnummern und deren Analyse vor allem auf der Auswertung der Fundstellendokumentationen. Die Keramikinventare der Siedlungsplätze, die teils durch Wurten bzw. später Deiche geschützt waren, sind mengenmäßig und für die Bestimmung der jeweiligen Siedlungsdauer am wichtigsten. In einer abschließenden Synthese wurden die Ergebnisse der drei Teilstudien zusammengeführt und ein Rekonstruktionsversuch der Siedlungsgeschichte der untergegangenen Landschaft unternommen. Die Funde umfassen Steinobjekte, Metallobjekte und Knochenobjekte, Münzen und vor allem Keramik, für deren Entwicklung damit zugleich ein diachroner Überblick entstanden ist.

Dr. Kai Niederhöfer wurde mit der vorliegenden Arbeit an der Universität zu Hamburg promoviert. Sie stellt eine grundlegende Materialvorlage des Fundgutes aus dem ostfriesischen Wattenmeer dar. Dabei beschränkt sich die Arbeit nicht nur auf die Beschreibung der Funde, sondern stellt sie in den Kontext der Landschafts- und Küstenentwicklung. Sie ist damit ein einmaliges Grundlagenwerk für das Wirken des Menschen an der Grenze zum Meer.

 

Das Mesolithikum im Blickpunkt 

Klaus Gerken/Daniel Groß/Stefan Hesse (Hrsg.), Neue Forschungen zum Mesolithikum. Beiträge zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Mesolithikum, Rotenburg (Wümme), 19.-22. März 2015. Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 20. Oldenburg 2016. Isensee Verlag. ISBN 978-3-7308-1319-5. 19,80 €

 Das Mesolithikum gehört zu den bis­weilen stiefmütterlich behandelten Epochen innerhalb der Archäologie. Umso wichtiger ist es, dass sich Forschende in diesem Bereich ver­net­zen und ein möglichst intensiver Informations­fluss gewährleistet ist. Dazu diente die 24. Jahrestagung der AG Mesolithikum, die vom 19. bis 22. März 2015 in Rotenburg (Wümme) stattfand. In mehr als 20 Vorträgen wurden neue Forschungen zum Mesolithikum vorgestellt. Der nun vorliegende Tagungsband beinhaltet 12 Aufsätze von 21 Autoren, die aus den Vorträgen hervorgegangen sind. Neben der Bearbeitung von einzelnen Fundplätzen (Pinnberg, Schlamersdorf, Wangels) werden auch Befundgruppen (Feuergruben, "Rötel"-Verwendung) behandelt, Vermittlungsstrategien betrachtet (Bachmann-Museum), Theorien überprüft (Mikrolithen und Risikomanagement) sowie Studien zu Großräumen (Mähren, „Se-Sa-Rhe- Traditionsraum“, Schleswig-Holstein, Landkreis Rotenburg (Wümme), Landkreis Main-Spessart) vorgestellt.

Der Band gibt somit einen kompakten und räumlich übergreifenden Überblick über die aktuellen Forschungen zum Mesolithikum.

  

Herrschaftssitz Hünenburg – Die Außensiedlung

 Immo Heske, Die Hünenburg-Außensiedlung bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt. Funde und Befunde der Ausgrabungen 2005 bis 2010. Mit Beiträgen von Silke Grefen-Peters zur osteologischen Auswertung des Fundmaterials. Hünenburg-Forschungen 2. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 34. Wachholtz Verlag, Neumünster/ Hamburg 2016. 398 Seiten mit teilweise farbigen Abbildungen sowie 72 Tafeln und 6 Beilagen, Leinen. ISBN: 978-3-529-01534-2, 50,- €   

Nachdem im Jahr 2006 die Sammlungsfunde und die archäologischen Ausgrabungen auf der Befestigung der Hünenburg mit Band 29 der Göttinger Schriften vorgelegt worden sind, hat sich das Bild dieses Fundplatzes deutlich gewandelt. Damals war nur in Ansätzen zu erahnen, welches Potential in diesem Fundplatz steckt. Mit den Forschungsprojekten ab dem Jahr 2005 konnte für Mitteleuropa die erste bronzezeitliche Befestigung mit Außensiedlung an eben diesem Fundplatz nachgewiesen werden. Das Fundgut auf jungbronze- und früheisenzeitlichen Siedlungen ist besonders umfangreich und lässt sich allein was die Keramikfunde umfasst nach Tonnen beziffern. Mit dem nun vorliegenden Band wird das Fundmaterial aus zwei ausgewählten, sehr materialreichen Grabungsflächen vollständig vorgelegt. Die Bronzen, Knochen- und Steingeräte, Gießformen und die Keramik verdeutlichen alltägliche Tätigkeiten aber auch die Kontakte in die weitere bronzezeitliche Welt. Die beigelegten Grafiken geben darüber hinaus einen Einblick in das Befundspektrum und deren Erhaltung. Einführende Kapitel zur Zielsetzung und Methodik der Grabungen führen in den Fundplatz ein, an die sich eine Bewertung des Fundplatzes auf dem erreichten Forschungsstand anschließt.    

Mit den anthropologischen Untersuchung der in den Siedlungsgruben gefundenen menschlichen Skelett-reste sowie der archäozoologischen Untersuchung der Tierbestattungen und -deponierungen sind für eine jungbronzezeitliche Siedlung gleichzeitig erstmals detaillierte Aussagen zum Bestattungsverhalten und zu den Tieropfern innerhalb eines ausgedehnten Siedlungsareals möglich. Die farbigen Abbildungen in diesen Befundkatalogen lassen die perimortalen Frakturierungen, intravitalen Verletzungen und postmortalen Verlagerungsprozesse nachvollziehbar werden.

Für den Herrschaftssitz der jungbronzezeitlichen Hünenburg bei Watenstedt wird nur kurze Zeit nach den großflächigen Ausgrabungen damit ein erheblicher Anteil des Fundmaterials aus der Außensiedlung vorgelegt. Für die Bewertung des Fundplatzes im europäischen Kontext ist damit eine erste tragfähige Basis erreicht.

 

Herrschaftssitz Hünenburg – Das Gräberfeld

Simone Menck, Das Gräberfeld der Hausurnenkultur von Beierstedt, Ldkr. Helmstedt. Bestattungsplatz einer Elite des jungbronze- und früheisenzeitlichen Machtzentrums der Hünenburg bei Watenstedt im Harzvorland? Funde und Befunde der Grabungen 2007 und 2008 unter Berücksichtigung der frühen Geländearbeiten von 1891/92. Mit einem Beitrag von Silke Grefen-Peters (Katalog der osteologischen Untersuchungen der Leichenbrände) Hünenburg- Forschungen 3. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 35. Wachholtz Verlag, Kiel/Hamburg 2017. 273 Seiten mit teilweise farbigen Abbildungen, sowie 57 Tafeln und 1 Beilage, Leinen. ISBN: 978-3-529-01535-9, 50,- € 

Bereits 1891/92 fanden erste Ausgrabungen auf dem Gräberfeld der Hausurnenkultur von Beierstedt statt, wobei als spiritus rector Rudolf Virchow verantwortlich zeichnet. Mit den Forschungen an der Hünenburg konnte dann in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts eine zeitliche Parallelität in der Belegung des Gräberfeldes mit der Befestigung nachgewiesen werden. Im Rahmen des Hünenburg-Projektes wurde dieser altbekannte Fundplatz zuerst geomagnetisch untersucht und dann in ausgewählten Arealen archäologisch ausgegraben.

Das Befundspektrum reicht von Grabresten der ersten Ausgrabungen über vollständig erhaltene Steinkisten bis zu Urnen, die ohne Steinschutz vergraben worden sind. Aufgrund der Geländesituation haben sich diese mit ihren Urnenabdeckungen ebenso vollständig erhalten, wie Markiersteine noch vorhanden sind. Dieses führt zu einer umfangreichen Rekonstruktion eines Teilabschnittes des Gräberfeldes.

Der erstaunlich hohe Anteil an einzelnen herausragenden Objekten sowie eisernen Beigaben liefert auf der Basis der typologischen Einordnung die Grundlage zur Diskussion des Belegungszeitraumes unter Berücksichtigung der zeitlichen Parallelität mit der Hünenburg-Außensiedlung. Ebenso stellt sich die Frage nach der sozialen Stellung der Personen, die auf dem Gräberfeld bestattet worden sind. Dabei lässt die Anzahl der dokumentierten Grablegen bereits eine Auswahl des Personenkreises vermuten.

Die durch Simone Menck vorgenommene Auswertung führt in einer detaillierten Analyse die Ausgrabungen zusammen, wobei es ihr gelingt, die Grabungspläne von 1891/92 mit denen von 2007/08 in Deckung zu bringen. In der Untersuchung der bereits 1891/92 ausgegrabenen Bestattungen und der zurückgelassenen Objekte können damit sogar die zurückgefüllten Leichenbrände den Ausstattungen wieder zugeordnet werden.

Die osteologischen Untersuchungen der Leichenbrände finden in den Aussagen zur Alters- und Geschlechtsstruktur sowie zu geschlechtsspezifischen Beigaben entsprechende Berücksichtigung. Die detaillierten Untersuchungen unter Einschluss der Knochen- und Geweihobjekte sowie der Speisebeigaben werden in einem umfangreichen Katalog dokumentiert.

Mit dem Band 3 der Hünenburg-Forschungen kann nun für diesen Fundplatz das Befundensemble Befestigung – Außensiedlung und Gräberfeld jeweils mit eigenen Monographien für die weitere Forschung genutzt werden. Weitere Bände befinden sich in Vorbereitung.

 

Stadtarchäologie und Stadtentwicklung im Welterbe

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Berlin, (Hrsg.), Stadtarchäologie und Stadtentwicklung im Welterbe. Berlin 2013. Kostenfrei zu beziehen beim  Herausgeber oder als kostenfreien PDF-Download: http:// www.welterbeprogramm.de/INUW/DE/Dokumentationen/Material/doku_luebeck.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Veröffentlichung von Beiträgen der gleich­namigen Tagung des Investitionsprogramms Nationale UNESCO Welterbestätten am 15. und 16. November 2012 in Lübeck.

Das archäologische Welterbe aus europäischer Sicht an den Beispielen von Visby, Tallinn, Zürich und Wien-Aspern mit den Abschnitten: Steuerungsinstrumente für Stadtarchäologie und Stadtplanung; Stadtarchäologie weitergebaut – Umgang mit archäologischen Überlieferungen aus städtischer Sicht; Stadtarchäologie in Szene gesetzt – Vermittlung urbaner Identität; Stadtarchäologie von und für den Bürger – Bürgerbeteiligung und Aneignung.

Archäologie ist ein wichtiges Thema in der integrierten Stadtentwicklung. Aktuelle Stadtgrabungen u. a. in Berlin, Köln und Lübeck belegen dies eindrucksvoll. "Die Stadt unter der Stadt" stößt auf ein immer größer werdendes Interesse bei Bewohnern und Besuchern. Die archäologischen Relikte werden zunehmend Bestandteil von Umbau- und Neubaumaßnahmen und als "Fenster in die Vergangenheit" inszeniert. Im öffentlichen Raum weisen neue Wegführungen, archäologische Pfade, Pflasterungen und Informationstafeln auf das archäologische Erbe hin. Der Weg dahin ist nach wie vor steinig: In der öffentlichen und vor allem in der Investorenwahrnehmung gelten Grabungen als schwer kalkulierbares Hemmnis. Die Integration der Funde in zukünftige Projekte gilt als wertmindernd. Das muss nicht sein: Auf der Basis der archäologischen Bestandserfassung können die Innenstädte planerisch und gestalterisch sinnvoll weiterentwickelt und Orts- und Stadtbilder erhalten werden. Entscheidend ist das gemeinsame Handeln.

Übergeordnete Beiträge bieten mit zahlreichen Praxisbeispielen einen breiten Überblick über die Einbindung von Stadtarchäologie in die integrierte Stadtentwicklung.

  

Werla 3 in presidio urbis. Die Befestigungen der Königspfalz.

Michael Geschwinde, Werla 3 in presidio urbis. Die Befestigungen der Königspfalz. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Mit Beiträge von Tina Bode, Elmar Arnhold und Markus C. Blaich. Ca. 220 Seiten mit zahlreichen, farbigen Abbildungen und einer DVD, 48,00 €. ISBN 978_3_7954-3235-5

Die Ausgrabungen auf der Königspfalz Werla im niedersächsischen Nordharzvorland zwischen 1934 und 1964 zählen zu den Meilensteinen bei der Entwicklung der Mittelalterarchäologie in Deutschland. Ergänzt durch gezielte Sondagen von 2007 bis 2015 sowie flächendeckende geophysikalische Prospektionen können jetzt zum ersten Mal die Befunde der Grabungen zu den Befestigungsanlagen vollständig vorgelegt und ausgewertet werden. Dabei zeigt sich, dass es sich bei der Werla um eine herausragende Befestigung des 10. Jahrhunderts handelt, die danach keine weitere Überformung mehr erfahren hat. Die systematische Analyse der Befunde führt zu einem weitgehend neuen Bild der Pfalz und ihrer Entwicklung. Als gut erforschte große königliche Anlage des 10. Jahrhunderts ist die Werla damit ein wichtiges Beispiel für die Erschließung archäologischer Quellen für die Zeit der Sachsen-Kaiser. Der Band wird ergänzt durch einen Beitrag der Historikerin Tina Bode, die auf eine Darstellung der Werla auf einer Urkunde Kaiser Otto I. aus dem Jahr gestoßen ist und eine Analyse des Naturraums der Pfalz von Markus C. Blaich

Die Auswertung der Grabungen vervollständigt ein interaktiver Gesamtplan der Grabungen 1934 bis 2015 und ein darauf aufbauendes 3D-Modell der Königspfalz auf einer beigefügten DVD.

  

Schaufenster „Archäologie“ eröffnet

Seit kurzem gibt es in Hildesheim ein Schaufenster der besonderen Art: Rund um die beim Bau seines neuen Verwaltungsgebäude aufgedeckten archäologischen Funde (V. Bartelt/S. Grefen-Peters AiN 19, 2016, 115-118) hat der Beamten-Wohnungsverein von der Stadtarchäologie Hildesheim eine Ausstellung erarbeiten lassen und den Hildesheimer Bürgern zum Geschenk gemacht. Das Schaufenster „Archäologie“ am Durchgang zwischen Theaterstraße und Osterstraße ist bewusst so gestaltet, dass sich die zahlreichen Passanten quasi im Vorbeigehen über das Leben im frühneuzeitlichen Hildesheim informieren können. Blickfang der dauerhaften Präsentation ist ein Grabungsmodell im Maßstab 1:1, an dem Ausgrabungsmethoden anschaulich gemacht werden. Die ausgestellten Funde werden durch liebevoll gestaltete Illustrationen ergänzt und nehmen den Betrachter mit auf eine Zeitreise in die Osterstraße zwischen 1400 und 1700. Der Ausstellungsraum ist rund um die Uhr von Außen einsehbar. Führungen können über die Stadtführergilde Hildesheim e.V. gebucht werden. Weitere Informationen unter www.bwv-hi.de/download.html

  

Stück für Stück ins Grab – Abschied vor 4000 Jahren

10. März 2017 bis 15. Oktober 2017, Freitag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr. Auf Anfrage öffnet das Museum für Gruppen auch außerhalb dieser Öffnungszeiten: Tel. (0531) 1225 2424, Email: buchung.blm@3landesmuseen.de

Braunschweigisches Landesmuseum, Archäologisches Museum, Kanzleistraße 3, 38300 Wolfenbüttel, Tel. (05331) 85 86 99 0, Eintritt: Erwachsene 4 €, ermäßigt 3 €, Kinder (6-17 Jahre) 2 €, Kinder bis 5 Jahre: freier Eintritt

Der Tagebau Schöningen ist immer für eine archäologische Sensation gut, wie die international für Aufsehen sorgenden „Schöninger Speere“. Doch sie sind keineswegs die einzigen herausragenden Funde von dort: Im Dezember 2000 wurde dort das einzige bisher bekannte Gräberfeld der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur in Niedersachsen entdeckt. In fünf Gräbern fanden sich zwei Frauen und drei Männer, die teilweise durch einen robusten, athletischen Körperbau auffielen.

Die Glockenbecherkultur, benannt nach der Form der typischen Beigabengefäße, ist ein gesamteuropäisches Phänomen aber ihr Vorkommen beschränkt sich auf kleine, inselartig voneinander getrennte Siedlungsgebiete, darunter auch das Braunschweiger Land.

Nach dem Tod folgt die Beerdigung und dann die ewige Ruhe… lange hat die archäologische Forschung auch für die Epoche der Jungsteinzeit daran nicht gezweifelt. Ausnahmen von dieser Regel wurden stets als Sonderfälle betrachtet. Erst jüngst ist vermehrt zu sogenannten mehrphasigen Bestattungen geforscht worden – also solchen, bei denen die Körper der Verstorbenen zahlreiche andere Praktiken erfuhren, bevor sie schlussendlich in die Erde gelangten. Dabei zeigt sich, dass es meist kleinste Spuren und Befunde sind, die zeigen, dass das archäologisch dokumentierte Grab nur die Endstation eines längeren Totenrituals war. Die Grabfunde aus Schöningen haben nun erstmals auch für die jungsteinzeitliche Glockenbecherkultur entsprechende Beobachtungen ermöglicht: Während die Knochen eines Toten Spuren massiver Gewalteinwirkung auf den Körper schon zu Lebzeiten aufweisen, trägt ein anderes Skelett eindeutige Spuren von Manipulationen am Leichnam lange nach dem Tod des Individuums (S. Grefen-Peters AiN17, 2014, 35-39; I. Heske/ S. Grefen-Peters AiN 15, 2012, 104-107).

Studierende des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen haben im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Braunschweigischen Landesmuseum eine Studioausstellung erarbeitet, die diese spannenden Befunde vorstellt. Neben originalen Funden aus Schöningen und Objekten aus Einzelgräbern dieser Epoche aus dem Braunschweiger Land bilden zwei rekonstruierte Bestattungen das Highlight der Ausstellung. Anhand dieser beiden Protagonisten können Besucher in die religiöse Welt vor 4000 Jahren eintauchen.

 

 Bodo Zehm im („Un-“) Ruhestand

Der Leiter der Osnabrücker Stadt- und Kreisarchäologie Bodo Zehm ist am 31. Mai 2017 mit Erreichen der Altersgrenze aus dem regulären Dienst ausgeschieden. Seit dem 1. Januar 2003 führte er die gemeinsam von Stadt und Landkreis Osnabrück betriebene archäologische Denkmalfachbehörde für das Osnabrücker Land.

Bodo Zehm wurde 1951 in Engter – heute ein Ortsteil von Bramsche – im Landkreis Osnabrück geboren und verbrachte die letzten Jahre seiner Schulzeit bis zum Abitur in Wolfenbüttel. Schon für das Studium in seine Heimatregion nach Osnabrück zurückgekehrt, war er hier von 1978 bis 1981 als Museumspädagoge am Kulturgeschichtlichen Museum beschäftigt. Im Anschluss begann er seine Tätigkeit in der Stadt- und Kreisarchäologie zunächst als Grabungsfotograf bei der Ausgrabung eines mehrperiodigen Fundplatzes in Achmer, um dann während zahlreicher weiterer Grabungsmaßnahmen, z. B. vor der Osnabrücker Marienkirche und dem Rathaus anlässlich der Neugestaltung des Marktplatzes und auf der eisenzeitlichen Schnippenburg bei Ostercappeln, seine Praxiserfahrung weiter zu vertiefen. Seit 1986 leitete er unterschiedliche Grabungen und Projekte in Stadt und Landkreis Osnabrück. Zu nennen sind dabei das von der Volkswagenstiftung geförderte Forschungsprojekt „Eschprospektion“ im Osnabrücker Land mit Untersuchungen vor allem in Altenhagen, Engter und Oldendorf oder Ausgrabungen vor dem Osnabrücker Dominikanerkloster und auf dem jungbronze- bis früheisenzeitlichen Brandgräberfeld auf dem Bornhügel in Gretesch. Ab 1992 war er als stellvertretender Fachdienstleiter in verantwortlicher Position wesentlich an der Entwicklung der Dienststelle hin zu einer leistungsfähigen Archäologischen Denkmalpflege, die den sich kontinuierlich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen vermag, beteiligt. In diese Zeit fallen Ausgrabungen im Umfeld des Osnabrücker Doms, an der verschütteten Bogenbrücke der ehemaligen Stadtbefestigung Osnabrücks vor dem Heger Tor oder im Bereich der früh- bis hochmittelalterlichen Siedlung in Glane-Visbeck und nicht zuletzt Ausstellungsvorhaben wie „Burgen und Befestigungen – 25 Jahre Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück“, die er als Kurator betreute. Nach seiner Berufung zum Leiter des Fachdienstes Archäologische Denkmalpflege als Nachfolger Wolfgang Schlüters zu Beginn des Jahres 2003 hat Bodo Zehm es mit seiner engagierten Arbeit und großem Ideenreichtum immer wieder verstanden, die Kommunalarchäologie voranzubringen. Unter seiner Ägide fand z. B. das groß angelegte Forschungsvorhaben zur Schnippenburg bei Ostercappeln den geeigneten Nährboden, um sich erfolgreich entfalten zu können. Jüngst konnte er noch in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege die Auswertungsarbeiten zum viel beachteten jungsteinzeitlichen „Kupferschatz von Osnabrück-Lüstringen“ anschieben. Dass er bereits sehr frühzeitig darauf bedacht war, Metallsondengänger auf der Basis gegenseitigen Vertrauens als unverzichtbare Kooperationspartner in die Denkmalpflege mit einzubinden, sei gerade in diesem Zusammenhang erwähnt.

Stetes Anliegen war ihm immer die verständliche Vermittlung fachlicher Inhalte gegenüber der Öffentlichkeit, was zuletzt in den Jahren 2014 und 2015 mit der virtuellen Erschließung von Landschaft als Ausstellungsraum im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und den regionalen Sparkassen geförderten Kooperationsvorhabens „Magische Orte entdecken“ eindrucksvoll gelungen ist. Etliche Publikationen legen überdies weiteres Zeugnis dieser Einstellung ab. Seine intensive Netzwerk- und Projektarbeit hat darüber hinaus dazu beigetragen, Osnabrück und das Osnabrücker Land nach außen zu profilieren und wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung einer regionalen Identität zu geben.

Auch im Ruhestand will Bodo Zehm unserem Fachgebiet weiter aktiv verbunden bleiben. Mit seiner Bestellung als Geschäftsführer des europäischen Kulturroutenprojektes „Megalithic Routes“, das seit 2012 auf der von ihm 2005 initiierten westniedersächsischen touristischen „Straße der Megalithkultur“ fußt, sind dafür bereits die Weichen gestellt.

  

Lorenz Rahmstorf tritt Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen an

Zum 01.04.2017 hat Lorenz Rahmstorf die Professur für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Göttingen angetreten. Zuvor war er Associate Professor am SAXO Institut der Universität Kopenhagen und hat dort sowie in Mainz und Saarbrücken gelehrt. Rahmstorf studierte in den 1990er Jahren in Heidelberg und machte 1995 einen Master of Arts-Abschluss am Department of Archaeology in Bristol, Großbritannien. Nach einer 3,5-jährigen Beschäftigung als wissenschaftliche Hilfskraft am Deutschen Archäologischen Institut in Athen, wo er für alle praktischen Belange der Grabungen in Tiryns zuständig war, wurde er Anfang 2002 mit einer Arbeit zu spätbronzezeitlichen Kleinfunden aus dem gleichen Fundplatz am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg bei Joseph Maran promoviert. Ab April 2002 bis 2012 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann Akademischer Rat auf Zeit, am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz. Dort habilitierte er sich 2012 mit einer Arbeit zu „Gewichte und Kulturkontakt im 3. Jahrtausend v. Chr.“. 2013 folgte er seiner Frau nach Kopenhagen, die dort Marie Skłodowska-Curie-Research Fellow am Center for Textile Research wurde. 2015 war Rahmstorf erfolgreich bei der Einwerbung eines mit fast 2 Mill. € dotierten ERC Consolidator Grants. In dem fünfjährigen Forschungsprojekt WEIGHTANDVALUE wird durch mehrere Postdocs und den Principal Investigator versucht, neue Quellen zu erschließen, die mittels verschiedener Indizien als gewichtsmetrologische Objekte (Gewichte, gewichtsreferenzierte Artefakte und Waagen) gedeutet werden können. Darauf aufbauend wird untersucht, welche Konsequenzen die Einführung solcher Hilfsmittel in der kulturellen, ökonomischen und kognitiven Entwicklung nach sich zog. Die Einzelprojekte liegen geographisch im eurasischen Großraum zwischen Atlantik und Nordwest-Indien und chronologisch zwischen ca. 3000 und 800 v. Chr. Lorenz Rahmstorf beabsichtigt den traditionell starken siedlungs- und landschaftsarchäologischen Schwerpunkt des Göttinger Seminars mit einem wirtschaftsarchäologischen Schwerpunkt zu verbinden. Ein besonderer Fokus der Forschungen des Seminars wird somit auf Fragen des Austausches liegen und es wird explizit danach geforscht werden, an welchen Orten, durch welche Personen, mit welchen Hilfsmitteln und mit welchem Antrieb Dinge und Waren in der Ur- und Frühgeschichte getauscht wurden.

 

Axel Friederichs – Neuer Stadt- und Kreisarchäologe für Osnabrück und das Osnabrücker Land

Am 1. Juni 2017 hat Axel Friederichs M.A. die Leitung der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück übernommen. Er war bereits langjähriger Stellvertreter seines Vorgängers Bodo Zehm, der in den Ruhestand gegangen ist.

Schon als Schüler in Osnabrück interessierte Friederichs sich für Geschichte und archäologische Themen, so dass ihn der damalige Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Wolfgang Schlüter Anfang der 1980er Jahre darin bestärkte, ein Studium der Ur- und Frühgeschichte an der Göttinger Georg-August-Universität aufzunehmen. Mit einer Arbeit über „Düstrup und Galgenesch, zwei Urnenfriedhöfe der ausgehenden Bronze- und beginnenden Eisenzeit im Stadtgebiet von Osnabrück“ schloss er bei Prof. Dr. Gernot Jacob-Friesen das Studium ab. Die neben der wissenschaftlichen Ausbildung unverzichtbaren praktischen Erfahrungen sammelte er auf zahlreichen Ausgrabungen im In- und Ausland. Berufliche Stationen waren zunächst das Westfälische Museum für Archäologie/Amt für Bodendenkmalpflege in Münster wo er als Volontär und Referent tätig war. Eine kurzfristige Teilnahme am Projekt „Kalkriese – Römer im Osnabrücker Land“ schloss sich an, bevor er 1993 als Mitarbeiter des Landesamts für Archäologie Sachsen die Leitung einer größeren Ausgrabung in der Innenstadt von Leipzig übernahm. Nach seiner Rückkehr in den Nordwesten Niedersachsens führte er zahlreiche Grabungen und Projekte im Osnabrücker Land und im ehemaligen Regierungsbezirk Weser-Ems durch. Darüber hinaus unterstützte er Wolfgang Schlüter bei kommunalarchäologischen Aufgaben, da dieser sehr stark in die Forschungen zur Varusschlacht in Kalkriese eingebunden war. Als Bodo Zehm 2003 Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie wurde, berief er Friederichs zu seinem Stellvertreter. Zu seinem Arbeitsfeld gehörte nun auch die Wahrnehmung der Trägerschaft öffentlicher Belange für die Archäologie in Bau- und Raumplanungsverfahren. Eine erhebliche Anzahl der sich daraus ergebenden Ausgrabungen trägt seine Handschrift. Ein umfangreiches Publikationsverzeichnis sowie die Beteiligung an verschiedenen öffentlichkeitswirksamen Projekten der Stadt- und Kreisarchäologie belegt den Wunsch, die wissenschaftlichen Ergebnisse auch einem breiteren Publikum näherzubringen, z.B. im Rahmen der Wanderausstellung „Feuer, Urnen, Gräber“.

Vielen Kolleginnen und Kollegen in unserem Bundesland ist er außerdem durch seine langjährige Tätigkeit als Schatzmeister der Archäologischen Kommission für Niedersachsen bekannt.

  

Dr. Ingo Eichfeld neuer Kreisarchäologe in Gifhorn

Seit Jahresbeginn 2017 ist Dr. Ingo Eichfeld als neuer Kreisarchäologe für den Landkreis Gifhorn aktiv. Er übernimmt damit die Aufgaben von Dr. Andreas Wallbrecht, der im Oktober 2015 nach Remscheid wechselte. Da Ingo Eichfeld als neuer Stelleninhaber direkt dem Fachbereich Bauwesen zugeordnet ist, ist er bei allen flächenwirksamen Planungen und Bauanträgen frühzeitig einbezogen, was schnelle Entscheidungen und ein Plus an Planungssicherheit bedeutet.

Ingo Eichfeld studierte Vor- und frühgeschichtliche Archäologie, Klassische Archäologie und Historische Geographie an den Universitäten Bonn, Köln und Lampeter (Wales). Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit liegen im Bereich der Siedlungs- und Landschaftsarchäologie, der Historischen Geographie Nordwestdeutschlands sowie der Geographischen Informationssysteme. Nach seinem Magister im Jahr 2005 über die vorgeschichtlich-eisenzeitliche Besiedlung im Landkreis Rotenburg (Wümme) war er zunächst an der Universität Bonn, später dann in der Abteilung Fachdienste / Öffentlichkeitsarbeit am Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn beschäftigt. Nach 2008 zog es ihn als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) nach Wilhelmshaven, wo er an der Beantragung und Durchführung verschiedener Projekte mitwirkte. Zudem engagiert er sich als Lehrbeauftragter am Bereich Alte Geschichte der Universität Oldenburg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit am NIhK lag zuletzt in der Leitung archäologischer Prospektionen und Ausgrabungen im Rahmen des DFG-geförderten „Nordseehäfenprojekts“ zu den früh- und hochmittelalterlichen Handelssiedlungen des deutschen Nordseeküstengebiets.

Parallel zu seiner Projekttätigkeit widmete sich der gebürtige Cloppenburger der Analyse der römisch-kaiserzeitlichen und völkerwanderungszeitlichen Siedlung von Mahlstedt im Landkreis Oldenburg. Das Ergebnis dieser Arbeit wurde 2012 an der Universität Bonn als Dissertation eingereicht und 2014 in der SLSN-Reihe des NIhK publiziert.

 

Markus Wehmer ist Einbecks neuer Stadtarchäologe

Zum 1. Januar 2017 hat Markus Wehmer M.A. die Stelle des Stadtarchäologen von Einbeck angetreten. Er setzt damit die Arbeit seines Vorgängers Dr. Stefan Teuber fort, der nach fünfzehn Jahren in Einbeck zum Jahresbeginn die Leitung des Stadtarchivs von Northeim übernommen hat. Es ist erfreulich, dass die geschichtsträchtige „Stadt der Brau- und Fachwerkkunst“ im südlichen Niedersachsen diese Stelle ohne Unterbrechung wiederbesetzen konnte. Markus Wehmer, geboren 1980 in Thüringen, studierte ab 1999 in Jena und Halle Ur- und Frühgeschichte/Prähistorische Archäologie mit den Nebenfächern Volkskunde/Kulturgeschichte und Geologie. In seiner 2006 abgeschlossenen Magisterarbeit wurden mit Hilfe von GIS-gestützten Analysen die Lageparameter bronzezeitlicher Höhensiedlungen Mitteldeutschlands in Beziehung zu ihrem Siedlungsumfeld untersucht. Im Anschluss an das Studium absolvierte Herr Wehmer ein zweijähriges Volontariat am Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens und beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar. Während dieser Zeit führte er auch die Auswertung des frühbronzezeitlichen Gräberfeldes von Schloßvippach (Landkreis Sömmerda) durch, welches im Jahr 2007 gemeinsam mit den bedeutenden, zugehörigen Siedlungsbefunden veröffentlicht wurde. Ab 2008 leitete Herr Wehmer Ausgrabungen für das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Dabei handelte es sich vor allem um Trassen- und Flächengrabungen im nordthüringischen Lössgebiet am südlichen Rand des Harzes, aber auch um komplexe und sehr großflächige Stadtkerngrabungen in Nordhausen mit überaus fundreichen, spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Befunden. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Projektkoordinator der auf 100 Hektar Untersuchungsfläche bisher größten Ausgrabung Thüringens konnte er einen einmaligen Einblick in die nahezu bruchlose Besiedlungsentwicklung der Goldenen Aue seit dem Erscheinen der Ältesten Linienbandkeramik vor 7400 Jahren gewinnen.

Gerade die Kombination aus routinierter Mittelalterarchäologie und umfangreicher Kenntnis aller in Mitteldeutschland und Südniedersachsen vorkommender neolithischer, bronze- und eisenzeitlicher Kulturerscheinungen ist für die Stelle des Einbecker Stadtarchäologen von großer Wichtigkeit, denn die mit ihren 46 Ortsteilen auf 231 km² flächenmäßig größte Stadt Südniedersachsens besitzt neben der mittelalterlichen Altstadt auch mehrere hundert bekannte prähistorische Fundstellen. Durch seine breit gefächerten Forschungsinteressen und die aktive Mitgliedschaft in mehreren archäologischen Verbänden und Geschichtsvereinen wird sich Markus Wehmer mit viel öffentlicher Vermittlung und reger Publikationstätigkeit für die archäologischen Belange Einbecks stark machen.

 

Abschied von Dr. Wolf-Dieter Tempel †

 Am 07.03.2017 verstarb plötzlich und unerwartet der ehem. Rotenburger Kreisarchäologe Dr. Wolf-Dieter Tempel (* 15.08.1937). Er zählt zu den Pionieren der niedersächsischen Kommunalarchäologie. Nach seinem Studium der Ur- und Frühgeschichte, Völkerkunde und Anthropologie an den Universitäten Göttingen und Tübingen begann sein beruflicher Lebensweg bei der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt a. M. und führte ihn schließlich wieder nach Niedersachsen, wo er zunächst als Bezirksarchäologe für Osnabrück, dann Lüneburg und schließlich 1979 bis 2002 als Kreisarchäologe für den Landkreis Rotenburg (Wümme) zuständig war. In dieser Zeit gab er wesentliche Impulse zur Einrichtung weiterer kommunalarchäologischer Dienststellen und archäologischer Arbeitsgemeinschaften. Gerade die Einbeziehung breiter Bevölkerungsschichten und die Vermittlung archäologischer Erkenntnisse lagen ihm besonders am Herzen. Er war bis zuletzt mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung archäologischer Fundkomplexe beschäftigt und fungierte als Geschäftsführer der von ihm gegründeten Archäologischen Gesellschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V.

Mit Dr. Wolf-Dieter Tempel verliert die Archäologie einen leidenschaftlichen, vielseitig interessierten und integren Vertreters ihres Faches.

 

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2016

Ostfriesland. Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedlung

Karl-Ernst Behre, Ostfriesland. Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedlung. Wilhelmshaven 2014, 332 Seiten mit 320 farbigen Abb. sowie drei Faltkarten, Druckgesellschaft Brune-Mettcker, ISBN 978-3-941929-09-8, 27,80 €.

Die Gletscher aus dem Norden brachten das Material, aus dem die Geest Ostfrieslands geschaffen wurde. Über sehr lange Zeit wurden diese Böden ausgelaugt und verarmten. Die spätere Übernutzung dieser Gebiete führte seit dem Mittelalter zu einer gewaltigen Umweltzerstörung: Die Wälder verschwanden und Heiden breiteten sich aus, die in den letzten 200 Jahren wiederum kultiviert und z.T. wieder bewaldet wurden. Ihnen gegenüber stehen die fruchtbaren Marschen, die von der Nordsee abgelagert worden sind. Ihre Besiedlung war von den Schwankungen des Meeresspiegels abhängig; es gab ein mehrfaches Hin und Zurück, bis der Deichbau einsetzte. Doch die Deiche konnten das Wasser nur zeitweise aufhalten und im Mittelalter brachen große Buchten ein. Über Jahrhunderte dauerte der Kampf mit der Nordsee, bis die Deiche endgültig sicher waren. Erst spät in der Nacheiszeit entstanden die riesigen Hochmoore, die die dort stockenden Wälder erstickten. Lange blieben sie siedlungsfeindlich, sie stellten Verkehrshindernisse dar. Erst im 17. Jahrhundert setzte die Erschließung der Moore ein, wobei die dabei entstandenen langen Fehnsiedlungen in Deutschland einzigartig sind. Nachdem inzwischen auch die letzten Hochmoorflächen der Weißtorfgewinnung zum Opfer gefallen sind, gibt es von diesen Moorlandschaften nur noch kümmerliche Reste. Besondere Siedlungsräume sind die ostfriesischen Inseln, die als reine Schwemmsandkörper keine festen Umrisse hatten. Sie wanderten, teilten und veränderten sich vielfach, bis sie schließlich unter großen Kosten durch massive Buhnenbauten festgelegt wurden.

Die Geschichte der Besiedlung Ostfrieslands ist vielfältig: anfangs waren es nur wenige Jäger, Sammler, Fischer bis in der Jungsteinzeit die ersten Bauernkulturen kamen. Jetzt wurden die Menschen sesshaft: Sie betrieben Ackerbau und Viehhaltung. Damit griffen sie aktiv in die Landschaft ein, die sich von jetzt an zur Kulturlandschaft entwickelte. Nach der Völkerwanderungszeit setzte eine neue Besiedlungswelle ein. Jetzt wurden viele der heutigen Geestdörfer gegründet und in der Marsch wurden verlassene Wurten wieder besetzt und zahlreiche neue gebaut. Starke Veränderungen der Landschaft bewirkte das Urbarmachungsedikt, das Friedrich der Große erließ, nachdem Ostfriesland 1744 an Preußen gekommen war. Jetzt wurden die Ödlandgebiete im Moor und auf der Geest systematisch besiedelt, doch die dortigen Lebensbedingungen blieben sehr schwierig. Ein besonderes Kapitel ist den früheren Verkehrsverhältnissen gewidmet. Viel stärker als in anderen deutschen Landschaften erfolgte der Verkehr auf den Wasserwegen. Dabei spielten besonders die Sielhäfen eine Rolle, denn hier lief der Binnenverkehr auf den Tiefs zusammen und hatte mit den seewärtigen Prielen Anschluss an den Seehandel.

Der Autor war langjähriger Leiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven. Als Vegetationsgeschichtler und Archäobotaniker hatte er während seiner Erforschung des niedersächsischen Küstenraumes stets auch besonders die Archäologie der Küsten und die historischen Disziplinen im Blick gehabt.

 

Mensch – Landschaft – Meer: 75 Jahre Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung

Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 38, 2015. Hrsg. vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven. Mensch – Landschaft – Meer: 75 Jahre Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung. Rahden/Westf. 2015. ISBN: 978-3-86757-856-1, 54,80 €.

Im Jahr 2013 beging das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) sein 75-jähriges Bestehen in Wilhelmshaven. Mit einem interdisziplinären Forschungsansatz widmet sich das NIhK vor allem siedlungsarchäologischen und landschaftsgenetischen Themen im Gebiet an der südlichen Nordseeküste. Herausragende Projekte in der Marsch und auf der Geest waren im Landkreis Cuxhaven die Untersuchung der Feddersen Wierde und die großflächigen Siedlungsgrabungen bei Flögeln. Ausgehend von diesen Großprojekten entwickelten sich am NIhK verschiedene Themenschwerpunkte, die in enger Zusammenarbeit von Kultur- und Naturwissenschaften bearbeitet werden. Band 38 der Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet stellt aus Anlass des Jubiläums in 19 Beiträgen einen Querschnitt der vielfältigen aktuellen Forschungsschwerpunkte und Projekte vor. Das Spektrum reicht dabei von Untersuchungen zur Geschichte der Küstenveränderungen und ertrunkener Landschaften im maritimen Raum über Analysen zur neolithischen Siedlungsgeschichte und Projekte, die die Kommunikations- und Sozialstrukturen des ersten nachchristlichen Jahrtausends sowie die dazugehörigen Austauschsysteme zum Thema haben, bis hin zu Arbeiten über eine frühmittelalterliche Siedlungskammer und den frühneuzeitlichen Deichbau. Im Rahmen der Forschungen des NIhK haben botanische und geologische Studien zur Vegetations- und Landschaftsgeschichte eine große Bedeutung. Im Hinblick auf die Verbreitungsgeschichte von Kulturpflanzen reicht dabei das Arbeitsgebiet des NIhK auch weit über den Raum an der Nordseeküste hinaus. Der vorliegende Band bietet einen Überblick über die aktuellen interdisziplinären Arbeiten am NIhK.

  

Eine Burg im Moor

Bernd Ulrich Hucker (Hg.): Eine Burg im Moor – die Arkeburg. 152 Seiten, 66 Abb. u. Karten; Solivagus-Verlag Kiel 2015, ISBN 978-3-943025-25-5; 19,90 €

Bekannt ist die Arkeburg südwestlich von Goldenstedt (Landkreis Vechta) wegen ihrer immensen Größe: ein doppelter Ringwall; zwei Flügelwälle. Auffällig ist auch ihre geographische Lage: Der Geestsporn, auf dem sie sich befindet, schiebt sich weit in das Große Moor zwischen Diepholz und Vechta vor und bildet an dieser Stelle die Wasserscheide zwischen Ems und Weser. Trotz ihrer beachtlichen Größe gab die Arkeburg viele bis jetzt ungelöste Rätsel auf: Wer hat sie gebaut, und zu welchem Zweck? Warum haben die unbekannten Erbauer derart viel Material, Arbeit und Sorgfalt verwendet, um ein so umfangreiches Erdwerk zu errichten? Diese und andere Fragen waren der Anlass, hier wissenschaftliche Untersuchungen zu initiieren. Die Initiative ging vom Ehepaar von Döllen aus. Aus dem drittmittelgeförderten Forschungsprojekt an der Universität Vechta liegen jetzt erste Resultate vor. Dabei kommt auch die Archäologie zu Wort: Das Buch berichtet nicht nur über die 2014 vorgenommenen Grabungen und Flurbegehungen (Frank M. Andraschko, Ester Gütschow, Julia Vogt und Niels Herzinger), sondern versucht auch, das archäologische Umfeld der Anlage zu beleuchten (Frank Both) und den forschungsgeschichtlichen Rahmen für den Südoldenburger Raum herzustellen (Jana Esther Fries). Ein wichtiges Resultat ist die mit der C-14-Methode gewonnene Datierung der ungefähren Bauzeit (spätes 8. bis 9. Jh.). Neben den archäologischen Beiträgen werden auch historisch-landeskundliche Fragen behandelt, u.a. die Darstellung auf historischem Kartenmaterial (Herbert Bock), die Frage von Befunden aus der Römerzeit (Wilfried Rötepohl-Bahlmann),die des ursprünglichen Namens Hertekenborch, aber auch die Einbindung in Naturraum und Landschaft spielen eine Rolle (Heino Muhle) und ist durch diverse Fotos dokumentiert. 

Der Herausgeber Professor Bernd U. Hucker, der an der Universität Vechta Landesgeschichte lehrt, geht der Frage nach, warum die Burg ausgerechnet an dieser Stelle errichtet wurde. Er sieht einen Zusammenhang mit der Verkehrslage, da Heer- und Handelswege sowie Altstraßen die Burg von allen Seiten umgeben. Er betont, dass bis zum Ziel, Klarheit über die Erbauer und ihre Ethnie zu gewinnen, noch ein weiter Weg zurückzulegen ist. Das Verhältnis des Westfalenherzogs Widukind und seines Geschlechts zur Arkeburg liegt noch im Dunkeln und harrt der Aufhellung. Die Arkeburg ist im heute im Gelände ausgeschildert.

 

Untersuchungen zur Entwicklung und Struktur der frühgeschichtlichen Siedlung Flögeln im Elbe-Weser-Dreieck

 Daniel Dübner, Untersuchungen zur Entwicklung und Struktur der frühgeschichtlichen Siedlung Flögeln im Elbe-Weser-Dreieck. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet (SLSN) 6. Rahden/Westf. 2015. ISBN 978-3-86757-336-8, 49,80 €.

 Die kaiser- und völkerwanderungszeitliche Siedlung von Flögeln-Eekhöltjen auf der niedersächsischen Geest im Landkreis Cuxhaven wurde in den Jahren 1971–1985 durch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung auf einer Fläche von 11,5 ha nahezu vollständig ausgegraben. Sie ist bis heute eine der am umfassendsten untersuchten frühgeschichtlichen Siedlungen in Deutschland. Nach der Vorlage der Baubefunde durch den Ausgräber W. H. Zimmermann 1992 folgt nun die Rekonstruktion der Bebauungsabfolge und die Auswertung der Siedlungsstrukturen. Dafür wurden die zahlreichen stratigraphischen Überschneidungen und sonstigen relativchronologisch verwertbaren Befundbeobachtungen analysiert, zum Teil mit Hilfe des speziell für solche Zwecke entwickelten Programms Tempo. Unter Einbeziehung der von D. Nösler erarbeiteten Keramikdatierungen konnten auf diese Weise 17 Bebauungsphasen ermittelt werden, die einen Zeitraum vom 1. bis zum 6. Jh. n.  Chr. umfassen. Darauf aufbauend wurden Entwicklung und Struktur der Siedlung und ihrer Gehöfte im Kontext überregionaler Entwicklungstendenzen untersucht. Aus einer vorangehenden Streubesiedlung entwickelte sich in Flögeln im späten 1. Jh. n. Chr. ein vergleichsweise großes, kompaktes Dorf mit umzäunten, über mehrere Generationen standortfesten Gehöften. In der Völkerwanderungszeit wurde die Siedlungsstruktur wieder offener und unsteter. Während für die kaiserzeitliche Siedlung egalitär organisierte Mehrbetriebsgehöfte charakteristisch sind, lassen sich im 5. Jh. n. Chr. Anzeichen sozialer Differenzierung innerhalb einiger Gehöfte ausmachen. Ob aber die Gehöftumzäunungen als Grundstücksgrenzen im eigentumsrechtlichen Sinne betrachtet werden können, muss bezweifelt werden. Hinsichtlich der Siedlungsstruktur ist Flögeln in einem nordwestdeutsch-niederländischen Kreis zu verorten, dem ein dänischer und ein nordostdeutscher Kreis gegenübergestellt werden können.

  

Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit aus Nordwestdeutschland

Julia Gräf, Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit aus Nordwestdeutschland. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet (SLSN) 7. Rahden/Westf. 2015. ISBN 978-3-86757-337-5, 54,80 €

In den Moorgebieten Nordwestdeutschlands wurden im Laufe der über hundert Jahre langen Phase ihrer intensiven Ausbeutung zahlreiche Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit entdeckt und geborgen. Die vorliegende Arbeit wirft anhand dieser Funde einen umfassenden Blick auf das Material Leder und seine Verarbeitung sowie auf die Verwendung von Leder im Barbaricum. Die vorliegende Arbeit umfasst neben technischen Untersuchungen des Werkstoffs Leder auch eine kleine Entwicklungsgeschichte des Gerberhandwerkes. Trotz der geringen Anzahl an Funden repräsentiert das untersuchte Material nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens wie Kleidung, Transport, Bewaffnung und Siedlungsabfall. Der Fokus der Untersuchungen liegt dabei auf der chronologischen Einordnung der Objekte, ihrer räumlichen Verbreitung und dem Vergleich mit dem Fundmaterial aus den benachbarten Regionen in Dänemark und den Niederlanden. Anhand des umfangreichen Siedlungsabfalles der Feddersen Wierde gelang es mit Hilfe von Strontiumisotopenanalysen, die Herkunft der Tiere, deren Haut als Leder verwendet wurde, festzustellen. Den Abschluss des Bandes bildet ein Vergleich mit dem zeitgleichen Textilhandwerk, um herauszuarbeiten, welchen Entwicklungsstand das Lederhandwerk in der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit in Nordwestdeutschland hatte.

  

Bärenkrallen und Bärenfelle

Sebastian Beermann, Bärenkrallen und Bärenfelle in Brand- und Körpergräbern der vorrömischen Eisenzeit bis Völkerwanderungszeit und Mittel- und Nordeuropa, 141 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Karten, Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie aus dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen 279. Bonn 2016. ISBN 978-3-7749-3959-2. 39,– €.

