Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen

(BAN)

Vorwort zu Band 10, 2005

Die Bereitstellung ausreichender Publikationsmöglichkeiten ist eine der in der Satzung der Archäologischen Kommission für Niedersachsen festgelegten Aufgaben. Seit ihrer Gründung im Jahre 1970 hat die Kommission sowohl zuvor bestehende Reihen fortgeführt als auch neue initiiert. Die dabei in Kooperation mit den verschiedenen Institutionen mittlerweile erreichte Vielfalt an archäologischen Fachorganen in Niedersachsen mag Außenstehende überraschen. Sie mag angesichts einer vorgeblichen Unüberschaubarkeit vielleicht sogar zu Kritik animieren. Es besteht jedoch eine klar definierte Aufgabenverteilung, die den einzelnen Organen ihre Rollen zuweist. Dies reicht von der eher populär gedachten Ausrichtung der Archäologie in Niedersachsen und der Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens über den zentralen Berichtscharakter der Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte sowie der Niedersächsischen Fundchronik bis hin zur umfänglichen Edition der Quellen in Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens. Ergebnisse der universitären Forschung, besonders akademische Abschlußarbeiten, erscheinen in unregelmäßiger Folge in der Regel in Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen.

Die Vielfalt der Publikationslandschaft ist unter dem Dach der Archäologischen Kommission also als inhaltlich gesteuert anzusehen. Sie ist aber auch – und es werden außerhalb der Kommission ja noch weitere Schriftenreihen unterhalten – das Ergebnis der zersplitterten Organisationsstruktur der archäologischen Denkmalpflege, Forschung und Präsentation. Diese Struktur ist nun selbstredend nicht das unabwendbare Resultat eigendynamischer Prozesse, sie ist vielmehr die Folgeerscheinung nach politischen und verwaltungstechnischen Entscheidungen, die in den vergangenen Jahrzehnten seitens des Landes Niedersachsen gefällt worden sind. Beispielhaft sei die Installation von Fachpersonal bei den vier Bezirksregierungen genannt, die im Zuge der Auflösung des Landesverwaltungsamtes im Jahre 1997 vollzogen wurde. Die damit verbundene Übernahme der Funktionen der Oberen Denkmalbehörde und die ohnehin erweiterte Aufgabenstellung konfrontierten die Kollegen mit einem stark modifizierten Anforderungsprofil. Sie sahen sich bald in der Pflicht zur engen Kooperation und riefen die „Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Bezirksarchäologen“ ins Leben. Sie begründeten dann im Jahre 2000 die Schriftenreihe Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen, weil, wie es im Vorwort zum Band 1 sinngemäß heißt, befristete Projekte mit wechselnden Mitarbeitern und lange Wartezeiten bei Drucklegungen oft zu Problemen bei der heute nötigen raschen Vorlage von Grabungsergebnissen führen, und weil es möglich werden sollte, durch moderne Druckverfahren die Herstellungskosten solcher wissenschaftlichen Bände zu senken.

Kaum hat sich diese Reihe, von der jetzt neun meist monographische Bände erschienen sind, etabliert, sehen sich ihre Herausgeber den Folgen einer neuen Verwaltungsreform gegenüber: Mit Beginn des Jahres 2005 soll es keine Bezirksarchäologen mehr geben und ihre Arbeitsgemeinschaft wird obsolet, weil die Bezirksregierungen als Mittelinstanz aufgelöst werden! Vor diesem Hintergrund ist den bisherigen Herausgebern außerordentlich daran gelegen, ihre Reihe, die vornehmlich regionale und kommunale archäologische Themen gebracht und bearbeitet hat, zu erhalten und weiterleben zu lassen. Es war folgerichtig und dann auch nicht schwierig, eine Lösung mit der Archäologischen Kommission zu erarbeiten, um die Reihe künftig in deren Hände zu legen. Dabei soll ein vierköpfiges Gremium, das zunächst noch aus den bisherigen Herausgebern besteht, dem Hauptausschuß der Archäologischen Kommission Manuskripte zum Druck vorschlagen und die finanzielle, technische und redaktionelle Durchführung der Projekte sicherstellen. Die Hauptaufgabe der Beiträge zur Archäologie in Niedersachsen soll die Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse sein, die aus der praktischen archäologischen Arbeit des Landes und der Kommunen hervorgegangen sind. Die Schriftenreihe tritt damit auch zukünftig nicht in Konkurrenz zu den anderen Organen der Archäologischen Kommission.

Um die kommenden Bände weiter kostengünstig herstellen zu können, wird vermehrtes Engagement von den AutorenInnen und den jeweils zuständigen RedakteurenInnen zu erwarten sein und die Regel bleiben. Ziel bleibt auch dabei, der archäologischen Sache zu dienen und sie voranzutreiben. Denn gerade in Niedersachsen entgleitet sie der staatlichen Hand anscheinend immer weiter. Die Archäologische Kommission für Niedersachsen kann sich deshalb über jedes weitere Instrument zur Erledigung ihrer Arbeit nur glücklich schätzen!

Aurich, im November 2004

Dr. Rolf Bärenfänger, Vorsitzender der Archäologischen Kommission für Niedersachsen e.V.

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