Fundchronik Niedersachsen

Vorwort zur ersten Fundchronik 1994 (NNU Bd. 64/2, 1996)

vom damaligen Vorsitzenden der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V., Prof. Dr. Dr. Günter Wegner

Die Bemühungen, auch für Niedersachsen eine landeseinheitliche archäologische Fundchronik zu schaffen, wie sie andere Bundesländer schon lange kennen, reichen viele Jahre zurück. Anfang der 80er Jahre - kurz nach der Gründung des Instituts für Denkmalpflege - scheiterte ein Versuch, weil die Kräfte durch andere Aufgaben der Denkmalpflege gebunden waren.

Wie in keinem anderen Bundesland gibt es in Niedersachsen - außerhalb der staatlichen Denkmalpflege - eine größere Anzahl archäologischer Stellen in Landschaftsverbänden, Landkreisen und kreisfreien Städten. Konsequenterweise werden Tätigkeits- und Fundberichte sowie erste Meldungen über Grabungen häufig in kommunalen und regionalen Zeitschriften und nur ausgewählt in der von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen und dem Institut für Denkmalpflege gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte" veröffentlicht. Dies führte immer wieder dazu, daß manche der Funde und Befunde mehrfach, andere dagegen nie publiziert wurden. Um diesem Mißstand abzuhelfen, formierte sich Anfang der 90er Jahre, diesmal innerhalb der Archäologischen Kommission, erneut der Wille, eine landesweit einheitliche Fundchronik zu erstellen. In einer Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Archäologen innerhalb der Archäologischen Kommission für Niedersachsen wurden erste grundsätzliche Überlegungen angestellt.

Das Projekt aber konnte von der Sache her nicht anderswo angesiedelt sein als in der zentralen Denkmalfachbehörde des Landes, im Institut für Denkmalpflege im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt. Seine Verwirklichung war in dem Augenblick gesichert, als Frau Jutta Möller das Anliegen zur Aufgabe ihres Inventarisations-Bereiches machte. Mit der ihr eigenen Energie ging sie an die Realisierung und ließ sich auch nicht von der Tatsache hindern, daß weder zusätzliche Mittel des Landes Niedersachsen noch Mittel der Bundesanstalt für Arbeit zur Verfügung gestellt werden konnten.

Nun soll die jährlich erscheinende archäologische Fundchronik des Landes Niedersachsen regelmäßig über aktuelle Grabungen und Funde berichten, sei es in der Kurzmeldung über einen Einzelfund, ein neu entdecktes Geländedenkmal oder in einem ausführlicheren Bericht über eine Ausgrabung, damit alle Interessierten sich rasch und über alles informieren können, was Niedersachsens Boden freigegeben hat.

Die Zahl der Eingänge für das Jahr 1994 dokumentiert durch ca. 750 Texte von 63 Autoren die große Resonanz auf das neue Unternehmen. Neben den terminlichen Problemen waren bei dem ersten Band vor allem viele anstehende redaktionelle Fragen zu durchdenken und zu klären. Ich bin überzeugt, daß das Ergebnis vor der Kritik bestehen kann.

Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, allen zu danken, die zum Entstehen der ersten landesweiten archäologischen Fundchronik Niedersachsens beigetragen haben, besonders Frau Jutta Möller, der die Schriftleitung oblag, samt dem Redaktionsteam aus Frau Hildegard Nelson und den Herren Ulrich Dahmlos, O. Mathias Wilbertz, Friedrich-Wilhelm Wulf, die zeitweilig von Lutz Grunwald, Frau Erika Neitzke und Frau Gabriele Kirchhoff tatkräftig unterstützt wurden.

Die Fundchronik soll - gleichsam als Tätigkeitsbericht der gesamten Archäologischen Denkmalpflege im Lande - künftig als Teilband des jeweiligen Jahrganges der „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte" erscheinen. Der erste Teilband wird wie bisher die wissenschaftlichen Abhandlungen und Rezensionen etc. enthalten. Die „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte“ waren seit ihrer Gründung im Jahre 1927 durch Karl Hermann Jacob-Friesen unabhängig von der Herausgeberschaft immer Sprachrohr der staatlichen archäologischen Denkmalpflege. Nach einer Vereinbarung des Jahres 1994 wird die Zeitschrift künftig von der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V. und dem Institut für Denkmalpflege im Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Hannover, gemeinsam durch Hans-Wilhelm Heine herausgegeben. Herr Heine hat seit mehr als 15 Jahren die redaktionellen Arbeiten für die „Nachrichten“ koordiniert bzw. einen Großteil selbst durchgeführt. Dafür gebührt ihm unser herzlicher Dank.

Mit dem Erscheinen der Fundchronik verbinde ich die Hoffnung, daß sie nicht nur die Kommunikation und Information innerhalb des Faches erleichtert, sondern auch mithilft, in der Öffentlichkeit die Notwendigkeit archäologischer Denkmalpflege und Forschung für unsere Gesellschaft zu verdeutlichen. Wann wäre dies notwendiger gewesen als heute?

 Hannover, 15. Februar 1996                       Günter Wegner, Vorsitzender der Archäologischen Kommission für Niedersachsen 

 
Mittlerweile ist die Niedersächsische Fundchronik ein fest etabliertes Organ der Archäologie. An der jährlichen Zusammenstellung der Neufunde sind (fast) alle Kollegen im Bundesland beteiligt, um sowohl Fachkollegen als auch die interessierte Öffentlichkeit rasch zu informieren. Ebenso wichtig ist, daß sich Studierende, Abschlußkandidaten oder sonstwie an übergeordneten Themen Arbeitende über diese Kurzberichte Neufunde aus ihrem Gebiet erschließen und Kontakt zu den Ausgräbern aufnehmen können.

                                   

                             

 

   

Fundmeldungen an das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege

     

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