Mit der Studie „Bärenkrallen und Bärenfelle in Brand- und Körpergräbern der vorrömischen Eisenzeit bis Völkerwanderungszeit und Mittel- und Nordeuropa“ von Sebastian Beermann setzt das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August Universität Göttingen seine Beteiligung an der UPA-Reihe fort. Hatte der Autor zunächst eine Analyse der eisenzeitlichen Befunde im norddeutschen Raum geplant, zeigte sich bald die Notwendigkeit einer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung. Zum einen sind die eisenzeitlichen Bestattungen nur in einer Zusammenschau mit den Befunden aus Polen und Tschechien zu verstehen, zum anderen eröffnen die skandinavischen Gräber mit Bärenkrallen oder Bärenfellen eine diachrone Betrachtung des Phänomens bis in die Wikingerzeit. Gerade hierdurch wird es möglich, Traditionslinien und Brüche zu erkennen. Dabei erweist sich die Einbeziehung sowohl ikonographischer Quellen als auch altnordischer Texte als überaus hilfreich, zumal sie verschiedene Deutungsansätze auch für die älteren Perioden ermöglichen. Sowohl für die frühgeschichtlichen als auch für die älteren Befunde wird deutlich, dass die behandelte Sitte in einem engen Zusammenhang nicht nur mit religiösen Vorstellungen, sondern auch mit sozialen und politischen Prozessen zu sehen ist. Die Publikation ist mit einem umfangreichen Katalog ausgestattet, der es erlaubt, die Inventare der einzelnen Gräber und die Kontexte, in denen Bärenkrallen und Bärenfelle in Brand- und Körpergräbern auftreten, nachzuvollziehen.

  

Haus, Gehöft und Siedlung im Norden und Westen der Germania magna

 Hans-Jörg Nüsse: Berliner Archäologische Forschungen [BAF 13 ]. Rahden 2014. Verlag Marie Leidorf. ISSN 1611-3551, 64,80 €. 

Durch Baustellenbegleitung, neue Prospektionsmethoden und Forschungsprojekte hat sich der Bestand an Hausplänen und Siedlungsplänen des 1.–5. Jhs. zwischen den Niederlanden und Südskandinavien seit 1993 fast verdoppelt, so dass rund 2.000 publizierte Grundrisse ein bis dreischiffiger Häuser katalogisiert werden konnten. Zur differenzierten Betrachtung ihrer Entwicklung wurden architektonische Merkmale wie Struktur und Abfolge der Innenräume, äußere Erscheinung [z.B. Dachform], Wandbauweise und Eingangssituationen untersucht. So lassen sich über 40 Haustypen unterscheiden, deren genaue Datierung die Grundlage für dynamische Modelle der Hausentwicklung bildet. Durch zeitlich differenzierte Kartierungen zeichnen sich Unterschiede zwischen Landschaften erstmals deutlich ab, z.B. im Falle dreier Gebiete mit dreischiffigen Häusern. Insgesamt gibt es fünf architektonische „Traditionsgebiete“. Bei der Siedlungsform setzen sich Gebiete mit Dörfern von Regionen mit Weilern ab wie z. B. Westfalen. An Gehöfttypen lassen sich ebenfalls fünf Varianten unterschieden. Abschließend wird anhand der sogenannten „Herrenhöfe“ die Sozialgeschichte untersucht.

  

Jahrestagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft Aurich vom 18.–22.04.2017

Die „Hugo Obermaier-Gesellschaft zur Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V.“ führt vom 18.-22.04.2017 ihre Jahrestagung in Aurich durch. Die Jahrestagungen finden im regelmäßigen Wechsel an nationalen und internationalen Tagungsorten statt. Neben drei Vortragstagen u.a. zu aktuellen Schwerpunktthemen fördern eine Poster-Präsentation und gemeinsame Abendessen den wissenschaftlichen Austausch. Während der zwei letzten Tage finden Exkursionen zu wichtigen Fundstellen der Region statt. Die Gesellschaft wurde 1951 durch Prof. Dr. Lothar F. Zotz als eingetragener und gemeinnütziger Verein gegründet. Ihr Namensgeber, Hugo Obermaier (* 29. Januar 1877 in Regensburg , † 12. November 1946 in Freiburg/Schweiz) studierte in Wien die Fächer Prähistorische Archäologie, Physische Geographie, Geologie, Paläontologie, Ethnologie, Deutsche Philologie und Menschliche Anatomie. 1911 trat er eine Professur an dem neu gegründeten Institut de Paléontologie Humaine in Paris an.1922 folgte er einem Ruf an die Universidad Central von Madrid, 1939 wechselte er auf eine Professur an der Universität Freiburg in der Schweiz. Er war einer der führenden Altsteinzeitforscher

seiner Zeit, der sowohl in Deutschland als auch an seinen internationalen Wirkungsstätten wichtige Ausgrabungen durchgeführt hat. Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Interessen und Anliegen der Quartärforschung insbesondere im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen zu pflegen und zu fördern. Der Gesellschaft gehören zurzeit ca. 250 Einzelmitglieder und Institutionen aus vielen Ländern Europas an. Vertreten sind die Bereiche Urgeschichte, Geologie, Geographie, Paläontologie, Paläobotanik, Paläoklimatologie, Anthropologie und Ethnologie. Weitere Informationen unter http://www.obermaier-gesellschaft.de.

  

Die große LEGO Zeitreise im paläon

 Eine Ausstellung der Menschheitsgeschichte aus zwei Millionen Steinen lockt in das Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere, 25. März bis 31. Oktober 2016.

paläon GmbH, Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere, Paläon 1, 38364 Schöningen, Tel. 05352.96914-0, Fax 05352.96914-29, info@palaeon.de,www.palaeon.de, Öffnungszeiten Di-So 10–18 Uhr, Mo geschlossen außer an Feiertagen. 

Eine Ausstellung die nur aus Steinen besteht? Na klar! Die gibt es ab dem 25. März im paläon Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere. Sie sind eckig, aus Kunststoff und weltberühmt: LEGO Steine begeistern schon seit über 60 Jahren große und kleine, junge und alte Menschen aller Nationen. Im paläon wird jetzt aus dem Spielzeug-Klassiker Geschichte gebaut: Acht Dioramen zeigen bei der großen LEGO Zeitreise die spannende Menschheitsgeschichte – angefangen natürlich bei der Altsteinzeit, passend zum paläon mit seinem archäologischen Schwerpunkt des Paläolithikums und den ältesten Jagdwaffen der Menschheit. Die Tempelanlage „Abu Simbel“ steht im Mittelpunkt des Bereiches „Ägypten“ – vom Steinbruch über den Aufbau bis zur Fertigstellung. Keine Menschheitsgeschichte ohne Krieg und Soldaten: China und seine Terrakotta-Armee ist der nächste Baustein bevor es übergeht in die Römerzeit mit der sagenumwobenen Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn. Hier wird auch eine germanische Siedlung zu sehen sein und das Kernland Roms thematisiert. Der Dom von Königslutter steht in dieser Region für das Mittelalter ebenso wie Heinrich der Löwe. Zahlreiche LEGO Steine werden auch in die Entdeckung der Neuen Welt mit Sir Francis Drake und seiner Weltumsegelung per Golden Hinde investiert. Fehlt nur noch die jüngste Geschichte: Was repräsentiert dies hier vor Ort mehr als die noch junge, aber so erfolgreiche Stadt Wolfsburg? Gezeigt werden das VW-Werk und der Helmstedter Grenzübergang aus den 60er Jahren. Somit gibt es viel zu staunen und zu erleben in dieser Ausstellung. Und überall dazwischen können die Besucher mitmachen und mit LEGO-Steinen unterschiedlichster Größe bauen und bauen und bauen. Begeistert sind natürlich Familien mit Kindern, aber auch zahlreiche erwachsene Gäste über die Sonderausstellung – kreiert und aufgebaut vom Unternehmen Design in Stein. Das Begleitprogramm bietet thematische Kindergeburtstage mit Säbelzahnkatze – natürlich aus Lego, aber auch eine Fehler-Rallye sowie eine LEGO-Tauschaktion. Ein Höhepunkt wird am 3. Juli die Entstehung des größten Säbelzahnkatzen-Mosaiks der Welt sein. Hier sind die Besucher des paläons gefordert, einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde zu schaffen – Stein um Stein, das muss dann sein. Das Wort „LEGO“ stammt übrigens vom dänischen „leg godt“, übersetzt „spiel gut“ ab. Also kommt und spielt gut im paläon!

 

Der Mann von Bernuthsfeld. Eine Moorleiche wird wieder entdeckt

 Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Brückstraße 1, 26725 Emden, phone +49 (4921) 872058, fax +49 (4921) 872063, www.landesmuseum-emden.de. 

Nach fast fünf Jahren in unterschiedlichen Forschungseinrichtungen kommt die Moorleiche ‚Mann von Bernuthsfeld‘ zurück ins Ostfriesische Landesmuseum Emden. Die Moorleiche ‚Mann von Bernuthsfeld‘ aus dem frühen Mittelalter ist die einzige noch erhaltene Moorleiche Ostfrieslands. Sie wurde 1907 beim Torfstechen in der Nähe von Tannenhausen (Aurich) entdeckt. Das dazu gehörige Kleidungsensemble ist ein herausragendes Zeugnis frühmittelalterlicher Textilarbeit. Seit 2011 wurde der Fundkomplex ‚Mann von Bernuthsfeld‘ durch aufwändige naturwissenschaftliche, medizinische und rechtsmedizinische Untersuchungen grundlegend erforscht. Der ‚Mann von Bernuthsfeld‘ erhielt so eine Geschichte, die im Frühjahr 2016 erstmals in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Neupräsentation gehört zu den spannendsten und wichtigsten Projekten inmitten zahlreicher kultureller Angebote, die innerhalb des Themenjahres Land der Entdeckungen 2016 vom Emsland über Ostfriesland bis zum Oldenburger Land die Landschaftstypen Marsch, Moor, Geest und Wattenmeer aufgreifen.

 

Römer und Germanen im Kloster

Brunshausen – Neufunde vom Schlachtfeld am Harzhorn, 14. Mai bis 14. August: Di-So 11:00–17:00. Portal zur Geschichte. Sammlung Frauenstift Gandersheim Brunshausen 7, 37581 Bad Gandersheim, Tel: 05382 955647, Fax: 05382 955648.

pzg@gmx.de, www.portal-zur-geschichte.de. Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung, So um 14:00 Uhr, Öffentliche Führungen am Harzhorn, So 11:30 Uhr, 14:00 Uhr, Homepage: www.roemerschlachtamharzhorn.de, Eintritte Ausstellung: Erwachsene 5 €; ermäßigt 4 € (Kinder bis einschließlich 12 Jahre frei) Öffentliche Führung: 6,50 €; ermäßigt 5,50 €; Die Preise für Gruppenführungen buchbar unter 05382 955647 oder pzg@gmx.de. 

Ein germanischer Überfall auf den Tross der römischen Armee am Harzhorn (Landkreis Northeim) greift in unser bisheriges Geschichtsbild ein. Er fordert eine Neubetrachtung der in antiken Überlieferungen erhaltenen Berichte über römische Militäroperationen auf dem Gebiet Germaniens. Münzfunde sowie naturwissenschaftliche Untersuchungen von Holzresten in Geschossspitzen, machen es zunehmend wahrscheinlich, dass das Gefecht im Kontext einer Offensive des römischen Kaisers Maximinus Thrax im Jahre 235 n. Chr. erfolgte. Mit über 2700 Fundstücken gilt das Harzhorn als eines der am besten erhaltenen Schlachtfelder überhaupt und ist somit zum Modellfall moderner Schlachtfeldarchäologie geworden. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Braunschweig, erforscht gemeinsam mit der Freien Universität Berlin und der Kreisarchäologie Northeim seit 2008 diesen einzigartigen Fundplatz, so dass sich immer mehr Details zum Ablauf der Gefechte abzeichnen. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche spektakuläre Neufunde gemacht. Zu den Neufunden zählen u.a. die gut erhaltenen und nunmehr restaurierten Reste eines nahezu vollständigen römischen Kettenhemdes und der faszinierende und zugleich bewegende Fund einer römischen Handfessel. Die Sonderausstellung „Römer und Germanen im Kloster Brunshausen –Neufunde vom Schlachtfeld am Harzhorn“ wird diese bedeutenden Exponate vom 14. Mai bis zum 14.August 2016 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machen und gleichfalls den aktuellen Forschungsstand präsentieren.

  

Luftbildarchäologie mit Tücken

Mitte Februar legte ein aufmerksamer Bürger dem ehrenamtlich Beauftragten für die archäologische Denkmalpflege in Stadt und Landkreis Gifhorn Heinz Gabriel ein Google Earth Luftbild von 2001 der Grabungsstelle Scheverlingenburg in Walle vor. Unter Leitung der Kreisarchäologie Gifhorn (Dr. Andreas Wallbrecht) war dort 2001

gegraben worden, als auf dem Burgplateau drei Neubauten entstanden. Im Bereich des vor vielen Jahren abgetragenen Walles der Burg wurden rund 50 Pfostengruben in vier Reihen dokumentiert. Offensichtlich dienten diese Pfosten zur Stabilisierung desWallkörpers. Der Waller Bürger hat das damals mitbekommen und war nun der Meinung, die Pfosten auf diesem Luftbild entdeckt zu haben. Diese Anordnung der Pfosten war Heinz Gabriel aber so überhaupt nicht in nicht in Erinnerung. Gut, dass er damals ganz viele Fotos gemacht hatte. So konnte er schnell klären, um was es sich auf diesem Foto tatsächlich handelt, nämlich um abgestellte Steinpakete auf einer Baustelle. Was lernen wir daraus? Gehe sehr vorsichtig mit der Deutung von archäologischen Befunden auf Luftbildern um!

  

Veränderungen am NIhK Wilhelmshaven

Ein Abschied und neue Gesichter für neue Aufgaben

Dr. Erwin Strahl verabschiedet sich in den Ruhestand

Am 1.8.2015 ist der langjährige Leiter des Referats Marschenarchäologie des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (NIhK), Dr. Erwin Strahl (Jahrgang 1950), in den Ruhestand versetzt worden. Schon als Jugendlicher nahm er an verschiedenen archäologischen Grabungen teil, studierte aber zunächst an der Universität Hannover Germanistik, Geschichte und Politologie für das höhere Lehramt. Bald nach der Zwischenprüfung entschied er sich jedoch für die Archäologie und nahm eine Tätigkeit als Ausgrabungstechniker am Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin auf. 1975 entschied er sich endgültig zum Archäologiestudium an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, wo er die Fächer Vor- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie und Kunstgeschichte belegte. Nach seinem Abschluss 1980 begann er direkt im Anschluss seine umfangreiche Dissertation zum Thema „Endneolithikum und Frühe Bronzezeit im Gebiet zwischen Weser und Elbe“, die er 1987 erfolgreich abschließen konnte. Danach war er im „Europäischen Kulturpark Bliesbrücken – Reinheim“ tätig,bis er schließlich 1993 an das NIhK nach Wilhelmshaven wechselte. Während seiner Tätigkeit am NIhK war er an zahlreichen Forschungen des Instituts beteiligt; insbesondere die archäologischen Untersuchungen der Fundstelle Bentumersiel, Ldkr. Leer, dem bronzezeitlichen Siedlungsplatz Rodenkirchen, Ldkr. Wesermarsch, und der Wurten des Wangerlandes, Ldkr. Friesland, bildeten viele Jahre Schwerpunkte seiner Arbeit als wissenschaftlicher Oberrat und bezeugen seine breitgefächerten Interessen. Mit besonderer Freude, Engagement und großer Sorgfalt hat Dr. Strahl zudem die wissenschaftliche Redaktion des NIhK geleitet und war auf diese Weise maßgeblich am Erscheinen der Bände 19 bis 32 der traditionsreichen Schriftenreihe Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (PdK) und den Bänden 33 bis 37 der nachfolgenden Zeitschrift Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (SKN) sowie an den Bänden 1-6 der Monographienreihe Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet (SLSN) beteiligt. Auch in der Archäologischen Kommission für Niedersachsen war er ein gern gesehenes und engagiertes Mitglied, in dessen Hauptausschuss er von 2000 bis 2016 als zugewähltes Mitglied tätig war.

 

Dr. Annette Siegmüller übernimmt das Referat Marschen und Landschaftsarchäologie und die wissenschaftliche Redaktion

Seit dem 01.08.2015 hat Dr. Annette Siegmüller M.A., die Nachfolge von Dr. Erwin Strahl als Leiterin der wissenschaftlichen Redaktion des NIhK übernommen. Seither trägt sie auch die Verantwortung für die traditionsreiche Marschenarchäologie, die nun gemeinsam mit dem Bereich Landschaftsarchäologie im neu zugeschnittenen Referat Marschen- und Landschaftsarchäologie untergebracht ist. Dr. Annette Siegmüller hat bis 2003 Vor- und Frühgeschichte, Bodenkunde und Klassische Archäologie an der Universität Hamburg studiert und nach ihrem Magisterabschluss zahlreiche Grabungsleitungen in Bayern, Bremen und Sachsen innegehabt. Darüber hinaus hat sie bodenkundliche Untersuchungen in Niedersachsen und Bayern an Fundplätzen unterschiedlicher Zeitstellung durchgeführt, bevor sie 2004 an das NIhK Wilhelmshaven gekommen ist. Hier war sie seither in unterschiedlichen Projekten und Funktionen tätig. Besondere Erwähnung verdient ihre eingehende Analyse der Altgrabung an der mittelalterlichen Wurt Hessens (Wilhelmshaven), durch die es ihr gelang, zahlreiche neue Erkenntnisse zum Siedlungsgefüge auf Wurten und zum Hausbau sowie zur Schafhaltung und Textilproduktion im frühmittelalterlichen Küstenraum zu gewinnen. Die vielfältigen Ergebnisse dieser durch das MWK geförderten Forschungen hat Frau Dr. Siegmüller 2008 an der Universität Hamburg als Dissertation vorgelegt und 2010 in der SLSN-Reihe des NIhK veröffentlicht. In den Folgejahren hat sich Dr. Siegmüller vor allem mit landschaftsgenetischen Fragestellungen und den Kommunikations-, Austausch- und Transportsystemen sowie den Siedlungsstrukturen des 1. Jahrtausends n.Chr. im nordwestdeutschen Küstenraum beschäftigt. Insbesondere ihre Arbeiten in den von der DFG geförderten Projekten „Landeplätze und Ufermärkte an Weser und Ems“ und die „Siedlungskammer Dunum, Ldkr. Wittmund“ haben auch überregional viel Beachtung gefunden. Jenseits ihrer Projektarbeit konnte Dr. Siegmüller seit 2012 als Leiterin des damals am NIhK neu eingerichteten Referats Landschaftsarchäologie neue methodische Ansätze erarbeiten und in der Praxis umsetzen. Mit der Übernahme des Referats Marschen- und Landschaftsarchäologie hat Dr. Siegmüller somit im August 2015 kein Neuland betreten; vielmehr kann sie ihre Forschungen nun fortsetzen und intensivieren. Zu ihren weiteren Aufgaben gehört die Organisation der wissenschaftliche Redaktion und die Etablierung des für die Qualitätssicherung der Zeitschrift SKN und der Schriftenreihe SLSN neu eingeführten peer-review-Verfahrens.

 

Dipl.-Prähist. Moritz Mennenga leitet das Referat Grabungstechnik und Geoinformatik

Die gestiegenen EDV-Anforderungen im Bereich Grabungsdokumentation, -verwaltung und –auswertung wurden infolge des verstärkten Einsatzes digitaler Medien und der wachsenden Zahl von Prospektions- und Ausgrabungsprojekten zum Anlass genommen, zum 01.01.2015 am NIhK ein neues Referat einzurichten, dessen Aufgabe es ist, in Kooperation mit den jeweiligen in den Projekten beschäftigten Mitarbeitern die für die Ausgrabungen optimale wissenschaftliche und grabungstechnische Methodik und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Für die Leitung des Referats Grabungstechnik und Geoinformatik wurde eine Persönlichkeit gesucht, die nicht nur über umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich moderner Grabungstechnik verfügt, sondern zugleich auch in der Lage ist, IT-basierte Konzepte für das Datenmanagement und die statistische Auswertung dieser Informationen zu entwickeln. Für die Leitung dieses Referats konnte Dipl.-Prähist. Moritz Mennenga (Jahrgang 1985) gewonnen werden, der bereits seit 2011 am NIhK als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-geförderten Projekt „Trichterbecherkultur-Nordwestdeutschland“ beschäftigt ist. Moritz Mennenga hat von 2006 bis 2011 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie und Informatik studiert und verfügt über ausgezeichnete Kenntnisse der Bereiche GIS, Geostatistik und Datenbanken. Als Verfechter des open-source Gedankens ist er an der Entwicklung von in der Archäologie einsetzbarer, frei zugänglicher Software und standardisierter Aufnahmesysteme und Datenbanken beteiligt, die zukünftig die vergleichende Auswertung großer Datenmengen ermöglichen sollen.

 

Dr. Martin Segschneider übernimmt das Referat Küsten- und Meeresarchäologie

In den vergangenen Jahren hat sich das NIhK verstärkt in der nationalen und europäischen maritimen Forschung engagiert. Die Beteiligung des NIhK an SINCOS,SPLASHCOS, Fehmarnbelt- und Wattenmeerprojekt haben das große Erkenntnispotenzial dieser Forschungen aufzeigen können und zu der Überzeugung geführt, dass sich das Institut mit seiner interdisziplinären Ausrichtung zukünftig verstärkt in diesem Bereich engagieren sollte. Besondere Bedeutung wird dabei dem zum 01.09.2015 neu eingerichteten Referat Küsten- und Meeresarchäologie zukommen, dessen Leitung Dr. Martin Segschneider als wissenschaftlicher Rat übernommen hat. Die Beantwortung maritimarchäologischer Fragestellungen beschäftigt den 1966 geborenen und auf der Insel Amrum aufgewachsen Dr.

Segschneider bereits seit vielen Jahren. Er hat von 1989 bis 1994 Ur- und Frühgeschichte, Botanik und Zoologie studiert und kann somit als Grenzgänger zwischen Natur- und Kulturwissenschaften bezeichnet werden. Nachdem er von 1995 bis 2002 zahlreiche Ausgrabungen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Dänemark geleitet und von 2002 bis 2004 in Mecklenburg-Vorpommern die Ausgrabungen entlang der Ostseeautobahn A20 koordiniert hatte, legte er 2004 seine Dissertation über die Besiedlungsgeschichte der Marschen der Insel Föhr und der Wiedingharde, Kreis Nordfriesland, an der Universität Kiel vor und wurde damit promoviert. Im Anschluss übernahm er die Leitung des Dezernats frühgeschichtliche Siedlungen am Landesamt für Bodendenkmalpflege in Schwerin. 2006 wechselte an das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein nach Schleswig, wo er bis zu seinem Wechsel an das NIhK als Dezernent u.a. für die archäologische Denkmalpflege auf den nordfriesischen Inseln, auf der Insel Helgoland, aber auch in der Nord- und Ostsee zuständig war. Neben seinen Arbeiten in der Bodendenkmalpflege hat Dr. Segschneider gemeinsam mit Partnern drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte wie das von der Ferring-Stiftung unterstützte Projekt „Burgenforschung auf den Nordfriesischen Inseln“ oder das DFG geförderte Projekt „Nordseehäfen“ initiiert und durchgeführt.

 

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2011

Tag des offenen Denkmals

11. September 2011

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als deutscher Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 11. September 2011 jetzt zum 17. Male statt. Der diesjährige bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ steht unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“ statt. Selbstverständlich ist dies auch ein Thema der Archäologie. Denn im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Archäologie „weg vom spektakulären Schatzgräbertum hin zur exakten Wissenschaft“, wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf ihrer Homepage schreibt. Die Auseinandersetzung mit den Megalithgräbern und den Burgwällen, deren Erfassung und Erforschung, kann man ebenso thematisieren, wie die flächendeckende Inventarisation archäologischer Denkmale. Man könnte sich auf die Spuren von Johann Karl Wächter begeben, der 1841 seine „Statistik der im Königreich Hannover vorhandenen Denkmäler“ veröffentlichte, oder denen des Kammerherrn von Estorff, der 1846 sein Buch über „Heidnische Alterthümer der Gegend von Uelzen im ehemaligen Bardengaue (Königreich Hannover)“ herausgab. Erfolgen wie Misserfolgen Oldenburgischer Denkmalschutzpolitik im 19. Jahrhundert kann man sicher auch im Gelände nachspüren, wie auch den archäologischen Nachforschungen braunschweigischer oder schaumburg-lippischer amtlicher Stellen und engagierter Laien. So ergibt sich die Gelegenheit, die Besucher mit auf eine Zeitreise in ein Jahrhundert archäologischer Entdeckungen zu nehmen. Die landesweite Eröffnung des „Tag des offenen Denkmals“ wird dieses Jahr in Alfeld (Leine) stattfinden.

Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Hundert Augenblicke auf Göttingen im Mittelalter

23. Januar – 21. August 2011

Städtisches Museum Göttingen Ritterplan 7/8, 37073 Göttingen Tel.: 0551/400-2843 E-Mail: museum@goettingen.de Homepage: www.museum.goettingen.de Di.–Fr. 10.00–17.00 Uhr; Sa.–So. 11.00–17.00 Uhr

Hochmittelalter – es ist die Zeit der Stadtgründungen in Deutschland. Zwischen 1150 und 1200 entsteht auch Göttingen. Die Aussicht auf größere Freiheit, Wohlstand und städtische Selbstverwaltung zieht bald mehr als tausend Menschen in die neue Siedlung. Schnell entwickelt sich Göttingen in den folgenden Jahrzehnten zu einer selbstbewussten Handels- und Handwerkerstadt.

Die Ausstellung „Hundert Augenblicke auf Göttingen im Mittelalter“ präsentiert im Städtischen Museum hundert ausgewählte Exponate – jedes Stück ein Augenblick auf Göttingen im Mittelalter. Der massive Gefangenenblock und der silberne Münzschatz erzählen, wie sich die Göttinger Bürger selbstbewusst aus der Abhängigkeit von den Landesfürsten befreiten. Kostbarkeiten aus Kirchen und Klöstern lassen die Bedeutung des christlichen Glaubens erahnen. Das kunstvoll gearbeitete Aquamanile, die präzise Klappwaage eines Kaufmanns vermitteln einen Eindruck von Handwerk und Handel. Ein Blick auf das filigrane Trinkglas macht den Wohlstand einiger Bürger im Spätmittelalter sichtbar. Kugeltopf und Pflanzenreste geben Einblicke in das ganz alltägliche Leben.

An spannenden Aktivstationen kann man wie ein Kaufmann auf dem Rechenbrett rechnen, an einer Handmühle Mehl mahlen oder ein mittelalterliches Gewand überstreifen. Wer mag, vertreibt sich die Zeit bei einem Spiel mit Knochenwürfel oder Spielbrett. Die Ausstellung Hundert Augenblicke eröffnet vielfältige Blicke auf Göttingen im Mittelalter und bietet mit einem spannenden Begleitprogramm Wissen und Aktionen für große und kleine Besucher.

Doppelter Luxus in Wolfenbüttel und Braunschweig

„Luxus in Scherben“ - Von der Teetasse zur Toilettenschüssel

5. April bis zum 3. Juli 2011

Braunschweigisches Landesmuseum (Vieweghaus) Burgplatz 1, 38100 Braunschweig Tel.: 0531/1215-0 E-Mail: info@blm.niedersachsen.de Homepage: www.landesmuseum-braunschweig.de Di.–So. 10:00–17:00; Do. 10:00–20:00; Mo. geschl.

„Luxus in Scherben. Fürstenberger und Meißener Porzellan aus Grabungen“ lautet das Thema einer ungewöhnlichen Ausstellung. Der Schwerpunkt der Schau mit rund 600 Objekten, die zum Teil erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt werden, liegt auf der Präsentation bürgerlichen Alltagsporzellans des 17./18. Jhs. Die Ausstellung basiert auf dem Projekt „Fragmente einer Legende – Weißes Gold aus Grabungen“ des Sächsischen Landesamtes für Archäologie, das 2010 im Japanischen Palais in Dresden gezeigt wurde. In Kooperation mit dem Museum im Schloss – Porzellanmanufaktur Fürstenberg GmbH wurde die Schau für Braunschweig um die Geschichte der Porzellanmanufaktur Fürstenberg erweitert (siehe unten Ausstellungsort Wolfenbüttel). Porzellan fasziniert die Menschen seit seiner Erfindung in China im 7. bis 9. Jh. . Chr. In Europa gelang die Entschlüsselung des Herstellungsgeheimnisses erst mehr als 1000 Jahre später, durch Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden und Meißen. Im Jahre 1710 mündete die Entdeckung der Rezeptur in der Gründung der ersten Porzellanmanufaktur Europas in Meißen durch August den Starken. Seitdem wird das kostbare repräsentative Porzellan aus Herrscherhäusern gepflegt und gesammelt. In Nachahmung der höfischen Gepflogenheiten schmückte auch das Bürgertum seinen Tisch mit Porzellan – dieses Porzellan jedoch wurde nie systematisch gesammelt. Gefunden wird es heute bei archäologischen Ausgrabungen, also buchstäblich „in Scherben“. Rund 400 aus solchen Scherben rekonstruierte Objekte geben in der Ausstellung zum Teil ungewöhnliche Einblicke in den bürgerlichen Alltag des 17. bis 19. Jhs., von der Teetasse bis zur Toilettenschüssel.

 

„Luxus in Scherben“ Residenzarchäologie in Braunschweig und Wolfenbüttel

ab 21. April 2011

Braunschweigisches Landesmuseum Archäologisches Museum Wolfenbüttel Kanzleistr. 3, 38300 Wolfenbüttel Tel.: 05331/8 58 6990 E-Mail: morawietz@ blm.niedersachsen.de Homepage: www.landesmuseum-braunschweig.de Mi.–Do. u. So. 10:00–17:00; Di. u. Fr. 10:00–13:00; Sa u. Mo. geschlossen.

Durch zahlreiche archäologische Ausgrabungen in den herzoglich-braunschweigischen Residenzstädten Braunschweig und Wolfenbüttel konnten viele Einblicke in die Bautätigkeit, das geistige Leben und die Tischkultur der höfischen Oberschicht gewonnen werden. Porzellan, Fayencen, importiertes hochwertiges Steinzeug, aber auch qualitätvollstes Glas und aufwendig gestaltete Ofenkacheln, ja selbst Speiseabfälle vermitteln einen Eindruck vom prunkvollen Leben am herzoglichen Hof und dem Versuch der gehobenen Bürgerschaft, dieses zu imitieren.

Nebenbei geben die archäologischen Funde Einblicke in Fern- und Regionalhandel, in Handwerk, Produktion und Manufakturwesen in den herzoglichen Residenzstädten. Die reich mit biblischen Motiven verzierten Ofenkacheln vermitteln Details aus den turbulenten Jahrhunderten der Religionsgeschichte im Zeitalter von Reformation und Gegenreformation. So kann das durch die historische Überlieferung in den Schriftquellen gewonnene Bild um wesentliche Elemente bereichert werden.

Herausragende Objekte sind Bauteile aus dem Grauen Hof, der ersten Residenz der Herzöge nach ihrer Rückkehr nach Braunschweig, sowie bemalte Glasscheiben aus dem ersten Bibliotheksgebäude von Herzog August, aus dem die heute berühmte Bibliothek hervorging. Die Ausstellung wird gezeigt im „Schubladenkabinett“, dem Archiv der herzoglichen Kanzlei, welche sich diese Ende des 16. Jhs. in italienischem Spätrenaissancestil in Wolfenbüttel in der neuen Planstadt errichten ließen, einem somit sehr passenden Ambiente für das Ausstellungsthema.

Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 2010

Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme), Band 16, 2010. Isensee-Verlag, Oldenburg 2010. 342 Seiten, 71 farbige und 72 s/w Abb., 9 Tabellen. Gebunden. 21,00 €.ISSN 0946-8471 / ISBN 978-3-89995-761-7.

Der Band 16 der Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) veranschaulicht eindrücklich das reiche Forschungspotential des zentralen Elbe-Weser-Dreiecks: Ein Projekt im Umfeld der archäologisch untersuchten Station von Oldendorf 52 und 69 (7550–6095 calBC) mit jeweils über 100 Feuerstellen zeigt neue Analysemöglichkeiten zum Nachweis menschlich verursachter Brände auf (H. Niemann, K. Gerken, E. Namysol). Hierfür werden pollenanalytische Untersuchungen und Holzkohlenanalysen eines verlandeten Sees bei Oldendorf und des Bullensees bei Hemel herangezogen. Neuere Grabungen im Rahmen eines länder-und fächerübergreifenden Forschungsprojektes am Höhbeck, Ldkr. Lüchow-Dannenberg, können die Diskussion um die Lokalisierung des 805 im Diedenhofener Kapitular genannten Ortes „Schezla“ wesentlich bereichern (J. Schneeweiß). Mit älteren Funden bzw. Grabungen befassen sich drei Aufsätze: Ein Projektteam (S. Hesse, S. Grefen-Peters, C. Peek, J. Rech, U. Schliemann) nahm sich der Moorleichen im Landkreis an. Neben einer quellenkritischen Wertung der bisher bekannt gewordenen Moorleichenmeldungen konnten ebenso umfangreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden. Unter anderem gelang es, bereits vor mehr als 250 Jahren geborgene Textilreste aus dem Rieper Moor zu datieren und eine Moorleiche aus der Nähe von Bremervörde anthropologisch zu untersuchen. Ein weiterer Aufsatz betrachtet eine bereits 1966 beim Bau des Bremervörder Kreishauses entdeckte eiserne Ofenplatte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Darstellung der „klugen und törichten Jungfrauen“ sowie einer Auswahl der „Neun guten Helden“ und „Neun guten Heldinnen“ unter restauratorischen und ikonografischen Gesichtspunkten (S. Hesse, C. Tegge). Einer Grabung aus dem Jahr 1938 in Visselhövede, die ein frühmittelalterliches Grubenhaus erfasste, nimmt sich ein weiterer Beitrag an (J. Bock). Auch hier gelang es die damals gewonnenen Ergebnisse in Teilen zu revidieren bzw. zu konkretisieren. Eher perspektivisch ist die Auslotung archäologischer Fragestellungen und Möglichkeiten in kleineren Städten im Landkreis (S. Hesse). Hierbei wird der jeweilige Forschungsstand vorgestellt und u.a. ein Kriterienkatalog zur regionalen Definition von Städten aufgestellt. Den Schluss des Bandes bilden Tätigkeitsberichte (Kreisarchäologie, Bachmann-Museum, Archäologische Gesellschaft), die Fundchronik 2008–2009 und Buchbesprechungen. Alle Beiträge besitzen eine Zusammenfassung in deutscher und englischer Sprache.

BAN 15 – Braunschweigs Altstadt – platea finalis

Dirk Rieger, platea finalis. Forschungen zur Braunschweiger Altstadt im Mittelalter. Mit Beiträgen von Elmar Arnhold und Silke Grefen-Peters. Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen 15. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2009. 437 Seiten mit 234 Abbildungen. ISBN 3-89646-934-7/ ISSN 1439-7552. Hardcover. 59,80 €.

2003-04 wurde in acht Monaten an der Echternstraße ein Areal von 6.000 m² ausgegraben. Trotz Bombentreffern des Zweiten Weltkrieges wurde hier am Rand der Altstadt eine enorme Befunddichte des 12.-20. Jhs. dokumentiert. Das reiche Fundmaterial umfasst Keramik, Glas, Buntmetall, Eisen, Knochen, Stein, eine Düse, eine Lampe und einen Kinderschuh. Der Band geht jedoch weit über die Vorlage der 12.000 Funde und über 650 Befunde hinaus, indem die Parzellenentwicklung und Parzellenverteilung herausgearbeitet, die Entwicklung des Braunschweiger Bürgerhauses vom Pfostenbau zum Fachwerkbau inklusive “Buden“ und “Steinwerken“ untersucht und Handwerk und Handel der Bewohner analysiert werden. Befestigung und Wehrwesen der Braunschweiger Altstadt vom 12.-18. Jh. werden neu beleuchtet. Als Synthese folgt ein langer Beitrag zur Genese der Altstadt, wobei wie im ganzen Band die historischen und naturwissenschaftlichen Quellen einbezogen werden, z. B. die von Silke Grefen-Peters untersuchten Tierknochen. Ein Rekonstruktionsversuch der verschiedenen Bauphasen eines Gebäudes vom 13. Jh. bis um 1500 veranschaulicht die beschriebenen Ergebnisse.

Archäologie und Forstwirtschaft im Einklang Modellstudie erfolgreich abgeschlossen

Archäologie und Forstwirtschaft im Einklang – Denkmalschutz und Präsentation von Burgen in Waldgebieten. Hrsg. v. d. Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie der Stadt-und Kreisarchäologie Osnabrück. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück 2011. 74 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

In der Schriftenreihe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erscheint die Abschlusspublikation zum Projekt Holter Burg. Die Modellstudie diente der Entwicklung von neuen Strategien der denkmalverträglichen Burgenpräsentation in forstwirtschaftlich genutzten Waldgebieten. Dafür kooperierten die Projektträger, der Heimatbund Osnabrücker Land und die Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, mit zahlreichen Institutionen aus unterschiedlichen Fachrichtungen.

Nach einer Einführung in das Projekt von Bodo Zehm, Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie, und einem Überblick zum mittelalterlichen Burgenbau (Jan-Eggerik Delbanco, Universität Münster) folgen Beiträge aus dem forstlichen Bereich (Uwe Wessel, Forstamt Osnabrück; Hansjörg Küster, Universität Hannover), ein bauliches Konzept zu Ruinensicherung (Carolin Sophie Prinzhorn, Universität München) sowie ein umfassender Artikel zu Entwicklungsstrategien des Archäotops von dem Landschaftsarchitekten Hyco Verhaagen und dem Landschaftsökologen Carsten Schulze. Die von den beiden Autoren vorgestelllten Szenarien zeigen eindrucksvoll, welche konkreten Nutzungsmöglichkeiten sich für die Beteiligten bei derartigen Projekten ergeben und mit welchen Kosten die jeweiligen Ansätze verbunden sind.

Abgerundet wird die Broschüre durch interessante Einblicke in die Möglichkeiten umweltgerechter touristischer Nutzung (Katja Kniewel, Stadt-und Kreisarchäologie) und in innovative Methoden der Erfassung archäologischer und historischer Landschaften am Beispiel mittelalterlicher Burgen, durch das sog. Airborne Laserscanning/LIDAR (Hans-Wilhelm Heine, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover).

Kostenlos anzufordern bei der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück unter Tel. 0541-323-3089, E-Mail: snowadsky@osnabrück.de oder downloaden unter: http://www.dbu.de/643publikation1025.html.

Dr. Felix Bittmann Leiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung

Nach drei Jahren, in denen Dr. Felix Bittmann die Leitung des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung bereits kommissarisch wahrgenommen hatte, erhielt er im Oktober 2009 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur seine Ernennung zum Leitenden Direktor des Instituts. Damit wird nicht nur die wissenschaftliche und organisatorische Leistung von Dr. Felix Bittmann gewürdigt, sondern gleichzeitig auch ein Zeichen dafür gesetzt, den Einsatz naturwissenschaftlicher Methoden in der Küsten- und Siedlungsforschung zu stärken.

Fundchronik Niedersachsen 

Fundchronik Niedersachsen 2006/2007. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 13. Herausgegeben von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch Henning Haßmann. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010. 362 Seiten mit 399 schwarz-weiß Abbildungen sowie 16-seitige Farbbeilage mit 35 Abbildungen und farbigem Titelbild. ISBN 978-3-8062-2419-1 / ISSN 1437-2177. Kartoniert. Je Band 42,– € (daneben ermäßigter Abonnementpreis).

Bei neuen Fundchronik handelt es sich um einen Doppelband für die Jahre 2006/ 2007, an dem mehr als 100 Autorinnen und Autoren mit über 470 Beiträgen beteiligt sind. Die Beiträge umfassen wiederum die Zeitspanne von der Altsteinzeit bis in die Neuzeit und belegen die Vielfalt der niedersächsischen Archäologie-Landschaft. Unter anderem wird über die Ausgrabungen am Römerlager bei Hedemünden im Land-kreis Göttingen und an der hochmittelalterlichen Burg bei Holte-Sünsbeck im Landkreis Osnabrück berichtet. Längere Beiträge sind u. a. den Grabungen in der Emdener Altstadt (Kreisfreie Stadt Emden), dem ehemaligen Benediktinerkloster St. Godehard bei Hildesheim (Landkreis Hildesheim) und dem Zisterzienserkloster Ihlow in der Gemeinde Ludwigsdorf (Landkreis Aurich) gewidmet.

Burgen im Lüneburgischen: Aus dem Verborgenen geholt

Dietmar Gehrke, Burgen und befestigte Adelssitze zwischen Lüneburg und Uelzen. Weiße Reihe des Landkreises Lüneburg 19. Husum Verlag, Husum 2009. 132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. ISBN-13: 978-3898764704. Broschiert. 12,00 €.  

Burgen und befestigte Adelssitze zwischen Lüneburg und Uelzen sind ein Thema, welches die regionale Geschichtsschreibung seit vielen Jahrzehnten immer wieder beschäftigt hat. Für diese Bestandsaufnahme wurden alle verfügbaren Quellen und die wenigen bis dato vorgelegten archäologischen Befunde gesichtet und zusammengestellt. Das Ergebnis ist vielschichtig. Nicht in jedem Fall konnte eine abschließende Entscheidung über die genaue Ansprache einer möglichen Burg getroffen werden und oft genug war die Lokalisierung einer solchen Anlage nicht oder allenfalls nur vage möglich. Anstelle trutziger Mauern muss in hiesigen Breiten mit palisadenumsäumten Rundwällen, befestigten Höfen und Wehrkirchen gerechnet werden. Statt auf unzugänglichen Felsen befanden sich die Burgen zwischen Lüneburg und Uelzen oftmals in sumpfigen Niederungen weitaus weniger prächtig, dafür aber ebenso schwer zu erstürmen.

MAN 40: Stadtwüstung Nienover ‑ Von der Grabung zur Auswertung 

Thomas Küntzel, Die Stadtwüstung Nienover im Solling. Auswertung der Befunde zur Stadttopographie, Hausbau und Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert. Materialhefte zur Ur-und Frühgeschichte Niedersachsens 40. Herausgegeben von Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden 2010. 824 Seiten mit 2 Abbildungen, 37 Tabellen, 11 Diagrammen und 122 Tafeln. ISBN-13: 978-3-89646-973-1. ISSN: 0465-2770. Hardcover. 69,80 €.

Im Jahre 2009 erschien die erste große Monographie zur mittelalterlichen Stadtwüstung Nienover im Solling (Ldkr. Northeim) aus der Feder von Sonja König mit dem Titel „Studien zur Sachkultur einer hochmittelalterlichen Gründungsstadt im südlichen Niedersachen“ (MAN 39). Dieser Arbeit folgt nun ein zweiter Band zu Nienover von Thomas Küntzel mit der „Auswertung der Befunde zur Stadttopographie, Hausbau und Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert“. Nienover ist einer der größten unüberbauten Stadtwüstungen Mitteleuropas, von der 1993 bis 2007 große Bereiche ausgegraben und in den Kontext der mittelalterlichen Kulturlandschaft gestellt wurden. Der Band gliedert sich in Kapitel zu Stadtwüstung, Burg und Vorwerk Nienovers nach den Geländeforschungen sowie zu Formen, Vorgängen und Ursachen von Stadtwüstungen. Die Verödung Nienovers war demnach kein isoliertes oder krisenhaftes Ereignis, sondern ist als Begleiteffekt eines Optimierungsprozesses und Folge territorialer Auseinandersetzungen mit ungeklärten Machtverhältnissen zu sehen. Die Beschreibung und Erfassung von Wüstungsvorgängen erweist sich als äußerst komplex. Es finden sich totale, partielle, funktionale und statusmäßige Wüstungen, solche von Altstädten, Neustädten, Vorstädten oder Vorgängerstädten, wobei Verlegung und Konkurrenzstädte die häufigste Ursache darstellen und Kleinstädte besonders wüstungsanfällig waren. Vor dem 15. Jh. mit seiner waffentechnisch bedingten Abschottung der Städte vom Umland bildeten viele Städte mit ihren Vorstädten weite Stadtlandschaften. Der Wert des Buches liegt darin, dass der Autor weit über das Weserbergland hinaus die Befundsituation und Strukturen vergleicht in einen größeren Zusammenhang stellt, womit der Band zu einem Handbuch über die Stadtwüstungsforschung geworden ist.

Koordination außeruniversitärer archäologischer Forschungen in Niedersachsen 

Um die in der archäologischen Landesforschung Niedersachsens verfügbaren Ressourcen und Kompetenzen optimal einsetzen zu können, haben das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) eine enge Kooperation und Aufgabenteilung im Bereich der archäologischen Forschung vereinbart. Das Niedersächsische Ministerium fürWissenschaft und Kultur hat diese Kooperation durch die Einrichtung einer Koordinationsstelle für archäologische Forschungen am NLD und am NIhK unterstützt, deren Ziel es ist, bei der Entwicklung von Projektideen sowie bei der Konzeption und Beantragung von Drittmitteln beratend mitzuwirken. Diese Koordinationsstelle ist in der Kulturwissenschaftlichen Abteilung des NIhK in Wilhelmshaven angesiedelt und wird seit Mai 2010 von Prof. Dr. Hauke Jöns wahrgenommen. Gleichzeitig ist der Präsident des NLD, Dr. Stefan Winghart, als ständiger Gast in den Wissenschaftlichen Beirat des NIhK berufen worden.

MAN 42: Hildesheim – Die Bernwardsmauer

Helmut Brandorff, Die Bernwardsmauer in Hildesheim. Materialhefte zur Ur-und Frühgeschichte Niedersachsens 42. Herausgegeben von Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen. e.V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden 2010. 314 Seiten, 45 Abbildungen, 234 Tafeln, 11 Beilagen ISBN-13: 978-3-89646-975-5. ISSN: 0465-2770. Hardcover 59,80 €

Schriftquellen bezeugen den Bau einer Mauer um den Hildesheimer Dombezirk durch Bischof Bernward [993–1022]. Teile dieser Mauer könnten die älteste oberirdisch sichtbare mittelalterliche Stadtmauer Nordwesteuropas darstellen. Ausgrabungen von 1986–1988 in dieser Domburg als kirchlichem Fürstensitz lieferten eine Stratigraphie des 10.-20. Jhs. mit reichen Keramikfunden, Glasfunden und Metallfunden, die nur in Göttingen und Lübeck Parallelen finden. Der Band präsentiert Befunde und Stratigraphie, die eine relative Chronologie liefern, die mit absolut datierten Fixpunkten wie Schriftquellen vernetzt wird. Daraus ergibt sich eine Periodeneinteilung, die den Bauphasen der Wehrmauer zugeordnet wird. Die Keramikvorlage dient der absoluten Datierung einzelner Befunde, für soziokulturelle und kulturgeschichtliche Fragestellungen hinsichtlich Fundplatz, Stadt und Umland sowie für Vergleiche mit anderen Fundorten für Fragen von Produktionsorten, Handel und Verbreitung. Die Untersuchung von Herstellungsspuren und Gebrauchsspuren erlaubt Rückschlüsse auf die technische Entwicklung, Ernährungsgewohnheiten und Kochgewohnheiten sowie die Wertigkeit von Keramik im Vergleich zu anderen Materialien.

„O, schaurig ist’s, über’s Moor zu gehn ...“

ab 29. Mai 2011: Sonderausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Landesmuseum Natur und Mensch Damm 38–44, 26135 Oldenburg Tel.: 0441/9244-300 Fax: 0441/9244-399 E-Mail: museum@naturundmensch.de Homepage: www.naturundmensch.de Di.-Fr 09:00–17:00 Uhr, Sa.–So., Sa.-So. 10:00–17:00 Uhr, Mo. Geschlossen.

Moore sind geheimnisvoll, sind Schauplatz unheimlicher Geschichten und bieten eine ausgezeichnete Künstlerkulisse für Malerei und Fotografie. Gleichzeitig sind Moore Lebensraum für einzigartige Tiere und Pflanzen, stehen unter Naturschutz und sind auf allen Kontinenten zu finden. Für den Menschen sind Moore eine lebensfeindliche Landschaft, eine Quelle natürlichen Rohstoffs und ein anscheinend nie endendes Geschichtsdepot. Einmalige Erhaltungsbedingungen schaffen die Grundlage zur Erforschung organischer Materialien und außergewöhnlicher Entdeckungen. Mit dieser Sonderausstellung zeigt das Landesmuseum Natur und Mensch eine große Bandbreite an Moorfunden aus dem eigenen Archiv, präsentiert interdisziplinäre Forschungen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus langjährigen Untersuchungen.

Zu den spektakulärsten Exponaten gehören zweifelsohne die Moorleichen – seit langer Zeit ist z. B. der Junge von Kayhausen sowie die Skelettleiche aus der Esterweger Dose wieder zu sehen; mit Forschungsergebnissen, die staunen lassen. Einen herausragend hohen technischen Sachstand und eine große Flexibilität, sich mit den Widrigkeiten des Moores zu arrangieren, belegen die Moorwege. Gemeinsam mit der Entwicklung von Rad und Wagen lassen sie auf ein spezialisiertes Handwerk und auf eine ausgeprägte Mobilität des Menschen bereits seit der Jungsteinzeit schließen. Mit diesen und vielen weiteren Themenfeldern und Originalen werden die Moorarchive lesbar und zeigen naturkundliche wie kulturhistorische Perspektiven.

Mehr als 220 Jahre ist die Moorforschung ein wesentlicher Bestandteil der Archäologie in der Weser-Ems-Region. Die Ausstellung präsentiert Forscher, die Aspekte von Landschaftszerstörung, Naturschutz und Renaturierung sowie Objekte, die anlässlich dieser Schau untersucht wurden; hierzu zählen die Einbäume – aus einem Baumstamm gefertigte Wasserfahrzeuge. Nicht zuletzt blickt das Museum somit auf die eigene Geschichte zurück und stellt ausschließlich Objekte des eigenen Bestandes aus. Zahlreiche Publikationen – diese erscheinen in dem Verlag Philipp von Zabern – bieten spannende Informationen auch über den Museumsbesuch hinaus.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 79, 2010. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, durch Henning Haßmann. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010; VIII u. 298 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; farbiges Titelbild. ISBN 978-3-8062-2435-1/ISSN 0342-1406. Kartoniert. Je Band 42,– € (daneben ermäßigter Abonnementpreis).

Die „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte“ sind die landesweite archäologische Fachzeitschrift, die jeder in der Archäologie Tätige für die laufende Arbeit im Lande und weit darüber hinaus benötigt.

Der vorliegende Band enthält aktuelle Beiträge aus der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie den Forschungseinrichtungen des Landes Niedersachsen. Die Entdeckung eines neolithischen Erdwerkes bei Stolzenau im Landkreis Nienburg an der Weser schließt eine empfindliche Forschungslücke. Über Rettungsgrabungen auf einem mehrperiodigen Fundplatz in Baccum, Stadt Lingen, Ldkr. Emsland, berichtet das Team aus dem Stützpunkt Oldenburg des NLD. Im Umland der befestigten Höhensiedlung Hünenburg bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt, wurde ein jungbronze-/früheisenzeitlichen Friedhof ausgegraben. Die Untersuchungen zur Kirchenburg in Ankum lassen Schlüsse auf einen Adelssitz des 10. Jahrhunderts zu. Über die mittelalterliche Wüstung Moseborn bei Holzerode, Ldkr. Göttingen, gibt es neue Erkenntnisse zur Datierung des Siedlungsablaufs, zur Ausdehnung der Siedelfläche und zur Erhaltung mittelalterlicher Baubefunde. Die Tierknochenreste aus dem Dominikanerkloster Norden ermöglichen Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten im Kloster (13. bis 16. Jh.). Während in der Frühphase vorwiegend Fisch nachweisbar ist, ein Hinweis auf eine Ernährung nach christlichen Regeln, weist die Spätphase deutliche Indizien für ein Klientel aus höheren sozialen Schichten auf. Salztorfabbau in vergangenen Zeiten und seine Folgen für die Umwelt dokumentieren Wissenschaftlerinnen aus dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung. Ein Kongressbericht mit zahlreichen Beiträgen aus Anlass des 30jährigen Jubiläums des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes beschließt den Aufsatzteil. Nach den Buchsprechungen beschließt der Tätigkeitsbericht der Archäologischen Kommission für Niedersachsen den Band.

Neue Studien zur Sachsenforschung 2

Babette Ludowici und Heike Pöppelmann (Hrsg.), Das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Kulturen. Zur Archäologie und Geschichte wechselseitiger Beziehungen im 1. Jahrtausend n. Chr. Neue Studien zur Sachsenforschung 2. In Kommission bei Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2011. 202 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Kartoniert, 29,00 €. ISBN 978-3-8062-2497-9.

Mit dem zweiten Band der Reihe „Neue Studien zur Sachsenforschung“, die das Niedersächsische Landesmuseum Hannover in Verbindung mit dem „Internationalen Sachsensymposion – Arbeitsgemeinschaft zur Archäologie der Sachsen und ihrer Nachbarvölker“ herausgibt, werden die Beiträge zum 56. Internationalen Sachsensymposion in Magdeburg vorgelegt. Das Symposion fand vom 27. bis 31.August 2005 aus Anlass des 1200-jährigen Jubiläums der Stadt auf Einladung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg statt Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Aussagemöglichkeiten archäologischer Quellen zu Formen des Kontaktes und Austauschs zwischen den verschiedenen Kulturräumen und Bevölkerungsgruppen Nordwest- und Mitteleuropas im ersten Jahrtausend n. Chr. Der Band umfasst 18 Symposionsbeiträge von Archäologen und Historikern, die vielfältige Einblicke in Akkulturations- und Migrationsprozesse dieser Epoche bieten und schlaglichtartig Phänomene der Kommunikation und Ökonomie in regionalen und überregionalen Kontexten beleuchten.

Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 33

Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 33, 2010. Hrsg. vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven. Gedächtnis-Kolloquium Werner Haarnagel (1907–1984). Herrenhöfe und die Hierarchie der Macht im Raum südlich und östlich der Nordsee von der Vorrömischen Eisenzeit bis zum frühen Mittelalter und zur Wikingerzeit. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2010. 299 Seiten, 198 Abbildungen, 3 Tabellen. ISBN-13: 978-3-86757-851-6 / ISBN-10: 3-86757-851-6. Hardcover. 54,80 €.

Die vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) bis Band 32 (2008) herausgegebene Reihe „Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet“ wird mit dem 2010 erschienenen Band 33 als Zeitschrift unter dem Titel „Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet“ (SKN) fortgeführt. In etwas verkleinertem Format und mit neuer Umschlaggestaltung erscheint sie jetzt im Verlag Marie Leidorf. Monographische Arbeiten werden in Zukunft in der neuen Reihe „Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet“ des NIhK publiziert. In SKN 33 werden Vorträge zum Thema „Herrenhöfe und die Hierarchie der Macht im Raum südlich und östlich der Nordsee“ vorgelegt, die 2007 bei einem internationalen Kolloquium aus Anlass des 100. Geburtstags von Werner Haarnagel, dem Gründer des NIhK, gehalten worden sind. Haarnagel entwickelte aus der sozialgeschichtlichen Interpretation der Baubefunde der Wurt Feddersen Wierde das Modell eines Herrenhofs als Sitz der dörflichen Elite. Dieses Modell beeinflusste die Siedlungsforschung weit über Nordwestdeutschland hinaus und ist seither auf zahlreiche Siedlungen im gesamten nordwesteuropäischen Raum übertragen worden. Im Licht aktueller Forschungen wurden die Interpretationen Haarnagels neu diskutiert. Thematische Schwerpunkte bildeten dabei die gesellschaftliche Organisation von Handel, Austausch und Kommunikation sowie von Form und Struktur überregionaler Kontakte germanischer Eliten, aber auch die Möglichkeiten einer Differenzierung von Hierarchie auf der Grundlage archäologischen Quellenmaterials. Die Vorträge sind ergänzt um eine Würdigung Werner Haarnagels, ein Verzeichnis seiner Schriften und einen Beitrag zur Hundehaltung auf der Feddersen Wierde.

Studien zur Landschafts-und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet 1

Annette Siegmüller, Die Ausgrabungen auf der frühmittelalterlichen Wurt Hessens in Wilhelmshaven. Siedlungs- und Wirtschaftsweise in der Marsch. Mit Beiträgen von Käthe Scheer(†) und Udelgard Grohne, Friederike Bungenstock, Wolf-Rüdiger Teegen und Michael Schultz. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet 1. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2010. 289 Seiten, 158 Abbildungen, 7 Tabellen, 9 Beilagen. ISBN-13: 978-3-86757-331-3/ISBN-10: 3-86757-331-X. Hardcover. 59,80 €.

Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) hat 2010 den ersten Band seiner neuen Reihe „Studien zur Landschafts-und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet“ (SLSN) herausgegeben. In dieser Reihe werden in Zukunft monographische Beiträge insbesondere aus den Arbeitsbereichen Siedlungsarchäologie, Vegetationsgeschichte sowie Landschafts-und Küstenforschung vorgelegt werden. Dabei ist vor allem an die am NIhK betreuten Dissertationen und die Ergebnisse der hier durchgeführten Forschungsprojekte gedacht. Die als Dissertation an der Universität Hamburg entstandene Arbeit von Annette Siegmüller fasst die in mehreren Grabungen von 1938 bis 1963 gewonnenen Ergebnisse auf der Wurt Hessens in Wilhelmshaven zusammen, die vom frühen 7. bis ins 13. Jh. besiedelt gewesen ist. Insgesamt wurden hier vier Hofstellen erfasst, die fast durchgängig mit dreischiffigen Wohnstallhäusern bebaut waren. Auf einer freien Fläche befand sich ein großer Fething zur Speicherung von Regenwasser, der zusätzlich mit einer massiven Holzkonstruktion zur Schafwäsche diente. Ferner wurde in einem umgenutzten Wohnstallhaus eine Gleitschienenanlage freigelegt, auf der flachbodige Küstenschiffe in das Gebäude gezogen werden konnten. Das hervorragend erhaltene vielfältige Fundmaterial spiegelt das Gebrauchsgerät einer ländlichen Siedlung mit nur wenig Importstücken wider. Durch die Lagerung im feuchten Marschboden ist der organische Anteil am Fundgut ungewöhnlich hoch.

„Visbek – eine mittelalterliche Grabung“

17. Juni – 30. September 2011: Ausstellung zur neu entdeckten Siedlung bei Visbek

Museum im Zeughaus Zitadelle 15, 49377 Vechta Tel.: 04441/9309-0, Fax: 04441/ 9309-4 E-Mail: info@museum-vechta.de Internet: www.museum-vechta.de sowie www.mittelalter-vechta.de Di.–So. 14:00–18.00 Uhr

Funde aus den Grabungen, die 2005 bis 2009 bei Visbek stattfanden und eine bisher unbekannte mittelalterliche Siedlung zu Tage förderten, werden nun erstmals gezeigt. Seit im Jahre 2003 auf einem geplanten Erweiterungsgelände einer Sandgrube nordwestlich von Visbek Spuren menschlicher Siedlung entdeckt wurden, hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Oldenburg, in den Jahren 2005 bis 2009 mehrere Grabungen in diesem Gebiet vorgenommen.

Die Funde lassen auf eine mittelalterliche Siedlung schließen, die etwa im 9. Jahrhundert begann und, möglicherweise mit Unterbrechungen, bis ins 13. Jahrhunderts bestand. Sie war bisher völlig unbekannt und in keiner erhaltenen schriftlichen Quelle erwähnt. Neben den Überresten mehrerer Langhäuser und anderer Gebäude stießen die Archäologen auch auf Keramik und andere Fundstücke. Zu den weiteren Funden zählen Webgewichte und einige Eisengegenstände, wie etwa ein Hufeisen und eine Schmiedezange. Besonders bemerkenswert ist die Entdeckung eines Gebäudes mit Steinkeller, was für die Region äußerst ungewöhnlich ist und möglicherweise auf eine herausragende Stellung der Siedlung schließen lässt. Hervorzuheben ist auch ein gut erhaltener, aus unbearbeiteten Findlingen gefertigten Ofen mit Brennraum und Schürloch.

Zusammen mit den Funden aus den Grabungen in Cloppenburg 2002 und Holdorf 2006 beginnt sich mit den Erkenntnissen aus den Grabungen bei Visbek eine Forschungslücke in Bezug auf ländliche Siedlungen im Mittelalter im Oldenburger Münsterland zu schließen. Die Ausstellung ist gemeinsam vom Museum im Zeughaus und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Oldenburg, organisiert worden. In ihr werden erstmals Funde der Grabungen gezeigt und in drei Zeitschnitten die mittelalterliche Siedlungsentwicklung dargestellt. Auf dem Außengelände des Museums wird außerdem ein Grubenhaus rekonstruiert, in dem neben einem Webstuhl auch der gut erhaltene Steinofen zu besichtigen ist.

Am Rande der Archäologie ‑ Begegnungen und Erlebnisse

Wolf-Dieter Tempel, Am Rande der Archäologie. Begegnungen und Erlebnisse. Isensee Verlag Oldenburg 2011. 218 Seiten mit 33 farbigen und 51 schwarz-weißen Abbildungen. ISBN 978-3-89995-764-8, broschiert. 15,00 €.

Was ein Archäologe, in diesem Falle der langjährige Kreisarchäologe Rotenburg (Wümme) Dr. Wolf-Dieter Tempel am Rande seiner Arbeit erleben konnte: Über 90 kurze, teils anekdotenartige Geschichten und Erlebnisse, die nicht in erster Linie archäologische Ausgrabungen oder Forschungen wiedergeben, sondern Erlebnisse und Begegnungen, auch in anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland sind aufgeführt. Ein Archäologe kommt mit vielen interessanten Menschen zusammen, darunter ausgesprochenen Originalen. Archäologen haben ihre Eigenheiten, ehrenamtliche Denkmalpfleger und Hobby-Archäologen geben Anlass zum Schmunzeln oder Erschrecken. Grundeigentümer, auf deren Land etwas gefunden wird, reagieren anders als der Archäologe es sich vorstellt. Ein Bauer glaubt fest, dass Riesen die Steingräber erbaut haben, ein anderer sucht mit der Wünschelrute nach Urnengräbern. Ein Arzt operiert mit antikem Feuersteinmesser. Politik und Medien sind unberechenbar. Schließlich hinterließ auch das Dritte Reich Spuren und Wirkungen. Daher sind einige Abschnitte auch zeitgeschichtlich interessant. Aber auch Kritisches zur Praxis der Bodendenkmale und ihrem Personal sind zu lesen. Eine interessante Lektüre – nicht nur für Niedersachsen!

Dr. Diether Ziermann im Ruhestand

Der Stader Kreisarchäologe Diether Ziermann ließ sich zum 16. Oktober 2010 nach zwanzig Jahren Tätigkeit in der kommunalen Archäologie aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand versetzen. Diether Ziermann wurde 1954 in Hamburg geboren und wuchs in Hamburg-Harburg auf. 1974 legte er seine Abiturprüfung am Friedrich-Ebert-Gymnasium ab. Nach dem Wehrdienst begann er 1975 mit dem Studium der Klassischen Archäologie an der Universität Hamburg, der Vor- und Frühgeschichte, Ägyptologie, Völkerkunde und Geographie. Bereits während der Studienzeit konnte er an verschiedenen Stellen umfangreiche Grabungserfahrungen sammeln. 1981 nahm er mit der Arbeit „Baustoffe und Konstruktionsformen neolithisch/frühbronzezeitlicher Grabarchitektur Westeuropas“ seine Dissertation in Angriff, die er 1990 an der Universität Hamburg abschloss.

Sein Weg führte ihn bereits während des Studiums und der Promotion häufig in das Elbe-Weser-Dreieck. Von 1981 bis 1988 führte er archäologische Auftragsarbeiten für den Landkreis Stade sowie die Städte Stade und Buxtehude durch, so beispielsweise die Grabungen am Kloster Buxtehude-Altkloster oder während der Altstadtsanierung in Buxtehude. Weitere wichtige Projekte in dieser Phase bildeten die umfassenden Grabungen im Kloster Harsefeld, an den sich 1989 ein erstes gemeinsam mit K. Frerichs Ausstellungs- und Publikationsprojekt zum Kloster Harsefeld anschloss. In der Kreisstadt – der Hansestadt Stade – folgten die Ausgrabungen und Baubegleitungen in der Wilhadikirche sowie auf dem Platz „Sand“.

In den Jahren 1989/90 nahm er am ersten Feldeinsatz des „Sonderforschungsbereiches Westafrika“ der Universität Frankfurt/Main in Burkina Faso teil. Ab 1990 war er bis zu seinem Ausscheiden beim Landkreis Stade tätig. Zunächst beschäftigte ihn die Sanierung des Schlosses Agathenburg. Danach übertrug man ihm die Aufgabe des Kreisarchäologen im Landkreis Stade. Neben etlichen Rettungs- und Notbergungen sind die Grabungen einer Siedlung der jüngeren vorrömischen Eisenzeit mit Hausgrundriss in Agathenburg zu nennen, ferner die Ausgrabung am kaiserzeitlichen Friedhof in Apensen oder die Siedlungen der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Fredenbeck. Immer wieder führte sein Weg auf die Stader Geest nach Harsefeld. 1997 bis 2000 erforderten die Anlage eines Wohngebietes großflächige Ausgrabungen, die neben Resten von bronzezeitlichen Grabhügeln auch einen sehr gut erhaltenen Hausgrundriss der jüngeren Bronzezeit sichtbar machten. Zu seinen Erfolgen zählte auch der weitere Ausbau des Museums Harsefeld mit einer didaktischen Neukonzeption. Vorträge in der Region gehörten zu seinen regelmäßigen Aufgaben. Die Grabungsergebnisse fanden den Weg in die „Fundchronik Niedersachsen“, das Harsefelder Jahrbuch „Geschichte und Gegenwart“ sowie in die „Archäologie in Niedersachsen“.

Seit Langem gehört Diether Ziermann dem Beirat des Stader Geschichts- und Heimatvereins an. Die Verwaltung und Erfassung der umfangreichen Sammlung in einer Datenbank im Schloss Agathenburg waren ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Aktiv begleitete er die Treffen der Niedersächsischen Kommunalarchäologen und arbeitete in der Archäologischen Kommission für Niedersachsen mit.

Mit Diether Ziermann scheidet ein Kollege aus der kommunalen Archäologie aus, der mit seinem Humor und seiner Schlagfertigkeit auf vielen Tagungen, Treffen und bei Feldarbeiten begeistern konnte. Es bleibt sehr zu hoffen, dass er, wie geplant, weiter ehrenamtlich der niedersächsischen Archäologie erhalten bleibt. (Andreas Schäfer)

Gedenkschrift für Waldemar Reinhardt (1928–2008)

Waldemar Reinhardt, dem früheren Leiter des Küstenmuseums und später auch des Archivs der Stadt Wilhelmshaven, hat der Marschenrat zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee mit Heft 46 seiner Nachrichten eine Gedenkschrift gewidmet. Reinhardt hatte durch den Kontakt zu Werner Haarnagel und der in Wilhelmshaven ansässigen Niedersächsischen Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung (heute Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung den Weg in die Siedlungsgeographie und Archäologie gefunden. Die Ausgrabungen auf der Wurt Hessens und der Sibetsburg in Wilhelmshaven waren die wichtigsten Stationen seiner archäologischen Tätigkeit. Bis 2007 oblag Reinhardt auch die Schriftleitung der jährlich erscheinenden Nachrichten des Marschenrates, in denen die laufenden Forschungsprojekte und neuen Publikationen der im Nordseeküstengebiet tätigen Einrichtungen zusammengestellt sind. In Heft 46 der Nachrichten haben jetzt elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des NIhK und der Ostfriesischen Landschaft die wissenschaftliche Lebensleistung von Waldemar Reinhardt gewürdigt und den aktuellen Forschungsstand zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Archäologie, Geographie, Geschichte des Mittelalters und Geologie im Nordseeküstengebiet in kurzen Beiträgen auf 80 Seiten dargestellt. Der Bogen reicht dabei von einem Blick auf die Entwicklung des Jadebusens bis hin zu der Frage, warum es im mittelalterlichen Ostfriesland keine großen Städte gegeben hat. Die Gedenkschrift wird ergänzt durch ein Verzeichnis der Schriften von Waldemar Reinhardt. Das Heft kann kostenlos über das NIhK in Wilhelmshaven bezogen werden.

Zu guter Letzt: Neuer Archäologe im Landkreis Stade

Am 15. Juli 2011 wird Daniel Nösler die Nachfolge von Dr. Diether Ziermann als neuer Archäologe des Landkreises Stade antreten. Geboren am 14. März 1974 in Demmin, kam er bereits im Alter von zwölf Jahren ehrenamtlich zur Archäologie. Nach dem Abitur und einer Bankausbildung folgte an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Studium der Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und der Europäischen Ethnologie. Nach dem Abschluss 2003 arbeitete er in der Geschäftsführung einer Grabungsfirma und leitete eine Vielzahl von archäologischen Maßnahmen in Berlin und Brandenburg. Im Jahre 2006 kam er zum Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, um im Rahmen einer Promotion die Keramikfunde des 1. bis 10. Jhs. von Flögeln und Loxstedt, Ldkr. Cuxhaven, zu bearbeiten. Seit Juli 2009 arbeitete Herr Nösler zusätzlich im Teilprojekt „Voraussetzungen, Struktur und Folgen von Siedlung und Landnutzung zur Zeit der Trichterbecher- und Einzelgrabkultur in Nordwestdeutschland“ im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Schwerpunktprogramms „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung”. In enger Zusammenarbeit mit der Vegetationsgeschichte wurden fünf niedersächsische Kleinregionen multidisziplinär untersucht und intensiv prospektiert. Seine wichtigsten Forschungsinteressen liegen u. a. im Neolithikum Norddeutschlands, der Landschaftsarchäologie und der Keramikarchäometrie.

 

ak-niedersachsen.de

2010

Tag des offenen Denkmals 12. September 2010

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 12. September 2010 bereits zum 16. Male statt. Der diesjährige bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ steht unter dem Motto „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“ lautet diesmal das Motto. Damit soll erneut ein Thema im Zentrum des Denkmaltags stehen, das durch seine Vielseitigkeit besticht. Veränderungen durch neue Einflüsse von außen prägen die Entwicklung unserer Kultur, das lässt sich auch an historischen Bauwerken erkennen. Wanderhandwerker und fremde Baumeister verbreiteten neues architektonisches Know-how in ganz Europa. Durch Händler wurden Waren und Materialien über weite Strecken ausgetauscht. Die oft gar nicht oder nur lückenhaft ausgebauten Handelsrouten und schlechten Verkehrsmittel von der Urgeschichte bis weit in die Neuzeit begrenzten  aber zugleich die Möglichkeiten. Einzigartig ist dabei immer noch der Straßen- und Brückenbau der Römer. Großsteingräber und Grabhügel können sichtbare Zeichen an Verkehrswegen gewesen sein. Im Mittelalter finden wir an vielen Stellen Hohlwege und Hohlwegbündel oder sind Furten nachweisbar, aber auch Brückenreste, Wegesperren und Durchlässe an Landwehren. Zeugnisse alter Schifffahrt, Wracks, Einbäume und alte archäologisch erschlossene Hafenanlagen bieten sich ebenfalls zur Erkundung an. Auch wenn man sich mit seinem Denkmal nicht in dem Motto wieder finden kann, so können doch alle mitmachen. Die bundesweite Eröffnung des „Tag des offenen Denkmals“ wird dieses Jahr in Lüneburg stattfinden. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Neue Kommunalarchäologie bei der Schaumburger Landschaft

Die Schaumburger Landschaft hat seit dem 1. Juli 2009 ihre Aufgaben ausgeweitet, indem sie einen Kommunalarchäologen für die Region zwischen Nienburg und Hameln angestellt hat. Den Unteren Denkmalschutzbehörden wird damit ein Fachmann in bodendenkmalpflegerischen Belangen zur Seite gestellt werden. Der Bedarf war in den vergangenen Jahren durch die Neuordnung der Landesverwaltungen spürbar geworden. Die Bodendenkmalpflege in den Landkreisen Nienburg und Schaumburg sowie in den Städte Nienburg, Stadthagen, Bückeburg und Hameln wird durch diese interkommunale Zusammenarbeit gestärkt und die Kommunen können bei Planungen auf einen Ansprechpartner vor Ort zurückgreifen. Für die Aufgabe konnte Dr. Jens Berthold gewonnen werden. Geboren in Wuppertal-Barmen war er nach seinem Studium in Köln, Kopenhagen und Bonn bei verschiedenen Institutionen der Bodendenkmalpflege im Rheinland tätig. In seiner Magisterarbeit zum ländlichen Hausbau und seiner Dissertation zur Entwicklung der Kulturlandschaft einer Mikroregion im Rheinischen Braunkohlenrevier, dem Elsbachtal, hat er sich vorwiegend mit mittelalterlich-neuzeitlichen Themen auseinander gesetzt. An ein Volontariat beim LVR-Archäologischen Park Xanten schlossen Leitungsaufgaben von internationalen Lehrgrabungen in Xanten sowie Großgrabungen im Rahmen des Kölner U-Bahn-Baus an. Weitere thematische Schwerpunkte liegen im handwerklich-technischen Bereich, im Siedlungswesen und der Rekonstruktion von Kulturlandschaften Mitt. Graf S. Adelmann, Schaumburger Landschaft).

MAN 41 – Einbeck - Petersilienwasser

Stefan Teuber, Einbeck - Petersilienwasser. Befunde und Bebauungsstrukturen des 13. bis 20. Jahrhunderts. Mit Beiträgen von Silke Grefen-Peters und Wiebke Kirleis Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 41. Hrsg. v. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2009. 423 Seiten, 264 Abbildungen, 19 Tabellen, 2 Diagramme, 41 Pläne, 22 Beilagen, 1 Datenträger. ISBN3-89646-974-6. / ISSN 0465-2770. Hardcover. 59,80 €. 

Die Entstehung und frühe Entwicklung der zwischen Göttingen und Hildesheim befindlichen Stadt Einbeck lag bisher größtenteils im Dunkeln, da alle Aufzeichnungen beim Stadtbrand 1540 ein Opfer der Flammen wurden. Aus diesem Grund sind archäologische Forschungen von größter Bedeutung für die Rekonstruktion der Stadtgeschichte, so daß vor rund 15 Jahren eine Archäologische Denkmalpflege geschaffen wurde, die fortan alle Baumaßnahmen begleitete. Die Grabungen am Petersilienwasser 1996-2005, die bislang größte Innenstadtgrabung in Einbeck, besitzen überregionale Bedeutung für Südniedersachsen und das ganze Hanse-Gebiet durch die bisher einmalige Abfolge einer in neun Phasen unterteilbaren Wohnbebauung einer ganzen Häuserzeile und eines Zehnthofes ab der Mitte des 13. Jhs. Zu den Befunden des Feuchtgebietes mit Holzerhaltung gehören Gebäude, Kloaken, Herdstellen, Kachelöfen, Gewerbeanlagen, z.B. von Schusterei, Gerberei und Bäckerei, sowie Gräber. Nachgewiesen sind Pfostenbauweise, Schwellriegelbauweise und Ständerbauweise / Fachwerkbauweise. Anthropologische und paläobotanische Beiträge ergänzen die archäologischen Forschungen.

BAN 14 ‑ Erdwerke der Jungsteinzeit 

Michael Geschwinde und Dirk Raetzel-Fabian, EWBSL. Eine Fallstudie zu den jungneolithischen Erdwerken am Nordrand der Mittelgebirge. Mit Beiträgen von Ernst Gehrt, Silke Grefen-Peters und Walter Wimmer. Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen 14. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2009. 332 Seiten, 234 Abbildungen. ISBN 3-89646-934/7 / ISSN 1439-7552. Hardcover, 59,80 €.´Der Band bietet einen systematischen Katalog aller bisherigen Prospektions- und Ausgrabungsergebnisse zu insgesamt 32 Erdwerken im Braunschweiger Land [EWBSL], einer seit 1989 entdeckten und einzigartig dichten „Erdwerkslandschaft“ zwischen Harz und Aller. Die Monumente entstanden Massenspektrometriedaten [AMS] zufolge in zwei Hauptphasen, mehr westlich um 4200 / 4100 und weiter östlich um 3700 / 3600 v.Chr., und gehören der späten Michelsberger Kultur an [MK IV-V]. Sie finden sich z.T. in großer Zahl dicht benachbart in drei Hauptlagetypen, großenteils Ökotopengrenzlagen, häufig an historischen Fernwegen. Aufgrund der verbesserten Datengrundlage wird die ältere Deutung als zentrale Ritualplätze mit Fest- und Bestattungsfunktion sowie ritualisiertem Austausch mit fremden Gemeinschaften durch ein neues Interpretationsmodell ersetzt. Demnach handelt es sich um aufwändig gestaltete Anlagen zur Handhabung großer Rinderherden im Rahmen von Transhumanz, die mit der praktischen und rituellen Zusammenführung der Bauern- und Hirtenkomponente der Bevölkerung im Rahmen von Festen, sozialen und religiösen Aktivitäten einherging.

 

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte 

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 78, 2009. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, durch Henning Haßmann. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2009; VIII u. 248 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; farbiges Titelbild. ISBN 978-3-8062-2031-5 / ISSN 0342-1406. Kartoniert. Je Band 42,– € (daneben ermäßigter Abonnementpreis).

Der neue Band bietet auch dieses Jahr aktuelle Beiträge und Fundberichte aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie den Forschungseinrichtungen des Landes Niederachsen. Fundstellen der Jüngeren Altsteinzeit aus dem Landkreis Verden bilden den Anfang. Untersuchungen am bekannten neolithischen Fundplatz 49 in Hamburg-Boberg mit Funden der Rössener Kultur lassen auf eine nur kurzfristige Nutzung schließen. Fundorte mit Rennfeuerschlacken bzw. Eisenproduktion, wie sie im Salzgittergebiet nachgewiesen sind und vielleicht schon in die Vorrömische Eisenzeit datieren, sollten weiter Ziel der Forschung sein. Große kräftige Hunde gab es auch im Frühmittelalter, wie die Untersuchungen an einem Hundeskelett aus einer ostfriesischen Wurt zeigen. Eine Reihe siedlungsarchäologischer Untersuchungen von der Frühgeschichte bis ins Mittelalter aus Ostfriesland, dem Calenberger Land (Wüstungsforschung) und Ostniedersachsen bilden einen weiteren Schwerpunkt. In kurzer Form wird der Forschungsstand zur Mittelalterarchäologie in Braunschweig dargestellt, um über neue Publikationen und Ergebnisse zu informieren. Hierzu dient nicht zuletzt ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Der folgende Beitrag geht noch einmal auf die schon früher publizierten Peiner Kachelfunde (17. Jh.) ein. Dem schließt sich ein Aufsatz zum Hadler Seebandsdeich in Cuxhaven an. Den Abschluss des Aufsatzteils bildet der Beitrag zur archäologischen Wissensvermittlung am Beispiel von Bodendenkmalen im Gelände, Freilichtmuseen, Freizeitparks und Spielfilmen im gesellschaftlichen Kontext. Am Ende stehen der Besprechungsteil mit zahlreichen Rezensionen archäologischer Bücher und der alljährliche Jahresbericht der Archäologischen Kommission für Niedersachsen. 

Tagungsband „Grenzen in Archäologie und Geschichte“

Stefan Hesse (Hrsg.), Grenzen in der Archäologie und Geschichte. Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg Wümme 15. 2009 (ganzer Band). ISSN 0946-8471 / ISBN 978-3-89995-656-6. Isensee Verlag, Oldenburg. 400 Seiten mit 152 z. T. farbigen Abbildungen,  1 Tabelle und Index. Gebunden. 21,00 €.

Als Band 15 der „Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme)“ sind die Beiträge zur Jahrestagung 2007 der Archäologischen Kommission für Niedersachsen erschienen. Die Tagung und der Band stehen unter dem Motto „Grenzen in Archäologie und Geschichte“. Besonders das Thema Grenzen hat in den letzten Jahren wieder verstärkte Aktualität in den Geschichtswissenschaften gewonnen. Einer Auswahl der zahlreichen Facetten dieses Phänomens widmet sich dieser Tagungsband. Der Rotenburger Kreisarchäologe, Stefan Hesse, beleuchtet im ersten Aufsatz die regionale Ausprägung dieses kulturgeschichtlichen Phänomens im Landkreis Rotenburg (Wümme). Dabei werden verschiedene Aspekte angesprochen, wie etwa kognitive Landschaftsgliederung, Moore als naturräumliche Grenzen, politische und territoriale Grenzen sowie kultische Grenzen und Grenzen des Forschungsstandes. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Berücksichtigung von Lösungsstrategien zur Überwindung der Grenzen gelegt. Grenzen in einem räumlich und zeitlich umschriebenen Gebiet widmen sich Kerstin P. Hofmann (Grenzen der Bronzezeit am Beispiel des Elbe-Weser-Dreiecks) sowie Thomas Saile (Aspekte des Grenzbegriffs in den frühgeschichtlichen Elblanden). Kerstin P. Hofmann betrachtet dabei nicht nur räumliche Grenzen, sondern auch Sozialstrukturen und Grenzen innerhalb von Gesellschaften. Thomas Saile nähert sich dem Thema mit der näheren Betrachtung methodischer Möglichkeiten, um schließlich Zonen verminderter Kommunikation und Siedlungsgebiete definieren zu können. Doris Mischka (Grenzen im Neolithikum) und Michael Meyer (Grenzen in der vorrömischen Eisenzeit) analysieren einen kompletten Zeitabschnitt, um eine Beurteilung der erfassbaren Grenzen und Grenzzonen vornehmen zu können. Territorialer und wirtschaftpolitischer Grenzen nehmen sich die Beiträge von Hans-Otto Pollmann (Burgen und Gräften im Altkreis Lübbecke), Thomas Küntzel (Landwehren im nördlichen Deutschland) und Wolfgang Dörfler (Grenzen aus historisch-kartographischer Sicht) an. Anschließend werden neuere Forschungen zur geophysikalischen Prospektion mesolitischer und spätpaläolithischer Fundstellen (Klaus Gerken), der kaiserzeitlich-völkerwanderungszeitlichen Siedlung Mahlstedt (Ingo Eichfeld) sowie der Phosphat-Serienanalytik (Jörn Heinlein, Stefan Hesse) vorgestellt. Der Band schließt mit Fundchronik, Literaturschau und Tätigkeitsberichten.

Gläser und Gräber der Sachsen

Bernd Habermann, Immenbeck. Ein sächsisches Gräberfeld bei Buxtehude, Ldkr. Stade. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 28. Hrsg. vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V durch Henning Hassmann. Isensee Verlag, Oldenburg 2008. 48 Seiten mit 42 farbigen Abbildungen; farbiges Titelblatt. ISBN 978-3-89995-583-5. Broschiert 8,00 €.

Von 2000 bis 2004 wurde auf dem Kattenberg bei Immenbeck, Stadt Buxtehude, Ldkr. Stade, ein Friedhof der Sachsen aus frühmittelalterlicher Zeit ausgegraben. Insgesamt konnten 262 völkerwanderungszeitliche Gräber, verteilt auf 214 Körper- und 48 Urnengräber, freigelegt und geborgen werden. Wie viele Menschen auf dem derzeit größten kontinentalsächsischen Körpergräberfeld einst bestattet wurden, ist unbekannt, da unter den angrenzenden Feldern noch weitere Gräber liegen. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Gräber und Grabfunde vom Kattenberg ausgewertet und umfassend aufgearbeitet sind. Daher ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich, das Alter eines jeden Grabes zu bestimmen oder eine endgültige Analyse vorzulegen. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und das Niedersächsische Landesmuseum Hannover sind dabei, die Funde zu restaurieren. Fest steht jedoch schon jetzt, dass der Friedhof etwa in der Zeit von der Mitte des 4. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts nach Chr. Geburt belegt worden ist. Von den vielfältigen und hochwertigen Grabbeigaben sind die außergewöhnlich gut erhaltenen Glasgefäße besonders hervorzuheben. Mit diesem Wegweiser wird schon während der laufenden Aufarbeitung ein erster zusammenfassender Einblick in Ergebnisse und Funde dieser spannenden Ausgrabung vorgelegt.

Schaumburger Land – Burgenland

Hans-Wilhelm Heine, Schaumburger Land ‑ Burgenland. Die mittelalterlichen Burgen der alten Grafschaft Schaumburg. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 28. Hrsg. vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V durch Henning Hassmann. Isensee Verlag, Oldenburg 2010. 112 Seiten mit 139 meist farbigen Abbildungen; farbiges Titelblatt. ISBN 978-3-89995-673-35. Broschiert 15,80 €.

Im Jahre 1110, vor genau 900 Jahren, tritt die namensgebende Burg als Bezeichnung eines bedeutenden Geschlechts, der Grafen von Schaumburg-Holstein, in das Licht der Geschichte. Die Burgen des Mittelalters sind entscheidende Bausteine der Schaumburger Geschichte. Gleichzeitig sind sie herausragende Elemente einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft, die zusammen mit Kirchen, Klöstern und Städten die mittelalterliche Tradition erlebbar macht. Der Wegweiser behandelt nicht nur 35 Burganlagen mit dem Schwerpunkt Mittelalter, sondern gibt auch eine Einführung zur Burgenforschung mit landesgeschichtlicher Einordnung und Hinweisen zu dem Leben auf den Burgen. Ergänzt wird er durch einen Exkurs zu den Schaumburger Landwehren und Knicken. Die Kenntnis der Burgen des Landes bildet darüber hinaus die Voraussetzung für ihre dauerhafte Erhaltung, nachhaltige Pflege und Erforschung im interdisziplinären Verbund. Gefördert wurde die Erstellung durch das Land Niedersachsen, die Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V. und die Schaumburger Landschaft. 

Marcus Caelius ‑ Tod in der Varusschlacht - Das Leben eines Legionärs und sein außergewöhnlicher Gedenkstein

VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese

Venner Straße 69, 49565 Bramsche-Kalkriese, Tel: 05468 9204-0, Fax: 05468 9204-45, E-Mail: kontakt@kalkriese-varusschlacht.de

Das Leben eines Legionärs und sein außergewöhnlicher Gedenkstein stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Marcus Caelius ‑ Tod in der Varusschlacht“. Sie ist vom 7. März bis 11. Juli 2010 im Obergeschoss des 2009 eröffneten Besucherzentrums im Museum und Park Kalkriese zu sehen. Der Centurio Marcus Caelius hatte im langjährigen Dienst der römischen Armee bereits vieles erlebt. Für seinen Mut und seine Tapferkeit im Kampf war er vielfach ausgezeichnet worden. Doch als er 9 n. Chr. am Feldzug des Varus im Teutoburger Wald teilnahm, war alle Erfahrung vergebens … Er fiel in der Varusschlacht, seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Sein Bruder ließ einen Grabstein aufstellen. Archäologen fanden den Stein 1620 bei Xanten. Das Relief des Gedenksteins erzählt vom Leben und Tod des Marcus Caelius – von seinen Lebenswelten, von den sozialen Schranken in der Antike, vom Militär und seiner Karriere bei der römischen Armee. Diese vor zwei Jahrtausenden in Stein gemeißelte Nachricht ist bis heute das einzig erhaltene archäologische Schriftzeugnis für die Varusschlacht.

Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung MARCUS CAELIUS (60 Minuten): 7. bis 31. März 2010 Di‑So 11:30 Uhr, Mo geschlossen; 1. April bis 11. Juli 2010 täglich 11:30 Uhr. 

St. Lambert in Lüneburg - Ausgrabung einer untergegangenen Kirche

Edgar Ring (Hrsg.), St. Lambert in Lüneburg. Ausgrabung einer untergegangenen Kirche. Archäologie und Bauforschung in Lüneburg 6. Lüneburger Stadtarchäologie e.V., Lüneburg 2009. 228 Seiten mit 12 Abbildungen und 46 teils farbigen Tafeln. ISBN 3-932520-16-5. Broschiert 19,90 €.

St. Lamberti, eine der großen Stadtkirchen Lüneburgs, verschwand 1860 aus dem Stadtbild. Aufgrund ihrer Lage am Rande des Senkungsgebietes baufällig geworden, wurde ihr Abbruch beschlossen und in jenem Jahr begonnen. Diese vielseitige Publikation stellt die Ergebnisse der dreijährigen Ausgrabungen auf dem Lambertiplatz vor. Unter Zusammenführung der archäologischen und historischen Quellen bündelt das Buch die Kenntnisse über St. Lamberti und liefert unter Hinzuziehung von weiteren Fachdisziplinen nicht nur neue Erkenntnisse zur Gründungs- und Baugeschichte der St. Lambertikirche (Dana Vick). Anhand der zahlreich entdeckten Gräber wird ebenso das Bestattungsbrauchtum beleuchtet und durch die anthropologische Untersuchung eine Vorstellung von Lebenserwartung und Krankheitsbelastung im neuzeitlichen Lüneburg vermittelt (Eilin Jopp, Dana Vick). Einblicke in mittelalterlichen Ackerbau und Ernährung liefern die archäobotanischen Analysen (Julian Wiethold). Schließlich wird noch ein Münzfund vorgestellt (Ralf Wiechmann).

Denkmalpflege in Lüneburg aktuell

Denkmalpflege in Lüneburg 2009. Hrsg. v. Edgar Ring im Auftrag der Lüneburger Stadtarchäologie e.V. Lüneburger Stadtarchäologie e.V., Lüneburg 2009. 71 Seiten mit, 49 Abb. ISBN 3-932520-17-3. Broschiert 6,00 €. 

Artikel zur Bau- und Kunstgeschichte und zu archäologischen Funde geben einen Einblick in die jüngsten Arbeiten der Denkmalpflege in der Hansestadt Lüneburg. Zum einen stellt Annika Martens niederländische Fayencen mit Sprüchen des 17. Jahrhunderts vor, zum anderen identifiziert Edgar Ring das Motiv einer Ofenkachel als die Darstellung des Geruchs nach einer graphischen Vorlage von Georg Pencz. 

Hauke Jöns zum apl-Professor ernannt

Im Februar 2010 wurde der Leiter der kulturwissenschaftlichen Abteilung des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven, Dr. Hauke Jöns, an der Universität Rostock zum apl-Professor für das Fach Archäologie ernannt. Damit würdigt die Rostocker Universität nicht nur seine vielfältigen Forschungen vor allem im Bereich der Siedlungsforschung sondern auch sein Engagement in der universitären Lehre, das sich in den vergangenen 15 Jahren in zahlreichen Lehrveranstaltungen an den Universitäten Kiel, Hamburg und Greifswald, nach seiner Umhabilitation nach Rostock jedoch vor allem am dortigen Heinrich /Schliemann/-Institut für Altertumswissenschaften ausgedrückt hat. Durch die apl-Professur ist nun sichergestellt, dass Rostocker Studierende auch zukünftig an den Projekten des NIhK beteiligt und dass weiterhin von Wilhelmshaven aus Rostocker Dissertationen betreut werden.

DAS SILBERNE PFERD. Archäologische Schätze zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus

Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern, Landkreis Holzminden, Schloss 1, 37639 Bevern, Tel.: 05531/994010, Fax: 05531/994020

E-Mail: kultur@schloss-bevern.de, Homepage: www.schloss-bevern.de sowie www.dassilbernepferd.info

Mo-So. 9.00-17.00 Uhr geöffnet. Mo. geschlossen, außer an Feiertagen.

Erstmals in Deutschland wird diese hochrangige Präsentation bei uns im Weserbergland bis zum 24. Oktober 2010 gezeigt. Ende des 19. Jahrhunderts zog es Ingenieure, Geologen, Naturforscher aber auch Ärzte, die das Abenteuer suchten, in den weitgehend für Sie unbekannten Süden Russlands. Den Zaren fehlte es hier an Fachleuten für den mit großen Investitionen betriebenen Bau von Eisenbahnlinien, zur Errichtung neuer Fabriken und der Modernisierung des Bergbaus. Eine Berührung mit den unübersehbaren Spuren der Vergangenheit blieb dabei nicht aus und so mancher kehrte mit einem archäologischen Fund als Souvenir von seiner Reise zurück. So entstanden große Privatsammlungen, die bald neben den russischen auch die deutschen und polnischen Archäologen und Gelehrten dazu veranlassten, den versunkenen Kulturen in diesem weitgehend noch unerforschten Land erste Geheimnisse zu entlocken. Unter den Tataren hießen sie nur die "Totengräber", aber was die Archäologen in der Fremde entdeckten, ist der wahre Schatz, ist die Geschichte hinter der Geschichte.

In der Ausstellung zu sehen ist die größte Sammlung an spätbronze- / früheisenzeitlichen Objekten aus dem Kaukasus, die außerhalb Russlands existiert. Spektakulär sind die Gold- und Silberfunde aus dem skythischen Prizessinengrab von Ryzanovka (Ukraine). Die große silberne, vergoldete Phalere, die aus einem Schatzfund stammt ‑ das Logo der Ausstellung ‑ wird den Sarmaten zugeordnet. Aber auch kleine Dinge, wie z.B. eine Glasperle mit Gesichtsdarstellung aus sarmatischen Fundzusammenhang erregt die Aufmerksamkeit der Besucher. Als Schlusspunkt der auf ca. 1000 qm Fläche präsentierten Ausstellung ist der Nachbau des 1896 fotografierten Forschungszimmers Rudolf Virchows in der Charité zu sehen. Und in diesem Zimmer taucht Virchow wieder auf, um seine Ausgrabungsfunde aus dem Kaukasus zu untersuchen.

 

ak-niedersachsen.de

2009

Tag des offenen Denkmals

13. September 2009

Der „Tag des offenen Denkmals" findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days" am 13. September 2009 bereits zum 15. Male statt. Der diesjährige bundesweite „Tag des offenen Denkmals" wird unter dem Schwerpunktthema „Historische Orte des Genusses". Während es für die Baudenkmalpflege vom Schlossrestaurant über das Turm-Café bis zum Ratskeller allerhand Möglichkeiten gibt, kulinarischen Genuss zu vermitteln, haben es die Archäologen mit den Überresten von Wirtshäusern in Form von Scherbenschutt oder zerbrochenen Glas zu tun. Auch sind Theater und Opernhäuser oder Bibliotheken als Stätten des Kulturgenusses nicht unbedingt in den Befunden niedersächsischer Grabungen zu finden. Und doch gibt es zahlreiche archäologische Zeugnisse, welche die Lebensart seit ur- und frühgeschichtlichen Zeiten vermitteln. Speisezubereitung und Verkostung sind auch in Notzeiten mit Freude und Genuss verbunden, wenn sie ein wenig über den Alltag und die reine Nahrungsaufnahme hinausgehen. Im Rahmen der experimentellen Archäologie können Speisen vergangener Zeiten an Originalstätten nachgekocht und zubereitet werden, ob auf Burgen in Museen oder auf Ausgrabungsstätten. Für viele Archäologiebegeisterte ist allein der besuch einer Ausgrabungsstätte schon ein Genuss. Und dazu sind alle Bürgerinnen und Bürger, Groß und Klein, wieder herzlich eingeladen. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Neuer Präsident für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege

Nach intensiver Suche hat das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Herrn Dr. Stefan Winghart am 1. Mai 2009 zum Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege berufen. Der neue Präsident des Amtes wurde 1952 in München geboren, machte dort 1971 am humanistischen Wilhelms-Gymnasium sein Abitur. Danach studierte von 1971 bis 1978 Geschichte, Vor- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Byzantinistik an den Universitäten Regensburg, München und Dublin. Nach dem Magisterexamen in Regensburg arbeitete er ab 1978 als Assistent am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, danach 1979 bis 1980 als wissenschaftlicher Angestellter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. 1980 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Regensburg über vorgeschichtliche Horte und Einzelfunde (Vorgeschichtliche Deponate im ostbayerischen Grenzgebirge und im Schwarzwald. Zu Horten und Einzelfunden in Mittelgebirgslandschaften. Berichte der Römisch-Germanischen Kommission 67, 1986, 90 ff.).

1981 trat er als wissenschaftlicher Angestellter in die Abt. Bodendenkmalpflege des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ein (Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen). Seit 1982 Gebietsreferent wurde er 1996 zum stellvertretenden Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege bestellt und 1998 zum Hauptkonservator ernannt, wobei er neben Gremien- und Kommissionsarbeit weiterhin und umfassender Gebietsaufgaben übernahm. Seit 1993 nimmt er Lehraufträge an den Universitäten München, Jena und Erfurt wahr. 1999 bis 2002 war er wesentlich an der Vorbereitung der Ausstellung „Menschen, Zeiten, Räume" beteiligt, die der Verband der Landesarchäologen in Bundesrepublik Deutschland und das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausrichteten. Als Landeskonservator leitete er ab 2003 die Bau- und Kunstdenkmalpflege in Thüringen. Dr. Winghart ist u. a. nicht nur korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes, sondern auch Verwaltungsratsmitglied des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und Beauftragter der UNESCO für die Evaluation des Welterbestatus verschiedener Kulturstätten. Seit 1982 ist Dr. Winghart verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Publikations- und Herausgeberarbeit geht weit über sein ursprüngliches Fachgebiet der Bronzezeit hinaus. Seine intensive Beschäftigung mit der Bau- und Kunstdenkmalpflege wird Garant für eine gedeihliche Zusammenarbeit aller Fachbereiche der Denkmalpflege in Niedersachsen sein.

Neuer Wegweiser: „Heidenwall" in Oldenburg

Hans-Wilhelm Heine, „Der ‚Heidenwall’ in Oldenburg. Ein archäologischer Beitrag zur Ersterwähnung Oldenburgs 1108. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 27. Hrsg. vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. durch Henning Haßmann. Isensee Verlag, Oldenburg 2008. 48 Seiten mit 33 farbigen Abbildungen; farbiges Titelblatt. ISBN 987-3-89995-537-8. Broschiert 8,00 €.

Im Jahre 2007 musste der Heidenwall in Oldenburg im Zuge der Erschließung eines großen Gewerbegebietes archäologisch untersucht werden. Fast wäre eine Grabung unterblieben, da obertägig kaum noch etwas zu erkennen war. Nicht zuletzt durch das zähe Bemühen eines einzelnen Historikers in der Öffentlichkeit trat die historische Stätte wieder in das Bewusstsein und kam es zu einer Probegrabung, deren positives Resultat zu einer mehrwöchigen unter Zeitdruck stehenden Ausgrabung am Heidenwall führte. Ihre Ergebnisse haben weites Aufsehen erregt. Erwähnt seien nur die gut erhaltenen Hölzer der Befestigung und das dendrochronologisch ermittelte Baudatum 1032/33 (Ausbau 1042). Im Jahre 2008 feierte Oldenburg das 900jährige Jubiläum der schriftlichen Erstnennung 1108. Die Grabungen am Heidenwall, der an einem älteren Hunte-Übergang gelegen hat, ergänzen die Schriftquellen durch ein älteres Datum, wodurch sich viele neue Fragen ergeben, denen weiter nachzugehen sein wird. Der Autor hat sich der Aufgabe unterzogen, zum Stadtjubiläum eine Zwischenbilanz vorzulegen, um Bürgerinnen und Bürger Oldenburgs (und darüber hinaus!) zeitnah über die ersten Ergebnisse der Grabungen zu informieren.

HöhlenErlebnisZentrum - Iberger Tropfsteinhöhle: Verwandte in der Bronzezeit

HöhlenErlebnisZentrum - Iberger Tropfsteinhöhle, An der Tropfsteinhöhle 1 (B 242), D-37539 Bergstadt Bad Grund (Harz), Tel.: 05327/829-391, Fax:05327/829-496, E-Mail : info@hoehlen-erlebnis-zentrum.de, Homepage : www.hoehlen-erlebnis-zentrum.de

Ganzjährig geöffnet. Juli und August: täglich (auch montags) 10:00–17:00 Uhr, Oktober: täglich (auch Mo.) 10:00–17:00 Uhr, Übrige Zeit: Di.-So. 10.00–17.00 Uhr, Mo. außer an Feiertagen sowie am 24.12. geschlossen

Mit dem 2008 eröffneten HöhlenErlebnisZentrum wurde ein Dreiklang aus neuem „Museum am Berg", 160 m langem, aus dem Fels gesprengtem „Museum im Berg" und Millionen Jahre alter Tropfsteinhöhle geschaffen. Für ein breites Publikum konzipiert, bietet es die lebendige Auseinandersetzung mit der Erdgeschichte und ein faszinierendes Highlight deutscher Höhlenarchäologie. Im „Museum im Berg" wird die Geologie des Ibergs, einem einstigen Korallenriff in der Südsee, auf sinnliche Weise vermittelt. An diesen Museumsteil schließt sich die Iberger Tropfsteinhöhle an – faszinierendes Erdinneres, einst bedeutendes Eisenerzbergwerk und vielbesuchte Schauhöhle seit 1874.

Das „Museum am Berg" ist einer Sternstunde der Wissenschaft gewidmet. Es zeigt die exklusiven archäologischen und molekularbiologischen Forschungsergebnisse aus der Lichtensteinhöhle. Diese Höhle am Südharzrand, etwa 15 Kilometer vom HöhlenErlebnisZentrum entfernt, war vor fast 3000 Jahren das Grab eines Familienclans. Da sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, wurde sie in Teilen originalgetreu rekonstruiert und schwebt nun – begehbar – im Museumsgebäude.

Das anhand der Skelettfunde der 40 Toten von der Uni Göttingen entwickelte Verfahren zur Analyse alter DNA ermöglichte es weltweit erstmalig, Verwandtschaftsbeziehungen einer frühgeschichtlichen Menschengruppe zu belegen und den Stammbaum der „ältesten bekannten Großfamilie der Welt" zu entwickeln. Aus dieser wurde eine Kleinfamilie – Vater, Mutter und Tochter – plastisch rekonstruiert. Anhand der vielfältigen Funde – Bronzeschmuck, Werkzeuge, Perlen, Gefäße, Pflanzenreste, Tierknochen u. v. m. – wird deren längst hochentwickelte Lebenswelt auf lebendige Weise und mit Bezug zum Heute dargestellt. Durch einen DNA-Test an heute in der Nähe der Lichtensteinhöhle lebenden Menschen wurden Nachfahren der vor 3.000 Jahren lebenden „Lichtensteiner" gefunden. Es entstand nicht nur der älteste, sondern auch der bislang längste genetisch belegbare Stammbaum der Menschheitsgeschichte.

MAN 37 - Neues Buch zu „Moora", dem Mädchen aus dem Uchter Moor

Andreas Bauerochse, Henning Haßmann und Klaus Püschel (Hrsg.), „Moora" - Das Mädchen aus dem Uchter Moor. Eine Moorleiche der Eisenzeit aus Niedersachsen I. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 37. Hrsg. v. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2008. 142 Seiten, 95 Abbildungen (fast alle farbig). ISBN-13: 978-3-89646-970-0. Hardcover 29,80 €.

Im September 2000 entdeckten Arbeiter beim Torfabbau im Uchter Moor Leichenreste, die erst 2005 nach Abschluss behördlicher Kriminalermittlungen als junge weibliche Moorleiche der vorrömischen Eisenzeit um 650 v.Chr. und damit als erster Moorleichenfund in Niedersachsen seit 50 Jahren erkannt wurde. Auf drei Vorworte und eine Einführung folgen zehn wissenschaftliche Beiträge. Es geht darin um die Tote im Moor, um Polizei und Rechtsmedizin auf Irrwegen, eine allgemeine Einführung zum Thema Moore, forensisch-anthropologische Untersuchungen der Moorleiche, radiologische Untersuchungen mittels Computertomographie und Kernspintomographie, zerstörungsfreie osteologische Diagnosen zur skelettalen Mikroarchitektur der Toten, dreidimensionale archäologische Knochendichtemessungen als Spiegel biomechanischer Belastung zu Lebzeiten, die eine Linkshändigkeit der Frau anzeigen, eine Fingerabdruck-Identifikation, eine computergestützte Rekonstruktion mit Virtual-Reality-Techniken einschließlich einer Schädelrekonstruktion sowie die gesellschaftliche Wahrnehmung des Moorleichenfundes am Beispiel von Film und Belletristik.

Neue Kommunalarchäologin für Region Hannover und Stadt Hildesheim

Im Rahmen der Neuordnung der niedersächsischen Landesverwaltung wurden den Kommunen auch im Bereich der Denkmalpflege wichtige Aufgaben übertragen, so z.B. die Wahrnehmung der Trägerschaft öffentlicher Belange, Genehmigungsverfahren oder die Zuständigkeit in den ehemaligen Staatsforsten. Damit haben die Kommunen eine besondere Verantwortung für das kulturelle Erbe übernommen. In der Bodendenkmalpflege bedarf die Einschätzung von Planungen, Bürgeranfragen oder Bodenaufschlüssen besonderer archäologischer Fachkompetenz, die in Niedersachsen nur bei etwa einem Fünftel der Unteren Denkmalschutzbehörden selbst vorgehalten wird. Die Aspekte Planungssicherheit, Entscheidungsgeschwindigkeit, Inwertsetzung der Kulturlandschaft, Bürgernähe etc. sind gute Argumente für den Ausbau von Kommunalarchäologien.

Die Region Hannover und die Stadt Hildesheim haben sich dieser neuen Herausforderung durch die Schaffung einer gemeinsamen Kommunalarchäologie gestellt. Das Kooperationsmodell hat sich in der Region Hannover bereits in der kommunalen Baudenkmalpflege bewährt. So steht auch die archäologische Fachberatung gegen Erstattung des Aufwandes anderen Unteren Denkmalschutzbehörden zur Verfügung. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege steht mit seinen Serviceleistungen flankierend zur Seite.

Am 1.5.2008 hat Ute Bartelt M.A. diese neue Aufgabe der Stadt- bzw. Regionsarchäologin übernommen. Die Megalithgrabspezialistin und erfahrene Bodendenkmalpflegerin hat Ausgrabungen in mehreren Bundesländern durchgeführt und war zuletzt am Aufbau der neuen Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale beteiligt. Ihr neues Arbeitsgebiet hat Frau Bartelt in ihrer Zeit als wissenschaftliche Volontärin im Referat Archäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege bereits intensiv kennen gelernt. Als Mitarbeiterin im Regionalteam Hannover hat sie neben Aufgaben in der Denkmalerfassung, der Planung und der Öffentlichkeitsarbeit eine Reihe wichtiger Ausgrabungen in der Region Hannover und der Stadt Hildesheim durchgeführt.

Frau Ute Bartelt M.A. hat zwei Schreibtische, einen in Hildesheim und einen in Hannover. Die Kontaktadressen (incl. E-Mail und Telefon) findet man in der anschließenden Rubrik „Ihre Ansprechpartner …" in diesem Band.

MAN 38 – Langgräben und Schlüssellochgräben international

Otto Mathias Wilbertz (Hrsg.), Langgräben und Schlüssellochgräben der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit zwischen Aller und Dordogne / Inventaire des enclos fossoyés oblongs et en forme de trou de serrure de l’Âge du Bronze final et du premier âge du Fer dans la région entre l’Aller et la Dordogne / Inventory of oblong and keyhole shaped grave ditches of Late Bronze Age and Early Iron Age in the area between Aller and Dordogne. Mit Beiträgen von Jean Bourgeois, Guy De Mulder, Koen Verlaeckt Beate Herring, Otto Mathias Wilbertz, Jose Gomez de Soto, Jean-Pierre Pautreau, Erik Drenth und Hendrik Albert Groenendijk. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 38. Hrsg. v. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westf. 2009. 269 Seiten, 84 Abbildungen, 4 Tabellen, 7 Beilagen. ISSN 0465-2770 / ISBN 978-3-89646-971-7. Hartkarton 39,80 €.

Im Rahmen der Bronzezeitkampagne des Europarates entstand das Projekt, eine grenzüberschreitende systematische Zusammenstellung bestimmter Formen von Grabeinhegungen, nämlich der Langgräben und der Schlüssellochgräben vorzunehmen. Dabei war „Vollständigkeit nicht das Hauptanliegen sondern die Darstellung des Verbreitungsbildes in seiner Gesamtausdehnung". Die Arbeit soll und kann keine abschließende Bearbeitung dieser Grabeinhegungen darstellen, sondern lediglich eine Grundlage zu ihrer weiteren Erforschung bilden. Deshalb werden hier weniger Erklärungen versucht, sondern vielmehr Phänomene in ihrer Verschiedenartigkeit beschrieben. Alle vier Teile des Kataloges sind in gleicher Weise gegliedert. Entsprechend erhalten die einzeln aufgeführten Einhegungen gleich strukturierte Code-Nummern. Bei der Beschreibung der Befunde wurde eine einheitliche Terminologie angestrebt, die im Glossar näher erklärt wird. Um die Vielfalt der Ausprägungen der hier behandelten Grabeinhegungen vor Augen zu führen, wurden möglichst viele Gräberfeld-Pläne abgebildet. Bei dem Bestreben um eine Vereinheitlichung der Abbildungen bestand die erste Priorität darin, dass alle Pläne genordet sind und möglichst einheitliche Maßstäbe verwendet wurden.

Landschaftsgeschichte Norddeutschlands

Karl-Ernst Behre, Landschaftsgeschichte Norddeutschlands. Umwelt und Siedlung von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Wachholtz Verlag, Neumünster 2008. 308 Seiten, 250 Abbildungen. ISBN 978-3-529-02499-3. Gebunden 29,90 €.

Zur Entwicklung Norddeutschlands von den ursprünglichen Naturräumen zur heutigen Kulturlandschaft liegt mit diesem Buch erstmals eine historische Gesamtschau der norddeutschen Landschaftsgeschichte vor. Eingehend werden die Siedlungsgeschichte und die damit verbundenen Umweltveränderungen, die unsere Landschaft in den letzten Jahrtausenden irreversibel umgestaltet haben, auf rund 300 Seiten fundiert und kritisch geschildert. Der Band ist eine Art ökologische Siedlungsgeschichte und beschreibt die Entwicklung der Nord- und Ostseeküste sowie des Flachlandes von der Ems bis an die Oder. Einen Schwerpunkt bildet die Geschichte der Nordsee mit den Küstenveränderungen der letzten 10.000 Jahre und der Herausbildung der Marschen. Im Binnenland sind es die weiten Moränengebiete und die großen Moore, die der Mensch völlig umgestaltet hat. Vegetations- und Umweltgeschichte nehmen in diesem Buch einen breiten Raum ein. Das Buch wendet neben Studenten und Lehrenden aller geowissenschaftlichen Disziplinen, der Archäologie und der Umweltwissenschaften auch an die historisch interessierten Laien. Die neuesten Forschungen des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung und anderer norddeutscher Institute sind in diese Publikation eingeflossen. Der Autor, Prof. Dr. Karl-Ernst Behre, arbeitet seit 1962 am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, dessen Leiter er von 1991 bis 2000 war und wo er heute noch tätig ist.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 77, 2008. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, durch Henning Haßmann. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2008. 194 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; farbiges Titelbild. ISBN 978-3-8062-2031-5/ ISSN 0342-1406. Broschiert je Band 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementpreis).

Der neue Band bietet auch dieses Jahr aktuelle Beiträge und Fundberichte a us allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen des Landes Niedersachsen. So berichtet Ursula Werben über neolithische Funde aus Rotenkirchen (Stadt Einbeck) aus systematischen Begehungen. J. F. Tolksdorf beschäftigt sich der Deutung neolithischer Erdwerke als „Viehkral". Auf 70 Seiten werden vier urgeschichtliche Siedlungsareale im Overledingerland (Ldkr. Leer) behandelt (T. Helms, W. Schwarz). Im Mittelpunkt stehen Befunde und Funde von der späten Jungsteinzeit bis in die ältere vorrömische Eisenzeit. In die Nähe der Landeshauptstadt Hannover führt der Artikel von T. Gärtner und M. Posselt zur Besiedlung der Calenberger Börde in der römischen Kaiserzeit und im frühen Mittelalter, u. a. mit Ergebnissen geomagnetischer Untersuchungen und einer Grabung (Wüstung Medefeld bei Bennigsen). Bezirksarchäologe M. Geschwinde erstattet den Schlussbericht über die Grabungen an der Steterburg in Salzgitter-Thiede. Anhand der Grabungsergebnisse lässt sich nun die Entwicklung von einem Burgwall gegen die Ungarneinfälle (Nennung 938) über eine sich bildende Grundherrschaft zu einem kurz nach 1000 gegründeten Stift verfolgen. H.-W. Heine legt einen weiteren Forschungsbericht vor, der sich mit dem Burgenbau der Salierzeit (1024-1125) zwischen Ems und Elbe beschäftigt. Durch neuere Untersuchungen hat sich das Bild der Burgen des 11. / frühen 12. Jhs. gewandelt. In Nordwestdeutschland ist in den Tieflandregionen noch lange Zeit der Holz-Erde-Bau bestimmend gewesen. Burgen vom Typ Motte sind in dieser Zeit eindeutig noch nicht nachweisbar. Besprechungs- und Nachrichtenteil schließen den Band ab.

Römerwochen Hedemünden

Nähere Hinweise im Internet: www.hann.muenden.de, www.naturpark-muenden.de/

Vom 6. Juni 2009 bis Ende Oktober wird in Hann. Münden (Ldkr. Göttingen) die Sonderausstellung „Die Spur des Imperiums" gezeigt. Dargestellt wird das augusteische Römerlager Hedemünden sowie sein Nachbarlager „Kring" bei Oberode (Funde, Rekonstruktionen, Lagerleben usw.). Am Eröffnungswochenende (6. und 7. Juni 2009) findet am Werraufer bei Hedemünden unterhalb des Römerlagers ein kleines Römerlagerfest statt, in dessen Mittelpunkt der Auftritt des nachgebauten römischen Kriegsschiffes „Victoria" steht.

Anlässlich des „Tag des offenen Denkmals" wird am 12./13. September 2009 (Wochenende) Wochenende das große Römerlagerfest begangen. Das Fest wird am und im augusteischen Römerlager mit Reenactment, römischer Musik, Essen und Trinken, mit Vorführungen und Mitmachaktionen gefeiert. Selbstverständlich werden Führungen durch das Lagergelände und die aktuellen Ausgrabungen angeboten. denn von Ende Juli bis Anfang September werden weitere Flächen archäologisch untersucht.

Neue Karten zur Entwicklungsgeschichte des Jaderaumes

Karl-Ernst Behre, Die Entwicklungsgeschichte des Jaderaumes. Sechs Karten auf einem Poster, Größe 70×50 cm. Herausgegeben vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven, und der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften Oldenburg. Oldenburg 2008. – Die Karte ist im Wattenmeerhaus Wilhelmshaven und in den weiteren Häusern des Nationalparks Wattenmeer sowie bei den Katasterämtern der GLL Oldenburg zum Preis von 6,00 € erhältlich.

Aus allen vorliegenden aktuellen Daten zur Entwicklungsgeschichte des Raums zwischen ehemaliger Harlebucht und Wesermündung hat Karl-Enst Behre, früher Leiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, sechs historische Karten rekonstruiert und in einer Tafel zusammengestellt. Sie zeigen den Zustand der noch unbedeichten Landschaft um Christi Geburt und nach dem Einbruch der Harlebucht um 800 sowie nach dem Beginn des Deichbaus im Mittelalter um 1300 (nach dem ersten Jadeeinbruch), ab 1362 (nach der Großen Mandränke) und um 1520 (nach der Abdeichung der Maadebucht) und zusätzlich die Bedeichungsgeschichte des Jadebusens bis heute. Erläuterungen zu diesen Karten und zur Geschichte des Jadebusens wurden bereits 2006 in einem Sonderdruck der Wilhelmshavener Zeitung veröffentlicht. Er ist zum Preis von 1,00 € direkt bei der Wilhelmshavener Zeitung erhältlich.

Fines imperii – imperium sine fine? Römische Okkupations- und Grenzpolitik im frühen Prinzipat.

Internationaler Kongress 14.–18. September 2009. Veranstalter: Universität Osnabrück, Alte Geschichte/Archäologie der Römischen Provinzen. Veranstaltungsort: Aula im Schloß, Universität Osnabrück. Kongressgebühr 40,00 €. Anmeldung und weitere Informationen: www.kongress-2009.uos.de

Im Kontext der 2000-jährigen Wiederkehr der Varusschlacht im Jahr 2009 und der damit verbundenen Ausstellungen „Imperium – Konflikt – Mythos" in Haltern am See, Kalkriese und Detmold veranstaltet die Universität Osnabrück vom 14. bis 18. September 2009 einen internationalen Kongress. Er setzt sich zum Ziel, grundlegende Aspekte römischer Grenz- und Okkupationspolitik im frühem Prinzipat durch einen reichsweiten Vergleich herauszuarbeiten, um auf diese Weise den Blick für die generellen wie regionalen Voraussetzungen zu schärfen und andererseits Prozesse und Veränderungen im Verlauf von fast 150 Jahren besser zu verstehen. Zugleich soll die Bedeutung von ideologischen Prämissen für das konkrete Vorgehen hinterfragt werden. Hierfür steht die programmatische Formulierung: „Fines imperii – imperium sine fine?" als Leitthema des Kongresses, womit das Spannungsverhältnis zwischen Realpolitik und Ideologie auf den (antiken) Nenner gebracht werden soll. Der Untertitel und auch die etwas populärere Fassung des Kongressthemas: „Rom – Imperium zwischen Widerstand und Intergration" zeigen an, dass es dabei nicht allein und zuvorderst um militärische Konfrontation (en) gehen kann. Der Schwerpunkt liegt eher auf der zivilen Erschließung, der Integration der Provinzbevölkerung in übergeordnete Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen auf Provinz- und Reichsebene, auf Aspekten der Ethnogenese und kulturellen Akkulturation, auf der Rolle ideologischer Herrschaftssicherung in der frühem Kaiserzeit: Wie wichtig sind beispielsweise Urbanisierung, Kaiserkult, wirtschaftlicher Wohlstand, Bildungsideale und pax Romana, um die Bevölkerung des Römischen Reiches zur Integration zu motivieren. Kann eine neue römische Identität entstehen?

MAN 39 - 52 622 Funde aus der Stadtwüstung Nienover

Sonja König, Die Stadtwüstung Nienover im Solling. Studien zur Sachkultur einer hochmittelalterlichen Gründungsstadt im südlichen Niedersachsen. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 39. Herausgegeben vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. durch Henning Haßmann. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/Westfalen 2009. 378 Seiten mit 71 Abbildungen, 37 Tabellen, 44 Diagrammen und 94 Tafeln. ISBN 978-3-89646-972-4 ISSN 0465-2770. Hardcover 49,80 €

Die im Landkreis Northeim gelegene Stadtwüstung Nienover mit der zugehörigen Burg stellen aufgrund des weitestgehend unüberbauten Zustandes eine der wenigen Fundstellen deutschlandweit dar, an welcher die Struktur einer Gründungsstadt und deren Entwicklung in räumlicher und zeitlicher Tiefe untersucht werden kann. Die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsprojektes unter der Leitung von Professor Dr. Hans-Georg Stephan (Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg) wurden in drei Dissertationen vorgelegt. Der Teil Studien zur Sachkultur widmet sich der umfassenden Analyse des Fundmaterials und seiner Aussagefähigkeit für die Struktur und Entwicklung der Stadt sowie für den regionalen Handel mit Keramik. Grundlegend ist die Betrachtung der typologischen und chronologischen Auswertung der 52 622 Einzelfundstücke. Darauf aufbauend lässt sich die Formen- und Warenartenentwicklung der Keramik der Zeit von 1180 bis 1270 in der Region Solling nachvollziehen. Durch von mineralogischen Untersuchungen ergänzte Analysen der Provinienz der Keramik von der Stadtwüstung Nienover und von den 329 Wüstungen im Umfeld sind die Handelsräume einzelner Töpfereien zu erkennen. Bei der Auswertung der Funde im Bezug zu den Befunden standen drei Fragen im Vordergrund: Die Datierung der Befunde im Hinblick auf die strukturelle Entwicklung der Stadt bzw. der Einzelparzellen und damit der Siedlungsphasen, die Zusammensetzung der einzelnen Formenspektren der Kellerinventare und die Anteile der Produktionsorte an den einzelnen Inventaren in den Zeitphasen. Die kurze Bestehenszeit der Stadt führt zu einem klaren Bild vom Werden, Prosperieren und Untergang einer Gründungsstadt in Südniedersachsen.

Steinwerke – ein Bautyp des Mittelalters?

Michael James Hurst, Bruno Switala, Bodo Zehm (Hrsg.), Steinwerke – ein Bautyp des Mittelalters? Vorträge des Kolloquiums Steinwerke vom 2. bis 4. März 2008 in Osnabrück. Schriften zur Archäologie des Osnabrücker Landes 6. Rasch Verlag, Bramsche 2008. 291 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen. ISBN 978-3-89946-110-7. Broschur 18,00 €.

Allein im Stadtgebiet von Osnabrück sind rund 150 Steinwerke nachweisbar. Der älteste urkundliche Hinweis auf ihre Existenz stammt aus dem Jahre 1177. Viele zurückliegende Forschungen und überregionale Vergleiche machten deutlich, dass Osnabrück mit der besonderen baulichen Ausprägung und dem heute noch erhaltenen Restbestand dieser Gebäude eine deutschlandweite Vorrangstellung einnimmt. Doch es bleiben viele Fragen zur Funktionalität der Steinwerke, zu ihrer Verbreitung und ihren Voraussetzungen. Im Jahr 2006 widmete sich dem Themenkomplex ein umfassendes Forschungskolloquium, mit dem die Herausgeber dazu angeregt haben, die Vielzahl der bundesweit und in den Nachbarländern vorhandenen fachwissenschaftlichen Einzelergebnissen einer gemeinsamen Betrachtung zu unterziehen – nicht zuletzt mit dem Ziel, der ungewöhnlichen Situation in Osnabrück und im Osnabrücker Land möglicherweise vorhandenen Parallelen gegenüberzustellen. Im diesem Band sind die Tagungsbeiträge zu den Untersuchungen von Westfalen über Niedersachsen bis zum Baltikum und nach Thüringen zusammengestellt, ist das zu den Steinwerken Belegbare gesammelt, bildlich dokumentiert und auf die nächsten Schritte hin überprüft. Somit ist dieser Band nicht nur unter regionalen Aspekten bedeutsam, sondern auch für die überregionale Bauforschung von besonderem Wert.

Die Straße der Megalithkultur – eine archäologische Erlebnisreise

Die „Straße der Megalithkultur" ist eine Autoferienstraße, die sich kreisübergreifend dem Thema der jungsteinzeitlichen Großsteingräber widmet. Auf einer Strecke von 330 km verbindet sie attraktive und kulturgeschichtlich bedeutende Stätten der Megalithkultur im Weser-Ems-Gebiet miteinander. Touristische Hinweisschilder verweisen auf 33 Stationen, mit deren Hilfe sich die Reisenden ein Bild von den Lebenswelten der vor über 5000 Jahren in Nordwestdeutschland lebenden Menschen machen können. An den jeweiligen Stationen sollen neben Funktion und Konstruktion der Gräber Themen wie Jenseitsvorstellungen, Naturverständnis und Alltagsleben auf anschauliche Weise behandelt werden. Neben den Steinzeitriesen gibt es entlang des Routenverlaufs auch eine Menge sehenswerter nicht-megalithischer Highlights: wie das Museum für Natur und Mensch in Oldenburg, Schloss Clemenswerth in Sögel oder das Stift Börstel bei Berge. In Zusammenarbeit mit der Emsland-Touristik, dem Zweckverband Wildeshauser Geest und der Stadt- und Kreisarchäologie in Osnabrück obliegt die Hauptkoordination des Projektes dem Tourismusverband Osnabrücker Land e.V. Zur Eröffnung der Autoroute im Frühjahr 2009 ist ein Begleitbuch zur Strecke im Buchhandel erschienen. Weitere Informationen: www.strassedermegalithkultur.de

Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 32

Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, Band 32. Herausgegeben vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven. Isensee Verlag, Oldenburg. 330 Seiten mit zahlreichen Tabellen und Abbildungen. Gebunden 45.00 €.

Zur Jahresmitte erscheint Band 32 der „Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet" aus dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven. Der umfangreiche Band enthält fünfzehn Beiträge, die in Bezug zu dem breiten Spektrum der Forschung am NIhK stehen. Die ersten zehn Artikel gehen auf Vorträge zurück, die 2002 bei dem Kolloquium „Neue Wege zu alten Bauten – Interdisziplinäre Forschungen zum Thema Haus" in Wilhelmshaven gehalten worden sind. In den beiden Komplexen „Haus und Umwelt" sowie „Das ländliche Haus im Mittelalter" haben sich Archäologen, Naturwissenschaftler und Historiker aus den Niederlanden, Deutschland und Dänemark mit ganz unterschiedlichen Aspekten des Tagungsthemas beschäftigt.

Im zweiten Teil des Bandes werden geologische und archäologische Themen aus dem Küstengebiet behandelt. Nach einer Studie zur Entstehung und Entwicklung der Nordsee-Insel Langeoog werden zwei weitere Beiträge zur Ausgrabung der jungbronze- bis früheisenzeitlichen Siedlung Rodenkirchen-Hahnenknooper Mühle vorgelegt. Sie betreffen die Paläogeographie dieser bislang ältesten Siedlung in der deutschen Marsch sowie die hier gefundene Keramik. Im folgenden Beitrag werden die rund 1600 Perlen aus dem berühmten karolingischen Gräberfeld von Dunum im Landkreis Wittmund im Hinblick auf ihre chronologische Aussage ausgewertet. Der letzte Beitrag gilt einer der fundreichsten Grabungen in Niedersachsen, nämlich der Hafengrabung in Stade und den hier geborgenen Messern des 11. bis 20. Jahrhunderts.

Band 32 ist der letzte unter dem Namen „Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet". Die Reihe wird als Zeitschrift unter dem Titel „Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet" fortgesetzt. Sie wird ergänzt durch die „Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet", in der monographische Arbeiten publiziert werden. Beide Titel werden in Zukunft im Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. erscheinen.

2000 Jahre Varusschlacht: Friedenszeichen. Zwei neue Ausstellungen und spannende Veranstaltungen in Museum und Park Kalkriese

VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese, Venner Straße 69, 49565 Bramsche-Kalkriese, Tel: 05468 9204-0, Fax: 05468 9204-45, E-Mail: kontakt@kalkriese-varusschlacht.de, Homepage: www.kalkriese-varusschlacht.de

Ab 16. Mai täglich 9.00-18.00 Uhr, Sa. bis 20.00 Uhr. Ab 26. Oktober montags geschlossen, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 9 €, ermäßigt 6 € [Kinder bis 18 J., Schüler, Studenten, Behinderte], Kinder bis 6 Jahre frei. Familienkarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder 20 €. Jahreskarte für zwei Erwachsene mit Kindern bis 16 Jahren 50 €, Jahreskarte für Einzelpersonen 25 €. (Die Karten sind auch für alle Tagesveranstaltungen gültig. Für Abendveranstaltungen gelten gesonderte Eintrittspreise). Für die Sonderausstellung "IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht" sind auch Kombi-Karten für den Besuch aller drei Ausstellungen in Haltern, Kalkriese und Detmold erhältlich. Buchungen von Führungen und Angeboten: Tel: 05468 9204-200 oder per E-Mail an fuehrungen@kalkriese-varusschlacht.de

IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS

2000 Jahre Varusschlacht: Zwei neue Ausstellungen eröffnen ab dem 15. Mai 2009 im Museum und Park Kalkriese neue Einblicke in die Erkenntnisse zum Geschehen des Jahres 9 n. Chr. und zur Erforschung des antiken Schlachtfelds von Kalkriese. Sie präsentieren außerdem anhand archäologischer Funde aus ganz Europa überraschende Erkenntnisse zur Geschichte der folgenden Jahrhunderte.

Die überarbeitete und neu konzipierte Dauerausstellung präsentiert erstmals einen aktuellen Gesamtüberblick über die Erkenntnisse aus mehr als 20 Jahren Forschung. Wirklichkeitsnah und spannend aufgearbeitet, gibt die Ausstellung Antworten auf wesentliche Fragen. Sie vermittelt faszinierende Einblicke in die Historie, in die Strukturen des Imperium Romanum und die Situation der germanischen Bevölkerung im Nordwesten des heutigen Deutschlands und in die Entdeckungsgeschichte von Kalkriese. Vor allem aber wird dem Publikum anhand eindrucksvoller Fundstücke und anschaulicher Darstellungen der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Varusschlacht und zum Schauplatz Kalkriese sowie die neuesten Methoden der Forschung vermittelt.

2009 ist Kalkriese Bestandteil der größten archäologischen Ausstellung des Jahres: „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht ". Am 15. Mai wird zusammen mit dem neuen Besucherzentrum die Sonderausstellung „KONFLIKT" als zweite hochkarätige Ausstellung in Kalkriese eröffnet. Diese Sonderausstellung lenkt (bis zum 25. Oktober 2009) den Blick der Besucher über das eigentliche Geschehen der Varusschlacht hinaus. Sie gibt Antworten auf Fragen wie: Was trieb die Germanen nach der Varusschlacht in eine Folge militärischer Auseinandersetzungen? Warum kehrte nach der Schlacht kein Frieden in Germanien ein? Die Sonderausstellung spannt einen Bogen von der Zeitenwende bis ins 5. Jahrhundert, sie beleuchtet Ursachen, Strukturen und Folgen von Konflikten, aus der Perspektive der Germanen betrachtet, und hinterfragt kritisch die noch heute anzutreffenden Vorstellungen von den Germanen als vermeintlich tumbe, wilde Barbaren.

Feldzeichen zu Friedenszeichen

2000 Jahre nach der Varusschlacht werden in Kalkriese Zeichen gesetzt. Die Aktion „Feldzeichen zu Friedenszeichen" bildet den Auftakt des umfangreichen Erinnerungsprogramms. Am 17. und 18. Januar 2009 wurden am Schauplatz der Schlacht 2000 künstlerisch gestaltete Friedenszeichen präsentiert. Sie sind bis Ostern in Museum und Park Kalkriese zu sehen und werden danach in der Stadt und im Landkreis Osnabrück aufgestellt.

VARUS-WOCHEN

Die traditionellen „Römer- und Germanentage" bilden einen ersten Höhepunkt des umfangreichen Programms der VARUS-WOCHEN vom 11. bis 21. Juni. Vom 11. bis 14. Juni wird das Schlachtfeld zum Schauplatz eines friedlichen Gipfeltreffens der Römer- und Germanendarsteller. Mit mehreren musikalischen Leckerbissen unter freiem Himmel widmet sich das Museum zwischen dem 11. und 19. Juni der Schlacht und ihrer Wahrnehmung und Interpretation in der Neuzeit. Besucher können die Konzerte von eigens errichteten Tribünen verfolgen, u. a. am 16. Juni, 20.00 Uhr, das Konzert „Der Tribun" von Mauricio Kagel. „Hermann meets Händel" heißt es am 17. Juni, 20.00 Uhr. An diesem Abend werden Stücke aus mehreren Arminius-Opern von Georg Friedrich Händel, Johann Adolf Hasse und Alessandro Scarlatti. (17. Juni, 20 Uhr) aufgeführt. Am 20. Juni, 20.00 Uhr, folgt das „Arminius-Oratorium" von Max Bruch. Von und mit Kindern, aber nicht nur für Kinder gemacht ist das Musical „Kleiner Germane in Rom."

Ausgrabungen

Während des Sommers finden wieder Ausgrabungen an der zentralen Fundstätte im Park des Museums Kalkriese statt. Besucher können vom 5. Juli bis zum 30. September 2009 täglich von 12 bis 12.30 Uhr Informationen über die archäologische Arbeit erhalten. Außerdem wird das Schlachtfeld der Antike zum Lernfeld von heute: Im Rahmen eines Europäischen Grabungs-Camps erhalten 28 junge Menschen aus Europa im Jahr 2009 die Möglichkeit, bei den Ausgrabungen in Kalkriese die Erforschung vergangener Zeiten kennen zu lernen. Das Europäische Grabungs-Camp findet vom 5. Juli bis 1. August 2009 statt. Grabungspatin wird die Archäologin Prof. Dr. Mirjana Sanader, Universität Zagreb, sein.

Römerschiff in Kalkriese

Vom 1. Juli bis 21. August wird Kalkriese zum Hafen. Dann macht dort ein nach archäologischen Funden originalgetreu rekonstruiertes Römerschiff Station. Mitfahren ist möglich. Mit einer nach antikem Vorbild ausgestatteten Mannschaft geht das 16 Meter lange Boot 2009 bis dahin an zahlreichen Orten Deutschlands vor Anker und informiert über die Ausstellungen zur Varusschlacht in Kalkriese, Haltern und Detmold.

Das Buch zur Dauerausstellung

Varusschlacht im Osnabrücker Land. Museum und Park Kalkriese. Verlag Ph. v. Zabern, Mainz 2009. 256 Seiten mit 210 Farb- und 38 schwarz-weißen Abbildungen. Farbiger Schutzumschlag. ISBN 978-3-8053-3949-0. Gebunden 24,90 €.

„Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden ..." Der umfangreiche Band beschäftigt sich u. a. mit der römischen Germanienpolitik, mit dem Bild der Varusschlacht in Kunst und Medien. Dazu zeigt er Aufsehen erregende Fundstücke und dokumentiert, wie in einer der wichtigsten Ausgrabungsstätten auf deutschem Boden gearbeitet und geforscht wird: In Kalkriese bei Osnabrück wurden seit 1989 viele tausend Funde, eine Wallanlage, Menschen und Tierknochen freigelegt, die mit der Varusschlacht in Verbindung gebracht werden. Erläutert werden die Ergebnisse der Forschung, wie sie in die neu konzipierte Dauerausstellung im Museum Kalkriese eingeflossen sind.

Neues aus der Landschaft

Die Ostfriesische Landschaft ist eine der traditionellen Stätten für die Archäologie Nordwestniedersachsens. Archäologischer Dienst und Forschungsstelle blicken auf viele erfolgreiche Jahrzehnte in Forschung und Denkmalpflege zurück. Damit war es aber nicht getan. Als am 1. Mai 2008 Dr. Rolf Bärenfänger das Amt des Landschaftsdirektors erhielt, war das auch ein Vertrauensbeweis an das archäologische Team. Dr. Rolf Bärenfänger, seit langem Vorsitzender der Archäologischen Kommission für Niedersachsen, arbeitet seit 1991 bei der Ostfriesischen Landschaft. Zu nennen sind seine vorbildhaften Untersuchungen im ehem. Kloster Barthe und die zahlreichen großflächigen Siedlungsgrabungen in den Gewerbegebieten der Region wie bei der Betreuung linearer Projekte (Pipelines, Straßenbau). Dabei kamen Burgen und Stadtkerne nicht zu kurz. Dass er auch große Projekte zeitnah publizieren konnte, bleibt besonders hervorzuheben. Für die Arbeit als Landschaftsdirektor darf ihm alles Gute gewünscht werden.

Bereits zum November 2007 ging Dr. Wolfgang Schwarz in den verdienten Ruhestand. Seit 1972 prägte er die archäologische Forschung in Ostfrieslands entscheiden mit. Zu erwähnen sei einmal die Fortsetzung der Archäologischen Landesaufnahme Ostfrieslands, wohl die vollständigste in Deutschland. Schwarz unternahm die ersten wissenschaftlichen Grabungen im ehem. Kloster Ihlow, untersuchte die neolithische Grab- und Kultanlage in Wisens, erstellte mehrere Monographien (u. a. zur Landesaufnahme und zur Urgeschichte Ostfrieslands). Die Grabungen am Upstalsboom wie auch in der Beningaburg bei Wirdum fanden ebenfalls weit über die Region hinaus Beachtung.

Der Wechsel der beiden Wissenschaftler gab die Gelegenheit, das archäologische Team neu aufzustellen. Mit Dr. Sonja König und Dr. Jan Kegler sind zum 1. Januar 2009 hervorragende Kräfte gewonnen worden, den eine Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit zu wünschen ist. Frau Dr. Sonja König stammt aus der Umgebung aus Hannover. Nach dem Studium der Ur und Frühgeschichte mit dem Schwerpunkt Mittelalter promovierte sie nach dem Magisterexamen 1999 bei Prof. Dr. Stephan an der Universität Göttingen über die Funde der Stadtwüstung Nienover 2006. Bereits 2003 bis 2005 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Braunschweig. Die reiche Grabungserfahrung und das Organisationsgeschick wird sie auch in der Zukunft gebrauchen müssen.

Der gebürtige Kölner, Dr. Jan Kegler, absolvierte 1999 sein Magisterexamen und promovierte 2007 über ein altsteinzeitliches Thema an der Universität Köln. Beruflich sammelte er nicht nur reiche Erfahrungen als Ausgräber, sondern auch als wissenschaftlicher Projektkoordinator Ausgrabungsleiter an archäologischen Ausgrabungen im Verlauf der ICE-Neubaustrecke Erfurt – Halle/Leipzig. Hervorzuheben sind seine Arbeiten an verschiedenen international aufgestellten Forschungsprojekten zum Paläolithikum, aus der u. a. seine Dissertation hervorgegangen ist. Nunmehr hat er die wissenschaftliche Leitung des Forschungsinstituts der Ostfriesischen Landschaft und vertritt vor allem die Urgeschichte, während Dr. König im Archäologischen Dienst tätig ist.

ak-niedersachsen.de

2008

Tag des offenen Denkmals

14. September 2008

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 14. September 2008 bereits zum 15. Male statt. Der diesjährige bundesweite "Tag des offenen Denkmals“ wird unter dem Schwerpunktthema „Vergangenheit aufgedeckt – Archäologie und Bauforschung“ veranstaltet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft dazu auf, auch in diesem Jahr alle Bauten und aktuellen Grabungsstellen zur Teilnahme anzumelden, die einen Bezug zum Thema haben. Niedersachsen ist ein Land mit einem reichen kulturellen Erben. Die Denkmale der Baukunst legen davon ein sichtbares Zeugnis ab. Die Hinterlassenschaften unserer Geschichte reichen aber viel weiter zurück. Seit Jahrtausenden leben Menschen hier und haben Spuren ihres Daseins, ihrer Arbeit und ihres kulturellen Wirkens hinterlassen, seien es einst bewohnte Höhlen, jungsteinzeitliche Grabanlagen, vorgeschichtliche Befestigungen, mittelalterliche Wüstungen, alte Siedlungskerne und vieles mehr. Der diesjährige Tag des offenen Denkmals möchte uns auf eine Zeitreise mitnehmen und aufzeigen, was hierbei Archäologie und Bauforschung zu leisten vermögen. Mit der Entwicklung moderner Prospektionsmethoden hat sich der Aufgabenbereich der Archäologie bis in die Neuzeit mit fließenden Grenzen bis zur Gegenwart ausgeweitet, wo sie wichtige Zusatzinformationen liefern kann. Das unterstreicht die besondere Rolle der Archäologie innerhalb der Geschichtswissenschaften. Bauforschung hat zum Ziel, durch eine genaue Erfassung des vorhandenen historischen Bestandes zu einer umfassenden Kenntnis des Denkmals zu gelangen. Hierbei werden gebäudekundliche, konstruktive und kunsthistorische Werte ebenso wie die geschichtliche Einbindung untersucht. Ein spannender Tag mit interessanten Angeboten erwartet die Besucher. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 76, 2007. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch Henning Haßmann. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag Stuttgart. 362 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Tabellen und Farbbeilage; farbiges Titelblatt; ISBN 978-3-8062-2167-1/ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Zum Ende des Jahres 2007 erschienen die „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte“ mit neuesten Forschungsergebnissen von der Altsteinzeit bis zum Mittelalter aus allen Bereichen der staatlichen und kom­munalen Archäologischen Denkmalpflege sowie der Forschungseinrichtungen des Landes Niedersachsen. Beiträge zu paläolithischen Funden aus dem Landkreis Harburg, zu einer bronzezeitlichen Spitzhaue und zu frühgeschichtlichen Schuhfunden aus Ostfriesland, zu hochmittelalterlichen Zierknöpfen von der Harzburg (Ldkr. Goslar) oder zu einem Kachelofenfund (16. Jh.) aus Peine bereichern das Bild von der Sachkultur einzelner Fundgruppen. Keramikfunde von einer Wurt in Bremerhaven-Weddewarden beleuchten deren Besiedlungsgeschichte von der vorrömischen Eisenzeit bis in die Völkerwanderungszeit. Anlass zu weiteren Diskussionsstoff wird sicher ein Aufsatz über den spätkaiserzeitlichen Töpferofen mit Drehscheibenware aus dem „Hildesheimischen“ geben, der auf Grundlage des Be­fundes sich kritisch mit der „angeblich“ von „römischen Handwerkern“ betriebenen Töpfereimanufaktur von Haarhausen/Thüringen auseinandersetzt. Fragen zum Forschungsstand und aktuelle Fragestellungen des fränkischen Vorstoßes an die Elbe fordern – so ein Beitrag aus dem universitären Bereich – eine weitere Erfolg versprechende Untersuchung des sog. Höhbeck-Kastells (9. Jh.) im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Auswertung der Altgrabung „Neue Burg“ in Hamburg bestätigt archäologisch die bisherige Datierung in das 11. Jahrhundert und damit die schriftliche Überlieferung (1061). Im ausgehenden 12. Jahrhundert bildete der Burgbereich den Kern zur Gründung eines neuen Kaufmannsquartiers in der so genannten gräflichen Neustadt. Prospektion und Sondage einer hochmittelalterlichen Burganlage bei Vöhrum (Stadt Peine) erschlossen eine Niederungsburg um 1180, die nur wenige Jahre Bestand hatte. Der Beitrag zum mittelalterlichen Fensterglas vom ehemaligen Dominikanerkloster in Norden, Ostfriesland, schließt eine empfindliche Lücke nicht nur für die Kunsthistoriker über die Kenntnis der Glasmalerei auf einem Gebiet, von dem die Reformation kaum etwas übrig gelassen hatte. Aus einem fächerübergreifenden Forschungsprojekt im Solling ging ein Beitrag über die archäologischen Untersuchungen im Bereich der mittelalterlichen Dorfwüstung Winnefeld und ihres Umfeldes hervor. Aus Peine werden kunstgeschichtlich hochwertige Ofenkachelfunde des 16. Jahrhunderts vorgestellt. Kleinere forschungsgeschichtliche und methodische Aufsätze, Berichte und Buchbesprechungen bilden die abschließenden Teile des Bandes.

Die Schöninger Speere

Mensch und Jagd vor 400.000 Jahren

Landesausstellung Niedersachsen, 28. März – 27. Juli 2008

Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Willy-Brandt-Allee 5, 30168 Hannover

Tel: 0511 / 9807-686

Fax: 0511 / 9807-684

E-Mail: info@nlm-h.niedersachsen.de

Homepage: www.dieschoeningerspeere.de

Di.–So. 10.00-17.00 Uhr, Do. 10.00–19.00 Uhr

Nach einer ersten Präsentation im Braunschweigischen Landesmuseum sind nun die sensationellen Speerfunde aus Schöningen, Ldkr. Helmstedt, im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover zu sehen. Die Funde aus der Zeit des homo erectus, darunter nicht nur die acht Holzspeere, sondern auch zahlreiche Pferdeschädel, Steinartefakte und vieles mehr, sind als Spu­ren frühmenschlichen Sozialverhaltens und „planender Intelligenz“ – wie die Ausstellungsmacher sich ausdrücken – erkannt worden. Die Ausstellung ist grafisch-künstlerisch aufwendig gestaltet und lädt zur fruchtbaren Auseinandersetzung und Weiterdenken ein.

Anlässlich der Ausstellung erschien ein Begleitbuch, herausgegeben vom Ausgräber der Fundstelle, Dr. Hartmut Thieme (Die Schöninger Speere – Mensch und Jagd vor 400000 Jahren, Theiss-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2164-0, Ausstellungspreis 19,80 €; im Buchhandel 24,90 €). Die Kuratoren der Ausstellungen Martin Schmidt und Wolf-Dieter Steinmetz erstellten zusätzlich eine zweisprachige Ausstellungsdokumentation (deutsch-englisch) unter dem Titel der Landesaustellung (Welt und Erde Verlag, Kerpen-Loogh/Eifel 2008, ISBN 978-3-93807-04-4, 9,90 €).

Neue Gebietsarchäologin in Oldenburg

Am 1. Juli 2007 begann Dr. Jana Esther Fries ihre Arbeit als Gebietsreferentin (Referat Archäologie) für den Bereich Weser-Ems im Stützpunkt Oldenburg des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Frau Dr. Fries, in Hessen geboren, studierte von 1989 bis 1995 Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Pädagogik an den Universitäten Gießen und Kiel, wo sie den ersten Abschnitt ihres Studiums mit dem Magister-Examen beendete. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über das Thema „Die Hallstattzeit im Nördlinger Ries“ (erschienen 2005). Berufliche Erfahrungen sammelte sie u. a. beim Landesamt für Archäologie in Sachsen, dem Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Landesamt für Archäologie in Sachsen-Anhalt sowie in freiberuflicher Tätigkeit. Eine umfangreiche Publikationsliste unterstreicht ihr wissenschaftliches Interesse ebenso wie die Mitherausgeberschaft bei zahlreichen Veröffentlichungen (u. a. der Reihe „FemArcEdition“). Bei den Deutschen Altertumsverbänden leitet sie die AG Geschlechterforschung.

 Archäologischer Urlaub in der Lüneburger Heide

Dietmar Gehrke, Archäologische Wanderungen durch die Samtgemeinde Amelinghausen. Herausgeber: Samtgemeinde Amelinghausen. Selbstverlag, Amelinghausen 2007. 104 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Bezug: Archäologisches Museum Oldendorf (Luhe), Tourist-Information Amelinghausen. Broschiert 5,00 €.

Mit der Herausgabe des vorliegenden Archäologischen Wanderführers hat sich die Samtgemeinde Amelinghausen ein weiteres Mal aktiv an der Erschließung ihres kulturellen Erbes im Naturpark Lüneburger Heide beteiligt, zumal sie selbst reich an archäologischen Denkmalen und Fundstätten ist. Die als Wanderführer konzipierte Broschüre soll den Besuchern ebenso wie den Einheimischen einen Leitfaden an die Hand geben, der es ihnen ermöglicht, die Relikte einer vieltausendjährigen Geschichte wieder aufzufinden und im Gelände vor Ort zu erleben. Der Verfasser gibt neben einem Abriss der Ur- und Frühgeschichte des Raumes Amelinghausen zahlreiche Vorschläge zu Fußwanderungen, Rad- und Autotouren, die gezielt zu den Denkmalen führen. Wer danach noch nicht genug bekommt, wird sicher noch das neu eröffnete Archäologische Museum in Oldendorf (Luhe) nördlich von Amelinghausen besuchen wollen. Der Verfasser ist Beauftragter für die archäologische Denkmalpflege und seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Archäologie tätig. In diesem Museum sind die wohl eindrucksvollsten archäologischen Funde der Region in einer modernen Ausstellung zusammengeführt und werden dort der Öffentlichkeit präsentiert. Die Herausgabe des Wanderführers, der rechtzeitig zur Heideblüte erschien, wurde finanziell von der Europäischen Union gefördert.

Neuer Forschungsband Kalkriese

Susanne Wilbers-Rost, Hans-Peter Uerpmann, Margarethe Uerpmann, Birgit Großkopf, Eva Tolksdorf-Lienemann, Kalkriese 3. Interdisziplinäre Untersuchungen auf dem Oberesch in Kalkriese. Archäologische Befunde und naturwissenschaftliche Begleituntersuchungen. Römisch-Germanische Forschungen Bd. 65, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2007. 190 Seiten mit 135 Abbildungen, 11 Tabellen, 2 Beilagen und 1 CD-ROM als Beilage. ISBN 3-8053-3802. Gebunden 49,00 €. 

Die Erkenntnisse aus 15 Jahren archäologischer Forschungen und naturwissenschaftlicher Begleituntersuchungen des Fundplatzes „Oberesch“ in Kalkriese sind Thema des neu erschienenen wissenschaftlichen Werks „Kalkriese 3. Interdisziplinäre Untersuchungen auf dem Oberesch in Kalkriese. Archäologische Befunde und naturwissenschaftliche Begleituntersuchungen“. Autorin ist die Archäologin Dr. Susanne Wilbers-Rost, die die archäologischen Befunde der Fundstätte Oberesch – heute Zentrum des Museumsparks Varusschlacht im Osnabrücker Land – dokumentiert und den Forschungsstand zwischenbilanziert. Mitautoren sind die Naturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Uerpmann und Dr. Margarethe Uerpmann (Universität Tübingen), Dr. Birgit Großkopf (Universität Göttingen) und Dr. Eva Tolksdorf-Lienemann (Universität Oldenburg). Sie legen Herangehensweisen und Ergebnisse der Untersuchungen an Knochen und Bodenproben vor.

2000 Jahre Varusschlacht

Eröffnung der neuen Aus­stellung zur Varusschlacht im Museum Kalkriese am 22. März 2009 – Eröffnung der Sonderausstellung KONFLIKT am 15. Mai 2009

VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH – Museum und Park Kalkriese –

Venner Straße 69, 49565 Bramsche-Kalkriese

E-Mail: kontakt@kalkriese-varusschlacht.de

Homepage: http://www.kalkriese-varusschlacht.de

April bis Oktober: täglich 10:00–18:00 Uhr

November bis März: Di-So 10:00–17:00 Uhr

Im Jahr 2009 rückt das groß angelegte Ausstellungsprojekt „Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht“ das historische Geschehen in den Blickpunkt. Mit Exponaten von Weltgeltung wird an die folgenreiche Niederlage der Römer erinnert. Hochkarätige Ausstellungen werden an drei Originalschauplätzen zeigen, wie es zu der Schlacht kommen konnte und welche weltpolitischen und kulturellen Folgen sie hatte. Die Schauplätze Haltern am See, Kalkriese und Detmold werden sich im Sommer 2009 jeweils den Themen Imperium, Konflikt und Mythos widmen. In Kalkriese erwartet die Besucher 2009 eine neue Ausstellung zur Varusschlacht. Sie wird unter anderem Ergebnisse aus 20 Jahren Forschungsgeschichte in Kalkriese präsentieren. Zusätzlich entsteht eine Sonderausstellung zum Themenkreis Konflikt.

Siedlung – Fronhof – Pferdehaltung

Sonja König, … lütken Freden wisk …. Die mittelalterliche Siedlung Klein Freden bei Salzgitter vom 9.-13. Jahrhundert. Siedlung – Fronhof – Pferdehaltung, mit Beiträgen von Susanne Hanik und Gisela Wolf. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 36. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2007. 243 Seiten, 44 Abbildungen, 14 Tabellen, 13 Diagramme, 13 Pläne, 24 Tafeln, 3 Beilagen. ISSN: 0465-2770; ISBN-13: 978-3-89646-969-4. Gebunden 59,80 €.

Von 1993 bis 1996 fand unter der Leitung der Braunschweiger Bezirksarchäologie auf 30000 qm eine der größten Flächengrabungen in einer mittelalterlichen Siedlung in Niedersachsen statt. Anlass der Grabungen waren die Planung, Erschließung und der Bau eines größeren Wohngebietes. Die Anfänge der Besiedlung des erst 1180 erwähnten Dorfes reichen bis in die Zeit um 800 zurück. Die detaillierte Analyse der Gebäude, Brunnen und Öfen sowie des reichen Fundmaterials durch Dr. Sonja König, flankiert durch die naturwissenschaftlichen Untersuchungen von Dr. Susanne Hanik (Archäozoologie) und Gisela Wolf (Paläoethnobotanik), zeigte schon sehr bald die besondere Bedeutung dieser mittelalterlichen Wüstung für die niedersächsische Siedlungsforschung und Landesgeschichte. Während man es bis ins 10. Jahrhundert mit einem typischen mittelalterlichen „Weiler“ mit landwirtschaftlichem Betrieb zu tun hat, verändert sich die Siedlung in Richtung auf eine gewerbliche Nutzung. Zeugnis dafür geben die zahlreichen Grubenhäuser mit Spuren der Weberei, wie sie sich in der Massierung nur an Pfalzen, Herrensitzen oder Fronhöfen wieder finden. Möglicherweise mit dem Sturz Herzog Heinrichs des Löwen 1180 findet die Webereisiedlung ein Ende. Statt dessen gibt es nur noch wenige Gebäude und Brun­nen. Auffällig ist nun das umfangreiche Tierknochenmaterial mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Pferdeknochen, namentlich von jungen Hengsten. Mutmaßlich handelt es sich um die Reste von Botenpferden (parafredi!), die sicher nicht nur von der Besatzung der nahen Burg Lichtenberg benutzt worden sind.

„SCHÄTZE im Schlick“

8. März – 1. Juni 2008 

Schwedenspeicher – Museum

Wasser West 39, 21682 Stade

Homepage: www.schwedenspeicher.de

Tel.: 04141 / 3222

Di.– Fr. 10:00-17:00 Uhr, Sa.–So. 10:00–18:00 Uhr

Eintrittspreise: 1 Euro / ermäßigt 0,50 Euro

Nun präsentiert eine Sonderausstellung im Schwedenspeicher einen Überblick über das einzigartige Fundmaterial. Die Schätze dokumentieren weit reichende Handelsbeziehungen und erinnern daran, dass Stade einstmals bedeutender war als Hamburg. Zugleich wird der Alltag der Bewohner lebendig – quer durch alle Epochen, von dem Wikingerüberfall des Jahres 994 über die Hanse- und Schwedenzeit bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist nach Themen gegliedert. Das durchdachte Konzept macht Leben und Treiben einer Hafenstadt spielerisch begreifbar. Kinder und Erwachsene können in Aktionsboxen selbst ausprobieren, wie Geräte und Werkzeuge funktionieren. Es erscheinen ein reich illustrierter Katalog mit englischer Zusammenfassung sowie ein Ausstellungsführer für Kinder. Der Museumsshop hält ein vielfältiges, eigens für die Sonderschau zusammengestelltes Angebot bereit. Exklusiv für die Ausstellung kreierte der Winzer Philip Kuhn einen „Schätze im Schlick“-Riesling.

gesprochen – geschrieben – gedruckt

Wie die Rede auf die Varusschlacht kam …

 Sonderausstellung bis Ende Oktober 2008

 VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH – Museum und Park Kalkriese –

(Anschrift und Öffnungszeiten wie oben)

Im Zentrum steht ein Text des römischen Geschichtsschreibers P. Cornelius Tacitus. Eine Abschrift der »Annalen«, die 1507 aus dem Frieden der klösterlichen Bibliothek in Corvey auftauchte und Licht in das Dunkel der Geschichte um den Schauplatz der Varusschlacht brachte: Gewiefte Handschriftenjäger entwendeten das Werk. Papst Leo X. gelangte in den Besitz der Schrift und sorgte für deren gedruckte Veröffentlichung – so kam die Rede auf die Varusschlacht.

Zisterzienser im Norden

Rolf Bärenfänger (Hrsg.), Zisterzienser im Norden – Neue Forschungen zur Klosterarchäologie. Symposium bei der Ostfriesischen Landschaft in Aurich vom 19.–20. Oktober 2006. Internationale Archäologie – Arbeitsgemeinschaft, Symposium, Tagung, Kongress 9. Verlag Marie Leidorf 2007. 184 Seiten mit 192 Abbildungen. ISSN 1434-6427/ ISBN 978-3-89646-439-2. Hartkarton 59,80 €.

Archäologische Untersuchungen in bestehenden Klöstern und besonders auf wüst gefallenen Plätzen haben in den vergangenen Jahren die Kennt­nisse von dieser mittelalterlichen Lebenswelt in vielfacher Hinsicht erweitert. Vor diesem Hintergrund hat die Ostfriesische Landschaft 2006 in Aurich ein Symposium abgehalten, um den aktuellen Forschungsstand zusammenzutragen. Von den gehaltenen Vorträgen sind 17 in diesem Sammelband abgedruckt worden. Die Beiträge aus deutschen und belgischen Klöstern wie Koksijde, Herkenrode, Heisterbach, Ihlow, Lübeck, Eldena, Chorin, Zinna und Grünhain sind mit zahlreichen Plänen und Rekonstruktionen illustriert. Im Einzelnen geht es um die bauliche Gestalt von Kirchen, Klausurbauten und Nebengebäuden, Bestattungen, Wasserversorgung und Abfallbeseitigung in den Klöstern. Bemerkenswert sind Befunde von Chorgestühlen, verzierten Fliesenböden, Latrinen, Brunnen, Fischteichen und Wassermühlen sowie viele Kleinfunde. Drei Beiträge untersuchen größere Gebiete, nämlich Belgien, Ostfriesland und den Raum Stade. Neben den Klosteranlagen selbst finden auch die zugehörigen Wirtschaftshöfe (Rozedehusen, Westfalen) und der von den Klöstern ausgehende Landesausbau (Teltow, Barnim) Berücksichtigung.

Immenbeck

Ein Begräbnisplatz der Altsachsen bei Buxtehude. Werkstattausstellung II

4. Juli – 23. November 2008

Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst, Stavenort 2, 21614 Buxtehude

Tel.: 04161 / 501402; Fax: 04161 / 501298

Homepage: www.stadt.buxtehude.de

Di.–Fr. 14:00–17:00 Uhr, Sa. u. So.: 11:00–17:00 Uhr sowie nach Vereinbarung

Die Aufsehen erregende Fundstelle wurde erst vor acht Jahren entdeckt. Eine Sonderausstellung zeigt nun ausgewählte Funde aus 262 Bestattungen der Völkerwanderungszeit. Ganze Grabkomplexe, aber auch einzelne Objekte vermitteln Einblicke in die Bestattungskultur der Altsachsen vor etwa 1500 Jahren. Neben den kostbaren Grabbeigaben haben insbesondere die gut erhaltenen Glasobjekte das Gräberfeld weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege wird die Ausstellung ergänzen und die Verknüpfung von Restaurierung und moderner Computertomographie darstellen.

Neue Landesarchäologin in Bremen

Bremen hat eine neue Landesarchäologin. Seit Mitte 2008 bekleidet Uta Halle dieses Amt. Zugleich ist sie nun Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Bremen und Leiterin der Abteilung Ur- und Frühgeschichte am Bremer Focke-Museum. Sie studierte Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie, Geologie und Volkskunde an der Universität Hamburg und promovierte 1989 mit einer Arbeit über mittelalterliche Siedlungskeramik. In der Folgezeit forschte sie im Rahmen eines DFG-Postdoc-Stipendiums über die Keramikproduktion des 17.–19. Jahrhunderts im Fürstentum Lippe. Es folgten Untersuchungen über die Archäologie in der NS-Zeit mit den umstrittenen Ausgrabungen an der angeblich „germanischen“ Kultstätte der Externsteine im Kreis Lippe. Mit dieser Studie wurde sie 2001 an der Humboldt-Universität zu Berlin habilitiert. Dort war sie als Privatdozentin tätig und übernahm Lehrstuhlvertretungen und Lehraufträge an den Universitäten Leipzig, Greifswald und Bamberg. Zu ihren weiteren Forschungsfeldern gehören Untersuchungen zur Dorf-, Handwerks- und Umweltgeschichte.

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2007

     

Tag des offenen Denkmals

9. September 2007

Der “Tag des offenen Denkmals” findet als der deutsche Beitrag zu den “European Heritage Days” am 9. September 2007 bereits zum 15. Male statt. Der diesjährige bundesweite “Tag des offenen Denkmals” wird unter dem Schwerpunktthema “Orte der Einkehr und des Gebets – Historische Sakralbauten” stattfinden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft dazu auf, auch in diesem Jahr alle Bauten und Anlagen zur Teilnahme anzumelden, die einen Bezug zum Thema haben. Dome, Klöster, Kirchen, Kapellen Synagogen, jüdische Ritualbäder, prähistorische Kultstätten und natürlich auch ur- und frühgeschichtliche Grabanlagen könnten Zielorte dieses “Tages des offenen Denkmals” sein. Großsteingräber, Grabhügel, Kirchengrabungen, Kirchenrelikte auf mittelalterlichen Wüstungen, Pfalz- und Burgkapellen bieten sich als Exkursionspunkte an. Die landesweite Eröffnung findet diesmal in der Kirche St. Godehard zu Hildesheim am 9. September 2007, 14.00 Uhr, durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und den Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, statt. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 75, 2006. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch Henning Hassmann. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag: Stuttgart 2006. 293 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-2071-9 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 (daneben ermäßigter Abonnementspreis). 

Pünktlich zum Jahresende erschien der neue Band 75, 2006 der “Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte”. Wiederum finden sich hier aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie, der Forschungseinrichtungen und Museen zahlreiche aktuelle Aufsätze und Fundberichte. Im Vorwort wird auf das 75-jährige Bestehen der Zeitschrift eingegangen, die ein Stück Kontinuität von Wissenschafts- und Kulturarbeit in Niedersachsen darstellt und ohne den Beitrag der archäologische Denkmalpflege nicht zu denken wäre. Gefördert wird die “NNU” dankenswerterweise durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Eingeleitet wird der Band durch einen Beitrag aus der Feder ehrenamtlicher Mitarbeiter zu einem mittelsteinzeitlichen Fundplatz im Landkreis Harburg (Spuren später Waldjäger). Im Mittelpunkt stehen diesmal Aufsätze des früheren Bezirksarchäologen Dr. Erhard Cosack. Hierin legt er Rechenschaft über mehrere Jahrzehnte archäologisch-denkmalpflegerischer Arbeit unter Forschungsgesichtspunkten ab (Neolithische Kollektivgräber aus dem ehem. Reg.-Bez. Hannover; Höhlenfunde aus dem Wesergebirge; Spuren eines Heerlagers bei Sarstedt). Hitzacker erfährt in zwei Beiträgen Beachtung: einmal die Burg auf dem Weinberg, zum anderen die ursprünglich auf der hochwasserfreien, aber verkehrsungünstigen Höhe oberhalb der heutigen Stadt geplanten Stadtgründung, von der noch Reste der Wallbefestigung erhalten sind. Welche Erkenntnisse aus noch stark zerstörten Plätzen zu erzielen sind, zeigt der Beitrag über die Spreensburg bei Wunstorf (Region Hannover). Eine Neubewertung der Buntmetallnadeln der sog. “Harzer Gruppe” als Haarschmuck ist ebenso von Interesse wie ein Überblick zur Erforschung mittelalterlichen Glases in niedersächsischen Städten. Welche Rolle die Rezeption urgeschichtlicher Forschung bei der Aufstellung von Gedächtnismälern spielt, zeigt ein Beitrag zum “Völkerschlachtsdenkmal” in Burgdorf (Region Hannover). Ein Besprechungs- und Nachrichtenteil schließen den Band ab.

Bronze, Silber & Glas

Funde aus dem altsächsischen Gräberfeld in Immenbeck bei Buxtehude, 30. März bis 30. September 2007

Archäologisches Museum Bad Fallingbostel, Michelsenstr. 1, 29683 Bad Fallingbostel, Tel. 05161 / 49878 und 3356, Homepage: www.museum-badfallingbostel.de, Do 15:00–18:00 Uhr und So 10:00 - 12:00 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung.

Gezeigt werden ausgewählte Grabfunde des erst kürzlich ausgegrabenen Gräberfeldes von Immenbeck bei Buxtehude, Ldkr. Stade. Kostbare Grabbeigaben und herausragende Glasfunde charakterisieren diesen Friedhof, auf dem die Altsachsen zwischen 350 und 550 n. Chr. ihre Toten bestattet haben.

Mehrperiodige Befestigung und Umfeld

Immo Heske, Die Hünenburg bei Watenstedt, Kr. Helmstedt – eine ur- und frühgeschichtliche Befestigung und ihr Umfeld. Mit einem Beitrag von Julian Wiethold. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 29. Herausgegeben vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen durch K.-H. Willroth. Wachholtz Verlag, Neumünster 2006. 309 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 70 Tafeln und 9 Beilagen. ISBN 3-529-01529-6. Gebunden 50,00 €.

Die Hünenburg bei Watenstedt im Landkreis Helmstedt, gehört zu den bedeutendsten archäologischen Denkmälern Niedersachsens. Bis in die 1990er-Jahre  waren das Alter und die Funktion der Befestigung jedoch nicht bekannt. In den Jahren 1998 bis 2002 führten gezielte Ausgrabungen und Prospektionen im Umfeld zu einem deutlichen Wissenszuwachs. Der Wall gab verkohlte Holzkonstruktionen und steinerne Verblendmauern der jüngeren Bronzezeit und frühen Eisenzeit frei. Für die altsächsische Phase konnten ebenso Mauern, mächtige Wallerhöhungen und menschliche Skelettreste nachgewiesen werden. Besonders das umfangreiche Keramikmaterial gab wichtige Rückschlüsse auf den Gang der Nutzung, die von vielfältigen naturwissenschaftlichen Untersuchungen begleitet werden. Hierdurch ergeben sich mehrere Nutzungsphasen im Zeitraum der vom ausgehenden 4. Jahrtausend v. Chr. bis in das 8. Jahrhundert n. Chr. reicht. Die vollständige Materialvorlage der Ausgrabungen erstreckt sich selbstredend auch auf das Umfeld mit weiteren Siedlungsplätzen, Bronzedeponierungen, Gräberfeldern und Wegeverbindungen. Hierdurch können Aussagen zur Einbettung und Funktion der Befestigung in der Siedlungslandschaft in den unterschiedlichen ur- und frühgeschichtlichen Epochen getroffen werden. Der Vergleich mit anderen mitteleuropäischen Fundplätzen unterstreicht die überregionale Bedeutung dieses niedersächsischen Kulturdenkmals.

Ulrich Dahmlos in den Ruhestand verabschiedet

Am 31. Januar 2007 ist nach 26 Dienstjahren Ulrich Dahmlos aus dem aktiven Dienst beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege ausgeschieden. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Archäologischen Inventarisation/Archäologisches Archiv war er vor allem mit der Auswertung der umfangreichen Archivbestände betraut. Dabei gelangte Ulrich Dahmlos über Umwege zur Archäologie. 1942 als jüngster Sohn einer Pastorenfamilie in Hamburg geboren, begann er nach dem Abitur zunächst ein Studium der Geschichte und Theologie in seiner Heimatstadt, das er bereits nach zwei Semestern wegen des anstehenden Wehrdienstes abbrach. Nach über achtjähriger Dienstzeit als Berufssoldat bei der Bundeswehr orientierte er sich neu und begann in Marburg ein Lehramtsstudium der Fächer Geschichte und Latein, das er 1978 mit dem ersten Staatsexamen abschloss.

Im Verlauf seines Studiums entstanden enge Kontakte zum Vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität in Marburg – von Eingeweihten liebevoll als “Laden” bezeichnet –, die zu grundlegenden Publikationen zur Archäologie des Frühmittelalters führten. Besonders zu nennen sind hier seine Beiträge über frühmittelalterliche Äxte vom Typ “Franziska” und seine umfassende Katalogarbeit über “Archäologische Funde des 4. bis 9. Jahrhunderts in Hessen”.

Während seiner Marburger Zeit war Ulrich Dahmlos als studentische Hilfskraft beim Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg tätig. Seine dortigen Aufgaben – redaktionelle Tätigkeiten, Archiv- und Bibliotheksarbeiten – sollten ebenso wie seine Kontakte zum Marburger “Laden” richtungweisend für seine berufliche Zukunft sein, denn unmittelbar nach seinem Examen erhielt er eine Anstellung beim Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Karlsruhe. Dort war er sowohl mit der Auswertung des Archivs als auch mit der Leitung archäologischer Ausgrabungen betraut.

Zum 1. Januar 1981 wechselte Ulrich Dahmlos an das Institut für Denkmalpflege im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Hannover, und übernahm im Dezernat Inventarisation als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Auswertung der Archivalien zur Vorbereitung der Erfassung archäologischer Denkmale. Im Verlauf seiner Dienstzeit erweiterte sich sein Aufgabenfeld beständig – so oblagen ihm beispielsweise die Bearbeitung der zahlreichen Sonderakten, die Einrichtung des Luftbildarchivs und die redaktionelle Bearbeitung von Fachpublikationen. Besonders den redaktionellen Tätigkeiten widmete Ulrich Dahmlos zunehmend einen Großteil seiner Arbeitszeit bis er schließlich 1998 die Gesamtredaktion der jährlich erscheinenden “Fundchronik Niedersachsen” übernahm. Die “Fundchronik” der Jahre 2003 bis 2005 erschien zudem unter seiner Schriftleitung.

Auch außerhalb der Dienststelle brachte (und bringt) sich Ulrich Dahmlos intensiv in die niedersächsische Archäologie ein. Seit 2001 ist er als Schatzmeister Vorstandsmitglied der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. und widmet sich dieser Aufgabe mit großem organisatorischen Talent und dem nötigen kaufmännischen Geschick. Zudem gehört er seit 2004 dem Redaktionsausschuss der Zeitschrift “Archäologie in Niedersachsen” an.

Neben seiner fachlichen Arbeit engagierte sich Ulrich Dahmlos stets in besonderer Weise für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem örtlichen Personalrat, dem er von 1985 bis 1998 als Vorsitzender vorstand, war Ulrich Dahmlos wertvoller Ansprechpartner, nicht nur in arbeits- und tarifrechtlichen Fragen, und auf seine Hilfsbereitschaft war immer Verlass. Seine Freunde wissen neben seiner Zielstrebigkeit besonders seine Offenheit und seinen Humor zu schätzen. Mit Ulrich Dahmlos scheidet ein Kollege aus dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege aus, dem die niedersächsische Archäologie viel verdankt, und es bleibt zu hoffen, dass er ihr auch zukünftig eng verbunden bleibt. Daß sich Ulrich Dahmlos weiterhin für die Archäologische Kommission in Niedersachsen e.V. und die “Fundchronik” engagieren wird, steht erfreulicherweise bereits fest.

Rätsel Schnippenburg - Sagenhafte Funde aus der Keltenzeit

6. Mai bis 5. August 2007

Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Ausstellungsbüro (Sebastian Möllers M.A.): Tel.: 0541 / 323-2004, Fax: 0541 / 323-15-2004, E-Mail: info@schnippenburg.de, Homepage: www.schnippenburg.de

Di.-Fr. 11:00-18:00 Uhr; Sa.-So. 10:00-18:00 Uhr; Mo. geschlossen.

Die Sonderausstellung “Rätsel Schnippenburg – Sagenhafte Funde aus der Keltenzeit” zeigt die spektakulären Ausgrabungsfunde von der Schnippenburg bei Ostercappeln im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück. Die ca. 2200 Jahre alten Fundstücke weisen die Schnippenburg als einen Zentralort von überregionaler Bedeutung aus, in dem umfangreiche kultische Aktivitäten stattfanden. Der Fundreichtum scheint in einem intensiven Fernhandel und Austausch mit der zeitgleichen keltischen Kultur im Süden begründet zu sein. Dabei spielt der für die Epoche namengebende Rohstoff Eisen eine wichtige Rolle. Neben zahlreichen eisernen Werkzeugen und Waffen sowie Keramikgefäßen und anderen Artefakten gehört auch prunkvoller Bronzeschmuck der Frauentracht zu den ausgestellten Objekten. Zudem präsentiert die Ausstellung neue Forschungsergebnisse zur vorrömischen Eisenzeit in Nordwestdeutschland sowie zu Kultplätzen dieser Epoche im zentralen Mitteleuropa. Dabei ist der Keltenbegriff immer wieder Dreh- und Angelpunkt der Betrachtung.

Der Besucher durchläuft die Ausstellung in der Position des Archäologen auf der Suche nach der Lösung des Rätsels Schnippenburg. So erlebt der Besucher Forschung im Prozeß und erkennt dabei, daß nach einer fünfjährigen Grabungskampagne bei weitem nicht alle Fragen gelöst werden können. Die attraktive Ausstellung wurde zusammen mit der Gestalterfirma Space4 aus Stuttgart als Wanderausstellung konzipiert und soll nach der Erstpräsentation in Osnabrück an weiteren Standorten im Bundesgebiet gezeigt werden. Für dieses ehrgeizige Osnabrücker Projekt hat der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff die Schirmherrschaft übernommen. Ein umfangreiches Begleitprogramm sowie besondere museumspädagogische Angebote sollen den Zugang zu der sonst eher unbekannten Zeitstufe erleichtern. In diesem Rahmen erscheint auch ein neues Schülerheft in der erfolgreichen Osnabrücker Reihe (Die Schnippenburg. Ein Rätsel aus der Eisenzeit. Osnabrück 2007. 3,00 €).

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erschienen (Schriften zur Archäologie des Osnabrücker Landes Band V. Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn 2007. 20,00 €). Darüber hinaus ist bei der Römisch-Germanischen Kommission der Band zum Kongreß “Keltische Einflüsse im nördlichen Mitteleuropa während der mittleren und jüngeren vorrömischen Eisenzeit” erschienen, der im März/April 2006 in Osnabrück stattgefunden hat, herausgekommen (Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte Band 9, Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn 2007. 40,00 €, im Paket mit dem Ausstellungskatalog 50,00 €).

Dr. Jörg Eckert in den Ruhestand verabschiedet

Zum 31. Januar 2007 ist der Oldenburger Bezirksarchäologe Jörg Eckert in den Ruhestand versetzt worden. Jörg Eckert wurde am 20. Januar 1942 in Königsberg/Ostpreußen geboren. Nach dem Krieg fand er eine neue Heimat in Brake an der Unterweser, dort legte er auch sein Abitur ab. Sein Weg zur Archäologie war alles andere als schnörkellos: Er nahm zunächst das Studium der Slawistik in Münster auf und wechselte von dort nach Berlin. Erst während dieser Zeit führte ihn die Teilnahme an der Ausgrabung der keltischen Siedlung auf dem Christenberg bei Münchhausen zum Fach. Nachdem er zunächst einige Semester bei Prof. Kirchner in Berlin studiert hatte, wechselte er nach Köln und Bonn mit den Nebenfächern Quartärgeologie und Altamerikanistik. In diese Jahre fallen zwei längere Studienaufenthalte in Nord-, Mittel- und Südamerika, der zweite in Verbindung mit DFG-geförderten Grabungen zusammen mit Prof. Trimborn (Bonn). 1978 promovierte er in Köln als erster Student bei Jens Lüning mit einer Maßstäbe setzenden Studie über das Michelsberger Erdwerk von Mayen, Kr. Koblenz.

Von Mai 1978 bis zum Jahresende 1981 war Eckert als Leiter der Außenstelle in Weisweiler am DFG-Projekt “Aldenhovener Platte” verbunden, um anschließend zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster zu wechseln. Dort wirkte er zunächst als wissenschaftlicher Referent, ab Oktober 1985 als Konservator. Zum 1. Januar 1987 kehrte er mit dem Wechsel in das Amt des Bezirksarchäologen für den Regierungsbezirk Weser-Ems in Oldenburg in die Landschaft zurück, in der er den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht und deren Mentalität und Wesen er so sehr zu schätzen gelernt hatte.

Als Bezirksarchäologe in der staatlichen Denkmalpflege betreute er einen Regierungsbezirk, der fast so groß wie Schleswig-Holstein ist oder die mehr als fünffache Größe des Saarlandes besitzt. Damit stand er aufgrund der immensen Entfernungen vor einer fast unlösbaren Aufgabe, der er sich jedoch mit großem fachlichen Ehrgeiz, mit Ausdauer und oft auch einem Quäntchen Glück zu stellen wußte. Mit einer Vielzahl von Artikeln und Aufsätzen berichtete er über neue Funde und Forschungen. Legendär ist seine Bereitschaft, noch in den entlegensten Dörfern mit Vorträgen für sein Fach zu werben. Aus einer Vielzahl von Grabungen sind die von ihm untersuchte mittelalterliche Siedlung Dötlingen und die bis in die Missionszeit zurückreichende Kirche in Aschendorf hervorzuheben. Neue Wege in der Bezirksarchäologie ging er zusammen mit Michael Wesemann, als sie in Rahmen eines Pilotprojektes Archäologische Potentialkarten für den Bezirk entwickelten, veranlaßt durch die guten Möglichkeiten für archäologische Forschung unter Eschböden – dort, wo die Fundkarten bislang keine Informationen gaben.

Jörg Eckert ist nicht nur ein bemerkenswerter Archäologe, sondern auch ein Mensch, der die guten Dinge des Lebens schätzt und liebt. Dazu gehören neben kultiviertem Essen und Trinken, Literatur, vor allem aber auch Geselligkeiten, bei denen der erzählerisch und sogar dichterisch begabte Archäologe nur allzu bald im Mittelpunkt steht. Fachlich und menschlich gleichermaßen geschätzt, wird er auch nach seiner Pensionierung weiter wie wohl kein zweiter die Verkörperung Oldenburgischer Archäologie bleiben.

Manfred Rech im Ruhestand

Der Bremer Landesarchäologe Prof. Dr. Manfred Rech ist zum März 2007 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Rech, Jahrgang 1942, bekleidete dieses Amt seit 1990. Vor seiner Bremer Zeit war Rech innerhalb des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege tätig. Er war neben seinem Wirken als Landesarchäologe zugleich Lehrender am Institut für Geschichte der Universität Bremen und Abteilungsleiter Vor- und Frühgeschichte am Bremer Focke-Museum. Am Beginn seiner Bremer Tätigkeit stand die grundlegende Neugestaltung der archäologischen Dauerausstellung im Focke-Museum. 1991 brachte er das erste Heft einer Neuen Folge der Bremer Archäologischen Blätter heraus, nachdem die Vorgängerreihe letztmals 1976 erschienen war.

Er war Herausgeber und Verfasser von mehreren umfangreichen Beiheften zu dieser Reihe, die alle archäologische Ausstellungen des Focke-Museums begleiteten: 1996 “Gerhard Rohlfs und die Antike”, 2000 “Siedler, Söldner und Piraten/Bremen vor 2000 Jahren”, 2004 “Gefundene Vergangenheit – Archäologie des Mittelalters in Bremen” und 2006 “Pferdeopfer, Reiterkrieger – Fahren und Reiten durch die Jahrtausende”. Insbesondere der Band zur Ausstellung über das Mittelalter in Bremen verdient besondere Hervorhebung, da hier erstmals in einer Zusammenfassung sämtliche Ergebnisse der Archäologie zur Erforschung des mittelalterlichen Bremens präsentiert wurden.

Sein besonderes Interesse an der archäologischen Erforschung mittelalterlicher Städte kam u. a. durch die regelmäßige Teilnahme an den Tagungen des Lübecker Kolloquiums zur Stadtarchäologie im Hanseraum zum Ausdruck. Fragen zu Themen der Bau- und Wirtschaftsgeschichte standen dabei im Vordergrund. Insbesondere ging er Überlegungen zur Herausbildung und Entwicklung von Flußschiffahrt und Weserhafen seit der karolingischen Zeit nach. Im Blickpunkt standen ihm auch Ansätze, anhand archäologischen Fundmaterials Hinweise auf überseeische Beziehungen während der Neuzeit aufzuzeigen.

Selbstverständlich waren ihm Ausgrabungen auf einer Reihe von wichtigen Fundplätzen, teils bereits altbekannten Fundstellen, teils auf bis dahin vollkommen unbekannten Plätzen. Nahezu jedes Jahr bestand die Notwendigkeit, oft gleichzeitig auf mehreren Baugrundstücken im Altstadtgebiet tätig zu werden. Das Wrackstück einer Kogge mit Heckruder aus dem 12. Jahrhundert von der Schlachte, früh- oder gar vorkarolingerzeitliche Befunde aus dem Quartier des Katharinenklosters, Steinkammern von der Schlachte aus dem 12. Jahrhundert, neue topographische und baukundliche Erkenntnisse über Parzellenstrukturen und Befestigungen im Bereich Langenstraße und an der Wasserseite der Schlachte sowie vor allem Haus- und Befestigungsbefunde vom Marktplatz ragen unter der Vielzahl wichtigster neuer Erkenntnisse aus dem Altstadtbereich heraus.

Neue Befunde für Bremen aus der vorrömischen Eisenzeit lieferten die Grabungen in der Mahndorfer Marsch und auf den Osterholzer Talsandflächen. Die ohnehin schon beachtliche Anzahl bremischer Siedlungen der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit erfuhr erheblichen Zuwachs. Eine neue Siedlung aus der Zeit des frühen und hohen Mittelalters gelang es in Grambke aufzuspüren.

Archäologie im Herzen des Elbe-Weser Dreiecks

Stefan Hesse (Hrsg.), Archäologie im Herzen des Elbe-Weser Dreiecks. Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 13. Isensee-Verlag, Oldenburg 2006. 246 Seiten, zahlreiche z. T. farbige Abbildungen. ISSN 0946-8471 / ISBN 978-3-89995-381-7. Kartoniert 21,00 €.

Im Band 13 der “Archäologischen Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme)” beschäftigen sich verschiedene Autoren mit Themen aus dem Elbe-Weser Dreieck. Einen Schwerpunkt bildet der europaweit bekannte Fund aus Anderlingen mit bronzezeitlichem Bildstein und völkerwanderungszeitlicher Nachbestattung, der vor 100 Jahren entdeckt wurde. Die Forschungs- und Fundgeschichte wird dargestellt und aufgrund aktueller Erkenntnisse die kulturhistorische Einordnung und Wertung des Komplexes neu beleuchtet. Weiterhin wird eine eisenzeitliche Siedlung bei Lauenbrück vorgestellt und ein Vorbericht über die Grabungen in Wittorf geliefert. Hier konnten neben einer spektakulären und regional untypischen Befestigung des 5. Jahrhunderts v. Chr. auch ein bronze- und eisenzeitlicher Urnenfriedhof sowie eine spätsächsische Siedlung in Teilen ergraben werden. Ungewöhnlich ist ebenso der Fund einer möglicherweise antiken Tonlampe aus einer oströmischen Provinz in einem völkerwanderungzeitlichen Gräberfeld bei Stade-Riensförde. Kunstgeschichtlich-ikonographischen Aspekten widmet sich eine Betrachtung der Grabplatte des Verdener Bischofs Iso von Wölpe. Ausgehend von dieser, werden Architekturmodelle auf Grabmonumenten behandelt. Der Band schließt mit Fundchronik, Besprechung und Tätigkeitsberichten. Das Buch wendet sich sowohl an interessierte Laien als auch an ein archäologisch-historisches Fachpublikum.

Lackprofile – Boden schreibt Geschichte

24. Juni bis 26 August 2007

Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-44, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441/9244-300, E-Mail: museum@naturundmensch.de, Homepage: www.naturundmensch.de

Di.-Fr. 9:00-17:00 Uhr; Sa. u. So. 10:00-17:00 Uhr; Mo. geschlossen.

Das Wirken des Menschen, tierisches Leben und klimatische sowie pflanzliche Einflüsse sind als nachhaltige Vorgänge im Boden ablesbar. Sie sind sichtbare Zeichen aus der Vergangenheit. Mit der Lackprofiltechnik – dem naturgetreuen Abbild des Bodens – können diese so entstandenen Geschichten festgehalten, für wissenschaftliche Forschungen ausgewertet und für interessiertes Publikum ausgestellt werden. Unter den mehr als 100 präsentierten Lackprofilen dieser Sonderausstellung aus der Sammlung “Tüxen” befindet sich eine beeindruckende Auswahl archäologischer Bodenprofile – Leichenschatten und Pferdebestattungen des Gräberfeldes von Liebenau oder Getreidegruben von Dörverden. Begleitet wird diese Ausstellung durch einen umfangreichen Katalog, in dem unter anderem Informationen zu allen Lackprofilen des Museums (350 Exemplare) nachzulesen sind.

W. Haio Zimmermann im Ruhestand

Zum 31. Juli 2006 schied der Leitende Wissenschaftliche Direktor des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven, Prof. Dr. W. Haio Zimmermann, mit dem Erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst.

Geboren 1941, entwickelte er schon in der Schulzeit großes Interesse an der Archäologie seiner Oldenburger Heimat. Folgerichtig begann er in Tübingen nach dem Abitur 1962 das Studium der Ur- und Frühgeschichte, das ihn dann weiter nach Groningen und schließlich nach Göttingen führte. Seine vielfältigen Interessen zeigten sich bereits damals in stets wechselnden Nebenfächern. Prägend für Zimmermanns wissenschaftliche Entwicklung waren seine akademischen Lehrer H. T. Waterbolk in Groningen und H. Jankuhn in Göttingen, bei dem er auch promovierte. Besonders die Geschichte des Hausbaus und der Landwirtschaft hielten ihn gefangen.

Kaum war er mit dem Studium fertig, holte ihn W. Haarnagel 1971 nach Wilhelmshaven, wo er vor Ort die Grabungsleitung in dem gerade anlaufenden interdisziplinären Projekt “Siedlungskammer Flögeln” übernahm, das bald zu einem der größten siedlungsarchäologischen Unternehmen Mitteleuropas werden sollte. Insgesamt 16 sehr intensive Jahre verbrachte Zimmermann mit Duldung seiner Familie im Elbe-Weser-Dreieck. In dieser Zeit grub er mit DFG-Mitteln nicht nur sehr erfolgreich die ausgedehnten Siedlungen Flögeln-Eekhöltjen aus der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit sowie Dalem aus dem Frühen und Hohen Mittelalter aus, sondern konnte er auch Siedlungen aus den Zeiten davor und danach erfassen. Dabei hat er stets sehr eng mit den Naturwissenschaftlern des NIhK zusammengearbeitet. Als Ergebnis liegen wichtige neue Erkenntnisse, besonders zur Frage der Entwicklung von Siedlungsbildern und Besiedlungskontinuitäten, sowie ein riesiges Datenmaterial vor, von dem ein Teil bereits ausgewertet und publiziert ist. Nicht vergessen werden dürfen die zahllosen Praktikanten, die im Projekt Flögeln im Laufe der Jahre in die Grabungstechnik eingeführt worden sind und von denen viele heute archäologische Positionen in ganz Deutschland ausfüllen.

Ein besonderes Interesse widmete Zimmermann der Geschichte des Ackerbaus. Er entdeckte und untersuchte mehrere Celtic Fields, die sich unter Wald z. T. unverändert bis heute erhalten hatten. Hierfür sowie zur Interpretation seiner Siedlungen hat er u. a. Methode und Einsatz der Phosphatkartierung erheblich weiterentwickelt. Seine Lieblingsbeschäftigung war und ist die Erforschung der Holzbauten von der Prähistorie bis zur Moderne, die zu zwei wichtigen Monographien führte: 1992 über die Bauformen der Siedlung Flögeln-Eekhöltjen anhand der Grundrisse von 154 Pfostenbauten und 156 Grubenhäusern und 1998 allgemein über den Pfosten- und Ständerbau. Daneben stammen aus seiner Feder noch zahlreiche weitere Arbeiten mit einer großen Spannbreite. In zahllosen Vorträgen und mit regelmäßigen Lehraufträgen an der Humboldt-Universität, Berlin, sowie an den Universitäten Göttingen und Hamburg hat Haio Zimmermann seine Ergebnisse und die des NIhK weitergegeben; dafür wurde er 2005 in Hamburg zum Professor ernannt.

Er war in zahlreichen Gremien tätig, darunter in der Römisch-Germanischen Kommission und im Hauptausschuß der Archäologischen Kommission für Niedersachsen. Weiterhin hat er den Vorsitz im Marschenrat inne. Bei der RURALIA, einer internationalen Vereinigung zur Erforschung der mittelalterlichen ländlichen Siedlungen, gehörte er zu den Mitbegründern. Auf internationaler Ebene pflegt er besonders enge Kontakte zu den niederländischen und dänischen Kollegen, deren Sprachen er auch beherrscht. Ab 2000 leitete Zimmermann erfolgreich das Wilhelmshavener Institut; bei seiner Verabschiedung 2006 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Auch nach seiner Pensionierung hat Haio Zimmermann noch viel vor in der Wissenschaft. Er behält seinen Arbeitsplatz im NIhK und die niedersächsische Archäologie wartet schon hoffnungsvoll auf die nächsten Veröffentlichungen.

Neue Leitung der Abteilung Kulturwissenschaften

Privatdozent Dr. Hauke Jöns ist seit dem 1. Dezember 2006 als Nachfolger von Prof. Dr. W. Haio Zimmermann, der in den Ruhestand getreten ist, Wissenschaftlicher Direktor der Ab- teilung Kulturwissenschaften am NIhK in Wilhelmshaven. Zuvor war Hauke Jöns seit 2000 Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege und zugleich stellvertretender Leiter des Archäologischen Landesmuseums in Mecklenburg-Vorpommern. Die kommissarische Leitung des NIhK nimmt bis auf weiteres Dr. Felix Bittmann, Direktor der Naturwissenschaftlichen Abteilung, wahr.

Probleme der Küstenforschung 29

Peter Schmid, Die Keramikfunde der Grabung Feddersen Wierde (1. Jh. v. bis 5. Jh. n. Chr.). Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven; Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 29; Feddersen Wierde 5. Isensee-Verlag, Oldenburg 2006. 192 Seiten mit 5 Abbildungen und 92 Tafeln. ISBN 978-3-89995-355-8. Gebunden 45,00 €.

Die Ausgrabung der Wurt Feddersen Wierde bei Bremerhaven von 1955 bis 1963 gehört zu den wichtigsten Projekten in der deutschen Nachkriegsarchäologie. Jetzt hat Peter Schmid, damaliger Grabungsleiter vor Ort, die lang erwartete Auswertung der Keramik vorgelegt. Mit dieser Arbeit wird die bekannte Reihe der Publikationen zur Feddersen Wierde an neuer Stelle in den Problemen der Küstenforschung fortgesetzt. Schmid hat das keramische Material der Feddersen Wierde aus der umfassenden Sicht des Nestors der Küstenarchäologie geordnet und es in seine historischen Zusammenhänge gestellt.

Probleme der Küstenforschung 30

Jörn Schuster, Die Buntmetallfunde der Grabung Feddersen Wierde. Chronologie – Chorologie – Technologie. Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven; Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 30; Feddersen Wierde 6. Isensee-Verlag, Oldenburg 2006. 279 Seiten mit 69 Abbildungen, 24 Tabellen und 31 Tafeln. ISBN 978-3-89995-391-6. Gebunden 45,00 €.

Als Band 6 der Reihe Feddersen Wierde bzw. als Band 30 der Probleme der Küstenforschung erschien im Frühjahr 2007 die Arbeit von Jörn Schuster “Die Buntmetallfunde der Grabung Feddersen Wierde. Chronologie – Chorologie – Technologie”. Schuster hat nach gründlicher Überprüfung der Funde und der Grabungsdokumentation das Material zeitlich geordnet. Seine Kartierungen tragen dazu bei, Werner Haarnagels Ansichten zum Metallhandwerkertum auf der Feddersen Wierde zu modifizieren. Anhand eingehender Untersuchungen kann Schuster detaillierte Angaben zum Herstellungsprozess vieler Stücke machen, die er mit Makrofotografien anschaulich belegt.

Chili, Teufelsdreck und Safran

Kulturgeschichte des guten Geschmacks. Eine Ausstellung über Gewürze. 6. September bis 31. Dezember 2007.

Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-44, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441/9244-300, E-Mail: museum@naturundmensch.de, Homepage: www.naturundmensch.de

Di.-Fr. 9:00-17:00 Uhr; Sa. u. So. 10:00-17:00 Uhr; Mo. geschlossen.

Bereits die Menschen der frühesten Hochkulturen nutzten Pflanzen und Pflanzenteile in Kult und Religion, für medizinische und kulinarische Zwecke. Weil nicht überall alles wächst, erstreckten sich schon im 2. Jt. v. Chr. weite Handelsnetze zwischen Ostasien und dem Mittelmeerraum. So interdisziplinär wie der Gegenstand “Gewürze” an sich schon ist, ist auch die Ausstellung. Ihr Einsatz z. B. in der Ethnomedizin, im Alltag sowie ihre Bedeutung innerhalb des Kulturaustausches wird ebenso berücksichtigt wie die Paläobotanik oder ihre Rolle als Triebfeder kolonialer Ambitionen. Nicht zuletzt sind es archäologische Objekte – wie ein antiker Pfefferstreuer aus dem Britischen Museum –, welche diese internationale Sonderausstellung zu einem besonderen visuellen und “geschmacklich” wertvollen Erlebnis werden lassen.

Die Alte Wiek

Dirk Rieger, Die Alte Wiek. Archäologische Untersuchungen eines hochmittelalterlichen Strukturwandels in Braunschweig. Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen 12. Verlag Marie Leidorf 2007. 154 Seiten mit 36 Abbildungen und 31 Tafeln. ISBN 978-3-89646-932-8. Hartkarton 49,80 €. 

2004 wurden im Braunschweiger Schlosspark Ausgrabungen durchgeführt, die einen in vier Phasen gegliederten Einblick in die hochmittelalterlichen Siedlungsstrukturen am Nordrand des Stadtteils Alte Wiek ergaben. Die Befunde und Funde zweier Flächen der Grabung und ein bereits 1972 ergrabener Holzkastenbrunnen wurden vom späten 10. bis zum beginnenden 13. Jahrhundert auf die Fragestellung hin untersucht, ob und wie sich die hochmittelalterlichen Siedlungsstrukturen des um 1031 erstmals als “brunesguik” urkundlich erwähnten späteren Weichbildes Alte Wiek wandelten. Nach einer ersten argrarkulturell genutzten Phase konnte in einer zweiten ins 10. und 11. Jahrhundert datierenden Phase eine beginnende Besiedlung im Grabungsareal nachweisen werden, die im 11. Jahrhundert in zwei giebelständigen Gebäuden, einem 3-schiffigen Pfosten-Schwellriegel-Bau von 8 x 13 m mit Halbkeller und einem Grubenhaus von 4 x 12 m Länge, sowie einem anders ausgerichteten kleineren Pfostenbau, ihre größte Ausdehnung erfuhr. In der 3. Phase (11./ 12. Jh.) folgte eine erneute Wandlung des Gebietes zurück zum Ackerland, die in der 4. Phase (2. Hälfte 12. Jh.) als Freifläche im Vorfeld des Baus der Befestigungsanlagen des neuangelegten Stadtteiles Hagen planiert wurde. Die umfassende Bearbeitung des Befund- und Fundmaterials bietet einen einmaligen Einblick in die frühstädtische Gesamtstruktur der Stadt Braunschweig. 

Schmuck der Bronzezeit 

Heinrich Fendel, Eine bronzezeitliche Frauenbestattung mit vollständiger Schmucktracht aus Heiligenthal (Ldkr. Lüneburg). Untersuchung und Funktionsanalyse des Grabinventares. Hamburger Beiträge zur Archäologie – Werkstattreihe, Band 7. LIT Verlag, Münster 2006. 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, farbiges Titelbild. ISBN 3-8258-8330-2. Hartkarton 35,90 Euro.

1991 wurde beim Bau der Lüneburger Ostumgehung durch die Bezirksarchäologie Lüneburg der bronzezeitliche Grabhügel Nr. 7 in der Gemarkung Heiligenthal ausgegraben. Im Rahmen einer interdisziplinären Dissertation bearbeitete Heinrich Fendel, der leider viel zu früh verstorbene Leiter der archäologischen Restaurierungswerkstatt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, vor allem den Befund und das Material der ungestörten, en bloc geborgenen Frauenbestattung aus der mittleren Bronzezeit. Durch die akribische Untersuchung in der Werkstatt gelang es ihm, bislang unbekannte Einzelheiten für die Vorbereitung der Toten auf das Jenseits, bis hin zum Umschmieden und zum Neu-Arrangement der Schmuckgarnitur am Körper, herauszustellen. Die vielfältigen Einzelheiten zum Bronzeschmuck und seiner Trageweise verdichten sich zu einem faszinierenden Gesamtbild. Die posthum gedruckte Buchfassung der Hamburger Dissertation erläutert mit vielen Farbbildern und Tabellen die ganze Indizienkette Fendels, die ihn zu seinen Aussagen über die bronzezeitliche Schmucktracht im Leben und – deutlicher davon abweichend als bisher geglaubt – im Tod führte. Das Buch zeigt eindrucksvoll, was archäologisch bei der Anwendung geeigneter Methoden heutzutage möglich ist. 

Friedrich II. von Hohenstaufen

Die Welt des Sultans von Lucera, Februar bis Juli 2008

Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-44, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441/9244-300, E-Mail: museum@naturundmensch.de, Homepage: www.naturundmensch.de

Di.-Fr. 9:00-17:00 Uhr; Sa. u. So. 10:00-17:00 Uhr; Mo. geschlossen. 

Der interkulturelle und interreligiöse Dialog zwischen dem islamisch geprägten und dem christlich-abendländischen Kulturraum hat vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse der letzten Jahre zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei wurde und wird der zivilisatorische Beitrag, den der Orient im Mittelalter zu der europäischen kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung geleistet hat, bislang zu wenig im öffentlichen Raum thematisiert. Anhand zahlreicher herausragender Exponate aus internationalen Kulturinstitutionen werden folgende Themen behandelt – vor dem Hintergrund des Zeitgeistes und dem politischen sowie kulturellen Umfeld der Epoche Friedrichs II.: Friedrichs II. imperiales Selbstverständnis, die Wahrnehmung Friedrichs II. durch die Mit- und Nachwelt, Friedrich II. und das Papsttum, der Kreuzzug Friedrichs II., die Frage der religiösen Toleranz und der Umgang Friedrichs II. mit dem Judentum sowie dem Islam.

Ein zweiter Bereich der Ausstellung ist seinen vielfältigen künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen gewidmet, in deren Mittelpunkt neben der Architektur – erinnert sei hier beispielhaft an das Castel del Monte – sein Buch über die Falkenjagd sowie die Musik am Hofe.

ak-niedersachsen.de

2006

     

Tag des offenen Denkmals

10. September 2006

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 10. September 2006 statt. Der diesjährige bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ wird unter dem Schwerpunktthema „Rasen, Rosen und Rabatten – Historische Gärten und Parks“ stehen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft dazu auf, in diesem Jahr insbesondere alle Bauten und Anlagen zur Teilnahme anzumelden, die einen Bezug zum Thema haben. Da scheint es nicht ganz einfach zu sein, etwas Passendes aus der Archäologie zu finden. Aber gibt es nicht eine Reihe von ur- und frühgeschichtliche Befestigungen, Burgen mit Wällen und Gräben, Festungsanlagen, Landwehren, Warten, Großsteingräber, Grabhügel, Wurten und Deiche, die sich in Parklandschaften oder sogar Gartenanlagen befinden? In fachkundigen Führungen werden viele Archäologen Niedersachsens nicht nur zum Schwerpunktthema verschiedene Geländedenkmale und Grabungen präsentieren, Büroräume und Werkstätten für die Besucher öffnen. Auf Grund der speziellen Situation in der Archäologischen Denkmalpflege können Termine erst kurzfristig bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Ankündigungen der örtlichen Presse, in Hörfunk, Fernsehen oder den Homepages der Landkreise, Städte und Gemeinden. Die landesweite Eröffnung findet diesmal auf dem Gut Bodenburg (Bad Lamspringe, Ldkr. Hildesheim) statt. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege.niedersachsen.de.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 74, 2005. Hrsg. v.  d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch Henning Hassmann. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag: Stuttgart 2005. 310 Seiten mit 190 Abbildungen, farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-2009-3 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Im neuen Band 74, 2005 finden sich aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen zahlreiche aktuelle Aufsätze und Fundberichte. Einen großen Raum nehmen diesmal Beiträge zur Geschichte, zu den wichtigsten Ergebnissen und zur täglichen Arbeit aller Kommunalarchäologien in Niedersachsen ein, wie sie in dieser Form noch nicht zusammengestellt worden sind. Zeitgeschichtliche Bezüge trägt ein Aufsatz zur Geschichte der Urgeschichtsabteilung im Landesmuseum Hannover während der NS-Zeit. Ein weiterer Beitrag diskutiert den zur Mode gewordenen Begriff der „Kulturlandschaft“ als Erscheinung des Zeitgeistes mit ganz realem Hintergrund. In einer größeren Abhandlung werden die Flintdolche Nordwestdeutschland zusammenfassend chronologisch und in ihrer Verbreitung untersucht. Einblicke in eine frühmittelalterliche Gehöftsiedlung in der Marsch eröffneten Grabungen auf der in der Krummhörn gelegenen Wurt Upleward, wo hölzerne Überreste zweier Gehöfte der 2. Hälfte des 7. Jhs. freigelegt wurden. Der hervorragende Erhaltungszustand der Bausubstanz erlaubte einen seltenen Einblick in die Konstruktionsweise frühgeschichtlicher Häuser und umfangreiche dendrochronologische Untersuchungen. Ausgehend von Befunden aus Hannover werden einige Aspekte der mittelalterlichen Bauopfersitte diskutiert. Unter Berücksichtigung zeitgenössischer Schriftquellen lässt sich ein Teil der im Haus deponierten Gefäße mit dem Hausgeisterglauben in Verbindung bringen, wobei die genaue Intention der Niederlegungen (Opfergabe oder Abwehrzauber) häufig unbestimmt bleiben muss. Eine kleine Tonfigur („Beterlein“) aus Altencelle bei Celle gehört zur Gruppe der handgeformten Miniaturfiguren mit sakraler Motivik des Mittelalters. Ein Besprechungs- und Nachrichtenteil schließen den Band ab.

Römer an der Werra

Klaus Grote, Römerlager Hedemünden. Vor 2000 Jahren: Römer an der Werra. Ein herausragendes archäologisches Kulturdenkmal und seine Funde. Begleitband zur Ausstellung des Landkreises Göttingen (Kreisarchäologie). Sydekum-Schriften zur Geschichte der Stadt Münden 34. Hrsg. v. Heimat- und Geschichtsverein Sydekum Münden e.V. Hann. Münden 2005. 82 Seiten, durchgängig farbig bebildert, farbiges Titelbild. ISBN 3-925451-358. Hartkarton 18,00 €.

Dass römische Legionen vor über 2000 Jahren unter der Herrschaft des Kaisers Augustus vom Rhein aus bis in das südliche Niedersachsen vorgestoßen sind, mag für viele überraschend erscheinen. lm April 2004 wurde der Öffentlichkeit wie der Fachwissenschaft das neu entdeckte Militärlager bei Hedemünden an der Werra (Stadt Hann. Münden, Landkreis Göttingen) bekannt gegeben. Es belegt anschaulich, auf welchem Weg die römischen Legionäre in das germanische Gebiet östlich des Rheins vormarschiert sind. Im Jahre 9 v. Chr. fand beispielsweise ein großer Feldzug von Mainz aus bis zur Elbe statt. Er führte über Nordhessen in das südniedersächsische Leinetal und um den Harz herum bis in den Raum Magdeburg. An der Überquerung der Werra bei Hedemünden wurde dabei vermutlich das mehrteilige, große Lager gegründet, das wohl einige Jahre bestanden hat. Spätestens mit der katastrophalen Niederlage der römischen Legionen unter Varus im Jahre 9 n. Chr. am Teutoburger Wald dürfte auch das Ende des Römerlagers von Hedemünden besiegelt gewesen sein. Der Autor und Entdecker des Römerlagers, Dr. Klaus Grote, ist seit 1979 Kreisarchäologe für den Landkreis Göttingen. Er beschreibet in diesem Buch erstmals ‑ und noch mitten in den Forschungsarbeiten ‑ ausführlich die gut erhaltenen Geländeüberreste, die Grabungsergebnisse und die überraschend zahlreichen Funde. Vgl. auch den Ausstellungshinweis unten! 

Kreisarchäologie Harburg neu besetzt 

Seit dem 1. November 2005 ist Dr. Jochen Brandt neuer Kreisarchäologe für den Landkreis Harburg mit Dienstsitz im Helms-Museum in Hamburg-Harburg. Er folgt damit Wulf Thieme nach, der nach 30 Jahren auf dieser Position nunmehr in Pension gegangen ist. Jochen Brandt ist gebürtiger Hamburger, verbrachte aber den Großteil seiner Jugend in dem Landkreis, in den ihn der Beruf nun zurückgeführt hat. Nach Abitur und Zivildienst studierte er in Kiel Ur- und Frühgeschichte und schloss sein Studium 2000 mit der Promotion über „Jastorf und Latène. Kultureller Austausch und seine Auswirkungen auf soziopolitische Entwicklungen in der vorrömischen Eisenzeit“ ab. Unmittelbar anschließend leitete Jochen Brandt eine Grabungskampagne auf dem sächsischen Gräberfeld von Buxtehude-Immenbeck. Danach ging er für vier Jahre nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er zunächst als Grabungsleiter, später als Projektverantwortlicher im Referat für Sonderprojekte des Landesamtes für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern den Bau von Straßen und Erdgasleitungen archäologisch betreute.

Zum Ziel hat sich Jochen Brandt gesetzt, die archäologische Bodendenkmalpflege trotz des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks weiterhin in ihrem gesamten Umfang zu vertreten und ihre Aktivitäten stärker als bisher in die Öffentlichkeit zu tragen, um so ihren gesellschaftlichen Stellenwert im und für den Landkreis weiter zu verdeutlichen.

Sein Vorgänger Wulf Thieme M.A. kam nach dem Studium der Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, Saarbrücken und Kiel 1975 nach Harburg. Zu den Höhepunkten seines archäologischen Wirkens gehörten das spätsächsische Gräberfeld in Wulften, der völkerwanderungszeitliche Urnenfriedhof zu Tötensen und das große Siedlungsareal in Daerstorf, über die er regelmäßig in den Schriftreihen der Archäologischen Kommission für Niedersachsen berichtete.

 Burgen im Fluss

Burgen im Fluss. Burgenlandschaft Aller-Leine-Tal. Ein Projekt des Landkreises Soltau-Fallingbostel in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Von Sigrun Ahlers, Henrike Anders, Anke von Fintel, Hans-Wilhelm Heine, Stephan Heinemann, Wilhelm Meyer, Christian Müller und Christian Schweitzer. Landkreis Soltau-Fallingbostel, Bad Fallingbostel 2005. 80 Seiten, 75 durchgängig farbige Abbildungen; farbiges Titelbild. ISBN 3-00-017281-56. Broschur 13,00 Euro.

 

In dem Buch wird erstmals zusammenfassend eine Burgenlandschaft vorgestellt, die überregional überhaupt nicht bekannt ist. Auf einer Strecke von 28 km zwischen Rethem und Engehausen, im Aller-Leine-Tal am Südrand der Lüneburger Heide (Niedersachsen) findet sich alle zwei Kilometer eine Burg! Archäologische Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Soltau-Fallingbostel, kommunale und staatliche Denkmalpflege sahen ihre Aufgabe darin, diese Anlagen zu erfassen, zu vermessen, zu prospeketieren, dendrochchronologische Untersuchungen und Luftbildbefliegungen vornehmen zu lassen sowie eine erste landesgeschichtliche Einordnung zu versuchen. Von der Zerstörung bedrohte Burghügel oder Böschungen konnten wieder hergestellt werden. Typenmäßig gibt sowohl Burgen vom Typ Motte, hoch- bzw. spätmittelalterliche ringförmige Niederungsburgen, aber auch klassische viereckige Wasserburgen, die später um- oder überbaut wurden. Damit sind sowohl Grundlagen für weitere nachhaltige Erhaltungskonzepte, touristische Erschließung und zukünftige archäologische und landesgeschichtliche Forschungen geschaffen. Bezug über den Buchhandel oder den Landkreis Soltau-Fallingbostel, Bauverwaltung, Winsener Str. 17, 29614 Soltau, Tel.: 05191/970-643.

Blick in den Spiegelberg

Andreas Schäfer, Jürgen Bohmbach (Hrsg.), Ein Blick in den Spiegelberg. Archäologische Forschungen auf dem Stader Burghügel 1985-2005. Eine erste Bilanz der Untersuchungen. Ausgrabungen in Stade, Band 2 = Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade, Band 25. Stadt Stade, Stade 2005. 131 Seiten mit zahlreichen Grafiken und z. T. farbigen Abbildungen. ISBN 3-938528-01-X. Hartkarton 12,00 € 

Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen in Stade der letzten 20 Jahre sind bisher nur sehr vereinzelt publiziert worden, in zwei Kapiteln der Stadtgeschichte von 1994, im „Stader Jahrbuch“ und in Sammelbänden, die der interessierten Öffentlichkeit in der Stadt nicht ohne weiteres zugänglich sind. Einzige Ausnahme war 1998 die Publikation der unter dem Zeughaus aufgefundenen Grablege Erzbischof Gottfrieds. Im Mittelpunkt steht zunächst der Bericht über die in den Jahren 1985 und 1986 durchgeführten Untersuchungen des Spiegelbergs. Der „Blick in den Spiegelberg“ macht die erste Nutzung, das Alter und die Abfolge der Aufschüttungen ebenso sichtbar wie die dort errichtete Burganlage. Die erste Nutzung um 900 und die bald darauf folgende Aufhöhung waren mit der Errichtung der ersten Burganlage verbunden, die im Bericht Thietmars von Merseburg über den Wikingerüberfall 994 erwähnt wird. Detailliert werden die weiteren Aufschüttungen des Burghügels bis in die erste Hälfte des 13. Jhs. geschildert und damit ein instruktiver Überblick zur frühen Stadtentwicklung gegeben. Eng mit diesem Beitrag verbunden sind die Ergebnisse der Ausgrabungen der Kirche St. Pankratii, der eigentlichen Burgkirche, in den Jahren 1978/79. Einen großen zweiten Komplex bilden die Untersuchungen in der Burgstraße. Die Untersuchungen auf dem Grundstück Burgstraße 5 im November 2004 führten zu einer Bestätigung der Aufbauphase im 10. Jh. Umfangreicher und mit Hypothesen versehen ist der Bericht über die 1995 durchgeführte Grabung auf den Grundstücken Burgstraße 1-3. Im Vergleich zu den älteren Grabungsergebnissen entwickelt er drei Modelle zur Frühphase der Burg, die auf dem Hintergrund der Grabungen diskutiert werden. Dabei steht der Spiegelberg als Symbol der historisch wichtigen Rolle Stades im Mittelalter. Allerdings wäre für die Gesamtbeurteilung noch weitere Untersuchungen erforderlich.

Das Buch richtet sich an archäologisch und historisch interessierte Stader Bürger sowie an das archäologische Fachpublikum. Zu erwerben ist der „Blick in den Spiegelberg“ im Buchhandel, bei der Stadtarchäologie und im Stadtarchiv Stade (Tel.: 04141/401-342).

Römerlager Hedemünden 

Vor 2000 Jahren: Römer an der Werra. Ein herausragendes archäologisches Kulturdenkmal und seine Funde 

Eine Ausstellung des Landkreises Göttingen, Kreisarchäologie. Die Ausstellung wurde bereits im Kreishaus Göttingen und im Städtischen Museum Hann. Münden gezeigt.

Ende April bis 22. September 2006: Städtisches Museum Northeim; 22. September bis 20. Oktober 2006: Niedersächsischer Landtag, Portikushalle, Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1, 30159 Hannover.

Die Ausstellungen sind der Öffentlichkeit grundsätzlich von Montag bis Freitag in der Zeit  von 10:00 bis 17:00 Uhr zugänglich. Während der Plenarsitzungstage sind die Ausstellungen nicht für die Öffentlichkeit geöffnet.

Gezeigt werden die wichtigsten Stücke des nach hunderten zu zählenden Fundmaterials, insbesondere die hervorragend erhaltenen und restaurierten Waffen- und Ausrüstungsteile, Werkzeuge, Tross- und Baubestandteile, Münzen und andere Kleinobjekte aus Bronze, Eisen und Blei. Nach derzeitigem Stand der Auswertung handelte es sich um einen mehrteiligen, großflächigen Militärposten aus der frühen augusteischen Zeit (Drususfeldzüge zwischen 11 und 9 v. Chr.) im germanischen Gebiet, über 200 km östlich vor der römischen Reichsgrenze am Rhein. Zur Ausstellung erschien ein farbig bebildertes Begleitbuch (siehe oben). 

HOLZ-KULTUR

 

Von der Urzeit bis in die Zukunft

 

Wanderausstellung 4. Februar bis 28. Mai 2007, Landesmuseum für Natur und Mensch, Damm 38‑44, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441 / 9244-300, Fax: 0441 / 9244-399, Email: museum@NaturundMensch.de, Homepage: www.naturundmensch.de

Di.‑Do. 9:00‑17.00 Uhr; Fr. 9:00‑15.00 Uhr; Sa. u. So. 10:00‑17:00 Uhr; Mo. geschlossen.

1990 präsentierte das Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg erstmals die selbst konzipierte Wanderausstellung „Experimentelle Archäologie in Deutschland“. Sie wurde dann von 1990-2004 in insgesamt 30 in- und ausländischen Museen gezeigt und zählte mehr als 500.000 Besucherinnen und Besucher. Nach diesem großen Erfolg entsteht momentan eine neue Wanderausstellung mit dem Titel „HOLZ-KULTUR – Von der Urzeit bis in die Zukunft. Ökologie und Ökonomie eines Naturrohstoffs im Spiegel der Experimentellen Archäologie, Ethnologie, Technikgeschichte und modernen Holzforschung“. Ziel dieser Ausstellung ist die Darstellung der Wechselbeziehungen zwischen der Natur und dem Menschen am Beispiel von „Holz“ – einem der ältesten Werkstoffe der Menschheitsgeschichte. Dabei wird mit internationaler Beteiligung ein innovativer ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der geistes-, natur- und sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse sowie Leistungen des modernen Holzhandwerks miteinander in Beziehung setzt. Nach der Erstpräsentation in Oldenburg wird die Ausstellung in weiteren in- und ausländischen Museen zu sehen sein. Sicher ist bereits, dass sie auch zur Landesgartenschau von März – Oktober 2010 im Holztechnischen Museum Rosenheim gezeigt werden soll. 

gutingi ‑ Vom Dorf zur Stadt 

Eine Ausstellung der Stadtarchäologie Göttingen im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, 7. September bis 10. Dezember 2006, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Hauptgebäude, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Tel.: 0511 / 9807-683, Fax: 0511 / 9807-684, E-mail: kommunikation@nlm-h.niedersachsen.de

Di.‑So. 10:00‑17:00 Uhr; Do. 10:00‑19:00 Uhr; Mo. geschlossen.

Die niedersächsische Universitätsstadt Göttingen ging aus einem Dorf namens „gutingi“ hervor. Sein Name taucht erstmals im 10. Jh. in einer von Otto dem Großen ausgestellten Urkunde auf. Archäologische Untersuchungen im Stadtgebiet haben jetzt für Aufsehen gesorgt: Der Ort „gutingi“ existierte bereits im 7. Jh.! Wer waren die Bewohner von „gutingi“? Wie wurde aus dem Dorf eine Stadt? Wie hat es dort ausgesehen? Diese und viele andere Fragen beantwortet die Ausstellung „gutingi – Vom Dorf zur Stadt“. Die Stadtarchäologie Göttingen präsentiert damit erstmals die erstaunlichen Ergebnisse einer ihrer größten innerstädtischen Ausgrabungen. Gezeigt werden über 500 Originalfunde aus der mehr als 1000-jährigen Geschichte Göttingens. Dazu gehören einzigartige Stücke wie ein verlorenes Medaillon mit einem rätselhaften Fabelwesen und die Reste merkwürdiger Glasbecher, die nur aus Göttingen bekannt sind. Originalgetreue Modelle und audiovisuelle Computeranimationen lassen das alte „gutingi“ wieder erstehen. Gut verständlich wird erläutert, wie es Archäologen, Historikern und Naturwissenschaftlern gemeinsam gelingt, vergangene Lebenswirklichkeiten zu rekonstruieren. Zu der Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitband erschienen (Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen 23. Vandenhoeck und Ruprecht Göttingen 2005, 237 Seiten, zahlreiche überwiegend farbige Abbildungen, eine CD-Rom. 19,90 €. ISBN 3-525-85426-9), der weitere Informationen bietet. 

Das weiße Gold der Kelten 

Eine Ausstellung über das urgeschichtliche Salzbergwerk und Gräberfeld von Hallstatt.

 23. Februar bis 30. Juli 2006, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Hauptgebäude, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Tel.: 0511 / 9807-683, Fax: 0511 / 9807-684, E-mail: kommunikation@nlm-h.niedersachsen.de

Di.‑So. 10:00‑17:00 Uhr; Do. 10:00‑19:00 Uhr; Mo. geschlossen. 

Salz ist lebensnotwendig. Für Jahrtausende war sein Wert vergleichbar mit dem des Goldes, denn mit Salz wurden Lebensmittel haltbar gemacht. Bei Hallstatt im österreichischen Salzkammergut liegt das bekannteste prähistorische Salzbergwerk der Welt, in dem noch bis zum heutigen Tag Salz gewonnen wird. Erste Spuren der Nutzung des Salzes von Hallstatt gehen bis in die Jungsteinzeit vor 7000 Jahren zurück. Seit der Mitte des 19. Jhs. werden archäologische Ausgrabungen in Hallstatt durchgeführt, die ein reiches Fundmaterial mit außergewöhnlichen Funden von Weltrang erbracht haben. Dieser bedeutende Fundort gab einer ganzen prähistorischen Epoche – der Hallstattzeit – ihren Namen.

Im ersten Teil der Ausstellung wird vom prähistorischen Salzbergbau berichtet. Gut erhaltene Werkzeuge und Gerätschaften illustrieren die Arbeit unter Tage. Der hohe Salzgehalt des Bergwerkes konservierte eine Vielzahl einmaliger organischer Fundmaterialien – darunter Stoff, Leder, Lindenbast, Fell, Holz und sogar Essensreste und Fäkalien der Bergleute. Im zweiten Teil werden die Funde des Gräberfeldes präsentiert. Die Skelettreste der Menschen von Hallstatt lassen die Spuren ihrer Arbeitsbelastung erkennen. Den Toten wurden Prunkgeschirr, Waffen und aufwendiger Schmuck aus Bronze, Bernstein, Elfenbein und Gold mitgegeben. Diese außergewöhnlich kostbaren Grabbeigaben zeugen von großem Reichtum und Luxus der Salzbergleute, was wiederum zur Rekonstruktion eines neuen Gesellschaftsmodells führt: Reichtum und harte Arbeit haben sich nicht zwangsläufig ausgeschlossen!

Im 19. und frühen 20. Jh. wurden die Ausgrabungen regelmäßig von der kaiserlichen Familie, so auch vom Kaiserpaar Franz Joseph und seiner Gemahlin Sissi besucht. Oft bekamen die hohen Gäste wertvolle Fundstücke als Geschenke überreicht. Eine der Goldfibeln aus Hallstatt hat eine aufregende Odyssee hinter sich: Sie wurde von Erzherzog Ferdinand Maximilian als Souvenir von der Grabung im Jahre 1856 mitgenommen. Sie galt als verschollen, bis sie 1987 in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin identifiziert wurde, wohin sie Anfang des 20. Jhs. über den Kunsthandel gelangt war.

Urnenfriedhöfe im Landkreis Lüneburg 

Friedrich Laux, Die Urnenfriedhöfe von Drögennindorf, Gem. Betzendorf, und Amelinghausen-Sottorf im Landkreis Lüneburg. Herausgegeben vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover. Die Urnenfriedhöfe in Niedersachsen 17. Verlag Isensee, Oldenburg 2006, ca. 216 Seiten, zahlr. sw. Abb. ISBN: 3-89995-229-4. Hardcover 40,90 €. 

Soeben erschien der 17. Band der Reihe „Urnenfriedhöfe in Niedersachsen“. Die renommierte Monographienreihe ist 1911 auf Initiative des Historischen Vereins für Niedersachsen begründet und zunächst von Carl Schuchhardt herausgegeben worden. Laux legt darin die Ergebnisse archäologischer Grabungen bei Drögennindorf vor, die von 1969 bis 1972 unter seiner und unter der Leitung von Hans Köster durchgeführt worden sind. Erstmals wird hiermit für den Landkreis Lüneburg ein vollständig ausgegrabener Urnenfriedhof aus dem 1. Jh. v. Chr. und dem beginnenden 1. Jh. n. Chr. publiziert. Der Autor ergänzt diese Vorlage durch eine Zusammenstellung aller noch vorhandenen oder bekannten Fundstücke und Befunde aus einem schon zu Beginn der 1850er Jahre bei Amelinghausen-Sottorf entdeckten und ausgeplünderten Urnenfriedhof der älteren römischen Kaiserzeit. In seine Betrachtungen bezieht Laux außerdem einen an der Grenze der Feldmarken von Putensen und Wetzen gelegenen Friedhofskomplex mit ein, den Willi Wegewitz in den Jahren 1938/39 und zwischen 1956 und 1965 untersucht hat. Berücksichtigung findet schließlich auch eine Reihe kleinerer und nur „angegrabener“ Urnenfriedhöfe der Spätlaténe- und der älteren römischen Kaiserzeit aus dem Luhetal. Laux schließt der Ausbreitung des Materials ausführliche Überlegungen zur Belegungsstruktur der Gräberfelder und zur Besiedlung im Tal der Luhe während dieser Epoche an.

Im Anhang stellt der Autor noch seine Gedanken zu einem bemerkenswerten Fundkomplex aus der „Umgebung von Lüneburg“ zur Diskussion. Es handelt sich um ein spätestens seit 1860 bekanntes Ensemble metallener Bestandteile der Tracht und Bewaffnung römischer Legionäre aus der Zeit um Christi Geburt und des beginnenden 1. Jhs. n. Chr. Laux geht davon aus, dass die Stücke aus einem römischen Marschlager oder einem befestigten Stützpunkt der römischen Armee stammen und legt verschiedene Argumente dar, denen zufolge ein solcher Stützpunkt auf dem Hochufer der Elbe in der Nähe der Ortschaft Adendorf zu suchen sei. 

Hatschie! Pollen

Blütenstaub in Medizin und Archäologie

 Voraussichtlich 30. Juni bis 17. September 2006, Ausstellungszentrum für die Archäologie des Emslandes, An der Koppelschleuse 19 a, 49716 Meppen, Kontakt: Landkreis Emsland, Frau Surberg-Röhr, Tel.: 05931 / 20363; Fax: 05931 / 594185, Email: archaeologie.emsland@ewetel.net, Internet: www.emsland.de

Di.-Sa. 14:00‑18.00 Uhr; So. 11:00‑18.00 Uhr; Mo. geschlossen. 

Mit der Blüte von Erle und Haselnuss beginnt im Februar wieder die Heuschnupfenzeit. Immerhin jeder fünfte Bundesbürger kennt das Jucken oder Brennen, dass die mikroskopisch kleinen Pollenkörner auslösen. Warum dies so ist und was die moderne Wissenschaft aus Pollen alles erfahren kann, darüber informiert die Sonderausstellung "Hatschi! Pollen!". Blütenpollen sind allerdings mehr als nur Allergie auslösender Staub. So sind die Pollen unter anderem auch für die Datierung archäologischer Funde wichtig. In der Ausstellung sind unter anderem Pollen in tausendfacher Vergrößerung und als Tonmodelle zu sehen. In Torf beispielsweise erhält sich Blütenstaub über Jahrtausende hinweg und kann über die frühere Vegetation einer Region Aufschluss geben. 

Landschaftsarchäologie und Eisenzeit

Das Beispiel Landkreis Rotenburg (Wümme) 

Ingo Eichfeld: Die vorrömische Eisenzeit im Landkreis Rotenburg (Wümme). Eine landschaftsarchäologische Untersuchung mit Hilfe von GIS. Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 12. Isensee-Verlag, Oldenburg 2005, 264 Seiten, 17 Tafeln, 5 Karten mit zahlreichen z. T. Farbigen Abbildungen. ISSN 0946-8471. ISBN 3-89995-265-0. Kartoniert 21,00 €. 

Im Band 12 der „Archäologischen Berichte“ gelang es wieder, eine zusammenfassende Übersicht über eine wichtige Epoche in der Geschichte des Landkreises zu veröffentlichen. Die Aktualität der archäologischen Forschung spiegelt sich nicht nur in der hier zum Zuge kommenden Methode, sondern auch in der berührten Thematik wider. So ist der Umgang mit einschneidenden Klimaveränderungen kein alleiniges Phänomen unserer heutigen Zeit. Auch der eisenzeitliche Mensch sah sich dramatischen Umbrüchen gegenüber, die beispielsweise zu einer extremen Siedlungsausdünnung in der jüngeren Eisenzeit geführt haben. Viele weitere spannende Aspekte finden sich ebenso in der an der Universität Bonn entstandenen Magisterarbeit. 

Einbeck 1540: Brandstiftung! 

Andreas Heege, Einbeck 1540: Brandstiftung! Der Einbecker Stadtbrand vom 26. Juli 1540 – Archäologischer Befund und politische Hintergründe. Edition Einbeck. Einbecker Geschichtsverein. Einbeck 2005, 120 Seiten, 58 Abbildungen und 3 Anlagen (Faksimile-Reproduktionen). ISBN 3-9807130-3-2. Hartkarton 12,90 €.

Was geschah am 26. Juli 1540 zwischen 18:00 und 22:00 Uhr wirklich in Einbeck? Hatte der Blitz eingeschlagen und die größte Katastrophe in Einbeck ausgelöst? Oder sollte Martin Luther Recht haben, als er 1541 den katholischen Herzog Heinrich den Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel als Brandstifter bezeichnete? Kriminalistisch-historische Recherchen beleuchten die religiösen Motive und reichspolitischen Hintergründe der Brandstiftung: Einbeck im Zeitalter der Reformation im Kampf um den „rechten Glauben“ und die Macht in der Region. Neuere Erkenntnisse aus der Stadtarchäologie dokumentieren die Spuren des Großfeuers. Sie vermitteln überraschende Ergebnisse und die Strukturen einer niedersächsischen Kleinstadt vor fast 500 Jahren. Der Brand des Jahre2005 an der “Langen Brücke“ zeigt eindrucksvoll die Gefährdung von Fachwerkstädten durch Feuer. 1540 war der Einsatz von Eimern und kurzen Leitern chancenlos. 2005 retteten das Know-How der Feuerwehrleute und 10.000 Liter Löschwasser pro Minute die Altstadt. Der veröffentlichte Bericht der Feuerwehr in Verbindung mit Presse- und Einsatzfotos vermittelt einen spektakulären, für die Einbecker Bevölkerung und künftige Stadthistoriker unverzichtbaren Teil der Stadtgeschichte. 

Dr. Stefan Hesse erhält 11. Eduard-Anthes Preis 

Am 9. März 2006 wurde in einem Festakt der 11. Eduard-Anthes Preis für Archäologie an den Rotenburger Kreisarchäologen Dr. Stefan Hesse in Darmstadt verliehen. Der nach dem Denkmalpfleger Eduard Anthes (1859‑1922) benannte Preis wird alle zwei Jahre für herausragende Arbeiten zur Archäologie des Mittelgebirgsraumes ausgeschrieben. Eine unabhängige Findungskommission hat den renommierten Wissenschaftspreis einstimmig dem Rotenburger Kreisarchäologen Dr. Stefan Hesse für seine Dissertation „Die mittelalterliche Siedlung Vriemeensen im Rahmen der südniedersächsischen Wüstungsforschung unter besonderer Berücksichtigung der Problematik von Kleinadelssitze“ verliehen. In der Ansprache zur Preisverleihung hob Dr. Holger Göldner (Hessisches Landesamt für Denkmalpflege) hervor, dass erstmalig ein Kreisarchäologe mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass auch in den kommunalen Dienststellen hervorragende wissenschaftliche Forschung stattfindet. Ebenso betonte er die Leistungsfähigkeit des „Niedersächsischen Modells“ mit zahlreichen Kommunalarchäologen. In der folgenden Ansprache hob Staatssekretär Prof. Joachim-Felix Leonhard (Ministerium für Wissenschaft und Kunst) hervor, dass Dr. Hesse mit seinem Ansatz, Archäologie und Bauforschung zu verbinden, neue Erkenntnisse zum Verständnis der mittelalterlichen Gesellschaft im ländlichen Raum gewonnen habe. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde anschließend durch Dr. Göldner und Prof. Leonhard überreicht. Die folgende Laudatio verfasste Prof. Hans-Georg Stephan (Universität Halle/Saale), der die neuen Ergebnisse und Forschungsansätze der Arbeit betonte. Neben zahlreichen Gästen war auch der erste Preisträger des Eduard-Anthes Preises (1985), Prof. Egon Schallmeyer, anwesend, der heute als Landesarchäologe des Bundeslandes Hessen tätig ist. 

Fundchronik 2004

Fundchronik Niedersachsen 2004. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 11. Hrsg. von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. und dem niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005. VI, 254 Seiten mit 347 Abbildungen und farbigem Titelblatt. ISBN3-8062-1990-7 / ISSN 1437-2177. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis). 

In 330 Katalognummern werden niedersächsische Funde, Ausgrabungen und Prospektionen des Jahres 2004 von 88 Autoren vorgestellt, die damit einen Überblick über das archäologische Geschehen in Niedersachsen geben. Leider kann immer noch nicht von einem vollständigen Bild gesprochen werden, da einige niedersächsische Archäologen sich gar nicht oder nur mit einigen wenigen Beiträgen an dem Gemeinschaftswerk beteiligen. Leider konnte die farbige „Jubiläums“-Beilage des vergangenen Jahres dieses Mal wegen der Kosten nicht verwirklicht werden. Aber das Versprechen, die im Jahre 2003 vom NLD erworbenen Luftbilder nachträglich vorzustellen, wurde gehalten. So werden insgesamt 122 Luftbildbefunde mit 20 Abbildungen vorgestellt. In Listen sind alle Autoren, Finder, Fotografen und Zeichner mit ihren Katalognummern bzw. ihren Abbildungsprodukten erfasst. Ein Anschriftenverzeichnis der Autoren erleichtert ggf. Rückfragen zu Funden oder Ausgrabungen.

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2005

     

Tag des offenen Denkmals

11. September 2005

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 11. September 2004 statt. Der diesjährige bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September wird unter dem Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“ stehen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft dazu auf, in diesem Jahr insbesondere alle Bauten zur Teilnahme anzumelden, die einen Bezug zum Thema haben. Das können ur- und frühgeschichtliche Befestigungen, Burgen, Kirchenburgen, historische Stadtmauern, Landwehren und Warten, Festungen, Orte kriegerischer Auseinadersetzungen oder historischer Friedenschlüsse u. v. m. sein. In fachkundigen Führungen werden auch die Archäologen Niedersachsens nicht nur zum Schwerpunktthema verschiedene Geländedenkmale und Grabungen präsentieren, Büroräume und Werkstätten für die Besucher öffnen. Auf Grund der speziellen Situation in der Archäologischen Denkmalpflege können Termine erst kurzfristig bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Ankündigungen der örtlichen Presse, in Hörfunk, Fernsehen oder den Homepages der Landkreise, Städte und Gemeinden. Die landesweite Eröffnung nimmt dieses Jahr Ministerpräsident Christian Wulff im Rathaus zu Osnabrück vor, wo die protestantischen Reichsstände den Westfälischen Frieden von 1648 unterschrieben. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege-niedersachsen.de.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 73, 2004. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2004. ISBN 3-8062-1943-5 / ISSN 0342-1406. 300 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen; farbiges Titelblatt. Kartoniert mit farbigem Titelbild 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Im neuen Band 73, 2004 der „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte“ erscheinen wiederum aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen zahlreiche aktuelle Beiträge und Fundberichte. Am Anfang stehen die Aufsätze zweier ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege (Vorstellung einer Sammlung steinzeitlicher Funde aus dem Landkreis Harburg, Ergebnisse langjähriger Surveys auf einem neolithischen Siedlungsareal). Für die Montanregion Harz wird ein internationales Forschungsprojekt „Neolithische Besiedlung der Gebirgslandschaften: Fallstudie Harz“ beschrieben, das im europäischen Kontext über die Nutzung des Mittelgebirges Harz im Neolithikum Auskunft geben soll. Neben ausführlichen Fundpublikationen von Ausgrabungen auf Hügelgräberfeldern und Urnenbestattungsplätzen im Reg. Bez. Hannover wird eine Studie zu den Bestattungssitten des frühen Mittelalters in Niedersachsen und einer damit verbundenen Quellenkritik Diskussionsstoff liefern. Für die Neuzeitarchäologie sind die Befunde und Funde aus dem Garten der Göttinger Universitätsaula von Bedeutung, der eine ausgezeichnete Studie zur Gartenarchäologie am Beispiel dieser Grabung folgt. Im Besprechungsteil werden wichtige Neuerscheinungen vorgestellt, die für die tägliche Arbeit in Niedersachsen von Bedeutung sind.

ArchäologieLandNiedersachsen

25 Jahre Denkmalschutzgesetz – 400 000 Jahre Geschichte

Eine Ausstellung des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Hannover

Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Forum des Landesmuseums (gegenüber der Marktkirche) (21. April 2005 bis 31. Juli 2005), Tel. (05 11) 98 07-6 83, Fax (05 11) 98 07-6 84, Homepage: www.nlmh.de, E-Mail: kommunikation@nlm-h.niedersachsen.de, Di.‑ So. 10‑17 Uhr, Do. 10‑19 Uhr, Mo. geschlossen

Braunschweigisches Landesmuseum (Sonderausstellungszentrum Hinter Aegidien) (Oktober 2005 bis Mitte Januar 2006), 38100 Braunschweig, Tel.: 0531/1215-2661, Di.‑Fr u. So. 10‑17 Uhr, Sa. u. Mo. geschlossen.

Aus Anlaß des 25-jährigen Jubiläums des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes gibt eine große Landesausstellung einen eindrucksvollen Einblick in die Erfolgsbilanz des niedersächsischen Weges einer Arbeit im breit gefächerten, interdisziplinären Denkmalpflege- und Forschungsnetzwerk. Auf seiner Zeit- und Entdeckungsreise durch die großen Naturräume wird der Besucher über die Arbeitsweise und die Ergebnisse archäologischer Denkmalpflege informiert. Schaufenster mit Fundobjekten, Filmpräsentationen, Stereoskopieaufnahmen und Textinformation sind in sechs große Landschaftspanoramen von der Küste bis ins Mittelgebirge eingebunden. Die Archäologie der mittelalterlichen Burgen, Kirchen, Klöster und Städte wird in landesweiter Perspektive vermittelt. In einem Ausblick wird das Thema Archäologie und Zeitgeschichte beleuchtet.

So werden in der Ausstellung eine ganze Reihe archäologischer Sensationen gezeigt, darunter viele von europäischem oder gar Weltrang: z.B. das altpaläolithische Wildpferdjagdlager von Schöningen mit den ältesten Holzspeeren der Welt. In niedersächsischen Mooren konnten in Form von Pfahlwegen die ältesten Kunststraßen der Welt und der Nachweis eines der ältesten Wagen erbracht werden. Der spätpaläolithische Bernsteinelch von Weitsche ist das älteste Kunstwerk Norddeutschlands. Die ältesten vollständig erhaltenen Möbel Mitteleuropas aus einem Grab in der Marsch legen Zeugnis von der Kunstfertigkeit völkerwanderungszeitlichen Holzhandwerks ab. Zu bestaunen sind immer wieder auch kunstvolle Metallarbeiten wie z.B. reicher Schmuck aus dem bronzezeitlichen Prunkgrab von Heiligenthal. Gläser aus der Stadtwüstung Nienover, der Braunschweiger Innenstadt oder der Glashütte Grünenplan vermitteln einen Einblick mittelalterlicher Glaskunst. Römische Militaria aus dem legendären Ort der Varusschlacht bei Kalkriese oder mittelalterliche Armbrustbolzen stehen für kriegerische Auseinandersetzungen. In der Ausstellung wird immer wieder deutlich, wie groß der Verlust an archäologischem Erbe durch den enormen Flächenverbrauch ist, wie aber genau dadurch großflächige Untersuchungen komplexer Gräberfelder und Siedlungsstrukturen ermöglicht werden. Dafür stehen z.B. die bandkeramische Siedlung von Göttingen-Grohne und das Schlüssellochgräberfeld von Vechta. Prospektionsverfahren wie Flugprospektion, Geophysik und historische Geographie werden ebenso erläutert wie Ausgrabungs-, Vermessungs- und Dokumentationsmethoden. Durch die Vermittlung von Methoden kann der Ausstellungsbesucher teilnehmen am spannenden Erkenntnisprozeß interdisziplinärer Forschung (DNA-Analysen an menschlichen Knochen aus der Lichtensteinhöhle im Harz zur Rekonstruktion komplexer Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den niedergelegten Toten oder Ergebnisse aus Montanarchäologie im Harz). Die Ausstellung wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Landesmuseum Natur und Mensch unter dessen Federführung konzipiert und Institutionen-übergreifend vom gesamten Netzwerk niedersächsischer Archäologinnen und Archäologen vorbereitet. Hierzu erschien ein umfangreicher Begleitband und weiter Schriften:

Archäologie|Land|Niedersachsen, Hrsg. vom Landesmuseum Natur und Mensch und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege durch M. Fansa, F. Both und H. Hassmann. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2004. ISBN 3 8062 1926 5. 688 Seiten mit über 800 zumeist farbigen Abbildungen. Gebunden mit Schutzumschlag 34,90 € (Museumsausgabe 28 €, Ausstellungsführer 9 €, Kinderbuch 6 €).

Die neue Fundchronik

Fundchronik Niedersachsen 2003. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 10. Hrsg. von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2004. VIII, 248 Seiten mit 286 SW-Abbildungen, farbigem Titelblatt und 1 16-seitiger Beilage mit 52 Farbabbildungen. ISBN 3-8062-1961-3 / ISSN 1437-2177. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementpreis).

Bereits zum zehnten Male wird mit der jetzt vorliegenden Fundchronik ein Überblick über das archäologische Geschehen in Niedersachsen geboten. 86 Autoren stellen 365 Funde, Ausgrabungen und Prospektionsergebnisse vor. Mancher Leser mag den bisherigen Luftbildteil vermissen; personelle und zeitliche Engpässe verhinderten die Bearbeitung. Die im Jahre 2003 erworbenen Luftbilder sollen zusammen mit denen des Jahres 2004 in der nächsten Fundchronik vorgestellt werden. Auf die immer teurere Verbreitungskarte wurde verzichtet, zumal diese lediglich Berichtsaktivitäten signalisiert, da immer noch einige niedersächsische Archäologen zu einer Mitarbeit am gemeinsamen Werk nicht bereit sind. Das bei der Verbreitungskarte gesparte Geld wurde in eine Beilage mit farbigen Abbildungen investiert, die parallel zum Berichtstext angesehen werden kann. Ein alphabetisches und ein systematisch-topographisches Register erschließen die Fundorte. Alle Finder, Fotografen und Zeichner mit ihren Katalognummern bzw. ihren visuellen Produkten sind listenmäßig erfaßt.

Stadtarchäologie in Stade neu besetzt

Im November 2002 endete die Dienstzeit von Torsten Lüdecke durch sein altersbedingtes Ausscheiden als Stadtarchäologe in Stade. Seit 1983 war er ohne Unterbrechungen in dieser Funktion tätig. Im Jahre 1987 wurde die Stadtarchäologie als Planstelle im Stellenplan der Stadt verankert. Während dieser Zeit konnte eine Vielzahl von Grabungen im Stadtgebiet durchgeführt werden, exemplarisch seien nur das Zeughaus mit Bischofsgrab und der alte Hafen genannt. Insbesondere durch die seit 1972 laufende Altstadtsanierung war die Einrichtung einer Archäologenstelle unerläßlich geworden. Nach fast zweijähriger Unterbrechung konnte Andreas Schäfer M.A. im Oktober 2004 als neuer Stadtarchäologe berufen werden. Andreas Schäfer bringt langjährige Berufserfahrung in der Archäologie der Region und der Öffentlichkeitsarbeit mit und war bereits u.a. bei den Ausgrabungen der Stader Grafen in Harsefeld tätig.

Mittelalterliches Glas in Braunschweig

Martina Bruckschen, Glasfunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus Braunschweig. Bedeutung, Verwendung und Technologie von Hohlglas in Norddeutschland. MAN ‑ Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Bd. 33. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004. ISBN: 3-89646-966-5. 420 Seiten mit 56 Abb., 27 Tabellen u. Diagramme, 3 Karten, 135 Tafeln; 6 Farbtafeln als Beilage. Hartkarton mit farbigem Titelbild 71,50 €.

Ca. 22.000 von 1976-1992 ausgegrabene Glasobjekte wurden bearbeitet, um Einblick in Bedeutung und Verfügbarkeit von Glas in einer norddeutschen Hansestadt (12.-17. Jh.) zu erhalten. Das reiche Tischgeschirr erlaubte eine Gliederung in 81 Untergruppen, ihre Datierung und Herkunftsbestimmung. Hinzu kommen 11 Gruppen von medizinisch-alchimistischen und technischen Geräten sowie Schmuck. Besondere Bedeutung besitzen Glasgefäßfunde des 13./14. Jhs. aus Kloaken. Parallelen stammen aus ganz Mitteleuropa, bes. aus unpublizierten norddeutschen Magazinbeständen. Viele Typen des 13./14. Jhs. waren viel nördlicher verbreitet und konzentriert als angenommen. Besonderheiten sind islamische Goldemailbecher, farbloses mediterranes Glas und blaue Gläser des 12./13. Jhs.. Die Auswertung von Archivalien diente der sozialhistorischen Einordnung und ergab einen frühneuzeitlichen Anstieg im Glasgebrauch. Sodann wurden Größenverhältnisse und Fassungsvermögen von Gefäßen untersucht und verfügbare Getränkesorten in Braunschweig nach Zeiten zusammengestellt. Den Abschluss bilden chemische Analysen von 58 hochmittelalterlichen und spätmittelalterlichen Glasformen. 

Allerlei Alltagsgerät aus Braunschweig

Axel Lungershausen, Buntmetallfunde und Handwerksrelikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus archäologischen Untersuchungen in Braunschweig. MAN ‑ Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band. 34. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004. ISBN: 3-89646-967-3. 352 Seiten mit 59 Abbildungen und 52 Tafeln. Hartkarton mit farbigem Titelbild 66,50 €.

Das Material stammt aus Ausgrabungen seit 1976 und reicht vom 9.-18. Jh. mit einem Schwerpunkt im 11.-13. Jh.. Es gehört den Bereichen Schmuck / Kleidung (über 30%), Hausrat (15%), Handwerk / Handel (14%), Toilettegerät, Frömmigkeit, Essen / Trinken, Fahrwesen / Reitwesen (je 5%) und Varia (17%) an und wird auf Typen, Verbreitung, Datierung, Herstellungsort, Technik und Gebrauch untersucht. Zum Vergleich werden obertägig Erhaltenes, Abbildungen, Testamente und Inventare herangezogen. Die Datierung erfolgt mittels stratifizierter datierbarer Begleitfunde (bes. Keramik), Dendrochronologie, Münzfunden oder datierten historischen Ereignissen. Die Funde stammen aus Störungen (15%), Befunden unklarer Funktion (18%), Planierschichten und Verfüllungsschichten (36%), Gräbern (5%) und anderen Kontexten (26%). Brandschichten enthielten verstärkt qualitativ hochwertige Funde, während sonst nur alltägliche oder beschädigte Stücke verloren und weggeworfen wurden. Technische Fragen fanden Berücksichtigung bei makroskopischer Untersuchung und verschiedenen Materialanalysen und ließen sich durch Werkstattbefunde der Metallverarbeitung vor Ort illustrieren. 

Frühgeschichtliche Grabfunde zwischen Harz und Aller

Babette Ludowici, Frühgeschichtliche Grabfunde zwischen Harz und Aller. Die Entwicklung der Bestattungssitten im südöstlichen Niedersachsen von der jüngeren römischen Kaiserzeit bis zur Karolingerzeit. MAN ‑ Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 35. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2005. ISBN: 3-89646-968-1230 Seiten mit 97 Tafeln, 25 Karten und, 8 Beilagen. Harteinband mit farbigem Titelbild 66,50 €. 

Gegenstand der Studie sind Grabfunde der jüngeren Römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungs-, Merowinger- und Karolingerzeit aus Südostniedersachsen. Erforscht wird der Wandel der Grabsitten über 600-700 Jahre auf häufig kontinuierlich belegten Gräberfeldern. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die stilistische Datierung der verwendeten Grabkeramik. Das praktizierte Bestattungsbrauchtum weist Eigenheiten auf, die den untersuchten Raum von den übrigen Regionen Nord- und Mitteldeutschlands abheben. Die Brandbestattung ist bis weit in merowingische Zeit die einzige hier nachweisbare Grabform. Der Ostteil des Gebietes erscheint dabei elbgermanisch geprägt, der Westteil eher rhein-weser-germanisch. Die Anlage von Grabhügeln, aber auch die Urnenformen der Römischen Kaiserzeit lassen Bezüge zum Raum nördlich der Aller deutlich werden. Elitegräber und damit zugleich die ältesten Körpergräber treten erstmals im 6. Jh. auf. Ab dem 7. Jh. beginnt eine Angleichung der Grabsitten an die der Nachbargebiete; im 8./9. Jh. wird wie überall die orientierte Körperbestattung üblich. Die erhobenen Befunde erlauben neue Antworten auf Fragen der Ethnogenese der Sachsen. 

Spurensicherung im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Hesse, Stefan (Hrsg.): Spurensicherung – 25 Jahre Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme). Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 11. Oldenburg 2004. Isensee-Verlag. ISSN 0946-8471, ISBN 3-89995-171-9. 430 Seiten mit zahlreichen z.T. farbigen Abbildungen. Kartoniert 21,00 €. 

Zum 25-jährigen Jubiläum der Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme) fanden sich zahlreiche Autoren zusammen, die mit ihren Beiträgen einen Bogen von forschungsgeschichtlichen Untersuchungen über neue methodische Ansätze, naturwissenschaftliche Untersuchungen, Aufarbeitung von Fundstellen und Fundgruppen sowie überregionalen Synopsen bis hin zu Tätigkeitsberichten, Fundchronik und Bibliographien spannen. Dabei zeigt sich das wissenschaftliche Potential der Aufarbeitungen von Altfunden (F. Laux – Achtkantschwert aus Ober Ochtenhausen), Überblicksarbeiten (H.-W. Heine – Burgen zwischen Ems, Elbe und Weser) sowie grundlegende Betrachtungen (K. P. Hofmann – Lanzetten: eine Leitform der Nordischen Bronzezeit) – um nur einige aufzuführen. Inhaltlich setzt der Band einen Schwerpunkt im Elb-Weser-Dreieck, reicht aber thematisch durch z.T. grundlegende Beiträge weit darüber hinaus.

Dorf des Mittelalters auf der EXPO 2000

Tobias Gärtner, Die mittelalterliche Wüstung Edingerode. Archäologische Untersuchungen auf dem Expogelände in Hannover. BAN – Beiträge zur Archäolgie in Niedersachsen, Band 6. Verlag Marie Leidorf, Rhaden/Westf. 2004. 482 Seiten mit 53 Tafeln, 203 Tabellen u. 1 Beilage. ISSN: 1439-7552 / ISBN: 3-89646-926-6. Hartkarton 71,50 €.

Von 1996 bis 1999 wurden am SW-Hang des Kronsberges auf dem Expo-Gelände in Hannover rund 70% der schriftlich bekannten Wüstung Edingerode (9.-14./15. Jh.) ausgegraben (4,6 ha). Die Untersuchung ergab Einblicke in Hausbau und Siedlungsstruktur eines mittelalterlichen Dorfes in einem archäologisch wenig erforschten Gebiet. Die zahlreichen Hausgrundrisse, die teils noch Hofplätzen zuzuweisen waren, sind von nordwestdeutscher Form, wobei auf einschiffige Pfostenbauten ab dem 11./12. Jh. Gebäude mit seitlichen Anbauten und schließlich (nicht erhaltene) Schwellenbauten folgten. Die Keramik wurde in drei Hauptphasen und weitere Unterphasen gegliedert und datiert die Baubefunde. Zudem fanden sich teils seltene Funde aus Metall, Bein, Stein, Holz und Leder. Ergänzend wurden aus dem Stadtgebiet die Funde von mindestens 16 weiteren Wüstungen, der Altstadt und von der Burg Lauenrode (Anfang 13. Jh. bis 1371) aufgearbeitet. Die Besiedlung der Altstadt begann, von Spuren seit dem 9. Jh. abgesehen, flächig im 12. Jh. Es wurden alle gedruckten Schriftquellen und viele Altkarten, insbesondere zur Lokalisierung der Wüstungen, herangezogen.

Am Anfang war die Stadt

Andrea Bulla, Am Anfang war die Stadt. Archäologische Spurensuche im mittelalterlichen Hannoversch Münden. BAN ‑ Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen, Band 7. Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westf. 2004. ISBN: 3-89646-927-4. 144 Seiten mit 130 Abbildungen, 2 Tabellen, 3 Diagrammen u. 10 Tafeln. Hartkarton 61,50 €.

Bei Rettungsgrabungen durch die Verfasserin kamen 1996-1999 zahlreiche Befunde und Funde der Stadtgründungszeit (12. Jh.) zutage. Das im 9. Jh. schriftlich erwähnte Gimundin / Altmünden wurde in der 2. Hälfte des 12. Jhs. durch eine Neugründung auf einer Halbinsel am Zusammenfluß von Werra und Fulda ersetzt. Die rechtwinklige Stadt (16 ha) besaß von Anfang an zwei gleich große zentrale Plätze, Rathausplatz (im N) und Kirchplatz (im S), welche 1187 durch die mit Bohlen befestigte „Lange Straße“ verbunden waren. Die umlaufende Stadtmauer umgeht den mehrräumigen Schwellbalkenbau einer Hofanlage aus der 2. Hälfte des 12. Jhs. Am Ende des 12. Jhs. entstand eine dreischiffige Basilika mit einem vom 12.-18. Jh. belegten Kirchhof, der mit einer bis zu 1,4 m starken Mauer eingefriedet war. Im Norden lag das romanische Rathaus mit einer fundreichen Marktplatzoberfläche des frühen 13. Jhs. und rutengefaßten Gräben eines Abwassersystems. Es fanden sich viele Holzfunde, Abfälle von Knochenschnitzer, Kammacher, Flickschuster sowie Überreste der Verarbeitung von Buntmetall und Keramik der Zeit um 1200 und des frühen 13. Jhs. Aus der Mitte des 13. Jhs. stammt eine flächige mit Brandschutt verfüllte Schicht. 

Tiere in Germanensiedlung

Susanne Hanik, Tierknochenfunde des 3.- 5. Jhs. in der Germania libera. Eine archäozoologische Untersuchung der Siedlung Hildesheim-Bavenstedt, Ldkr. Hildesheim. BAN ‑ Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen, Band 8. Verlag Marie Leidorf, Rhaden/Westf. 2004. ISBN 3-89646-928-2. 364 Seiten mit 59 Abbildungen, 668 Tabellen. Hartkarton 64,80 €.

Das Fundmaterial der zwischen 1983 und 1991 auf 4 ha vollständig ergrabenen Siedlung umfasst mit Gräbern von Hunden und Pferden insgesamt 16.617 Tierknochen (618,7 kg), wovon 11.461 Funde der Jahre 1986-1991 neu aufgenommen und zusammen mit dem bereits publizierten Material von 1983-1985 ausgewertet wurden. Diese Originaldaten stehen nun für weitere Arbeiten vollständig zur Verfügung. Neben morphologischen Bestimmungen wurden biostatistische Verfahren eingesetzt, um Geschlecht (neue Ansätze für Schwein und Hund) und Körperbau zu bestimmen. Zuweisbar sind 15.547 Reste von mindestens 25 Arten, davon 17 Wild- und 8 Haustierarten, die 4,5% bzw. 95,5% der Knochen stellen. Das Wild erweist die natürliche Umwelt als sumpfiges Waldland mit offenen Landschaften auf Löß, was botanische Reste bestätigen. Die Fragmentierung erlaubt Rückschlüsse auf Schlachtmethoden. Verteilungsmuster der Knochen zeigen eine Schlachtung vor Ort und effektive Viehzucht mit guter Versorgung der Bevölkerung an. Abgesehen von Arbeitsfolgen sind kaum Krankheiten bei Haustieren festzustellen. Aus Geweih und Knochen wurden Artefakte hergestellt. Brandspuren gehen auf Müllverbrennung, nicht aber Opferung zurück. Der Körperbau entspricht weitgehend Befunden vergleichbarer Siedlungen, wobei sich auch einige Unterschiede andeuten.

Archäologie im Oberweserraum

Christian Leiber, Studien zur Ur- und Frühgeschichte des Oberweserraumes. Teil 1 u. 2. BAN ‑ Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen, Band 9. Verlag Marie Leidorf, Rhaden/Westf. 2004. ISBN 3-89646-929-0. Teil 1: 211 Seiten mit 33 Abbildungen u. 10 Tabellen; Teil 2: 226 Seiten mit 138 Tafeln u. 5 Karten. Hartkarton 89,80 €.

Die Untersuchung beruht auf einem ausführlichen Katalog aller 620 Bodendenkmäler und Baudenkmäler des Landkreises Holzminden, die zu 95% bei Oberflächenprospektionen sowie durch Luftbildaufnahmen entdeckt wurden, während kaum Ausgrabungen vorliegen. Ziel der Arbeit war die möglichst genaue Datierung der Funde. Diese reichen mit Silices bis in das Mittelpaläolithikum und Spätpaläolithikum und Mesolithikum (1, 2 und 63 Fundstellen = FS) zurück. Am fundreichsten ist das Neolithikum mit Einzelfunden und Großsteingräbern des Altneolithikums und Mittelneolithikums (29 FS) sowie Keramik, Steingeräten, Grabfunden und Höhlenfunden des Jungneolithikums und Endneolithikums (277 FS), die u.a. die Verbreitungsgrenze der Michelsberger Kultur spiegeln. Die Bronzezeit wird in Höhlenfunden, Depotfunden, Grabfunden und Siedlungsfunden greifbar, die Vorrömische Eisenzeit (53 FS) anhand von Keramik, Brandgräbern und Siedlungen. Aus der Römischen Kaiserzeit (20 FS) stammen Keramik und Münzen. Die Völkerwanderungszeit ist schwach vertreten (1-2 FS), das Frühmittelalter seit der Wende 8./9. Jhs. etwas besser (41 FS). Für jede Periode werden die bevorzugten Siedellagen beschrieben.

Archäologie des Kriesgsendes

Sonderausstellung in Wolfenbüttel, 12. April bis 29. Mai 2005

Braunschweigisches Landesmuseum, Kanzleistr. 3, 38300 Wolfenbüttel, Tel.: 05331/2 70 71, Fax 05331/2 94 97, E-Mail: steinmetz@landesmuseum-bs.de, Di. u. Fr. 10‑13 Uhr, Mi., Do. u. So. 10‑17 Uhr, Sa. u. Mo. geschlossen.

Im Rahmen des 60. Jahrestages des Kriegsendes wird in Zusammenarbeit mit dem Museum im Schloß Wolfenbüttel und der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel mit der Ausstellung „Archäologie des Kriegsendes“ der Zeitraum vom 12. April bis 8. Mai 1945 thematisiert. Die archäologisch belegte Entsorgung von nationalsozialistischen Symbolen und belastenden Akten spielt dabei ebenso eine Rolle wie der Umgang mit dem ideologischen Erbe eines archäologischen Museums. Aber auch die oberhalb der neuzeitlichen Fundschichten liegenden Zerstörungshorizonte in den Städten werden gezeigt. Eingerahmt wird die Ausstellung von der Schilderung der letzten Tage der Naziherrschaft und deren Auflösung, der Errichtung der alliierten Verwaltung und dem politischen Neubeginn. Die Alltagsbewältigung der Bevölkerung und der Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft wird mit ausgewählten Beispielen gezeigt.

Residenzarchäologie - Das Beispiel Wolfenbüttel

Sonderausstellung in Wolfenbüttel, August 2005 bis Januar 2006

Braunschweigisches Landesmuseum, Kanzleistr. 3, 38300 Wolfenbüttel, Tel.: 05331/2 70 71, Fax 05331/2 94 97, E-Mail: steinmetz@landesmuseum-bs.de, Di. u. Fr. 10‑13 Uhr, Mi., Do. u. So. 10‑17 Uhr, Sa. u. Mo. geschlossen.

Wolfenbüttel, die Stadt, in der Lessing als Bibliothekar arbeitete und im Gebäude des heutigen archäologischen Museums vereidigt wurde, war bis 1754 Residenzstadt der Braunschweiger Herzöge. In den zurückliegenden Jahrzehnten konnten über 60 Fundstellen im Stadtgebiet dokumentiert werden, die einen hervorragenden Querschnitt durch die Alltags- und Herrschaftskultur bieten. Einen Schwerpunkt des reichhaltigen Quellenmaterials bildet dabei naturgemäß die „Residenzarchäologie“ des 16./17. Jhs., dem Zeitalter des herzoglichen Stadtausbaues und des glanzvollen höfischen Lebens. Abgeschlossen wird die Schau von einem Fundkomplex, der wohl unmittelbar mit dem Abzug der Verwaltung in Zusammenhang steht. Im Schloß wurde anscheinend nach einem letzten rauschenden Fest ein Teil des verwendeten Tafelgeschirrs unmittelbar in einem Schacht entsorgt. Dieser Fund stellt damit einen genau zu datierenden Einblick in die höfische Gesellschaft dar.

Immenbeck: Begräbnisplatz der Altsachsen

Sonderausstellung 8. Juli bis 16. Oktober 2005, Eröffnung: 7. Juli 2005.

Buxtehude·Museum für Regionalgeschichte und Kunst, Stavenort 2, 21614 Buxtehude, Tel. 04161/501241, Fax: 04161-501298, Homepage: www.stadt.buxtehude.de, Di.-Fr. 14-17 Uhr, Sa. u. So. 11-17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Schon während der ersten Tage der Ausgrabung zeigte sich, daß an der Fundstelle am Kattenberg ein Gräberfeld der besonderen Art gefunden entdeckt wurde. Auch wenn nur der Bereich einer künftigen Neubausiedlung untersucht wurde, stand nach fünf Jahren fest, daß in Immenbeck der derzeit größte kontinentalsächsische Körpergräberfriedhof mit 212 Körpergräbern und 49 Brandbestattungen freigelegt worden war. Als Arbeitsausstellung angelegt, werden erste restaurierte Funde und Befunde gezeigt, die einen Eindruck von den damaligen Bestattungssitten und Grabbeigaben vermitteln. Schmuck, Gläser, Gerätschaften und Tongefäße gehören dazu. Anliegen ist es, mit dieser Ausstellung die Öffentlichkeit zeitnah über schon vorliegende Ergebnisse der Immenbecker Ausgrabung zu informieren. Zwischenzeitig restaurierte Grabbeigaben werden die Ausstellung ständig erweitern und  das Bild der damaligen Zeit vervollständigen.

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2004

Tag des offenen Denkmals

12. September 2004

Der „Tag des offenen Denkmals“ findet als der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“ am 12. September 2004 statt. Dieses Mal steht er unter dem Motto: „Wie läufts? – Schwerpunktthema Wasser“. In fachkundigen Führungen werden die Archäologen Niedersachsens wiederum verschiedene Grabungen sowie ihre Büroräume und Werkstätten für die Besucher öffnen oder zu Geländedenkmalen führen. Auf Grund der speziellen Situation in der Archäologischen Denkmalpflege können Termine erst kurzfristig bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Ankündigungen der örtlichen Presse, in Hörfunk, Fernsehen oder den Homepages der Landkreise, Städte und Gemeinden. Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege-niedersachsen.de.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 72, 2003. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003. VIII, 207 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen, farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-1842-0 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Pünktlich zum Jahresende legten die niedersächsischen Archäologen Ergebnisse ihrer Grabungen und Forschungen im neuen Band 72, 2003 der „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte“ vor. Den Hauptschwerpunkt des Bandes bilden Aufsätze zu den Burgen und Befestigungen Niedersachsens von der Urgeschichte bis ins Mittelalter. So werden Befunde und Funde aus der bronzezeitlichen bis völkerwanderungszeitlichen Befestigung Hünenburg bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt, vorgestellt. Hervorzuheben ist der Bericht über die Ergebnisse einer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Modellstudie, in der Konzepte zum Erhalt von ur- und frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen unter den Bedingungen moderner Forstwirtschaft entwickelt werden (Beispiel Schnippenburg bei Ostercappeln, Ldkr. Osnabrück). Ein Beitrag behandelt die jüngsten Vermessungsergebnisse von slawischen Burgwällen im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Im folgenden Forschungsüberblick werden die wichtigsten Holzbaubefunde aus Grabungen hoch- und spätmittelalterlicher Burgen zwischen Ems und westlicher Ostsee zusammengestellt. Ein weiteres Kernstück ist neben einigen kleineren Beiträgen die Publikation der Ausgrabungen von St. Annen bei Bad Münder, Ldkr. Hameln-Pyrmont, einem Wallfahrtsort mit Kirche und Nebengebäuden umfassend archäologisch untersucht worden. Hierbei kam neben den klassischen Grabungsmethoden und den historisch-geographischen Mitteln des Karten- und Quellenstudiums der geophysikalischen Prospektion eine besondere Rolle zu.

ArchäologieLandNiedersachsen

25 Jahre Denkmalschutzgesetz – 400 000 Jahre Geschichte

Eine Ausstellung des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Hannover

14. November 2004 – 27. März 2005, danach in Hannover und Braunschweig

Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-44, 26135 Oldenburg

Tel.: 0441/9244-300, Fax: 0441/9244-399, E-Mail: Museum@NaturundMensch.de

Homepage: http://www.NaturundMensch.de

Am 1. April 1979 trat das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz in Kraft. Aus Anlaß des 25-jährigen Jubiläums dieses Ereignisses wird eine Ausstellung vorbereitet, in der eine Bilanz gezogen werden soll und die Ergebnisse der archäologischen Denkmalpflege einem weit gefächerten Publikum vermittelt werden. Die Geschichte im Gebiet des heutigen Niedersachsens von den Anfängen bis in die Gegenwart hinein wird als interdisziplinäre Zusammenschau visualisiert. Das Leitmotto lautet: „Archäologische Befunde und Funde als Geschichtsquellen“. Eng verzahnt damit, werden die Belange der archäologischen Denkmalpflege, die fortschreitende Denkmalzerstörung und die daraus resultierenden Herausforderungen für einen nachhaltigen Denkmalschutz in die Betrachtungen einbezogen.

Die Lebensformen und -bedingungen des Menschen stehen und standen stets in engster Beziehung zu seiner Umwelt. Die klimatischen Verhältnisse, die Bodenqualität, der Wasserhaushalt, die Pflanzen- und Tierwelt, aber auch etwaige Rohstoffvorkommen und deren Nutzung wirken sich auf die Lebensumstände des Menschen aus und bilden größtenteils seine Lebensgrundlage. Umgekehrt reagiert der Mensch auf seine Umwelt und verändert sie. Die Landschaften bilden dementsprechend den roten Faden in der Ausstellung. Mit seinem Querschnitt vom Wattenmeer bis ins Gebirge bietet sich wie nirgendwo sonst eine Vielschichtigkeit in der Naturlandschaft, und damit verbunden in der Kulturlandschaft, an.

Niedersachsen gliedert sich in sechs Naturräume, die dementsprechend die Schaubereiche der Ausstellung bestimmen. Neben den Harz (Mittelgebirge) treten das Berg- und Hügelland (Mittelgebirgsschwelle), das Bergvorland mit der Lößzone, die Geest, die Moore sowie das in Inseln, Watten und Marschen gegliederte Küstenland. Übergreifend und losgelöst von der landschaftlichen Gliederung werden mittelalterliche Burgen, die Stadtarchäologie, Kirchen und Klöster sowie die Archäologie der Neuzeit präsentiert.

Zur Ausstellung erscheinen eine umfangreiche Begleitschrift, ein Kurzführer durch die Ausstellung und ein auf Kinder zugeschnittenes Heft, das die museumspädagogische Begleitung unterstützt.

100 Jahre Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung

Am 22. Oktober 2004 wird der Nordwestdeutsche Verband für Altertumsforschung e. V. 100 Jahre alt. Auf Initiative von Carl Schuchhardt – damals Direktor am Kestner-Museum – wurde er 1904 in Hannover gegründet. Zahlreiche an der Ur- und Frühgeschichte des nordwestdeutschen Raums interessierte Institutionen von Schleswig Holstein bis Westfalen schlossen sich in ihm zusammen.

Aus Anlaß des Jubiläums findet in Hannover vom 20. bis 23. Oktober 2004 eine Tagung mit Festakt statt. Im Festprogramm wird ein Überblick über die frühere und die aktuelle archäologische Arbeit im Verbandsgebiet gegeben. In einer Podiumsdiskussion soll der Frage „Wohin geht die Archäologie – Was können wir uns in der Archäologie noch leisten?“ nachgegangen werden. Ferner werden sechs Arbeitsgemeinschaften der drei deutschen Verbände für Altertumsforschung Themen aus verschiedenen Bereichen der Ur- und Frühgeschichte behandeln.

Zu der Tagung sind alle an der Archäologie Interessierten eingeladen. Nähere Informationen und das Anmeldeformular sind im Internet unter der Adresse www.archaeologenkongress.de zu finden.

Die neue Fundchronik

Fundchronik Niedersachsen 2002. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 9. Hrsg. v. d. Archäologischen Kommission für Niedersachsen u. d. Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003. VII, 278 Seiten mit 319 Abbildungen, farbigem Titelblatt und 1 Karte als Beilage. ISBN 3-8062-1831-5 / ISSN 1437-2177. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Erneut wird mit dieser Fundchronik ein Überblick über das archäologische Geschehen in Niedersachsen geboten. Auch in diesem Band ist eine Neuerung anzumerken: Es wurde das Kapitel „Mehrperiodige Fundstellen“ eingefügt, so daß Fundstellen, die Funde aus mehreren Epochen erbrachten, nicht mehr auseinander gerissen werden müssen. Das macht die Arbeit für Autoren und Redaktion gleichermaßen einfacher. Auf 210 Seiten stellen 92 Autoren 371 Funde, Ausgrabungen und Prospektionsergebnisse vor, die mit 290 Zeichnungen, Plänen und Fotos illustriert werden. Zusätzlich werden die 171 Luftbildaufnahmen, die das Referat Archäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege im Jahre 2002 erwarb, von sechs Autoren auf 34 Seiten vorgestellt und interpretiert; 29 Abbildungen stellen besondere Befunde dar. Die Fundorte finden sich in einem alphabetischen und einem systematisch-topographischen Register; Autoren sind mit ihren Beiträgen und ihren Anschriften listenmäßig zu erschließen; 119 Finder sind – soweit sie nicht hauptberuflich zum Finden verpflichtet sind – für das Berichtsjahr zu benennen; schließlich werden 51 Fotografen und 49 Zeichner bzw. Graphiker mit ihren Produkten angeführt. Auch in diesem Jahr sind die Fundorte und die Luftbildobjekte in einer Verbreitungskarte mit Verwaltungsgrenzen in ihrer räumlichen Verteilung dargestellt. Ablesbar ist jedoch nicht die archäologische Tätigkeit, sondern lediglich die Bereitschaft der zuständigen Archäologen, mit ihren Beiträgen an der Fundchronik für Niedersachsen mitzuwirken.

Glaskultur in Niedersachsen

Tafelgeschirr und Haushaltsglas vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit

Jever, Schloßmuseum (18. Juli bis 12. September 2004)

Schloßmuseum Jever, Postfach 1135, 26435 Jever, Tel.: 04461/96935-0, Fax: 04461/96935-99

Homepage: www.schlossmuseum.de

Di.–So. 10‑18 Uhr (Juli und August auch montags)

Göttingen, Stadtmuseum (7. Oktober bis 7. November 2004)

Städtisches Museum Göttingen, Ritterplan 7/8, 37073 Göttingen, Tel. 0551- 400-2843/-2845

Homepage: www.goettingen.de/kultur/museum/

Di.– Fr. 10‑17 Uhr, Sa u. So 11‑17 Uhr.

Celle, Bomann-Museum (6. Februar bis 1. Mai 2005)

Bomann-Museum Celle, Schloßplatz 7, 29221 Celle, Tel. 05141-12534, Fax. 05141-12535

Homepage: www.bomann-museum.de

Di.‑So. 10‑17 Uhr

Die Wanderausstellung „Glaskultur in Niedersachsen“ hat zum Ziel, anhand von gut 200 Exponaten einen umfassenden Einblick in die Glasgeschichte des nordwestlichsten Bundeslandes zu geben. Das Projekt entstand auf Initiative der Stadtarchäologie Lüneburg. Der zeitliche Rahmen der Ausstellung erstreckt sich von etwa 400 bis 1800; er beginnt mit frühfränkischen Importen, wirft ein Licht auf die mittelalterliche und neuzeitliche Glasherstellung im südlichen Niedersachsen, stellt gläserne Highlights des 16./17. Jahrhunderts vor und endet bei den norddeutschen, insbesondere niedersächsischen Glasprodukten der Neuzeit.

Das Schwergewicht der Ausstellungsobjekte liegt auf dem stilistischen und funktionalen Spektrum der Lüneburger Glasgefäße das 15. bis 18. Jahrhunderts mit ihrer außergewöhnlichen Formen-, Farb- und Dekorvielfalt. Neben relativ schlichten Produkten aus deutschen Waldglashütten sind ebenso Glasgefäße einer gehobenen Tisch- und Trinkkultur einheimischer wie ausländischer Provenienzen im Verlauf von Ausgrabungen geborgen worden. Den luxuriösen Trink- und Tischgeschirrgefäßen des 16. und 17. Jahrhunderts aus farblosem, farbigem und emailbemaltem Glas kommt eine herausragende Stellung zu, wobei die Produkte aus Glashütten, die in den südlichen Niederlanden und in Antwerpen à la façon de Venise gearbeitet haben, besonders bemerkenswert sind. Hinweise auf einen gehobenen Lebensstil liefern weiterhin Glasgefäße, die weniger funktionalen, sondern eher dekorativen und repräsentativen Zwecken auf der Tafel dienten. Dazu gehören Scherzgläser und Zierflaschen wie auch Schalen, die durch ihre Farbigkeit eine Ergänzung zu den Trinkgläsern bilden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Schauen sie auch ins Internet unter www.glaskultur-niedersachsen.de.

Bauern und Ritter im Dorf

Stefan Hesse, Die mittelalterliche Siedlung Vriemeensen im Rahmen der südniedersächsischen Wüstungsforschung unter besonderer Berücksichtigung der Problematik von Kleinadelssitzen. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 28. Wachholtz Verlag Neumünster 2003. 372 Seiten mit 105 Abbildungen und 33 Tafeln. ISBN 3-529-01528-8. Hartkarton 50,00 €.

Der Autor beschäftigt sich ausführlich mit den Ausgrabungsergebnissen und den Funden auf diesem Platz, auf dem ein massiver wehrhafter Wohnturm nachgewiesen werden konnte. Er wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts am Rande des Dorfes erbaut und im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts zerstört. In dem dazugehörigen Hofbereich fanden sich zahlreiche Nebengebäude, Abfallgruben u.v.m. Auch der Grundriß der St.-Laurentiuskirche der Wüstung wurde freigelegt. Von diesen Befunden ausgehend befaßt sich das Buch mit dem Phänomen der mittelalterlichen Kleinadels- und Herrensitzen, zu denen für Südniedersachsen ein kenntnisreicher Katalog vorgelegt wird, der auf historischen und archäologischen Quellen fußt. Die umfassende Bearbeitung des Fundmaterial bietet einen interessanten Einblick in die materielle Ausstattung solcher Plätze und spiegelt Aspekte des mittelalterlichen Alltagslebens wider.

Ötzi cultour

Ötzi in Niedersachsen

3. März bis 27. Juni 2004

Ausstellungshalle „Forum des Landesmuseums", Am Markte 8 (gegenüber der Marktkirche), Hannover

Di.‑So. 11‑18 Uhr, Do. 11‑20 Uhr sowie 9.4. (Karfreitag), 12.4. (Ostermontag), 20.5. (Christi Himmelfahrt) und 31.5.2004 (Pfingstmontag) jeweils 11‑18 Uhr. Geschlossen Mo. sowie 11.4. (Ostersonntag), 13.4. (Dienstag nach Ostern), 30.5. (Pfingstsonntag) und 1.6.2004 (Dienstag nach Pfingsten). Kontakt: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover – Urgeschichte ‑, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Tel. (05 11) 98 07-6 83, Fax (05 11) 98 07-6 84.

E-Mail: kommunikation@nlm-h.niedersachsen.de, Homepage: www.nlmh.de/

In Rom und Wien hat „Ötzi cultour“ schon weit mehr als 100.000 Menschen in den Bann gezogen ... Kurz entschlossen hat das Landesmuseum seine Chance genutzt und die Themenausstellung über den Mann aus dem Eis nach Deutschland geholt.

„Ötzi cultour“ setzt auf die Möglichkeiten modernster medialer Vermittlung und verzichtet auf die Präsentation von Originalfunden: Videoprojektionen, Hörbilder, Hologramme, Wackelbilder, Materialproben, 3D-Animationen und interaktive Stationen, aber auch authentische Rekonstruktionen machen Zeit, Umwelt sowie Lebens- und Todesumstände des Mannes aus dem Eis sinnlich erfahrbar. Darüber hinaus informieren sie über den aktuellen Wissensstand und die unterschiedlichen Forschungsmethoden, die Licht ins Dunkel der Vergangenheit gebracht haben.

Eine ungewöhnliche Architektur und spannungsvolle Inszenierung machen die Kupferzeit (3.500–2.300 v.Chr.) und die rauhe, kalte Atmosphäre der Ötztaler Gletscherregion emotional erlebbar.

„Ötzi cultour“ – die authentische Themenausstellung über die älteste erhaltene Feuchtmumie der Welt (ca. 5.300 Jahre alt) – ist das Fenster zu einer weit zurückliegenden Vergangenheit: Dank modernster naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden werden das Leben und die „Mordsache: Ötzi“ lebendig.

MAN 30: Germanen aus Südniedersachsen

Susanne Schmidt, Die ältere Römische Kaiserzeit in Südniedersachsen. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens , Band 30. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2003, 337 Seiten zahlreichen Abbildungen, Diagrammen und Tabellen sowie 43 Tafeln und 39 Karten; farbiges Titelbild. ISBN: 3-89646-963-0 / ISSN: 0465-2770. Hartkarton 49,80 €.

Mit dieser Arbeit wird erstmals seit über 70 Jahren der Fundstoff der Römischen Kaiserzeit im Arbeitsgebiet wieder umfassend bearbeitet, das durch die Befunde von Kalkriese erneut in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gelangte. Auf die Darstellung der naturräumlichen Gegebenheiten und einer Quellenkritik des Fundstoffes folgt die Vorstellung der einzelnen Fundgattungen. Im Mittelpunkt stehen exemplarisch neun 10 Siedlungen exemplarisch vorgestellt., unter denen Schwiegershausen (Baubefunde), Meensen und Rosdorf (Importe) herausragen. Die Keramik gehört dem rheinwesergermanischen Formenkreis nach R. von Uslar an, umfaßt jedoch kaum vollständige Gefäße, sondern zumeist nur Reste aus Oberflächenfundstellen. Importfunde erweisen Kontakte ins Baltikum und ins Römische Reich, die wohl mit mobilen Bevölkerungsteilen zusammenhängen. Eine ethnische Zuweisung der Bevölkerung zum antiken Stamm der Cherusker muß unterbleiben, weil das Material diese nicht hergibt, sondern vielmehr eine Dreiteilung des Gebietes anzeigt. Die topographische Lage der Fundstellen ist von agrarwirtschaftlichen Faktoren und Verkehrswegen bestimmt.

MAN 31: Leben und Sterben vor 6800 Jahren

Petra Lönne, Das Mittelneolithikum in Südniedersachsen. Untersuchungen zum Kulturenkomplex Großgartach – Planig-Friedberg – Rössen und zur Stichbandkeramik. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens , Band 30. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2003, XIII, 664 Seiten mit 91 Abbildungen und 226 Tafeln; 5 Karten als Beilage; farbiges Titelbild. ISBN 3-89646-964-0 / ISSN 0465-2770. Hartkarton 66,50 €.

Das vorgestellte Fundmaterial belegt, daß das Untersuchungsgebiet spätestens im mittleren Großgartach B, vielleicht schon im frühen bzw. mittleren Großgartach A von Südwestdeutschland aus besiedelt wurde. Im späten Großgartach verstärkt sich der Fundanfall, nicht zuletzt in Zusammenhang mit einer zweiten Expansionsphase mit Planig-Friedberger Material. Diesem und der Rössener Kultur gehört der Großteil der belegten 79 Siedlungsstellen an. Die anfangs dünne Besiedlung greift in der Rössener Kultur auf marginale Flächen wie Auenlagen und Höhenlagen aus. An Gebäuden sind gebauchte bzw. trapezoide Langhäuser von Großgartacher bis Planig-Friedberger Typ, Nebengebäude und Teile eines Rössener Langhauses dokumentiert. Weiterhin liegen verschiedene Gruben und zwei teiluntersuchte Erdwerke mit Siedlungsbefund vor, Gräber fehlen. Neben den Steinartefakten und anderen Fundgruppen bildet die Gefäßformanalyse und Motivanalyse der Keramik den Schwerpunkt der Untersuchung.

MAN 32: Silber und Blei aus dem Harz

Götz Alper, „Johanneser Kurhaus“. Ein mittelalterlicher Blei-/Silbergewinnungsplatz bei Clausthal-Zellerfeld im Oberharz. Mit Beiträgen von Christiane Römer-Strehl, Harald Witthöft, Gabriele Heimbruch, Stefanie Koerfer, Wolfgang Brockner, Christine Andrae und Wolfgang Lampe. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 32. Verlag Marie Leidorf Rhaden/Westf. 2004. 574 Seiten mit 193 Abbildungen; 15 Beilagen. ISBN 3-89646-965-7 / ISSN 0465-2770. Hartkarton 66,50 €.

Von 1987 bis 1991 führte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege eine interdisziplinäre Ausgrabung in der mittelalterlichen Bergbausiedlung durch. Sie stellt das erste größere montanarchäologische Projekt im Oberharz dar. Im 8. Jh. begann im Umfeld der Fundstelle mit der Waldnutzung zur Holzkohlegewinnung. Seit dem 10. Jh. gelangte Keramik in den Boden. Im 10./11. Jh. wurde Bleiglanz in rundlichen Herdöfen aus Lehm, Stein und Holzstaken zu Werkblei verhüttet, das dann in flüssigem Zustand in runden, wohl überwölbten Kupellationsöfen durch Einsickern in Aschetiegel vom Silber getrennt wurde. Aus dem 12. Jh. stammen mächtige Abraumhalden und ein Pochplatz zur Erzaufbereitung. Zwischen 1200 und 1250/1300 bestand eine Siedlung mit Gebäuden in Flechtwandbauweise, Schwellbalken- und Stampflehmbauweise sowie Resten gewerblicher Tätigkeit, darunter Öfen, Essen und zahllose Grubenlämpchen. Spinnwirtel, Spielzeug und Trachtbestandteile bezeugen die Anwesenheit von Frauen und Kindern sowie einen stadtähnlichen Wohlstand. Das Ende des Bergbaus ist mit Wasserproblemen in den immer tieferen Schächten und Stollen in Zusammenhang zu bringen.

„Zeitspuren“ im hannoverschen Wendland

Zeitspuren. 25 archäologische Denkmäler im Landkreis Lüchow-Dannenberg.. Lüchow 2003. 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Erhältlich beim Landkreis Lüchow-Dannenberg, Kreisarchäologie, Königsberger Str. 10, 29430 Lüchow und bei Archäologischen Zentrum Hitzacker , Am Hitzacker See,  29456 Hitzacker (2003).

Die vorliegende von der Kreisarchäologie Lüchow-Dannenberg konzipierte und verfaßte Broschüre paßt in die Westetasche. Eine kurze Einführung vermittelt erste Kenntnisse zur Ur- und Frühgeschichte bis in slawische Zeit. Eine Karte weist auf 25 Fundorte, an denen es auch etwas zu sehen gibt. Zum Punkt ist ein Text mit ansprechenden Grafiken erstellt. Im Gelände sind zusätzlich Erläuterungstafeln aufgestellt. Das kulturtouristische Konzept schließt auch die Museen des Kreises und natürlich auch das „Archäologische Zentrum Hitzacker“ mit ein. Anreise- und Tourenhinweise sowie ein Literaturverzeichnis zum Weiterstudieren runden die kleine ansprechende Broschüre ab. 

Archäologie rund um die Wümme

Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 10, 2003. Hrsg. v. Landkreis Rotenburg (Wümme) in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft des Landkreises Rotenburg (Wümme). Isensee-Verlag, Oldenburg. ISSN 0946-8471, 183 Seiten mit zahlreichen z. T. farbigen Abbildungen. Kartoniert 18,90 €.

Die „Archäologischen Berichte“ stellen neue Forschungsergebnisse aus dem Gebiet des Landkreises Rotenburg (Wümme) vor. Die Reihe richtet sich sowohl an den Fachmann als auch an den interessierten Archäologiebegeisterten. Ein Resümee seiner 23-jährige Dienstzeit als Kreisarchäologe liefert Dr. Wolf-Dieter Tempel, indem er die Aufgaben, die Arbeitsschwerpunkte und die Ergebnisse seiner fruchtbaren Tätigkeit Revue passieren läßt. Natürlich werden auch die wichtigsten Grabungen wie Barchel, Wittorf, Granstedt, Groß Meckelsen usw. erwähnt. Kritisch hinterfragt er die Möglichkeiten, Archäologie als Hobby zu betreiben. Dem Raum um Hellwege nimmt sich Hermann Behling (Universität Bremen) an, der aufgrund pollenanalytischer Untersuchungen wichtige Einsichten in die Siedlungsgeschichte geben kann. Kerstin P. Hofmann (Universität Kiel) befaßt sich intensiv mit einem bronzezeitlichen Schwert aus Alfstedt. Sie zeigt an diesem Beispiel deutlich, daß man auch bei der Betrachtung regionaler Funde immer überregional denken muß. Dr. Stefan Hesse gibt anschließend einen Überblick über Schalensteine und artverwandtes aus dem Landkreis Rotenburg. Diese z. T. unscheinbaren Objekte können vieles zur Kenntnis von Kult und Religion der Jungsteinzeit bis vorrömischen Eisenzeit beitragen. Matthias Hülsemann geht in seinem Aufsatz auf die römischen Münzen aus Gnarrenburg ein. Michael Meier (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover) behandelt ein sogenannten „Toilettenbesteck“ (Pinzette, Ohrlöffel) der Völkerwanderungszeit aus dem Gräberfeld in Barchel (Titelbild). Der Band schließt mit der Fundchronik sowie dem Tätigkeitsbericht der Kreisarchäologie für die Jahre 2001 und 2002. 

Mittelalter im Nachbarland Bremen

Manfred Rech, Gefundene Vergangenheit – Archäologie des Mittelalters in Bremen. Bremer Archäologische Blätter, Beiheft 3, 2004. 431 Seiten mit 401 überwiegend farbigen Abbildungen. ISBN 3-7749-3233-6. Gebunden, 35,- €.

Als Begleitband zu der gleichnamigen, im März 2004 beendeten Ausstellung legte der Bremer Landesarchäologe ein sehr umfangreiches Werk über die bisherigen Ergebnisse der Mittelalterarchäologie in dem Stadtstaat vor. Auf der Basis fundamentaler Kenntnisse sowohl der Forschungsgeschichte als auch der historischen Quellen werden die zahlreichen archäologischen Beobachtungen und Funde vorgestellt und zum Sprechen gebracht. Verfolgt werden u. a. die Entwicklung der frühmittelalterlichen Marktsiedlungen und der Domburg auf der Uferdüne der Weser und dann die hochmittelalterliche Stadt mit Befestigungen, Häfen und Infrastruktur. Über weitere Leitthemen wie Hausbau, Abfallbeseitigung, Wasserver- und -entsorgung, Handwerk, Kult und Brauchtum sowie Handel und Alltag der Menschen wird ebenso ausführlich berichtet. Ein reichhaltiges Literaturverzeichnis beschließt das durchgängig mit instruktiven Fotos und Strichzeichnungen ausgestattete Buch. Die Mittelalterarchäologie in Bremen wird so ihre Impulse nicht nur nach Niedersachsen, sondern weit darüber hinaus ausstrahlen.

Zusammengestellt von H.-W. Heine (NLD)

2003

 

Tag des offenen Denkmals

14. September 2003

Der europaweit begangene „Tag des offenen Denkmals" findet am 14. September 2003 statt. Er steht unter dem Motto „Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal". Die Archäologen des Landes werden wiederum verschiedene Grabungen sowie ihre Büroräume und Werkstätten für die Besucher öffnen oder zu Geländedenkmalen führen. Auf Grund der speziellen Situation in der archäologischen Denkmalpflege können Termine erst kurzfristig bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Ankündigungen der örtlichen Presse, in Hörfunk, Fernsehen oder auf den Homepages der Landkreise, Städte und Gemeinden.

Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege unter www.denkmalpflege-niedersachsen.de.

Menschen • Zeiten • Räume Archäologie in Deutschland

Eine Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz - und des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Bis 31. März 2003: Berlin, Martin Gropius-Bau Mi.-Mo. 10-20 Uhr; Di. geschlossen 9. Mai bis 24. August 2003: Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Di. u. Mi. 10 - 21 Uhr; Do. - So. u. Feiertags 10 -19 Uhr; Fr. für Schulklassen ab 9 Uhr geöffnet; Montags geschlossen.

Ausstellungsbüro: Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz - Schloss Charlottenburg, Langhansbau, 14059 Berlin, Tel.: 030 / 32674818

E-Mail: mvf@smb.spk-berlin.de, Homepage: www.archaeologie-in-deutschland.de

Die Ausstellung „Menschen • Zeiten • Räume. Archäologie in Deutschland" hat seit ihrer Eröffnung am 6.12.2002 ein hervorragendes Echo gefunden, das ein wachsendes hohes Interesse einer breiten Öffentlichkeit an der Archäologischen Denkmalpflege und Forschung dokumentiert. Niedersachsen ist mit hervorragenden Exponaten zahlreicher Fundorte vertreten, wie z. B. Schöningen (Fundstelle der ältesten Speere der Welt), Kalkriese (Varus-Schlacht), Wremen (Holzthron der Völkerwanderungszeit), Issendorf (völkerwanderungs- zeitliches Gräberfeld), Rullstorf (Siedlungsarchäologie, Gräberfelder der Sachsen) oder dem Harz (Montanarchäologie). Zur Ausstellung erschienen in einem gemeinsamen Schuber zwei Buchbände über „Deutschlands Vor- und Frühgeschichte" mit über 1000 Seiten und 1300 meist farbigen Abbildungen zum Einführungspreis von 69 € im Konrad Theiss-Verlag, Stuttgart. Der eine Band („Spurensuche der Jahrtausende"), herausgegeben von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, enthält Forschungsübersichten aus der Feder renommierter Forscher zu allen Zeitepochen der Ur- und Frühgeschichte bis zum Mittelalter. Der eigentliche Ausstellungsband mit den Arbeitsergebnissen der Archäologischen Denkmalpflege wird vom Verband der Landesarchäologen gemeinsam mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz betreut. Er ist an den Ausstellungsorten zum Katalogpreis von 25 € erhältlich.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 71, 2002. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002. VIII, 270 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen, farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-1785-8 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

In der alljährlich von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Referat Archäologie, gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift finden sich aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen zahlreiche aktuelle Aufsätze und Fundberichte. Fast alle Zeitepochen sind vertreten. U. a. enthält der Band einen Aufsatz zu einem Fundplatz der „Federmesser-Gruppen" bei Häcklingen (Ldkr. Lüneburg), einen weiteren Bericht zum bandkeramischen Erdwerk bei Kalefeld (Ldkr. Northeim), die Analyse der spätmittelalterlichen Keramik der Posteburg bei Schmarrie (Ldkr. Schaumburg) und eine ernüchternde, aber um so spannendere Abhandlung zu den Befunden auf dem Wurmberg bei Braunlage (Ldkr. Goslar), die nicht mehr als Reste vorgeschichtlicher Kultanlagen anzusprechen sind, sondern eindeutig neuzeitlichen Datums sind.

Müll - von der Steinzeit bis zum Gelben Sack

Sonderausstellung 7. September - 30. November 2003

Landesmuseum für Natur und Mensch, Damm 38-44, 26135 Oldenburg, Tel: 0441/9244-300; Fax; 0441/9244-399

E-Mail: Museum@NaturundMensch.de, Homepage: http://www.NaturundMensch.de

Der Mensch produziert täglich Müll, und die Müllberge stellen eine große Belastung für die Umwelt dar. Müll ist aber nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine einzigartige kulturgeschichtliche Quelle. „Müll - von der Steinzeit bis zum Gelben Sack" wird versuchen zu zeigen, was der Blick in die Mülltonnen der Geschichte alles über den Alltag der Menschen in der Steinzeit, der römischen Kaiserzeit, dem Spätmittelalter sowie dem 19. und 20. Jh. verraten kann. Dabei wird ein Schwerpunkt sein, darzustellen, wie die Menschen mit ihrem Müll umgegangen sind und von welchen Einstellungen zu Schmutz, Hygiene und Natur sie dabei geleitet wurden. Die Sonderausstellung wird dem Müll bis in die Sprache, Literatur und Kunst auf der Spur sein, denn ihr Ziel ist es, möglichst viele wenig wahrgenommene Facetten des Mülls aufzudecken.

Bereits im Januar 2003 fand im LMNM Oldenburg eine Tagung mit dem Titel „Müll-Facetten" statt. Die Tagungsbeiträge sowie ein Katalog und eine Kinderbroschüre werden zur Eröffnung der Sonderausstellung herausgebracht werden.

„Müll - Von der Steinzeit bis zum Gelben Sack" wird als Wanderausstellung konzipiert. Übernahmegesuche bitte an das LMNM Oldenburg richten.

ArchäologieLandNiedersachsen

25 Jahre Denkmalschutzgesetz - 400 000 Jahre Geschichte

Sonderausstellung November 2004 - März 2005

Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-44, 26135 Oldenburg, Tel.: 0441/9244-300, Fax: 0441/9244-399

E-Mail: Museum@NaturundMensch.de, Homepage: http://www.NaturundMensch.de

Am 1. April 1979 trat das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz von 1978 in Kraft. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Hannover wird gemeinsam mit dem Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg aus Anlaß des 25-jährigen Jubiläums eine Bilanz ziehen. Im Rahmen einer Wanderausstellung werden die Resultate der archäologischen Denkmalpflege eines Vierteljahrhunderts der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung ist eine Leistungsschau und visualisiert eine Rekonstruktion der Geschichte unter archäologischen und interdisziplinären Gesichtspunkten. Das Leitmotiv lautet: Archäologische Funde und Befunde als Geschichtsquellen. Darüber hinaus werden die Belange der Denkmalpflege, der Denkmalzerstörungen und letztlich eine Bilanz (Gewinne - Verluste) in die Betrachtungen einbezogen.

Ein wichtiges Thema ist - aktueller denn je - die Frage, wie sich der Mensch seit seinem ersten Auftreten mit der Umwelt und der Natur auseinandergesetzt und wie er seinen Lebensraum zu seinen Gunsten verändert hat. Die Landschaft mit ihren nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Lebensrhythmus des Menschen bestimmenden Möglichkeiten, aber auch mit den vom Menschen bewirkten Veränderungen sollen in der Ausstellung zum Tragen kommen. So sind die Schaubereiche an den sehr unterschiedlichen Großlandschaften orientiert, die Niedersachsen zu bieten hat.

Zur Ausstellung erscheinen eine umfangreiche Begleitschrift sowie ein Kurzführer. Ein Kinderkatalog wird das museumspädagogische Begleitprogramm ergänzen.

Germanen in Ostfriesland

Thomas D. Lehmann, Brill, Lkr. Wittmund. Ein Siedlungsplatz der Römischen Kaiserzeit am ostfriesischen Geestrand. Berichte zur Archäologie in Niedersachsen 2. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2002. 354 Seiten mit 5 Abbildungen, 143 Tafeln, 1 Beilage. ISBN 3-89646-922-3. Hartkarton 76,80 €.

Die Untersuchung beschäftigt sich einerseits mit der Entwicklung der Keramik und anderen Funden aus Metall, Glas und Stein in einer Siedlung am Nordrand der Ostfriesischen Geest. Dabei konnten anhand der Häufigkeit von Gefäßformen fünf Keramikphasen herausgearbeitet werden, die von den Jahrzehnten um Christi Geburt bis in die erste Hälfte des 5.Jh. n. Chr. reichen und eine verläßliche Datierung auch einzelner Randscherben erlauben. Die Funde geben zudem Aufschluß über die Nahkontakte und Fernkontakte Brills zu den Niederlanden (Holland), dem Elbe-Weser-Dreieck und dem westgermanischen Raum sowie im 2. / 3.Jh. zum provinzialrömischen Gebiet, wobei Einflüsse aus dem Südwesten überwiegen. Andererseits wurden mit 21 Langhäusern, zwei Nebengebäuden und mehreren Speichergebäuden die ersten vollständigen kaiserzeitlichen Grundrisse Ostfrieslands freigelegt. Die Langhäuser zeichnen sich durch besondere Länge und häufige Firstpfosten aus. Merkmale niederländischer Häuser sind eher selten, häufiger solche aus den Geestlandschaften an Elbe und Weser im Osten. Im 3. / 4.Jh. ist eine Bedeutungszunahme des Handwerks zu verzeichnen.

Kloster und Burg: Hude und Welsburg

Marion Brüggler u. Jonathan Scheschkewitz, Archäologische Forschungen zum Spätmittelalter im Oldenburger Land. Mit einem Beitrag von Heinrich Schmidt, l. Die Ausgrabungen im Zisterzienserkloster Hude, Lkr. Oldenburg. II. Die Ausgrabungen auf der Welsburg, Gde. Dötlingen, Lkr. Oldenburg. Berichte zur Archäologie in Niedersachsen 3. Verlag Marie Leidorf, Rahden 2002, 285 Seiten mit zahlr. Abbildungen und Tafeln. ISBN 3-89646-923-1. Hartkarton 71,50 €.

Der Doppelband beginnt mit einer historischen Einleitung von Heinrich Schmidt, welche die Welsburg als Wohnsitz und Kloster Hude als letzte Ruhestätte des Grafenhauses von Oldenburg-Delmenhorst verbindet. Die Arbeit von M. Brüggler beschäftigt sich mit seit 1979 erfolgten Ausgrabungen in dem als Ruine erhaltenen Kloster an der Berne, eine Gründung der Grafen im 13.Jh., 1536 vom Bischof von Münster aufgelöst. Die dreischiffige, gewölbte Basilika wurde in mehreren Phasen errichtet und umgebaut, jedoch ist der eigentliche Gründungsbau nicht bekannt. Der vierflügelige Kreuzgang und Nebengebäude waren mit Fliesen belegt, Kirche und Klausurgebäude verglast. Umfassungsmauern, Wall-Graben-Anlagen, Teiche und Ziegelöfen mit Resten qualitätsvollen keramischen Baumaterials westeuropäisch-insularer Prägung wurden dokumentiert.

Von der Grenzfeste der Grafen von Oldenburg-Delmenhorst sind heute nur einige Unebenheiten im Gelände erhalten. Die Welsburg wurde nach Schriftquellen zu Schutz und Kontrolle von Territorium und Straßen der Grafschaft Mitte des 14.Jhs. als Teil eines umfangreichen Landwehrsystems angelegt. Den historisch zu erschließenden Nutzungsphasen entsprechen drei Bauperioden, die seit 1983 bei Ausgrabungen dokumentiert wurden. Das umfangreiche große Keramikinventar datiert überwiegend in die 2. Hälfte des 14. und in das 15. Jh. und wird durch Dendrodaten von 1358 bis 1438 gestützt. Das Fundspektrum zeigt, daß die Lebensumstände in einer Burg an der nördlichen Peripherie denen in anderen Burgen des Reiches nicht nachstanden. Um 1480 wird die Welsburg zerstört.

Die neue Fundchronik

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 8: Fundchronik Niedersachsen 2001. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002. 266 Seiten mit 286 Abbildungen, farbigem Titelblatt. ISBN 3-8062-1722-X / ISSN 1437-2177. Kartoniert 42,00 € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Die vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Referat Archäologie, herausgegebene und redigierte „Fundchronik Niedersachsen 2001" enthält wiederum in zahlreichen Artikeln und Kurzbeiträgen die Berichte haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter der staatlichen und kommunalen Archäologischen Denkmalpflege, der Museen und Forschungseinrichtungen des Landes. Die Fundchronik hat sich seit vielen Jahren als reiche Quellensammlung für die archäologische Landesforschung bewährt. Sie informiert zeitnah über aktuelle Funde, Grabungs- und Forschungsergebnisse.

Glaskultur in Niedersachsen

Tafelgeschirr und Haushaltsglas vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit

Ausstellung der Stadtarchäologie Lüneburg 11. Mai 2003 bis 24. August 2003, tägl. 11-17 Uhr. Danach in Wolfenbüttel und anderen niedersächsischen Städten.

Rathaus Lüneburg, Tel. 04131 / 309-499, Homepage: www.glaskultur-niedersachsen.de

Die Ausstellung „Glaskultur in Niedersachsen" gibt anhand von gut 180 Exponaten einen umfassenden Einblick in die Glasgeschichte des nordwestlichsten Bundeslandes. Das Ausstellungsprojekt entstand auf Initiative der Stadtarchäologie Lüneburg in Verbindung mit dem Verein Lüneburger Stadtarchäologie e.V. Die wissenschaftliche Bearbeitung der archäologischen Funde wird großzügig durch die Lüneburgische Landschaft unterstützt. Dir Ausstellung präsentiert Gläser aus einem Zeitraum von etwa 400 bis 1800. Frühfränkische Glasimporte stehen am Anfang. Technologie und Produktion der mittelalterlichen und neuzeitlichen Glasherstellung im südlichen Niedersachsen werden dargestellt. Gläserne „Highlights" des 16. und 17. Jhs. werden ebenso präsentiert wie die norddeutschen, insbesondere niedersächsischen Glasprodukte der Neuzeit. Importe aus Böhmen, Frankreich, den Niederlanden und Venedig sind Zeugen einer am Luxus orientierten Glaskultur. Der überwiegende Teil der Ausstellungsobjekte sind in Lüneburg ausgegrabene Glasgefäße des 15. bis 18. Jhs. mit außergewöhnlicher Formen-, Farb- und Dekorvielfalt. Die luxuriösen Trink- und Tischgeschirrgefäßen des 16. und 17. Jhs. liefern Hinweise auf einen gehobenen Lebensstil und Lebenslust, ebenso Glasgefäße, die eher dekorativen und repräsentativen Zwecken auf der Tafel dienten, wie Scherzgläser und Zierflaschen. Ergänzt durch ausgewählte Exponate des Mittelalters und der Neuzeit aus Göttingen und Einbeck wird die Ausstellung neue Erkenntnisse zur Glaskultur in Niedersachsen bieten. Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, der neben den Objekten umfassend die Geschichte des Glases, Aspekte der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie verschiedenen Glasproduktionstechniken behandelt.

Rad und Wagen

Die Urgeschichte einer Innovation - Wagen im Vorderen Orient und Europa

Sonderausstellung März bis Juni 2004

Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg Damm 38-44, 26135 Oldenburg Tel. 0441/9244-300, Fax. 0441/9244-399 E-Mail: Museum@NaturundMensch.de, Homepage: http://www.NaturundMensch.de

Die Erfindung des Rades ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Kaum eine andere Innovation prägt unser heutiges Leben so sehr wie Rad und Wagen. Vor rund 5500 Jahren tauchten im Vorderen Orient und Europa zeitgleich die ersten Karren auf. Lange ging man davon aus, daß diese technische Revolution ihren Ursprung in den Hochkulturen des Vorderen Orients hatte. Durch zahlreiche Neufunde ist dieses Bild ins Wanken geraten. Momentan stehen wir vor einem ungelösten Rätsel. Wurde der Wagen wirklich im Vorderen Orient erfunden? Die Urgeschichte des Wagens ist durch Metamorphosen und Brüche gekennzeichnet. Wir sehen den Wagen als Kultgefährt, als Kriegs- und Sportgerät sowie als Arbeits- und Transportwagen. In seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen war er Prestigeobjekt und Alltagsgegenstand.

Mit der im Landesmuseum für Natur und Mensch erarbeiteten Ausstellung wird eine erstmalige Zusammenschau der reichhaltigen Funde aus Europa und dem Vorderen Orient präsentiert. Die Entwicklungsgeschichte des Wagens in seinen neolithischen Anfängen, die Weiterentwicklung der schwerfälligen Karren mit Scheibenrädern zu den wendigen Streitwagen der Bronzezeit und die Verwendung des Wagens im Kult.

Die Vandalen

Die Könige, die Eliten, die Krieger und die Handwerker

Sonderausstellung 29. März bis 26.Oktober 2003, tägl. 10-17 Uhr, Do 10 - 20 Uhr.

Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern, 37639 Bevern, Tel. 05531 / 994015, Fax: 05531 / 994020

E-Mail: kultur@schloss-bevern.de, Homepage: www.vandalen-in-bevern.de

Erstmals in Westeuropa wird diese einmalige hochkarätige Ausstellung der Marie Curie-Sklodowska Universität Lublin und des Landesmuseums Zamosc im Weserrenaissance Schloss Bevern zu sehen sein. Ausgehend von ihrer alten Heimat in Skandinavien und Dänemark setzten sich die Vandalen schon in der Zeit des 1. Jhs. v. Chr. hauptsächlich im heutigen Polen bis etwa in die Zeit um 400 n. Chr. fest. Der Hunnensturm und die Wirren der Völkerwanderung führten die Vandalen nach der Durchquerung Westeuropas von Südspanien aus an die nordafrikanische Küste. Hier gründete König Geiserich (428 - 477 n. Chr.) nach Eroberung einer der wertvollsten römischen Provinzen das Vandalenreich, das bald nach seinem Tode zusammenbrach. Von der zwischen Oder und Weichsel zurückgebliebenen Restbevölkerung der Vandalen blieben keine Spuren mehr zurück.

Die Ausstellung will sich besonders mit dem älteren Abschnitt der Vandalengeschichte, von der die alten Schriftsteller nur wenig zu berichten wissen, auseinandersetzen. Das in den letzten Jahrzehnten geborgene bedeutende archäologische Vermächtnis dieses germanischen Volkes, Münzschätze, Händlerdepots, Kriegergrabausstattungen, prunkvolle Beigaben aus Fürstengräbern, unzählige reich verzierte Keramikgefäße u. v. m. wird in der Ausstellung zu sehen sein. Insgesamt sind es weit über 1000 hochrangige Exponate aus Polen, der Ukraine und Tschechien, die teils zum ersten Mal für die kulturinteressierte Öffentlichkeit zugänglich sind. Ein Höhepunkt sind die ca. 15 Krieger, in Lebensgröße nachgebildet, die sich in voller Tracht und Bewaffnung den Besuchern präsentieren. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

„exar" Experimentelle Archäologie international

„Europäische Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie" (European Association for the advencement of archaeology by experiment)

Auskünfte: Landesmuseum für Natur und Mensch, Damm 38-44, D-26135 Oldenburg Tel.: 0441/92 44 300, Fax: 0441/92 44 399 E-Mail: EXAR@NaturundMensch.de, Homepage: www.NaturundMensch.de/exar/

Mit dem Ziel, Arbeiten der Experimentellen Archäologie zu fördern und ein Kontaktforum für Wissenschaftler und Experimentatoren zu schaffen, wurde am 12.10.2002 im Rahmen der 11. Internationalen Tagung zur Experimentellen Archäologie in Oldenburg ein gemeinnützig anerkannter Verein gegründet. Zu den weiteren Themenschwerpunkten zählen die Unterstützung der Zusammenarbeit von kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen sowie der Öffentlichkeit und die Förderung der Bildung auf nationaler und europäischer Ebene.

Der Grundgedanke für diesen Zusammenschluß geht auf die Wanderausstellung „Experimentelle Archäologie" zurück, die 1990 vom ehem. Staatlichen Museum für Naturkunde und Vorgeschichte (jetzt Landesmuseum für Natur und Mensch) in Oldenburg konzipiert und präsentiert wurde. Im In- und Ausland erfuhr diese Ausstellung ein großes Interesse und erreichte ein weit gefächertes archäologisches Publikum. Jährlich findet seitdem eine Fachtagung in verschiedenen Städten Europas statt, an der mit steigender Tendenz mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen teilnehmen.

Der Verein möchte mit der Herausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift mit den Titel „Experimentelle Archäologie in Europa" nicht nur über Projekte, fachspezifische Beiträge etc. informieren, sondern auch zur aktiven Mitarbeit anregen. Weiterhin unterstützt der Verein Sonderpublikationen und wissenschaftliche Veranstaltungen, die mit dem Thema der Experimentellen Archäologie und deren Vermittlung eng verknüpft sind. Die 12. Internationale Tagung zur Experimentellen Archäologie verbunden mit der Jahreshauptversammlung der Vereinsmitglieder findet vom 10. bis 12.10.2003 in Wien statt.

Wechsel in der Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme)

Nach über zwei Jahrzehnten Tätigkeit in der kommunalen Archäologie trat Dr. Wolf-Dieter Tempel am 30. September 2002 mit Erreichen der Altersgrenze in den verdienten Ruhestand. In vorbildlicher Weise hat er mit der staatlichen Denkmalpflege, den Fachverbänden, Vereinen und wissenschaftlichen Institutionen zusammengearbeitet. Ein Verdienst ist neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit die hohe Akzeptanz der Archäologie in der Bevölkerung und bei den politischen Entscheidungsträgern durch eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit. Um so erfreulicher ist es, daß der Landkreis Rotenburg (Wümme) sich entschlossen hat, die frei werdende Stelle des Kreisarchäologen wieder zu besetzen. Dr. Stefan Hesse trat am 1. Februar 2003 die Nachfolge von Dr. Tempel an. Nach der Promotion mit einem Thema zur archäologischen Burgen- und Wüstungsforschung an der Universität Göttingen absolvierte er erfolgreich ein Volontariat beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, danach arbeitete er dort an der Fortentwicklung von Datenbanksystemen, insbesondere der ADABweb, mit.

Schnippenburg - Fundpatenschaft

Die Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück hat neue Wege beschritten, um in Zeiten schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen eine umfassende fachlich notwendige Betreuung wichtiger Arbeitsvorhaben zu gewährleisten. In diesem besonderen Fall geht es um die Sicherstellung der restauratorische Bearbeitung der ca. 1500 Metallfunde von den Ausgrabungen und Prospektionen auf der Schnippenburg bei Ostercappeln, Landkreis Osnabrück, einer Höhenbefestigung des 2./3. Jhs. v. Chr. Da es sich bei diesen Funden teilweise um gut erhaltene einzigartige Arbeitsgeräte und Schmuckstücke aus Eisen oder Bronze handelt, die innerhalb zukünftiger Ausstellungen eine zentrale Rolle einnehmen könnten, kam die Idee, privaten Sponsoren sog. Fundpatenschaften anzubieten. Damit soll das besondere finanzielle Engagement, zu dem sich ein Förderer im Hinblick auf Kostenübernahme für die Restaurierung eines ausgewählten Fundstücks verpflichtet hat, beurkundet werden und bei öffentlichen Präsentationen des Fundgegenstands genannt werden. Die Kosten für eine derartige Patenschaft wurden pauschal auf 200 € festgesetzt.

Im Verlauf der ersten Werbekampagne für diese Patenschaftsidee kam es überraschend schnell zu 23 Einzelverträgen, darunter auch mit dem früheren Präsidenten des Niedersächsischen Landtags Prof. Rolf Wernstedt.

Weitere Informationen unter: www.schnippen-burg.de.

Neue Leitung der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück

Mit Ablauf des Jahres 2002 endete eine der längsten Dienstzeiten eines in kommunaler Verantwortung tätigen Archäologen in Niedersachsen, des Stadt- und Kreisarchäologen Prof. Dr. Wolfgang Schlüter in Osnabrück. Seit 1975 war er ohne Unterbrechung in dieser Funktion tätig, und im Verlauf dieser 27 Jahre haben zahlreiche aus fachwissenschaftlicher und denkmalpflegerischer Sicht bedeutende Projekte und Erfolge die besondere Qualität seiner Arbeit herausgestellt. Das soll nun nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dieser Funktion nach Möglichkeit so bleiben. Als sein Nachfolger wurde einmütig sein langjähriger Stellvertreter Bodo Zehm berufen, der seine Erfahrungen u. a. in der archäologischen Projektarbeit, im Ausstellungswesen und in der Öffentlichkeitsarbeit einbringen kann. Neben Bodo Zehm gehört auch der Archäologe Axel Friederichs M.A. seit Beginn diesen Jahres zum neuen Kernteam der Stadt- und Kreisarchäologie in Osnabrück.

Anläßlich der Verabschiedung von Prof. Dr. Wolfgang Schlüter ist beim Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westfalen in der Reihe Studia Honoraria als Bd. 19 eine Festschrift erschienen (Hrsg. Axel Friederichs, Karsten Igel, Bodo Zehm). Sie wurde betitelt: „Vom Großsteingrab zur Domburg - Forschungsorientierte Denkmalpflege im Osnabrücker Land" und ist zum Preis von 64 € erhältlich (ISBN 3-89646-399-3).

Frühes Gold

Ur- und frühgeschichtliche Goldfunde aus Niedersachsen

31. Oktober 2003 bis 1. Februar 2004

Niedersächisches Landesmuseum Hannover - Urgeschichte, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Tel. (05 11) 98 07-6 83 Fax (05 11) 98 07-6 84

Homepage: www.nlmh.de/, E-Mail: nlmhlg@compuserve.com

Di. -So. 10:00-17:00 Uhr; Do. 10:00-19:00 Uhr; Mo. geschlossen.

Erstmals werden in dieser Studio-Ausstellung alle bisher auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen gefundenen Goldobjekte aus verschiedenen ur- und frühgeschichtlichen Epochen des Landes präsentiert. Die Zeitspanne der Funde reicht mit dem Goldarmring von Himmelpforten (Ldkr. Stade), dem ältesten Goldfund aus Niedersachsen, von ca. 2.500 v. Chr. bis ins 9. Jh. n. Chr. Vorwiegend handelt es sich um kostbaren Schmuck und Gegenstände aus purem Gold, die mit dem prähistorischen Kult in Zusammenhang stehen, so etwa die Goldfunde der Bronzezeit oder die magischen Schmuckanhänger aus der altsächsischen Periode des Landes. Die überwiegende Anzahl der Objekte sind Importstücke aus verschiedenen europäischen Kulturräumen. Die Ausstellung verdeutlicht damit auch die frühe Einbindung des hiesigen Raumes in die europäische Geschichte. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Leben, Tod und Kult

Wolfgang Schwarz, Siedlung, Grab und Heiligtum von Wiesens, Stadt Aurich. Ein prähistorischer Lebensraum vom mittleren Neolithikum bis zum Ende der frühen Eisenzeit. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Reihe A, Band 29. Verlag Marie Leidorf GmbH, Rahden/ Westf. 2002. 266 Seiten mit 187 Abbildungen, farbigem Titelblatt, 16 Tafeln, 6 Karten und 4 Beilagen. ISBN 3-89646-962-2. ISSN 0465-2770. Gebunden 45,00 €.

Wiesens ist eine der bedeutendsten Grabungen der letzten 30 Jahre in Ostfriesland gewesen. Aus der Notgrabung wurde bald ein Forschungsprojekt. Neben der Einzelbestattung der Trichterbecherkultur mit fünf komplett erhaltenen Gefäßen (Ende 4. Jt. v. Chr.) sind es vor allem die mehrfachen Doppelpfostenreihen der mittleren Bronzezeit, die Aufseihen erregt hatten. Sie stehen in engem Zusammenhang mit Grabhügeln und sind damit dem nichtprofanen Bereich zuzuweisen. Neolithische bzw. älterbronzezeitliche wie auch jungbronzezeitliche bis früheisenzeitliche Siedlungsspuren stellen die Masse der Befunde dar.

Neuer Leiter der Urgeschichtsabteilung in Hannover

Seit dem 1.1.2003 leitet Martin Schmidt M.A. die Abteilung Urgeschichte des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Wie sein Vorgänger, Prof. Dr. Dr. Günter Wegner, ist Schmidt zugleich stellvertretender Direktor des Landesmuseums.

Der Westfale studierte Ur- und Frühgeschichte, Geologie / Bodenkunde, Klassische Archäologie und Volkskunde in Münster, Köln und Frankfurt / M. In seiner Magisterarbeit legte er die Auswertung einer neolithischen Siedlung in der Ostsahara vor, die er im Rahmen eines Forschungsprojektes selbst ausgegraben hatte. Nach seiner Tätigkeit u.a. am Stadt- und Kreismuseum Dieburg, am Staatlichen Museum Hanau und Schloss Steinheim leitete er von 1993 bis 2002 das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen bei Bielefeld. Die Breite seines Engagements für die Vermittlung von Wissenschaft an ein breites Publikum zeigt sich u.a. in seinen Ausstellungen, der Fülle wissenschaftlicher und populärer Publikationen (z. B. archäologische Kochbücher), die Mitarbeit an Schulbüchern und Filmen sowie Volkshochschulkursen. Martin Schmidt hat nicht nur im Ausstellungsbereich gearbeitet, sondern verfügt über große Erfahrungen auf dem Gebiet der archäologischen Denkmalpflege in staatlichen und kommunalen Institutionen des In- und Auslandes. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der ur- und frühgeschichtlichen Hausforschung. Martin Schmidt ist u.a. in der ,,Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte" und der „European Association for the Advancement of Archaeology by Experiment" sowie im „Internationalen Netzwerk für archäologische Freilichtmuseen" engagiert.

Die Archäologische Kommission für Niedersachsen wünscht Herrn Schmidt für seine wichtige Arbeit im Niedersächsischen Landesmuseum viel Erfolg!

Spannende Ausflüge zur Archäologie

Stefan Hesse, Theiss Archäologieführer Niedersachsen. Verlag Konrad Theiss, Stuttgart 2003. 192 Seiten mit 166 farbigen Abbildungen und Karten. ISBN 3 8062 1687 8. Kartoniert 19,90 €.

Diesen Band kann man bei seinen Reisen und Wanderungen in der Westentasche bei sich tragen. Wie jeder Band der für alle Bundesländer angelegten Reihe enthält auch dieser einen geschichtlichem Überblick, eine Zeittafel, Beschreibungen von archäologischen Wanderwegen und Lehrpfaden, Informationen zu archäologischen Museen und Freilichtanlagen mit Angabe der Öffnungszeiten, Hinweisen zur Anreise und ein Glossar der gängigsten Fachbegriffe. Von Kalkriese bis Wolfenbüttel, von Goslar bis Wilhelmshaven begleitet der neue Archäologieführer zu den schönsten Geländedenkmälern Niedersachsens. Der Autor führt die Leser zu Fundstätten und Museen aller vor- und frühgeschichtlichen Epochen von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter. Ausgestattet mit den touristischen Informationen des Archäologieführers vermag sich jeder als Besucher eine Landschaft zu erschließen, die der Mensch seit Beginn seiner Siedlungstätigkeit in einzigartiger Weise geprägt hat. Der Autor, Stefan Hesse, ist Archäologe beim Landkreis Rotenburg (Wümme). Davor war er nach seiner Promotion an der Universität Göttingen beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege tätig.

...STEINZEIT

Arbeitstreffen und Jahrestagung 2003

Der Arbeitskreis ...STEINZEIT wurde 1999 als Arbeitsgemeinschaft im Niedersächsischen Landesverein für Urgeschichte gegründet. Er hat sich zu einem regionalen Forum für Steinzeitfragen etabliert und wird von Laien, Amateurarchäologen und Fachleuten besucht. Seine ungezwungene Atmosphäre und die ausdrücklich gewünschte Allgemeinverständlichkeit tun der Wissenschaftlichkeit keinen Abbruch. Alle Veranstaltungen finden im Vortragssaal des Nds. Landesmuseums Hannover statt.

Der Arbeitskreis führt jedes Jahr vier Arbeitstreffen durch. Sie finden regelmäßig am 2. Freitag der letzten Quartalsmonate März, Juni, September und Dezember statt. In 2003 sind geplant bzw. haben stattgefunden:

- Fr. 14. März 2003, 17.00 Uhr - ca. 19.00 Uhr

Fundplätze auf dem Acker - Denkmäler 3. Klasse? (Dr. Stephan Veil, Hannover)

- Fr. 13. Juni 2003, 17.00 Uhr - ca. 19.00 Uhr

(Überblick über die Keramik der ersten Bauern im nördlichen Niedersachsen - Formen und Verzierung der Trichterbecher-Kultur (Dr. Rainer Kossian, Göttingen)

- Fr, 12. September 2003, 17.00 Uhr - ca. 19.00 Uhr

Überblick über die Keramik der späten Steinzeitbauern im nördlichen Niedersachsen - Formen und Verzierung der Einzelgrab-Kultur und des Spätneolithikums (Katrin Mertens M.A., Kiel)

- Fr. 12. Dezember 2003, 17.00 Uhr - ca. 19.00 Uhr

Ein Keilmesser aus dem Hastra-See, Langenhagen, Region Hannover. Methoden der Untersuchung mittelpaläolithischer Artefakte (Dr. Stephan Veil, Hannover; Klaus Breest, Uerlin; Prof. Dr. Berens von Rautenfeld, Langenhagen)

Die Jahrestagung 2003 ist für Samstag, den 1. November 2003 geplant. Das Programm umfaßt wissenschaftliche Vorträge, Fundmitteilungen und eine „Steinzeitbörse": Gelegenheit, seine Funde vorzulegen und begutachten zu lassen.

Aktuelle Informationen und Termine des Arbeitskreises ...STEINZElT bieten allgemein zugänglich die Homepage www.urgeschichte.de und der Veranstaltungskalender des Nds. Landesmuseums. Mitglieder des Landesvereins werden regelmäßig über die Programme informiert. Zusammenfassungen der Arbeitstreffen und eine Auswahl der Tagungsvorträge werden in der Zeitschrift DIE KUNDE des Nds. Landesvereins veröffentlicht.

Gäste sind stets herzlich willkommen!

2002

 

Tag des offenen Denkmals

8. September 2002

Der europaweit begangene “Tag des offenen Denkmals” findet am 8. September 2002. Er steht unter dem Motto “Ein Denkmal steht nicht allein: Straßen, Plätze und Ensembles”. Die zentrale landesweite Eröffnung wird dieses Jahr im Rathaus zu Duderstadt erfolgen. Die Archäologen des Landes werden wiederum verschiedene Grabungen sowie ihre Büroräume und Werkstätten für die Besucher öffnen oder zu Geländedenkmalen führen. Auf Grund der speziellen Situation in der Archäologischen Denkmalpflege können Termine erst kurzfristig bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Ankündigungen der örtlichen Presse, in Hörfunk, Fernsehen oder den Homepages der Landkreise, Städte und Gemeinden.

Nähere Informationen finden Sie spätestens ab August online auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter www.denkmalschutz.de oder der Homepage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Menschen · Zeiten · Räume

Archäologie in Deutschland

Eine Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – und des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e,V.

6. Dezember 2002 – 31. März 2003: Berlin, Martin Gropius-Bau

9. Mai 2003 bis 24. August 2003: Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Ausstellungsbüro: Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – Schloss Charlottenburg, Langhansbau, 14059 Berlin (Hauptstadt der BRD) ; Tel.: 030 / 32674818; mvf@smb.spk-berlin.de

Die Ausstellung “Menschen · Zeiten · Räume. Archäologie in Deutschland” gibt einen Rückblick zu 25 Jahren Landesarchäologie aus allen Teilen Deutschlands. Ziel der Ausstellung ist es, exemplarisch aus allen Bereichen der Bodendenkmalpflege die wichtigsten Ausgrabungen und Vorhaben darzustellen, von der Paläontologie (die in einigen Denkmalschutzgesetzen der Länder eingeflossen ist), vom Auftreten der ersten Menschen in Mitteleuropa bis zur jüngsten Vergangenheit. Aus Niedersachsen werden u. a. Fundplätze wie Schöningen (Fundstelle der ältesten Speere der Welt), Kalkriese (Varus-Schlacht), Wremen (Holzthron der Völkerwanderungszeit), Issendorf (völkerwanderungszeitliches Gräberfeld), Rullstorf (Siedlungsarchäologie, Gräberfelder der Sachsen) oder der Harz (Montanarchäologie) vertreten sein. Zur Ausstellung erscheinen in einem gemeinsamen Schuber zwei Buchbände über “Deutschlands Vor- und Frühgeschichte” mit über 1000 Seiten und 1300 meist farbigen Abbildungen zum Einführungspreis von 69,- € im Konrad Theiss-Verlag, Stuttgart. Der eine Band (”Spurensuche der Jahrtausende”), herausgegeben von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, enthält Forschungsübersichten aus der Feder renommierter Forscher zu allen Zeitepochen der Ur- und Frühgeschichte bis zum Mittelalter. Der eigentliche Ausstellungsband mit den Arbeitsergebnissen der Archäologischen Denkmalpflege wird vom Verband der Landesarchäologen gemeinsam mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz betreut.

Neues aus Niedersachsens Urgeschichte

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001. VIII, 337 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen, farbiges Titelblatt, ISBN 3-8062-1703-3 / ISSN 0342-1406. Kartoniert 42,- € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

In der alljährlich von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e. V. und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Referat Archäologie, gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift finden sich aus allen Bereichen der staatlichen und kommunalen Archäologie sowie der Forschungseinrichtungen zahlreiche aktuelle Aufsätze und Fundberichte. Die Beiträge umfassen ein zeitliches Spektrum vom Paläolithikum bis zum Mittelalter.

Dauerausstellung

Lüneburger Stadtarchäologie

Seit Oktober 2001: Die Lüneburger Töpferei ”Auf der Altstadt 29” - Die Kloake – eine Goldgrube. Museum für das Fürstentum Lüneburg ; Wandrahmstraße 10, 21335 Lüneburg; Tel. 04131 / 43891

Di. – Fr. 10 – 16 Uhr, Sa. – So. 11 – 17 Uhr

Seit ihrer Einrichtung 1991 führte die Lüneburger Stadtarchäologie zahlreiche größere und kleinere Ausgrabungen im Stadtgebiet durch. Zwei Themenbereiche (15.-18. Jh.) aus diesen Aktivitäten bilden die Schwerpunkte der neu eingerichteten Dauerausstellung: Töpfereireste und Keramik aus dem Haus “Auf der Altstadt 29”, Kloaken als universelle Entsorgungseinrichtung zur Müllverwertung mit reichem Fundspektrum (“Goldgruben”).

Die neue Fundchronik

Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Beiheft 6: Fundchronik Niedersachsen 2000. Kommissionsverlag Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2000. 426 Seiten mit 270 Abbildungen, farbiges Titelblatt. ISBN 3-8062-1704-1 / ISSN 1437-2177. Kartoniert 42,- € (daneben ermäßigter Abonnementspreis).

Die vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Referat Archäologie, redigierte Fundchronik Niedersachsen 2000 enthält in zahlreichen Artikeln und Kurzbeiträgen die Berichte haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter der staatlichen und kommunalen Archäologischen Denkmalpflege, der Museen und Forschungseinrichtungen des Landes. Die Fundchronik erweist sich immer mehr als reiche Quellensammlung für die archäologische Landesforschung. Sie informiert zeitnah über aktuelle Funde, Grabungs- und Forschungsergebnisse.

Der Tempel im Moor

Sonderausstellung 10. Mai – 29. September 2002

Niedersächsisches Landesmuseum Hannover; Forum des Landesmuseum, Am Markte 8, 30519 Hannover, Tel.: 0511 / 9807-683; Di. – So. 10 – 17 Uhr, Do. 10 – 19 Uhr, Mo. geschlossen.

Zu sehen sind rund 400 z.T. sensationelle Funde aus nordwesteuropäischen Mooren (“Roter Franz”, älteste Moorwege, bronzezeitliche Luren, germanische Prachtmäntel ...). Durch ihre ungewöhnliche, erlebnisorientierte Gestaltung macht die Ausstellung rund 12.000 Jahre Kulturgeschichte in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden erlebbar, von der Steinzeit bis ins späte Mittelalter. Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.tempel-im-moor.de. Die Ausstellung ist enger Kooperation mit internationalen Partnern in den Niederlanden und Kanada entstanden. Für Erwachsens erscheint ein Begleitbuch, für Kinder ein besonderer Katalog.. Anläßlich der Ausstellung veranstalten das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege vom 17. bis 21.9. 2002 gemeinsam mit dem Landesmuseum Hannover, der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) und der International Peat Society (IPS) ein Tagung zum Thema Moore. Im Rahmen der Veranstaltung, die unter dem Titel Peatlands –archaeological sites – archives of nature – nature conservation – wise use stattfindet, werden neue Forschungsergebnisse aus den Bereichen Moorarchäologie, Siedlungsgeschichte und Landschaftswandel, Naturschutz und nachhaltige Nutzung von Mooren unter internationaler Beteiligung vorgestellt und erörtert (Kontakt: peatland.conference@nld.niedersachsen.de oder Tel. 0511 / 925-5350).

Bodeneinblicke

Sonderausstellung: 11 Jahre Stadtarchäologie in Lüneburg 5. August – 1. September 2002

Museum für das Fürstentum Lüneburg , Wandrahmstraße 10, 21335 Lüneburg, Tel. 04131/43891; Di. – Fr. 10 – 16 Uhr, Sa. – So. 11 – 17 Uhr

Tonscherben, Backsteine, Gläser, Textilien, Leder, Holz, Metall... Die Liste der Funde und Befunde ist lang, die die Stadtarchäologie in den vergangenen elf Jahren im Untergrund der Stadt Lüneburg freilegt hat. Im Mittelpunkt stehen die Ausgrabungen an der untergegangenen St. Lambertikirche, Funde aus Kloaken und Töpferein, insbesondere Importegläser, Luxuskeramik, Holzgefäße und weitere Alltagsgegenstände, die nicht alltäglich sind.

Endlich: Neuer Landesarchäologe!

Nach 4 Jahren und 10 Monaten hat Niedersachsen wieder einen Landesarchäologen und das Referat Archäologie im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege eine neue Leitung. In den vergangenen vier Jahren hat die Archäologische Denkmalpflege allerhand Veränderungen erfahren, die einer neuen fachlichen Konzeption bedürfen (AiN berichtete). Als neuer Landesarchäologe will sich Dr. Henning Haßmann sich den Aufgaben einer auf die Zukunft ausgerichteten Archäologischen Denkmalpflege unter den spezifischen Anforderungen des Landes stellen. Nach Abitur und Dienst bei der Bundesmarine nahm er, aus Osnabrück stammend, das Studium der Ur- und Frühgeschichte auf und schloß es 1994 mit der Promotion über “Die Steinartefakte der befestigten neolithischen Siedlung von Büdelsdorf” an der Universität Kiel ab. 1994 bis 2001 arbeitete beim Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden, bis 1997 als Gebietreferent, ab Ende 1997 als Abteilungsleiter III – Zentrale Fachdienste – (Denkmalinventarisation/GIS, Redaktion von Publikationen, Bild- und Fotodienste, Bibliothek, Archäologische Restaurierung). Dem neuen Amtsinhaber und Stellvertreter der Präsidentin im Landesamt wünscht die Archäologische Kommission für Niedersachsen gutes Gelingen und viel Erfolg bei der Erfüllung seiner Aufgaben für die Archäologie Niedersachsens!

Humpen, Pinten, Schnellen

Bierkrüge aus sieben Jahrhunderten. Wanderausstellung der Stadtarchäologie Lüneburg 28. April – 2. Juni 2002

Museum für das Fürstentum Lüneburg , Wandrahmstraße 10, 21335 Lüneburg, Tel. 04131 / 43891; Di. – Fr. 10 – 16 Uhr, Sa. – So. 11 – 17 Uhr

Anschließend: 15. 6. – 15. 8. 2002 Rundlingsmuseum Wendlandhof Lübeln; 7. 9. – 17. 11. 2002 Historisches Museum Schloss Gifhorn; Frühjahr 2003 Museum Soltau.

Bier wird seit langer Zeit in aller Welt getrunken und stellt ein wichtiges Nahrungsmittel dar. Bis heute hat sich die Tradition gehalten, Bier aus Keramikseideln zu trinken. Woher hat nun dieser Bierseidel seine Form? Aus welchen Gefäßen trank man(n) in den vergangenen Jahrhunderten sein Bier? Antwort auf diese und andere Fragen wird die Ausstellung rund ums Biertrinken vom 15. bis zum 21. Jahrhundert geben, die u. a. reichlich mit Funde aus Grabungen in Gifhorn und Lüneburg bestückt ist. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft (ca. 3,00 €).

Jäger und Sammler zwischen Wümme und Oste

Klaus Gerken: Studien zur jung- und spätpaläolithischen sowie mesolithischen Besiedlung im Gebiet zwischen Wümme und Oste. Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) 9. Kommissionsverlag Isensee Verlag, Oldenburg 2001. 360 Seiten mit 139 Tafeln, 40 Abbildungen sowie einer Karte. ISSN 0946-8471. Kartoniert 21,- €.

Im ersten Teil der Arbeit werden Grund- und Werkzeugformen definiert und sowie Hinweise zur chronologischen, räumlichen und kulturellen Verbreitung der Artefakttypen gegeben. Im zweiten Teil werden die einzelnen Inventare vorgestellt und deren Geschlossenheit und zeitliche Stellung diskutiert. Ebenso werden technologische Aspekte angesprochen. Im dritten Abschnitt werden die verschiedenen Kultur- respektive Zeitphasen behandelt, wobei die erzielten Ergebnisse eingegliedert werden. Insbesondere für den mesolithischen Zeitabschnitt konnte für die Region eine typenchronologische Abfolge erarbeitet werden, die dann einem überregionalen Vergleich unterzogen wurde. Insgesamt werden 94 Fundstellen behandelt, darunter vier seit 1991 ausgegrabene Stationen.

Mittelalterliche Lebenswelten in Osnabrück

Sonderausstellung: 1000 Jahre Mark-, Münz- und Zollrecht der Stadt Osnabrück

28. Juli bis 31. Oktober 2002, Eine Ausstellung von Stadt- und Kreisarchäologie, Ev.-luth. Mariengemeinde, Diözesanmuseum und Bistumsarchiv. Nähere Informationen (Programme, Begleitveranstaltungen, Öffnungszeiten) demnächst unter: www.osnabrueck.de.

Die Stadt Osnabrück nimmt ein im Jahre 1002 von Heinrich II. verliehenes Markt-, Münz- und Zollprivileg zum Anlaß für eine Jubiläumsausstellung. Marienkirche, Rathaus, Diözesanmuseum und Marktplatz bieten eine hervorragende Ausgangsbasis, um Ausstellung und Rahmenprogramm erlebnisbetont mit vielen Aktivitäten und Inszenierungen vor der historischen Kulisse von Markt und Domsfreiheit zu präsentieren. In der Marienkirche sind ausgewählten Originalfunden aus den archäologischen Stadtkerngrabungen zu sehen. Schatzkammer und Foyer des Rathauses geben Einblick in die 1000jährige Osnabrücker Münzgeschichte. Im Domschatz des Diözesanmuseums stehen Objekte von europäischer Ausstrahlung zur Verfügung, wie das Kapitelkreuz oder das Schachspiel aus Bergkristall.

Stadtarchäologie Lüneburg –

jetzt im Internet: www.stadtarchaeologie-lueneburg.de; Email: kontakt@stadtarchaeologie-lueneburg.de. 1991 wurde in Lüneburg die Stadtarchäologie eingerichtet. Seitdem hat die Stadtarchäologie Lüneburg zahlreiche neue Erkenntnisse zur Vergangenheit der alten Salzstadt buchstäblich zu Tage gefördert. Seit Ende des Sommers 2001 verfügt sie über eine eigene Domain. Viel Wissenswertes ist dort zur Stadtarchäologie Lüneburg zu finden (Infos über den Förderverein Lüneburger Stadtarchäologie e.V., zu Grabungen, Ausstellungen und Publikationen, eine Fotogalerie und Online-Ausstellung).

Neues von der Küste

Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, Band 27. Verlag Isensee , Oldenburg 2002. Ca. 45.- €.

Soeben erscheint der neue Band der “Probleme” aus dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven mit acht Beiträgen. Neben archäologischen werden auch geologische und anthropologische Themen aus dem niedersächsischen Küstenraum behandelt: u. a. Entstehung der Insel Neuwerk – Frage des Mittleren Tidehochwasser-Stands im Mittelalter, Organisation der Metallverarbeitung auf der Feddersen Wierde (Römische Kaiserzeit), Auswertung der Ausgrabung des völkerwanderungszeitlichen Gräberfelds von Sievern in Zusammenarbeit mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, Frage nach der völkerwanderungszeitlichen Siedlungslücke, anthropologische Bearbeitung der Gräber vom Kloster Barthe im Landkreis Leer (Aussehen einer mittelalterlichen Population und deren Lebensumstände).

Ein Platz im Wandel

Neue Dauerausstellung und Broschüre: Burg, Stift und Kloster

Museum für Kloster- und Heimatgeschichte, Am Amtshof 3, 21698 Harsefeld, Tel.: 04164 / 6910; Täglich außer Mo. April – September 15 – 18 Uhr, Oktober – März 15 – 17 Uhr, sonn- und feiertags auch 10.30 – 12 Uhr.

Das größte Ausstellungsstück zur Geschichte eines Platzes ist das Freigelände mit im Grundriß rekonstruierten Bauten einer Klosterklausur und deren Vorgängerbau. Im Museum können die Besucher ihre Eindrücke vertiefen. In der neu konzipierten Dauerausstellung wird ihnen 1200 Jahre Geschichte des direkten Umfelds präsentiert. Unter dem Aspekt der Veränderung werden einzelne Themen wie zum Beispiel die Funktion des Abtes, die Baugeschichte der Klausur, das Bestattungswesen dargestellt, insbesondere die Familiengrabstätte der Harsefelder-Stader Grafen. Eine Begleitbroschüre zur Ausstellung und zum Freigelände, herausgegeben vom Verein für Kloster- und Heimatgeschichte Harsefeld e.V. umfaßt 22 Seiten mit 40 Abbildungen und kostet 3,- €.

Glaskultur in Niedersachsen

Ausstellung des Museums für das Fürstentum Lüneburg: Tafelgeschirr und Haushaltsglas vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit

Rathaus, Lüneburg, 6. April 2003 – 27. Juli 2003, Tel. 04131 / 309-499; anschließend: u.a. Wolfenbüttel, Göttingen, Celle, Hannover.

Die Stadtarchäologie Lüneburg bereitet in Kooperation mit dem Verein Lüneburger Stadtarchäologie e.V. und der Lüneburger Landschaft eine Wanderausstellung zum Thema Glas vor (Glashistorie, Sozial- u. Wirtschaftgeschichte, Glasproduktion). Herzstücke der Ausstellung sind die herausragenden Glasfunde des 14. bis 18. Jhs. aus Lüneburg, darunter qualitativ hochwertige Importstücke, z. B. niederländischer Glashütten (à la façon de Venise / Venedig), ferner zahlreiche Vergleichsstücke namhafter Provenienz. Anlässlich der Ausstellung wird ein informativer Katalog erscheinen.

LANCEWAD Project Report

Vollmer, M., Guldberg, M., Maluck, M., Marrewijk, D., Schlicksbier, G. (Ed.) Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region – Project Report. Wadden Sea Ecosystem No. 12. Common Wadden Sea Secretariat (Wilhelmshaven 2001). ISSN 0946-896X. Broschiert, 15,— _. Bezugsquellen: Bezirksregierung Lüneburg (Dezernat 406, LANCEWAD-Projekt, Auf der Hude 2, 21339 Lüneburg) oder das Common Wadden Sea Secretariat (Virchowstr. 1, 26382 Wilhelmshaven).

Im Oktober 2001 konnte der 9. Trilateralen Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres in Esbjerg der Abschlußbericht zum Kulturlandschaftsprojekt “Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region” – kurz LANCEWAD vorgelegt werden. Der inzwischen veröffentlichte, mehr als 330 Seiten starke, in englischer Sprache verfasste Bericht, ist umfangreich bebildert und mit zahlreichen Karten versehen. Der Bericht ist in großen Teilen auch über das Internet abrufbar http://www.lancewad.de.

Archäologische Kommission für Niedersachsen im Netz!

Informationen über die Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V. und ihre Aktivitäten sind ab sofort auch im Internet verfügbar. Die Seite informiert über Geschichte und Aufgaben der Archäologischen Kommission. Ihre Publikationen werden mit detailliertem Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Studierende können hier angebotene Dissertations- und Magisterthemen anschauen und aussuchen. Fachkolleginnen und -kollegen aus Niedersachsen bieten diese an. Die Rubrik Aktuelles soll kurzfristig unterschiedliche Informationen geben, z. B. über die Jahrestagung der Archäologischen Kommission und den laufenden Grabungskalender. Über eine Liste mit Links kann man niedersächsische Archäologen mit ihren Homepages erreichen. Selbstverständlich ist die Kommission über E-mail errreichbar.

Schön, daß Sie schon hierher gefunden haben! Empfehlen Sie uns weiter! www.ak-niedersachsen.de

Das Buch zur Mittelalterarchäologie

Andreas Heege in Zusammenarbeit mit Eva Roth Heege und mit weiteren Beiträgen: Einbeck im Mittelalter – Eine archäologisch-historische Spurensuche. Studien zur Einbecker Geschichte, Bd. 17.

Zehn Jahre archäologische Forschung sind Grund genug Rückschau zu halten und die vielfältigen Ergebnisse, optisch und grafisch aufbereiten. Anlaß bietet die 750-Jahrfeier der Stadt Einbeck. Ein besonderes Gewicht hat die Kombination bisheriger historischer und neuer archäologischer Forschungsergebnisse in Verbindung mit den Naturwissenschaften. Die Stadtentwicklung wird in drei Vogelschaubildern verdeutlicht (um 1200, um 1330 und um 1530). Großflächige Rettungsgrabungen ermöglichen in Kombination mit Bauforschungen an noch stehenden Fachwerkhäusern des 16. Jahrhunderts ein anschauliches Bild der privaten und öffentlichen Gebäude im Mittelalter und ihrer Nutzung. Einbecks Kirchen erfahren erstmals eine zusammenfassende Analyse ihrer Entwicklung. Spuren der Infrastruktur der Stadt (Straßen, Wege, Wasserversorgung, Entsorgung) haben sich bei vielen Grabungen gefunden. In Verbindung mit dem umfangreichen Fundmaterial ermöglichen sie einen guten Einblick in den Alltag der Einbecker Bürger, wie Handel und Handwerk, Konsum-, Ernährungs- und Abfallverhalten. Töpfer, Knochenschnitzer, Bronzegießer, Böttcher, Gerber und Schuster, sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Die Erosion des “Boden- und Hausarchivs” erfolgt schleichend, aber kontinuierlich. Das Buch zeigt beispielhaft, daß Stadtarchäologie die letzte Möglichkeit ist, die unwiederbringlichen Quellen zumindest in Form wissenschaftlicher Dokumentationen und populärer Veröffentlichungen zu bewahren.

Einst jagten Neandertaler in Salzgitter

Andreas Pastoors: Die mittelpaläolithische Freilandstation von Salzgitter-Lebenstedt. Genese der Fundstelle und Systematik der Steinbearbeitung. Salzgitter-Forschungen 3. Herausgegeben vom Archiv der Stadt Salzgitter, 2001. Kartoniert Euro 30,00. Erhältlich beim Archiv der Stadt Salzgitter.

Pünktlich zum 50. Jahrestag der Entdeckung der mittelpaläolithischen Freilandstation von Salzgitter-Lebenstedt im Dezember 1951 erschien in der Reihe “Salzgitter-Forschungen” nicht nur die Gesamtvorlage des lithischen Fundstoffes der Ausgrabungen von 1952 und 1977, sondern auch eine zusammenfassende Darstellung und Interpretation aller wissenschaftlichen Forschungen zu diesem altbekannten Fundplatz. Neben der Artefakt-Typologie wird die neu entwickelte Methode der Arbeitsschrittanalyse angewendet. Sie ermöglicht über die Beschreibung des Typs eine Rekonstruktion des Herstellungsprozesses von Arbeitsgeräten. Die Publikation vereinigt alle neuen und alten Forschungsergebnisse und liefert damit ein umfassendes Gesamtbild der mittelpaläolithischen Freilandstation: nicht nur Jagdaufenthalt, sondern auch Werkstatt sowie Siedlungsplatz von Neandertalern.

“Allerlay Speyß vonn Spiess”

Historisches Kulturfest, Schloßhof Gifhorn, 26. Mai 2002 und jedes Jahr im Mai, 11.00 – 18.00 Uhr, Info und Veranstalter: Kreisarchäologie Gifhorn, Alter Postweg 21, 38518 Gifhorn, Tel. 05371/3014, Fax 05371/935004, e-mail: kreisarchaeologie.gifhorn@web.de

Historisches Kulturfest. Kulinarische Leckereien, Unterhaltung und archäologische Techniken sollen hier eine gelungene Symbiose darstellen. Besonders köstliche Spezialitäten, die Präsentation von archäologischen Techniken als Mitmachaktionen mit Verkauf der hergestellten Produkte sowie Aktionen für Kinder lassen die Veranstaltung zu einem außergewöhnlichen Highlight werden und sich von alt bekannten Mittelalter-Märkten absetzen. Die Veranstaltung findet seit 1998 im Rahmen der Kulturtourismusaktion ‘Schätze des Bodens’ statt und hat seinen festen Termin im Jahreskalender um den 20. Mai jeden Jahres gefunden.

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